{"id":4615,"date":"2013-01-12T18:26:53","date_gmt":"2013-01-12T17:26:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=4615"},"modified":"2020-01-11T20:34:36","modified_gmt":"2020-01-11T19:34:36","slug":"kraftwerk-dusseldorf-11-01-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/kraftwerk-dusseldorf-11-01-2013\/","title":{"rendered":"Kraftwerk &#8211; D\u00fcsseldorf, 11.01.2013"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K20, D\u00fcsseldorf<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"img-border size full wp-image-2414 aligncenter\" title=\"Kraftwerk D\u00fcsseldorf, 11.01.2013\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/kraftwerk9.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"506\" \/><\/p>\n<p>&#8218;Wie seid ihr denn an die Karten gekommen? Die Konzert waren ja schon nach einer halben Stunde ausverkauft?&#8216; Nach zwei Stunden <strong>Kraftwerk<\/strong>\u2018scher 3-D Animationen standen wir im Foyer des Museums K20 und erholten uns von den wundervollen und sprachlos machenden Eindr\u00fccken. &#8218;Konzert des Jahres&#8216; diese drei Worte fielen dabei sehr oft.<br \/>\nDie Frage nach den Karten stellte uns eine Reporterin irgendeiner Presseagentur. Das Foyer war mit Kamerateams und interviewwilligen Leuten \u00fcbers\u00e4t. An vielen Stellen leuchteten die grellen Kameralichter und Menschen mit Schreibblock in der Hand befragten Menschen ohne Schreibblock in der Hand.<br \/>\nOh ja, die <strong>Kraftwerk<\/strong> Musikreihe scheint tats\u00e4chlich ein musikkulturhistorisches Ding gr\u00f6sseren Ausma\u00dfes zu sein. Am Tag danach lese ich In jeder regionalen und \u00fcberregionalen Zeitung einen Bericht vom gestrigen Abend, dem Auftakt der <strong>Kraftwerk<\/strong> Abende in D\u00fcsseldorf, in deren Folge sie ihre acht Alben an den folgenden Tagen zelebrieren werden. 12345678 nennt sich schlicht und einfach der ganze Batzen.<br \/>\nKraftwerk machen dies im Kunstmuseum K20 und sie machen es in 3-D. Quasi standesgem\u00e4ss, m\u00f6chte ich sagen. <strong>Kraftwerk<\/strong> geh\u00f6ren viel eher ins Museum als in eine normale Konzerthalle. Diese Phase hat die Band weit hinter sich gelassen. <strong>Kraftwerk<\/strong> sind zu einem gro\u00dfen Kunstwerk geworden, sie sind nicht blo\u00df vier Musiker. Sie sind zu ihrer eigenen Ausstellung mutiert. Und die kann man nun in D\u00fcsseldorf bewundern, nachdem sie vor gut anderthalb Jahren bereits im MoMa in New York zu besichtigen war.<br \/>\nDamals war das Ereignis weit weg, doch als vor einigen Wochen die Ticketb\u00f6rse f\u00fcr die D\u00fcsseldorfer Abende er\u00f6ffnete, war die Versuchung sehr gro\u00df (und auch der Wille), sich dieses quasi vor der Haust\u00fcr stattfindende Ereignis unbedingt ansehen zu m\u00fcssen.<br \/>\nIch bin nicht der riesengro\u00dfe <strong>Kraftwerk<\/strong> Fan, aber das wollte ich mir zumindest an einem Abend nicht entgehen lassen. Zu spannend finde ich <strong>Kraftwerk<\/strong>, zu neugierig war ich auf ihre Ausstellung. Als die Frage aufkam, zu welchem der acht Abende ich denn mitkommen wollte, entschied ich mich ohne zu z\u00f6gern f\u00fcr <em>Autobahn<\/em>. Ich wei\u00df nicht genau warum, es h\u00e4tte auch jede andere Auff\u00fchrung der fr\u00fcheren Alben sein k\u00f6nnen, aber ich entschied mich f\u00fcr das Album, mit dem der typische <strong>Kraftwerk<\/strong>-Sound seinen Anfang nahm. Und somit f\u00fcr den Er\u00f6ffnungsabend der Reihe &#8222;12345678&#8220;.<br \/>\nWie kann ich blo\u00df einen perfekten Abend beschreiben?<br \/>\nVielleicht beginne ich einfach mit meinen Erwartungshaltungen. <strong>Kraftwerk<\/strong> spielen also ihr Album <em>Autobahn<\/em>. Okay, es sollte ja nicht mein erstes Album-Konzert werden. Zuvor sah ich schon die <strong>Charlatans<\/strong> mit <em>Some friendly<\/em>, <strong>The Wedding Present<\/strong> mit <em>Bizarro<\/em> und noch ein, zwei solcher Abende mehr. Also, so mein Gedanke, wird es so sein, dass sie neben den Album Tracks noch eine Handvoll anderer Hits spielen werden. <em>Autobahn<\/em> dauert ca. eine dreiviertel Stunde, wir rechneten mit einem ebenso langen Best-of Teil und erwarteten folgerichtig anderthalb Stunden <strong>Kraftwerk<\/strong>. Dass es dann aber genau 2 Stunden werden w\u00fcrden, damit h\u00e4tten wir zuvor nie und nimmer kalkuliert.<br \/>\nZwei Stunden lang hatten wir begeistert diese Pappbrille vor unseren Augen, die jeder Gast am Eingang in einem schicken blauen Schieber \u00fcberreicht bekam. Nur mit ihr auf der Nase konnte man den dreidimensionalen Eindruck der Videofilme erkennen, die im Raum umherfliegenden Vitaminpillen (bei &#8222;Vitamin&#8220;) oder den heranrauschenden Schnellzug (bei &#8222;TEE&#8220;). Es war sagenhaft sch\u00f6n und alles war traumhaft komponiert. Zusammen mit den elektronischen Kl\u00e4ngen lie\u00df ich mich sehr gerne in diese technoide Welt herabfallen, die nicht nur mich sichtlich in ihren Bann zog. Es herrschte eine nahezu sakrale Stimmung. Ein, zweimal blickte ich mich um und dachte, &#8218;oh Mann sieht das bescheuert aus, wenn 800 Leute mit silbernen Pappbrillen auf der Nase auf eine B\u00fchne glotzen.&#8216; Geschenkt.<br \/>\nEs war ein gro\u00dfes Fest, das mit dem obligatorischen &#8222;Mensch-Maschine&#8220; und \u201eWir sind die Roboter\u201c um Punkt acht eingel\u00e4utet wurde. Im Anschluss brummten die Motoren und ein alter VW K\u00e4fer setzte sich in Bewegung: \u201eAutobahn\u201c. Das Titelst\u00fcck spielten sie verk\u00fcrzt, oder kam es mir nur so vor? Bereits nach wenigen Sekunden war ich so fasziniert von allem, von den vier Pulten, den in hautengen Ganzk\u00f6rperanz\u00fcgen eingepackten Maschinenmenschen und von den Animationen, dass ich jegliches Zeitgef\u00fchl verloren schien.<br \/>\nObwohl wir erst um kurz vor acht den Saal betraten, hatten wir keine M\u00fchen, bis ganz nach vorne zu gelangen. Und das hat sich sehr gelohnt. Auch aus der unmittelbaren N\u00e4he wirkten die 3-D Animationen perfekt, und zus\u00e4tzlich hatten wir nahen Blickkontakt zum Gr\u00fcndungsvater <strong>Ralf H\u00fctter<\/strong>, der mit seinem Pult direkt vor uns Stand. In sein Kopfmikrofon brummte und sprechgesangte er \u201efahrn fahrn fahrn auf der Autobahn\u201c. Brilliant! Es folgten die vier weiteren St\u00fccke von \u201eAutobahn\u201c, \u201eKometenmelodie 1\u201c, \u201eKometenmelodie 2\u201c , \u201eMitternacht\u201c und \u201eMorgenspaziergang\u201c bevor es nahtlos in den Best-of Teil \u00fcberging. \u201eRadioaktivit\u00e4t\u201c, mit neuzeitlichem Fukushima Part, war der erste Track, \u201eTrans Europa Express\u201c der zweite. Wow, die Ausstellung bot also noch enormes Steigerungspotential. Sehr freute ich mich \u00fcber den drei Songs gro\u00dfen <em>Tour de France<\/em> Block. Dieses Album ist vielleicht mein liebstes <strong>Kraftwerk<\/strong> Album. Anfang der 00er Jahre hielt ich \u201eTour de France\u201c lange f\u00fcr den perfekten Popsong. Ob das nur was mit meiner damaligen Begeisterung f\u00fcr das sch\u00f6nste Radrennen der Welt zu tun hat, ich wei\u00df es nicht. Es ist aber auch egal. Und immer wieder gab es diese tolle Animationen. Viel von ihnen kannte ich aus den dazugeh\u00f6rigen Videos, ganz viele nicht.<br \/>\nMit \u201eBoing bum tschak\u201c, \u201eTechnopop\u201c und \u201eMusic non stop\u201c beendeten <strong>Kraftwerk<\/strong> ihre Ausstellung. Es war mittlerweile kurz vor zehn und ehrlich gesagt, war es mir dann auch genug. Christoph schreibt <a title=\"homepage\" href=\"http:\/\/meinzuhausemeinblog.blogspot.de\/2013\/01\/kraftwerk-dusseldorf-110113.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">nebenan<\/a> von einer gro\u00dfen Reiz\u00fcberflutung durch zuviele Hits, und er hat verdammt nochmal recht. Ich zumindest war nach dem Ende des Ereignisses nicht in der Lage, noch irgendetwas aufzunehmen. Diese zwei Stunden Kraftwerk waren so \u00fcberw\u00e4ltigend, so besonders und einzigartig, dass wir uns nur noch fragten, wer um Himmels willen kann dieses Ereignis in diesem Jahr noch toppen. <strong>Blur<\/strong>? <strong>My bloody valentine<\/strong>? Ich kann es nicht glauben\u2026.<br \/>\nJawohl, der Abend war mit Geld nicht zu bezahlen. Gott sei Dank kostete er dann doch nur 50 Euro.<\/p>\n<p>PS:<br \/>\nMein M\u00fcnchener Studienfreund h\u00e4tte dringend auch einen der D\u00fcsseldorfer Abende besuchen sollen. Dann w\u00fcrde er mir jetzt sicherlich zustimmen bei meiner These, dass <strong>Kraftwerk<\/strong> zu den wichtigsten drei Bands der Musikgeschichte geh\u00f6ren, die unsere aktuelle Musik mit am st\u00e4rksten beeinflussen. Als wir vor knapp einem Jahr stundenlang dar\u00fcber stritten, lachte er jedes Mal beim Namen <strong>Kraftwerk<\/strong> laut auf und sch\u00fcttelte verst\u00e4ndnislos mit dem Kopf.<\/p>\n<p>Music, non stop.<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p><strong>Multimedia:<\/strong><br \/>\n<a title=\"flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pretty-paracetamol\/sets\/72157632505034154\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">flickr-Fotos<\/a><\/p>\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe title=\"Tagesthemen ARD 11 Jan 2013 - Kraftwerk in D\u00fcsseldorf\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/oaRgTh7Pv_Y?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ort: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K20, D\u00fcsseldorf Vorband: &#8211; &#8218;Wie seid ihr denn an die Karten gekommen? 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