{"id":4062,"date":"2012-05-27T16:18:39","date_gmt":"2012-05-27T14:18:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=4062"},"modified":"2024-10-14T19:43:07","modified_gmt":"2024-10-14T17:43:07","slug":"mudhoney-munchen-24-05-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/mudhoney-munchen-24-05-2012\/","title":{"rendered":"Mudhoney &#8211; M\u00fcnchen, 24.05.2012"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Hansa 39, M\u00fcnchen<br><strong><del>Vor<\/del>weitere Band:<\/strong> Rocket from the tombs (RFTT)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1100\" height=\"619\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/43_Mudhoney_24052012-1100x619.jpg\" alt=\"Mudhoney - M\u00fcnchen, 24.05.2012\" class=\"wp-image-20552\" title=\"Mudhoney\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/43_Mudhoney_24052012-1100x619.jpg 1100w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/43_Mudhoney_24052012-980x551.jpg 980w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/43_Mudhoney_24052012-550x309.jpg 550w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/43_Mudhoney_24052012-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/43_Mudhoney_24052012.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Dar\u00fcber, was mich bei meinem Konzertausflug nach M\u00fcnchen erwarten sollte, war ich mir unsicher. <strong>Mudhoney <\/strong>hatte ich zuletzt 1992 im Bielefelder PC 69 gesehen und \u00fcberhaupt keine Erinnerungen mehr. Das einzige, was von diesem Abend blieb war ein Konzertposter, welches noch jahrelang in meiner Bochumer Studentenbude hing. 1998 habe ich es weggeschmissen, Umzugsaufr\u00e4umarbeiten fallen manchmal die falschen Dinge zum Opfer. <strong>Mudhoney <\/strong>waren aber damals schon so gut wie aus meinem Blickwinkel gerutscht, seit Beginn der 00er Jahre hatte ich sie dann g\u00e4nzlich verloren. Ihre 00er Sachen gingen v\u00f6llig an mir vorbei, <em>Tomorrow hit today<\/em> blieb mein letztes <strong>Mudhoney <\/strong>Album. Nichtsdestotrotz wollte ich sie bei ihrem einzigen Deutschlandkonzert unbedingt sehen, dass ich daf\u00fcr einen Ausflug nach M\u00fcnchen unternehmen musste, welche Rolle spielt das schon?<br>Es sollte mein erstes Konzerterlebnis in der Stadt des Endspielverlierers sein, dass Feierwerk kannte ich daher noch nicht. Als ich gegen 20 Uhr das Gel\u00e4nde betrat, war ich \u00fcberrascht. Mich erwartete keine herabgekommene Clubkaschemme, sondern ein mittelgro\u00dfer Kulturbetrieb. U-Bahntechnisch gut angebunden beherbergt das Feierwerk neben verschiedenen Veranstaltungsr\u00e4umlichkeiten auch das Hansa 39, den Club, in dem das Konzert um 20.30 Uhr angesetzt war. Ich sch\u00e4tzte den Saal auf 500er Gr\u00f6\u00dfe und ich glaube, so viele Leute fanden sich auch im Laufe des Abends hier ein.<br>&#8218;Haben wir wirklich \u201892 zusammen Abitur gemacht?&#8216; Mensch Mann, an diese junge Frau musst du dich doch erinnern! Auf der Hinfahrt fragte ich mich noch, wer \u2013 au\u00dfer so Bekloppten wie mir &#8211; 2012 ein <strong>Mudhoney <\/strong>Konzert besucht, zumal der Ticketpreis mit knappen 30 Euro nicht gerade g\u00fcnstig war. Da hatte ich es: die Klasse von \u201992 also, und, wie nat\u00fcrlich vermutet, Menschen wie ich: m\u00e4nnlich, mittelalt, musikvernarrt. Aber auch NeoGrunger und viele \u00e4ltere Semester notierte ich, letztere scheinbar auch wegen der Vorband <strong>Rocket from the tombs<\/strong>. Obwohl, Vorband ist er falsche Begriff, denn das Konzert von <strong>Mudhoney <\/strong>und <strong>Rocket from the tombs<\/strong> war als Doppelheadlinershow angek\u00fcndigt worden.<br>Also, wir alle haben <strong>Mudhoney <\/strong>schon vor 20 Jahren verehrt und machen das immer noch irgendwie. Und genau wie vor 20 Jahren freuen wir uns auch heute, wenn wir \u201eTouch me I\u2019m sick\u201c h\u00f6ren. Einige singen dann sogar lauthals mit, h\u00fcpfen und tanzen wie wild mit den NeoGrungern um die Wette und trinken noch mehr Bier. Dabei fiel mir auf, dass ich lange nicht mehr auf einem Rockkonzert war. Bier und Schweissgeruch lag schon nach einer halben Stunde penetrant in der Luft und mehr als einmal hatte ich Angst um meine Brille. Nicht, dass ich all das vermisst h\u00e4tte, beileibe nicht.<br>Dabei begann der Abend \u00fcberschaubar. <strong>Rocket from the tombs<\/strong> starteten p\u00fcnktlich und es schienen sich nur wenige f\u00fcr die erste Band des Abends zu interessieren. Vielleicht zehn Mann begr\u00fcssten die Band mit erwartungsvollem Applaus. Und ich gestehe, auch ich kannte die Band nur aus rasch angelesenem Wissen. Unter anderem dies:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Das w\u00e4re nicht weiter von Interesse, w\u00e4ren Rocket From The Tombs nicht in die Popgeschichte eingegangen. Und zwar aus drei Gr\u00fcnden. Der erste und der zweite Grund sind die beiden Bands, die aus den Resten entstanden: Zum einen die Dead Boys, aus denen sp\u00e4ter wiederum Lords Of The New Church wurden. Zum anderen Pere Ubu, bis heute die Band des schwergewichtigen Thomas und von den Kritikern verehrt.<br>Der dritte, ungleich wichtigere Grund, ist ihre kurze, heftige, tragische Geschichte, die Rocket From The Tombs auf der Liste der gro\u00dfartigsten Bands, aus denen nie geworden ist, was aus ihnen h\u00e4tte werden k\u00f6nnen, noch vor den schon ziemlich grandios gescheiterten Big Star auf Platz eins platziert. (taz.de)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1100\" height=\"618\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/24_Rocket-from-the-tombs_24052012-1100x618.jpg\" alt=\"Rocket from the tombs - M\u00fcnchen, 24.05.2012\" class=\"wp-image-20555\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/24_Rocket-from-the-tombs_24052012-1100x618.jpg 1100w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/24_Rocket-from-the-tombs_24052012-980x550.jpg 980w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/24_Rocket-from-the-tombs_24052012-550x309.jpg 550w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/24_Rocket-from-the-tombs_24052012-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/24_Rocket-from-the-tombs_24052012.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Zusammengefasst merkte ich mir: 70er Jahre Protopunks (was immer das auch heisst), nie ein Album aufgenommen aber mindestens genauso wichtig wie <strong>Suicide<\/strong>, existierten nur ein knappes Jahr.<br>2 Mitsechziger, ein Mitf\u00fcnfziger und ein viel j\u00fcngerer Bassist betraten die B\u00fchne und machten nichts. Eine gute Minute standen sie regungslos herum und warteten. Doch worauf? Darauf, dass die Leute endlich aufh\u00f6ren zu quatschen und ihr Interesse gen B\u00fchne richten, vermutete ich und dachte: &#8218;Ah, die sind jetzt schon vom Publikumsdesinteresse angenervt&#8216;. Aber falsch gedacht, sie warteten auf ihren S\u00e4nger und <strong>RFTT <\/strong>Mitbegr\u00fcnder <strong>David Thomas<\/strong>. Der kam unsicheren Schrittes aus der B\u00fchnent\u00fcr, sortierte seine Textzettel, die neben dem Mikrofon auf einem Notenst\u00e4nder lagen, und lie\u00df seine Bandkollegen mit einer unwirschen Handbewegung das Konzert starten. David Thomas erinnerte mich an <strong>Hans Dieter H\u00fcsch<\/strong>, <strong>Peter Lustig<\/strong> und <strong>Joe Cocker<\/strong>, je nach Situation. An diesem Abend habe ihn locker auf Mitte 70 gesch\u00e4tzt, heute lese ich, dass er zehn Jahre j\u00fcnger ist. <strong>Rocket from the tombs<\/strong> spielten eine gute Stunde und hatten am Ende alle. Der Abijahrgang \u201974 stieg nat\u00fcrlich direkt drauf ein, zeigte sich teils textsicher und hatte von Beginn an dieses Gl\u00e4nzen in den Augen. Die NeoGrunger schauten solange irritiert den alten Herren zu bis sie merkten, dass <strong>RFTT <\/strong>gute Melodien und tolle Songs hatten, die gar nicht so weit weg sind von <strong>Mudhoney<\/strong>, <strong>Green Day<\/strong>, <strong>Nirvana <\/strong>und Co..<br>Genau, <strong>RFTT <\/strong>passten ausgezeichnet in diesen Abend. Nach einer halben Stunde war der Anfangsdampf raus. <strong>RFTT <\/strong>spielten nun ein zwei langsamere St\u00fccke, die in ihren Gitarrensoli an Bon Jovi erinnerten. Ein Song k\u00fcndigten sie mit \u201eRomeo and Juliet\u201c an, eine sehr z\u00e4he Angelegenheit. Da hier der Gitarrist die Gesangsparts \u00fcbernahm, setzte sich David Thomas auf einen Plastikgartenstuhl neben den Gitarristen und g\u00f6nnte sich eine Pause. Mit den folgenden \u201eFoggy Notion\u201c, \u201e30 seconds over Tokyo\u201c und \u201eSonic Reducer\u201c wurde es dann wieder rumpliger und schneller, Rocket from the tombs setzten zum Finale an. Der Tisch war gedeckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann kamen Mudhoney.<br>Der Saal f\u00fcllte sich nun zu sehnst mit weiteren Abijahrg\u00e4ngen \u201989 bis \u201991 und wartete auf die gro\u00dfe Show. Die kam nach einer ausgedehnten Umbaupause, die ihren Namen verdiente. Das <strong>RFTT <\/strong>B\u00fchnenequipment wurde komplett abgebaut, das <strong>Dan Peters<\/strong> Schlagzeug aufgebaut. <strong>Mark Arm<\/strong>, <strong>Guy Maddison<\/strong>, der 2001 dem alten Haudegen <strong>Matt Lukin<\/strong> am Bass nachfolgte, <strong>Steve Turner<\/strong> und <strong>Dan Peters<\/strong> entt\u00e4uschten in ihren knapp 2 Stunden Konzert nicht. Es kam mir vor wie ein gro\u00dfes Best-of Spektakel. Von \u201eThis gift\u201c bis zu \u201eTomorrow hits\u201c spielten sie fast ausnahmslos alle Hits. Fast, weil das von mir sehr gesch\u00e4tzte \u201eMake it now\u201c nicht dabei war. Generell fand ich das Album &#8222;Piece of cake\u201c sehr unterrepr\u00e4sentiert. Bis auf \u201eBlinding sun\u201c fand es in der Setlist nicht statt. Ich hatte ihre Alben l\u00e4nger nicht geh\u00f6rt, stellte aber w\u00e4hrend das Konzertes wie so oft fest, dass trotz allem die Songs noch in meinem Kopf abgespeichert waren. Es musste nur jemand kommen, um sie abzurufen. Dies geschah und so jagte eine Erinnerung die n\u00e4chste. Um nochmal kurz auf die Setlist zur\u00fcckzukommen. <strong>Mudhoney <\/strong>liessen kaum ein Album aus.<br>Vor der B\u00fchne sah es aus wie in einem dieser <em>Singles <\/em>Konzerte (alos der Film <em>Singles<\/em>). Das klingt schlimm abgedroschen, ich wei\u00df, aber der Publikumsmix und die Grundstimmung passten. Ich konnte das gegen Ende des Abends gut beobachten, weil ich mich, vor fremden Schwei\u00df und ungem\u00fctlichem Geschupse an den seitlichen B\u00fchnenrand verdr\u00fcckt hatte. Die B\u00fchne im Hansa 39 war von zwei Seiten offen, und so stand ich quasi fast neben der Band und hatten gute Sicht auf die R\u00fccken von <strong>Mark Arm<\/strong> und <strong>Guy Maddison<\/strong> und Augenkontakt zur ersten Reihe. Hier stand es sich etwas ruhiger \u2013 den 2 Meter Schreihals links von mir mal ausgenommen \u2013 und es war weniger warm. Es war die wildeste Zeit des Konzertes. Die erste Reihe kniete f\u00f6rmlich auf der B\u00fchne und es sah alles nach einer B\u00fchneneroberung aus. Es blieb aber bis auf einige Stagediver und etwas Rumgeschupse harmlos. Harmlos sch\u00f6n.<br>Das ganze Konzert war eine runde Sache. Songs oder Passagen herauszuheben geht nicht. Alles war toll, alles war grandios. Vor einer Konzertreise irritieren mich immer Gedanken wie, ist es das Wert, lohnt sich der Aufwand. Alles Quatsch. Es lohnt sich immer und f\u00fcr diesen Abend lohnte es sich ganz besonders. Ach bevor ich\u2019s vergesse: Mit \u201eSlipping away\u201c spielten Mudhoney einen neuen Song. Der ging zu Beginn beinahe unter. Die sp\u00e4ter eingestreuten neuen St\u00fccke &#8222;Widow of nain&#8220; und &#8222;Chardonnay&#8220; blieben da schon etwas intensiver h\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br>01. Poisoned water poisons the mind<br>02. Into the drink<br>03. You got it<br>04. Slipping away<br>05. This gift<br>06. Fearless Doctor Killers<br>07. Hard-on for War<br>08. When tomorrow hits<br>09. In &#8217;n&#8216; out of race<br>10. Judgement, rage, retribution and thyme<br>11. Sweet young thing ain&#8217;t sweet no more<br>12. Let it slide<br>13. Good enough<br>14. Touch me I&#8217;m sick<br>15. I&#8217;m now<br>16. The lucky ones<br>17. Chardonnay<br>18. The open mind<br>19. Widow of nain<br>20. Tales of terror<br>Zugabe I:<br>21. Blinding sun<br>22. Here comes sickness<br>23. The money will roll right in<br>Zugabe II<br>24. Hate the Police<br>Zugabe III<br>25. Fix me<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br>&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dar\u00fcber, was mich bei meinem Konzertausflug nach M\u00fcnchen erwarten sollte, war ich mir unsicher. Mudhoney hatte ich zuletzt 1992 im Bielefelder PC 69 gesehen und \u00fcberhaupt keine Erinnerungen mehr. 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