{"id":5082,"date":"2013-09-30T17:17:27","date_gmt":"2013-09-30T15:17:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5082"},"modified":"2013-12-28T16:20:06","modified_gmt":"2013-12-28T15:20:06","slug":"motorama-koln-25-09-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/motorama-koln-25-09-2013\/","title":{"rendered":"Motorama &#8211; K\u00f6ln, 25.09.2013"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Blue Shell, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> The Elwins<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"img-border size full wp-image-2414 aligncenter\" alt=\"Motorama\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/IMG_8137.jpg\" width=\"900\" height=\"506\" \/><\/p>\n<p>Ich kenne mich in der russischen Musikszene null aus. Sowohl fr\u00fcher als auch heute sind mir all die Bands und Musiker v\u00f6llig unbekannt und fremd. Pussy Riot ist mir nat\u00fcrlich ein Begriff, aus den Nahrichten, einen Song kenne ich jedoch nicht. H\u00e4tte man mich als Kind gefragt, welche sowjetischen Musiker es denn so g\u00e4be, h\u00e4tte ich mit Dschinghis Khan und Ivan Rebroff geantwortet. Das beide auf Deutsch sangen, f\u00fcr einen achtj\u00e4hrigen ist das eher Nebensache. Tatarentanz, Rauschebart und Fellm\u00fctze waren mir damals Indizien genug, diese beiden Bands\/Musiker mit der Sowjetunion zu verbinden. So, Schublade wieder zu.<br \/>\nSeit einem guten Jahr antworte ich auf die Frage nach einer russischen Band stilsicher mit Motorama. Als diese junge Band aus Rostow am Don vor ein, zwei Jahren pl\u00f6tzlich in meinem Bewusstsein auftauchte, war ich sofort Fan. \u201eAlps\u201c, das Album, was sie auch heute noch zum freien Download auf ihrer Webseite anbieten, faszinierte mich mit seinen Cure-esken Melodien direkt. Es brauchte nicht lange, um angefixt zu werden. \u201eNorthern Seaside\u201c, \u201eWarm Eyelids\u201c, \u201eThere\u2019s no hunters here\u201c, wow, was f\u00fcr Songs! Schnell besuchte ich ihr Konzert in Oberhausen und war begeistert. Das war im letzten Winter und es war grandios. Als dann K\u00f6ln im aktuellen Tourplan auftauchte, war es ein Pflichttermin, dort aufzulaufen.<br \/>\nIch sa\u00df im Zug, als mich eine Musikempfehlung per Mail erreichte. Verbunden mit der Aussage, \u201eich k\u00f6nne mir das aber auch erst nach dem Konzert anh\u00f6ren, um mir die Einstimmung auf den musikalischen Abend nicht zu verderben\u201c. Das brachte mich dazu dar\u00fcber nachzudenken, wie ich mich eigentlich auf Konzerte einstimme. H\u00f6re ich Musik der Band, die ich gleich sehen werde? H\u00f6re ich andere Musik? Nun, meistens h\u00f6re ich gar keine Musik, nur wenn der Zug sehr laut ist, krame ich den IPod hervor und h\u00f6re das, wonach mir ist. Das kann Musik der Band sein, die gleich spielt, oder etwas ganz anderes. Ich kenne Konzertg\u00e4nger, die h\u00f6ren vor einem Konzert tagelang keine Songs der Konzertband, andere wiederum h\u00f6ren gerade Songs der Konzertband. Bei mir ist das nach Lust und Laune sehr unterschiedlich. Aber sehr oft schaue ich mir nachmittags zur Einstimmung Livevideos an. Ein bisschen muss ich meine Neugierde ja befriedigen. An diesem Tag ging es jedoch ohne Video gucken und Songs h\u00f6ren. Das letzte Motorama Konzert war mir noch sehr pr\u00e4sent. \u00dcberdies h\u00f6re ich Motorama sehr regelm\u00e4\u00dfig, sie sind eine von wenigen Abends, die einen Dauerplatz auf meinem IPod haben. Und das ist ein eindeutig gutes Qualit\u00e4tsmerkmal.<!--more--><br \/>\nMit \u201eTo the south\u201c begann an diesem Abend die hei\u00dfe Phase des Konzertes. Die Musik wurde lauter und wilder. Es kam mir so vor, als seien alle Songs davor nur ein gro\u00dfer Warm-up gewesen. Aus dem nichts heraus schrie Vladimir Parshin bei \u201eAlps\u201c seine Extrovertiertheit heraus. Die kleinen K\u00f6perzuckungen, die er bis dahin zeigte, reichten scheinbar nicht mehr. Dieser Mann braucht Platz auf der B\u00fchne, und wenn er den nicht findet, rennt er eben ins Publikum. So wie bei \u201eEmpty beds\u201c (?), als er einfach seine Gitarre ablegte, und durch das Blue Shell tanzte. Das wirkte ungest\u00fcm und egozentrisch, ist es aber nicht. Es ist ein sehr nettes und r\u00fccksichtsvolles \u201eaus sich herausgehen\u201c, wie ich finde. Als er auf dem Weg zur\u00fcck zur B\u00fchne einen jungen Mann noch voller Adrenalin leicht anrempelte, entschuldigt er sich gleich darauf bei ihm. So macht man das.<br \/>\nZusammen mit \u201eEyelids\u201c, das viel zu fr\u00fch als Zugabe kam, waren das die besten Songs des Abends. Und wenn sich andere Menschen in Menschen verlieben, habe ich mich an diesem Abend erneut in ihre gro\u00dfartigen Bassl\u00e4ufe verliebt. Ach je, ich mag so was ja sehr, dieses 80er Jahre Get\u00fcmmel, diesen The Cure, Gang of Four, New Order Bass. Motorama haben ihn perfekt.<br \/>\nAber es w\u00e4re fahrl\u00e4ssig, die Russen nur darauf zu reduzieren. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen sie viel mehr, nat\u00fcrlich haben sie viel mehr. Sie sind nicht blo\u00df 80s Blender, sie haben genug eigenes Zeugs in ihrer Musik. Das neue Album \u201eCalender\u201c zeigt dies eindeutig. Keine Spur vom dumpfen nachklackern alter Helden, zeitgem\u00e4ss und extrem tanzbar stellt sich ihr melodi\u00f6ser Darkpop dar. Das klingt auf Platte schon gut, live ist es nochmal eine Klasse spannender. Was nat\u00fcrlich auch mit den tollen Livequalit\u00e4ten zu tun hat. Motorama sind eine Show. Schon in Oberhausen ist mir aufgefallen, wie sehr unpr\u00e4tenti\u00f6s und \u201enormal\u201c die Band auftrat. Nichts scheint vorher besprochen, alles passiert einfach so. Unbeholfen und leicht sch\u00fcchtern wirken sie immer noch, von Gro\u00dfmannssucht keine Spur. Beim Gitarristen fiel mir das besonders auf. Im Song ist er ein Derwisch, der wild mit seiner Gitarre herumtanzt, das der Gitarrenkopf nur knapp die K\u00f6pfe des S\u00e4ngers und Keyboarders verfehlt. Ich glaube, er hat es nicht einmal mitbekommen, dass er ein ums andere Mal das Konzert beinahe vorzeitig beendet h\u00e4tte. Die anderen beiden Musiker aber auch nicht. In den Songpausen dagegen schaut er immer in Richtung des Keyboarders oder des Schlagzeugers, und wartet. Wenn man ihn ansprechen w\u00fcrde, w\u00fcrde er zusammenzucken. Das liest sich sicherlich platt, diese Beobachtungen zeigen mir aber, wie sympathisch ich diese Band finde.<br \/>\nDer Gesang von Vladimir Parshin ist an diesem Abend sehr nuschelig. Kaum bekommt er die Z\u00e4hne auseinander, oftmals \u00f6ffnet er nur die rechte Backenh\u00e4lfte, um die T\u00f6ne aus seinem Mund entkommen zu lassen. Ich verstehe kaum, was er sagt. Die Gesamtatmosph\u00e4re st\u00f6rt dies aber wenig, und es passte sogar sehr gut in die immer noch morbiden und dunkeln Motorama Songs.<br \/>\nIch bin sehr gespannt, wie es mit der Band weitergeht. Schaue ich mir ihre Webseite an, wirkt Motorama auf mich nicht wie eine Band, sondern vielmehr wie ein kluges Kunstwerk. Die analogen, grobk\u00f6rnigen Fotos, die kargen Videos, die osteurop\u00e4ischen Motive. Ich frage mich dann, ob es so ist, weil es eben so ist oder ob es die bewusste Imagepflege der Band sein soll. Vielleicht sollten wir dahingehend Motorama nicht untersch\u00e4tzen, sicher ist: grobk\u00f6rnig gelbstichige Fotos und Ostblockbautenromantik passen sehr gut zu Motoramas Musik.<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br \/>\n<a title=\"Motorama \u2013 Oberhausen, 04.03.2013\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=4720\" target=\"_blank\">Motorama &#8211; Oberhausen, 04.03.2013<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ort: Blue Shell, K\u00f6ln Vorband: The Elwins Ich kenne mich in der russischen Musikszene null aus. Sowohl fr\u00fcher als auch heute sind mir all die Bands und Musiker v\u00f6llig unbekannt und fremd. Pussy Riot ist mir nat\u00fcrlich ein Begriff, aus den Nahrichten, einen Song kenne ich jedoch nicht. 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