{"id":4954,"date":"2013-06-20T21:04:44","date_gmt":"2013-06-20T19:04:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=4954"},"modified":"2024-10-24T19:00:52","modified_gmt":"2024-10-24T17:00:52","slug":"bodyhead-koln-18-06-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/bodyhead-koln-18-06-2013\/","title":{"rendered":"Body\/Head &#8211; K\u00f6ln, 18.06.2013"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Dachterasse Museum Ludwig, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> Mike Donovan<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"506\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/4.jpg\" alt=\"Body\/Head - K\u00f6ln, 18.06.2013\" class=\"wp-image-4955\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/4.jpg 900w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/4-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Dienstag 22.25 Uhr.<br>&#8218;Ob ich auch ein Foto von Kim und mir machen lassen soll?&#8216; <br>&#8218;Mach doch, ich fotografier euch.&#8216; <br>&#8218;Nee, ich trau mich nicht. Und manche W\u00fcnsche sollte man sich nicht erf\u00fcllen.&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p>Zuvor.<br>Die Vorzeichen zu diesem Konzert waren merkw\u00fcrdige. &#8218;Du gehst morgen zu <strong>Body\/Head<\/strong>? Das h\u00e4tte ich dir nicht zugetraut!&#8216; machte mir ein Freund per Mail klar, dass ich ihn damit sehr \u00fcberrasche, und Guido postete zu meiner Konzertank\u00fcndigung im sozialen Netzwerk &#8218;War letztes Jahr im Museum schon nicht wirklich prickelnd.&#8216;<br>Fein, ich fand es trotzdem immer noch eine sehr gute Idee, mir das aktuelle Bandprojekt von <strong>Kim Gordon<\/strong> auf der Dachterrasse des Museum Ludwigs anzuschauen. Auch oder gerade wegen <strong>Kim Gordon<\/strong>, meiner allerliebsten Lieblingss\u00e4ngerin, von der ich in letzter Zeit viel ungutes gelesen und geh\u00f6rt hatte. <br>Noise, so beschreibt man wohl am besten und treffsichersten die Musik, die die Band produziert. Neben <strong>Kim Gordon<\/strong> bilden an diesem Abend Gitarrist <strong>Bill Nace<\/strong> und Schlagzeugerin <strong>Ikue Mori Body\/Head<\/strong>. <strong>Kim Gordon<\/strong> spielt Gitarre und singt, bzw. formt T\u00f6ne mit ihren Stimmb\u00e4ndern. <br>Noise, so Wikipedia,<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>bezeichnet ein Musik(sub)genre, das klassische Elemente der Musik wie den reinen Ton oder den Klang weitgehend bis vollst\u00e4ndig durch Ger\u00e4usche ersetzt. Damit einher geht der Verzicht auf Strukturen wie Melodien oder, je nach Interpret, mehr oder weniger auch auf Rhythmus.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>So ist es. Songs im Sinn von Strophe, Refrain, Strophe hatten wir auch nicht erwartet, als wir es uns gegen halb neun auf den zu Sitzhochern umfunktionierten Bierk\u00e4sten gem\u00fctlich machten. Melodien hatte ich ebenso wenig auf meinem Zettel. Ansonsten war es das schon mit meinem Vorwissen und meinen Ahnungen bez\u00fcglich <strong>Body\/Head<\/strong>. Aber es reichte, um mir relativ genaues Bild von dem zu formen, was passieren k\u00f6nnte. Dass <strong>Body\/Head<\/strong> meine Vorahnungen schlussendlich so radikal umgesetzt haben, \u00fcberraschte mich dann doch ein wenig.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine EP haben <strong>Kim Gordon<\/strong> und <strong>Bill Nace<\/strong> ver\u00f6ffentlicht, dass das Konzert also nicht sonderlich lang dauern w\u00fcrde, war mangels Material absehbar. <br>Das <strong>Body\/Head<\/strong> jedoch nur genau einen Song \/ Track spielen sollten, wirkte etwas skurril. Als nach einer halben Stunde (so lange dauerte der Song) Stille \u00fcber dem Dach des Museums einzieht, und der Applaus eher respektvoll zaghaft als euphorisch begeistert aufkommt, schnallt sich <strong>Kim Gordon<\/strong> ihre Gitarre ab, sagt leise &#8218;Thanks&#8216; und entsteigt dem provisorischen B\u00fchnenaufbau in der rechten hinteren Ecke der Dachterrasse. Nicht nur ich scheine dar\u00fcber irritiert. Wie jetzt? Ende? Etwas unsicher dar\u00fcber, was hier jetzt genau passiert, erstarre nicht nur ich kurzzeitig. Der Applaus l\u00e4sst <strong>Body\/Head<\/strong> dann jedoch zur\u00fcckkommen, und sie spielen einen zweiten Song. Der war nicht ganz so \u00fcppig wie der erste, verschafft uns aber das Gef\u00fchl, uns nicht g\u00e4nzlich im Regen stehen gelassen zu lassen.<br>Die Reaktionen nach dem Konzert gehen dann auch eher in Richtung entt\u00e4uscht. &#8218;Kunst halt&#8216; ist so ein Grundtenor, mit dem man sich das Gesehene gut erkl\u00e4ren kann (oder sch\u00f6nreden). So richtig in Worte fassen kann dieses Konzert kaum jemand. Auch ich bin sprachlos, aber \u2013 im Unterschied zu den Umstehenden \u2013 m\u00e4chtig begeistert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kam sie mir nun vor, diese Dreiviertelstunde? Kurzweilig. Vielseitig. Wundersch\u00f6n. Genau so, und nicht anders. Es war zwar &#8217;nur&#8216; ein Song, aber mittendrin hatte ich oft das Gef\u00fchl, mehrere Songs in einem zu h\u00f6ren. Sicherlich waren die Gitarren nicht weit weg von den <strong>Sonic Youth<\/strong>\u2019schen Klangexperimenten, aber es war doch anders. Jemand h\u00f6rte das typische <strong>Velvet Underground<\/strong> Schlagzeug heraus, und war begeistert. Ich h\u00f6rte es nicht. Ich h\u00f6rte nur sehr oft diese ach so typische <strong>Sonic Youth<\/strong> Gitarre. Und so riesig kunstartig kam mir der Auftritt auch nicht vor. Ich fand es nicht sonderlich bemerkenswert, dass <strong>Kim Gordon<\/strong> mit ihrer Gitarre an der efeubewachsenen Mauer entlang schrubbte oder den Gitarrenhals an einem Taubengitter scheuerte. Und wenn <strong>Lee Ranaldo<\/strong> einen alten Geigenstock zur Hand nimmt, um aus seiner Gitarre Wimmerger\u00e4usche und Vibrationsbrummen zu erzeugen, dann verwendet <strong>Kim Gordon<\/strong> eben das Mikrofon, um \u00fcber die Gitarrensaiten zu wedeln und um damit gegen den Gitarrenk\u00f6rper zu schlagen. So machen sie \u2013 also <strong>Kim Gordon<\/strong> und <strong>Lee Ranaldo<\/strong> &#8211; das eben, schon seit Jahren. Bedeutsamer fand ich es da schon viel mehr, dass sie im Zugabensong kurzzeitig Mundharmonika spielte. Eine Mundharmonika ist so ziemlich das letzte Instrument, dass ich spontan mit <strong>Kim Gordon<\/strong> in Verbindung gebracht h\u00e4tte.<br>Speziell und irritierend war der Auftritt trotz allem. Und genau wie bei mir hinterlie\u00df auch bei meinem Konzertfreund der Auftritt mehr Fragezeichen als Antworten. So stammelten wir uns nach Konzertende gegenseitig irgendwas zu Recht. Mit komischen Worten und viel Achselzucken. Scheinbar gab es tats\u00e4chlich keine richtigen Worte, mit denen der Auftritt beschrieben werden konnte. Im Gegensatz zu ihm fand ich das Gesehene aber gro\u00dfartig.<br>Es war erstaunlich, wie die drei in der gesamten halben Stunde nie den Faden verloren haben, (scheinbar) nie von ihrem musikalischen Plan abgewichen sind. Manchmal ist es ja so, dass Bands einen ihrer l\u00e4ngeren Songs live durch Improvisationen aufbl\u00e4hen. <strong>Sonic Youth<\/strong> haben dies fr\u00fcher regelm\u00e4\u00dfig getan. Aus 8 Minuten \u201eDiamond Sea\u201c auf Platte wurden da gerne doppelt so viele Minuten auf einer B\u00fchne. Bei <strong>Body\/Head<\/strong> hatte ich diesen Eindruck nicht. Mir erschien es, dass der Song eine experimentierfreie Zone war, alles lief in vordefinierten Bahnen: strukturierte Ger\u00e4usche.<br>W\u00e4hrend mein Konzertnachbar anschlie\u00dfend feststellte, dass er nach diesem Konzert auf der Seite von <strong>Thurston Moore<\/strong> st\u00fcnde, kann ich das von mir nicht sagen. Nein, ich stehe nach wie vor auf der Seite von <strong>Kim Gordon<\/strong>. Erst recht nach diesem Abend. Ein Konzert mit einem bleibendem Eindruck. Und das ist nicht negativ gemeint.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Body\/Head<\/strong> war mein <strong>Sonic Youth<\/strong> in H\u00e4ppchen Konzert Teil zwei. Der dritte und letzte Teil dann in ein paar Tagen. Ich freu mich drauf!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a title=\"Sonic Youth \u2013 D\u00fcsseldorf, 24.04.2009\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=1142\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sonic Youth \u2013 D\u00fcsseldorf, 24.04.2009<\/a><br><a title=\"Sonic Youth \u2013 K\u00f6ln, 26.06.2007\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=235\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sonic Youth \u2013 K\u00f6ln, 26.06.2007<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dienstag 22.25 Uhr.<br \/>\n&#8218;Ob ich auch ein Foto von Kim und mir machen lassen soll?&#8216; &#8218;Mach doch, ich fotografier euch.&#8216; &#8218;Nee, ich trau mich nicht. Und manche W\u00fcnsche sollte man sich nicht erf\u00fcllen.&#8216;<\/p>\n<p>Zuvor.<br \/>\nDie Vorzeichen zu diesem Konzert waren merkw\u00fcrdige. &#8218;Du gehst morgen zu Body\/Head? (Oder isses heute?) 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