{"id":4949,"date":"2013-06-17T19:02:15","date_gmt":"2013-06-17T17:02:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=4949"},"modified":"2023-03-19T19:11:39","modified_gmt":"2023-03-19T18:11:39","slug":"lee-ranaldo-hasselt-15-06-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/lee-ranaldo-hasselt-15-06-2013\/","title":{"rendered":"Lee Ranaldo &#8211; Hasselt, 15.06.2013"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Kunstencentrum Belgie, Hasselt<br><strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"506\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/0.jpg\" alt=\"Lee Ranaldo\" class=\"wp-image-4950\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/0.jpg 900w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/0-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Ich kannte mal einen Menschen, der m\u00f6chte die Benelux-L\u00e4nder \u00fcberhaupt nicht. Ungefragt bekam ich jedes Mal Gr\u00fcnde vor den Latz geknallt, wenn ich anfing, von Br\u00fcssel zu schw\u00e4rmen. Denn ich mag Br\u00fcssel und Belgien. Seitdem ich hier wohne, und die Entfernung nicht mehr so weit ist bis ins Nachbarland, fahre ich sehr gerne dort hin. Zum einkaufen, zum Pommes essen, zu Konzerten. Oder einfach mal so ohne Grund. Ich denke, man sollte \u00f6fter mal ohne bestimmten Grund irgendwo hinfahren. Vielleicht, und dieser Gedanke kommt mir gerade in den Sinn, mag ich Br\u00fcssel auch deswegen, weil es mit der Botanique einen der besten Konzertorte der Welt beheimatet, und nicht unbedingt wegen seines sch\u00f6n verwrackten Stadtbildes, der weltbesten Schokolade, dem Europaviertel oder dem Atomium. <br>Daher nein, ich verstehe nicht, wie man dieses Land nicht m\u00f6gen kann.<br>Am Samstag musste ich nicht ganz soweit die A76 hinauffahren. <strong>Lee Ranaldo<\/strong> spielte in Hasselt, einem 50000 Einwohnerst\u00e4dtchen kurz hinter der Grenze (zu den Niederlanden). Hier in dem Dreil\u00e4ndmischmasch aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden finden des \u00d6fteren interessante Konzerte statt, und ich verliere nationalit\u00e4tentechnisch regelm\u00e4\u00dfig die Orientierung (ich bin ich schon in Belgien oder noch in den Niederlanden, oder schon wieder?). Es sieht aber auch alles gleich aus, wundersch\u00f6n gleich. Ich glaube, ich mag diese limburgischen (oder sagt man limburger?) Provinzst\u00e4dtchen. Roermond, Heerlen, Hasselt, sie alle wirken f\u00fcr mich auf den ersten Blick sehr gem\u00fctlich und wohnenswert.<br>Was also spricht gegen einen erweiterten Samstagsausflug, zumal ich die Stadt noch nicht kenne. Spontan sprach nichts dagegen, so dass der Abend schnell geplant war. Hinfahren, frittierten Krams essen, Musik gucken, zur\u00fcckfahren. Kann man so machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache mit dem <strong>Lee Ranaldo<\/strong> Konzert war einem Zufall geschuldet (erst Tage zuvor erfuhr von disem Konzert), zu <strong>Thurston Moore<\/strong> und <strong>Kim Gordon<\/strong> will ich schon l\u00e4nger. Lustig, dachte ich am Samstag, nun beginnen also meine <strong>Sonic Youth<\/strong> H\u00e4ppchenkonzerte. Erst <strong>Lee Ranaldo<\/strong> und <strong>Steve Shelley<\/strong>, morgen <strong>Kim Gordon<\/strong> (<strong>body\/head<\/strong>) und in zwei Wochen <strong>Thurston Moore<\/strong> (<strong>Chelsea light moving<\/strong>). So w\u00e4ren denn alle vier Bandmitglieder abgehakt; wenn es schon eine meiner Lieblingsbands ever nicht mehr gibt, dann schau ich mir ihre Musiker eben einzeln und nacheinander an. Entkommen k\u00f6nnen sie mir jedenfalls nicht und nach wie vor hoffe ich auf eine <strong>Sonic Youth<\/strong> Reunion auf dem Primavera 2015 zum 25sten Geburtstag von <em>Goo<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kulturencentrum Belgie, in dem das Konzert stattfinden sollte, ist ein gem\u00fctlicher Ort mitten in einer Wohnstra\u00dfe knapp au\u00dferhalb der Innenstadt. Hasselt ist nicht gro\u00df, aber mit Parkpl\u00e4tzen tun sie sich schwer. Dreimal fuhr ich im vertrackten Einbahnstra\u00dfensystem an dem Laden vorbei, dreimal sah ich <strong>Lee Ranaldo<\/strong> und Band den Transporter ausr\u00e4umen. Gott sei Dank waren sie so vom auf die Stra\u00dfe gucken abgelenkt, Gedanken wie &#8217;nun kurvt der schon zum dritten Mal hier durch&#8216; konnten gar nicht erst entstehen. Die Band schien sp\u00e4t dran zu sein, es war wohl ein l\u00e4nger Abend in Amsterdam, wo sie am Freitag auftraten. Irgendwann war dann ein Parkplatz da und endlich Zeit, noch etwas von der Stadt zu besichtigen, die Fritur an der Ecke kam dazu sehr gelegen.<br>Gegen neun Uhr begann der musikalische Teil des Abends. Das Kulturencentrum Belgie ist nicht sonderlich gro\u00df, besteht jedoch aus mehreren R\u00e4umlichkeiten. So ist u. a. eine Fotografieausstellung zu besichtigen und ein atriumhaft angelegter Au\u00dfenraum bietet frische Luft. Sch\u00f6n hier, und so herrlich unaufgeregt alles. Der eigentliche Konzertsaal wird rundherum von einer Galerie umringt. Von hier oben kann man <strong>Steve Shelley<\/strong> beinahe auf den Kopf spucken, sicher eine \u00fcberaus spannende Perspektive, direkt \u00fcber dem Schlagzeuger zu stehen. Dar\u00fcber hinaus hat der Saal den Charme eines Partykellers. \u00dcber der Theke baumeln rote chinesische Lampions, an der R\u00fcckwand h\u00e4ngen eine riesige Holzleiter und allerlei Kabel- und Schlauchged\u00f6ns. Der Kulturhauschef, der so aussieht, wie ein Kulturleiter eben aussieht, gibt derlei letzte Anweisungen. Die Leiter an der Wand wird noch mit einem schwarzen Vorhang bedeckt, die Kabel abgenommen.<br>Ready to go. Untypisch f\u00fcr belgische Konzerte und ihre Zeitank\u00fcndigungen hingen wir ordentlich hinterher. <\/p>\n\n\n\n<p>Gegen halb zehn betreten <strong>Lee Ranaldo<\/strong>, <strong>Steve Shelle<\/strong>y, <strong>Alan Licht<\/strong> und ein Bassist (den Namen hab ich leider nicht verstanden) die kleine B\u00fchne. &#8218;Es sei sch\u00f6n, mal wieder in Hasselt zu sein&#8216;, so <strong>Lee Ranaldo<\/strong>, auf den sich w\u00e4hrend des Konzertes die meisten Augen richten, und &#8217;sie w\u00fcrden an diesem Abend ein paar neue Songs vom bald erscheinenden Album spielen.&#8216; Eines kommt gleich zu beginn. \u201eKeyhole\u201c merkt man das Neu sein \u00fcberhaupt nicht an. Wie die Songs des noch aktuellen Albums <em>Between the times and the tides<\/em> klingt auch \u201eKeyhole\u201c direkt vertraut und bekannt. Es sind klassische <strong>Sonic Youth<\/strong> Gitarren, die uns entgegen dr\u00f6hnen. Und dr\u00f6hnen ist noch untertrieben. Es ist sehr laut in dem kleinen Konzertsaal. Zeitweise denke ich gar dar\u00fcber nach, etwas weiter nach hinten zu gehen. Und wer mich kennt wei\u00df, was das in Sachen Lautst\u00e4rke bedeutet. <br>Neben \u201eKeyhole\u201c spielen <strong>Lee Ranaldo <\/strong>und Band noch drei weitere neue Songs: \u201eLast night on earth\u201c, \u201eLecce\u201c sowie \u201eHome count\u201c. Letzteres l\u00e4utet die Zugabe ein, die in einem famosen \u201eWaiting on a dream\u201c endet. \u201eWaiting on a dream\u201c ist vielleicht das <strong>Sonic Youth<\/strong>-este St\u00fcck der gesamten Platte und mit knappen sieben Minuten geradezu pr\u00e4destiniert, ein Konzert im Gitarrengeflenne enden zu lassen. Zuvor gab es nahezu alle anderen Songs des <em>Between the tides and times<\/em> Albums. Herausragend sch\u00f6n nat\u00fcrlich \u201eXtina as i knew her\u201c, aber auch \u201eOff the wall\u201c &#8211; rasch und poppig heruntergedudelt &#8211; klingt an diesem Abend angenehm catchy und luftig. Oder die rigoros gespielten \u201eFire island\u201c und \u201eHammer blows\u201c, bei dem ein alter abgefetzter Geigenstock zur Saitenmaltr\u00e4tierung herhalten muss und das in minutenl\u00e4nges Gitarrengewimmere abbdriftet. Ich finde es immer wieder einen Hochgenuss zu beobachten, wie durch welche Gitarrenk\u00f6rperersch\u00fctterungen die tollsten Tonschwingungen kreiert werden. Ach, ich liebe diese Gitarrenwelten sehr und kaum einer erschafft sie so gut wie <strong>Lee Ranaldo<\/strong>.<br>Neben den aktuellen und Album Songs gibt es zwei Coverversionen. \u201eRevolution blues\u201c von <strong>Neil Young<\/strong> und \u201eEverybody\u2019s been burned\u201d von den <strong>Byrds<\/strong>. <br>Beim <strong>Neil Young<\/strong> Cover bekommt der meist gelangweilt dreinblickende Bassist etwas mehr zu tun. Zumindest hat er jetzt keine Augen mehr f\u00fcr das Treiben auf der Galerie oder an der Bar, die direkt neben der B\u00fchne eingerichtet ist. Konzentriert wie zuvor nicht gesehen zupft er an den Saiten. Bei den <strong>Lee Ranaldo<\/strong> Songs scheint er unterbesch\u00e4ftigt zu sein, sie zeichnen sich wahrlich nicht durch virtuose Basslinien aus. Meist reichen drei, vier Griffe, die locker nebenbei herunterzuspielen sind. Gro\u00dfes Bassspiel ist daf\u00fcr nicht notwendig. Nun aber ist er voll dabei. F\u00fcr ca. 5 Minuten. Dann verf\u00e4llt er wieder in sein altes Muster: dr\u00f6ges Bassspielen und interessiert teilnahmslos in die Gegend gucken.<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich waren die beiden anderen Musiker eher abseits des Geschehens. <strong>Lee Ranaldo<\/strong> war uneingeschr\u00e4nkt der B\u00fchnenchef, im Blickkontakt mit <strong>Steve Shelly<\/strong> regelte er die Songs. Gitarrist Nummer zwei, <strong>Alan Licht<\/strong>, stand dem oft teilnahmslos gegen\u00fcber. F\u00fcr zwei Gitarrensoli traute er sich in die B\u00fchnenmitte, hob seine Gitarre senkrecht in die H\u00f6he und wirkte dabei eher ungl\u00fccklich lustlos als hundertprozentig bei der Sache. Die Musiker kamen mir etwas m\u00fcde vor. <strong>Steve Shelly<\/strong> hang \u00fcber seinem Schlagzeug (auf dem vorne noch der <strong>Sonic Youth<\/strong> Schriftzug prangte) und wirkte manchmal wie ein Teddyb\u00e4r, der nach vorne \u00fcbergebeugt krabbelnd die Schlagst\u00f6cke auf die Trommeln wischt. &#8218;Summer is coming&#8216; wie <strong>Lee Ranaldo<\/strong> richtig feststellte, und &#8218;die Zeit f\u00fcr Klubkonzerte eher ungeeignet.&#8216; Vielleicht schien das den vieren aufs Gem\u00fct zu schlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach, ist aber auch egal, denn es war ein hervorragendes Konzert. So war an diesem Abend in Hasselt alles gut. Musik gut, Kulturcentrum gut, Frituur gut. Mehr kann ich von einem Belgienausflug nicht verlangen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe title=\"Lee Ranaldo - Hammer blows - Live @ Kunstencentrum Belgie (Hasselt - Belgium - 15\/06\/2013)\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/lAkbBAuIJHU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/lee-ranaldo-koln-04-07-2012\/\" data-type=\"post\" data-id=\"4157\">Lee Ranaldo &#8211; K\u00f6ln, 04.07.2012<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich kannte mal einen Menschen, der m\u00f6chte die Benelux-L\u00e4nder \u00fcberhaupt nicht. 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Vielleicht, und dieser Gedanke kommt mir gerade in den Sinn, mag ich Br\u00fcssel auch deswegen, weil es mit der Botanique einen der besten Konzertorte der Welt beheimatet, und nicht unbedingt wegen seines sch\u00f6n verwrackten Stadtbildes, der weltbesten Schokolade, dem Europaviertel oder dem Atomium. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":18669,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"pretty-paracetamol in concert: %%post_title%%","_seopress_titles_desc":"Ich kannte mal einen Menschen, der m\u00f6chte die Benelux-L\u00e4nder \u00fcberhaupt nicht. Ungefragt bekam ich jedes Mal Gr\u00fcnde vor den Latz geknallt, wenn ich anfing, von Br\u00fcssel zu schw\u00e4rmen. Denn ich mag Br\u00fcssel und Belgien. 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