{"id":4014,"date":"2012-05-08T18:12:58","date_gmt":"2012-05-08T16:12:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=4014"},"modified":"2017-12-12T15:03:43","modified_gmt":"2017-12-12T14:03:43","slug":"cloud-nothings-dortmund-04-05-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/cloud-nothings-dortmund-04-05-2012\/","title":{"rendered":"Cloud nothings &#8211; Dortmund, 04.05.2012"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> FZW, Dortmund<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> <a title=\"Facebook\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/kmpfsprt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KMPFSPRT<\/a><\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4015\" title=\"Cloud nothings\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Cloud-nothings.jpg\" alt=\"\" width=\"670\" height=\"377\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Cloud-nothings.jpg 670w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Cloud-nothings-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 670px) 100vw, 670px\" \/>Wie erkl\u00e4re ich beispielsweise meinen Arbeitskollegen Konzertfahrten in entfernte St\u00e4dte zu nicht in der \u00d6ffentlichkeit stattfindenden Bands und Musikern? Eine Frage, die sich mir manchmal stelle und die ich mittlerweile mit \u201eAm besten gar nicht\u201c beantworten m\u00f6chte. Das ist mein Fazit nach vielen Konzertfahrten und -ausfl\u00fcgen und einigen Erz\u00e4hlans\u00e4tzen. Steht das Besuchen von Ausw\u00e4rtsspielen der Lieblingsmannschaft oder der pfingstliche Kegelausflug akzeptiert als Mittagstischgespr\u00e4ch, so sind dies Konzertbesuche nicht. Sicherlich war jeder meiner Kollegen schon mal bei einer <strong>Westernhagen<\/strong>, <strong>Depeche Mode<\/strong> oder <strong>Springsteen<\/strong> Veranstaltung, aber das ist im Regelfall Jahrzehnte her (die Erinnerung daher verblasst) und mit Konzerten haben diese Grossevents ja auch nur eine B\u00fchne und Musik gemeinsam. Und schon ist sie da, die erste Erkl\u00e4rungsh\u00fcrde: wie, Konzertbesuche in einem kleinen Club? (Im skeptischen Tonfall vorgetragen.)<br \/>\nJa, es ist tats\u00e4chlich nicht so, dass die Hallengr\u00f6\u00dfe etwas mit der musikalischen Qualit\u00e4t zu tun hat, und nein, auch in stickigen, kleinen Absteigen sind Kartenpreise von 30 Euro nicht unbedingt \u00fcberzogen. (Um die Frage nach dem Preis gleich zur\u00fcckzugeben ohne zu verpassen, direkt darauf hinzuweisen, dass 15-22 Euro die durchschnittliche Kostenspanne ist.)<\/p>\n<blockquote><p>Und daf\u00fcr f\u00e4hrst du nach \u2026? Na, du musst ja Zeit haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ja und Nein. Ich habe genauso viel Zeit wie andere auch und was sind schon 100 Kilometer? Daf\u00fcr fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit und geh\u2018 zum Br\u00f6tchen kaufen zu Fu\u00df.<br \/>\nRichtig, mein Lebensumfeld klingt vermeidlich spie\u00dfig und nicht nach hipper Businessbranche. Und interessanterweise sind die meisten Intensivkonzertgeher, die ich \u00fcber die Zeit kennengelernt habe, auch nicht in Medienkonzernen besch\u00e4ftigt. Ganz einfach Normalos sind wir, die wir \u2013 nach meiner Privatstatistik \u2013 eher an Mittagstischen in Beh\u00f6rden und Firmenkantinen sitzen als anderswo? Warum machen wir das, verplempern Zeit, Geld und sind unter der Woche abends nicht zuhause?<\/p>\n<p>F\u00fcr heute kann ich die Fragen beantworten: Weil ich <strong>Cloud nothings<\/strong> unheimlich spannend finde. Und weil ich das FZW in Dortmund f\u00fcr einen angenehmen Konzertort halte. F\u00fcr mich sind das zwei ausreichende Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p>Die <strong>Cloud nothings<\/strong> entdeckte ich vor einem Vierteljahr eher zuf\u00e4llig. Es war in meiner winterlichen Rumpel- und Antipop- Phase, als mir ihr aktuelles Album <em>Attack On Memory<\/em> in die Finger kam. \u201eNo future\/no past\u201c ging mir danach lange nicht mehr aus dem Sinn. Dieser Mitgr\u00f6ll und <strong>Fugazi-<\/strong>eske Song wurde mein Februarhit, das Album wurde die meistgespielten CD im Auto.<br \/>\nEs war schnell eine abgemachte Sache, ihre Konzerte zu besuchen. Freitag und Samstag, das k\u00f6nnte klappen, so mein anf\u00e4nglicher Plan. Das es nicht klappte, lag an meinem Leben. Je n\u00e4her das Wochenende r\u00fcckte, desto st\u00e4rker musste ich feststellen, nein, ich habe gar keine Zeit. F\u00fcr keines der beiden Konzerte, wenn ich es recht \u00fcberlege. Nach unrechten \u00dcberlegungen entschied ich mich dann f\u00fcr eins. Und da ich samstags sehr ungern Konzerte besuche, fuhr ich am Freitag nach Dortmund. Eine gute Wahl, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte.<br \/>\nIch kam zeitig im FZW an. Das Konzert sollte im kleineren, einige Treppenstufen tiefer liegenden FZW-Club stattfinden. Drau\u00dfen lungerten noch einige auf den Mauervorspr\u00fcngen, es war kurz vor neun und es war der Freitagabendzeitpunkt, an dem man sich \u00fcberlegt, ob man noch schnell etwas essen gehen solle, bevor die Nacht einen g\u00e4nzlich f\u00e4ngt. Im Konzertraum war es entsprechend \u00fcberschaubar. Vielleicht f\u00fcnfzig Leute standen im Saal und h\u00f6rten k\u00f6lsche Musik.<br \/>\n<strong>KMPFSPRT<\/strong> klingt wie ich mir eine Band ohne Vokale im Namen musikalisch vorstelle. Laut, punkrockig und zweieinhalbmin\u00fctig. Die K\u00f6lner Band um die ehemaligen <strong>Fire in the Attic<\/strong> Br\u00fcder <strong>Richard<\/strong> und <strong>Dennis Meyer<\/strong> schien mir die richtige <strong>Cloud nothings<\/strong> Einstimmung zu sein. &#8218;Es sei erst ihre zehnte Show&#8216;, erz\u00e4hlten sie, und &#8218;ihr Schlagzeuger h\u00e4tte nur die halbe Ausstattung mit dabei&#8216;. <strong>KMPFSPRT<\/strong> lieferten nichtsdestotrotz unterhaltsame 30 Minuten, in deren Verlauf ich mir sicherheitshalber die Ohrenst\u00f6psel anlegte. Mensch, bin ich laute Konzerte nicht mehr gew\u00f6hnt oder war es so laut? Es war tats\u00e4chlich sehr laut, die Stille nach dem Auftritt best\u00e4tigte dies. Und fies warm war es. Kaum gibt es einige sommerliche Stunden, werden Konzerts\u00e4le unertr\u00e4glich dr\u00fcckend. Bis ich mich daran gew\u00f6hnt habe, braucht es drei, vier solcher Abende. Diese saisonalenTemperaturumstellungen \u00e4rgern mich jedes Jahr aufs neue. Ich brauche Anpassungszeit, ich kann nicht sofort von Hemd und Jacke auf Polohemd switschen.<br \/>\nDa war es gut, dass es auch zu den <strong>Cloud Nothings<\/strong> nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig voll wurde. So blieb die Komfortzone gewahrt, die stickige Luft ertr\u00e4glich und das schwitzen in Grenzen.<\/p>\n<p>Die Band aus Cleveland gab in Dortmund ihr Europatour Er\u00f6ffnungskonzert. Die vier Jungs um die beiden S\u00e4nger \/ Gitarristen <strong>Dylan Baldi<\/strong> und <strong>Joe Boyer<\/strong> betraten nach angenehm kurzer Umbaupause gegen halb zehn die B\u00fchne. Ich wollte heute Abend nicht zu lange unterwegs sein, daher freute ich mich \u00fcber den straffen Zeitplan. Dass um elf Uhr mit den Konzerten eh\u2018 Schluss sein sollte, zeigten mir die Visions-Party Plakate am Eingang. So oder so, die Bands waren im Soll. Dass die <strong>Cloud nothings<\/strong> ihren Zeitrahmen bei weitem nicht aussch\u00f6pfen w\u00fcrden, wer konnte das zu diesem Zeitpunkt ahnen. Okay, das aktuelle Album ist gute 30 Minuten lang, aber es ist bereits ihr drittes. Material w\u00e4re also da.<br \/>\nDie Band verlegte sich jedoch darauf, nur Songs ihres aktuellen Albums zu spielen. \u201eStay useless\u201c, \u201eFall in\u201c und das instrumentale \u201eSeparation\u201c bildeten den Startblock. L\u00e4rmpegeltechnisch standen <strong>Cloud nothings<\/strong> ihren Vorspielern in nichts nach, die Qualit\u00e4t ihrer Musik war jedoch eine andere. Was allerdings nicht jeder zu merken schien. Der dezent \u00e4ltere Mann vor mir verstand absolut nicht, warum all die Indie-Studenten um ihn herum nicht pogen wollten sondern stattdessen ein vertr\u00e4umtes Emo-Kopfnicken bevorzugten. Nach jedem zweiten Song kam er aus der Saalmitte zu seinem Kollegen gelaufen, um ihn auf diesen Umstand aufmerksam zu machen. &#8218;Die k\u00f6nnen gar nicht richtig pogen! Schau dir die an!&#8216; Sein Kollege nahm die Worte regungslos entgegen. &#8218;<strong>Die Toten Hosen<\/strong> spielen woanders&#8216;, mir lag dieser Tipp mehrmals auf der Zunge.<br \/>\nEs folgten \u201eOur plans\u201c, \u201eNo sentiments\u201c und \u201eCut you\u201c, bevor das Konzert mit \u201eWasted days\u201c und \u201eNo future\/no past\u201c sein Ende fand. Gerade einmal 40 Minuten brauchten die vier Musiker, um ihr Album zu zelebrieren. Ein richtiges Wort, denn <strong>Cloud nothings<\/strong> sind ein Erlebnis. Wuchtig und elegant spielen sie live. Ihre Show ist eine Mischung aus <strong>Fugazi<\/strong> und <strong>Pavement<\/strong>. Zwischen den Songs bauten sie immer wieder gitarrenlastige \u00dcberbr\u00fcckungsparts ein, so l\u00e4sst sich nicht nur die l\u00e4ngere Konzertspielzeit erkl\u00e4ren sondern auch das intensivere Liveerlebnis. In der Zugabe spielten sie das \u00e4ltere \u201eHey cool kid\u201c und als danach das Licht anging war es gerade mal halb elf.<\/p>\n<p>Es war ein sch\u00f6nes, \u00fcberw\u00e4ltigendes Konzert und ich \u00fcberlegte auf der R\u00fcckfahrt ernsthaft, mir die <strong>Cloud nothings<\/strong> am folgenden Tag erneut anzuschauen. Doch leider hatte ich gar keine Zeit, und die Arbeit siegte \u2026<\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckfahrt blieb auch noch Zeit, \u00fcber etwas anderes nachzudenken: Interessant zu beobachten, wie sich das Schreiben \u00fcber Musik und Konzerte auf das Seelenleben dieser Schreiberlinge auswirkt und deren Musikkonsum und Konzertverhalten beeinflusst. Die einen k\u00f6nnen es nicht mehr genie\u00dfen und h\u00f6ren deswegen auf, dar\u00fcber zu schreiben; andere wiederum denken w\u00e4hrend eines Konzertes \/ des Musikh\u00f6rens nur noch an den anstehenden Bericht. Immer wieder lese ich solche Blogeintr\u00e4ge bei dem ein oder anderen Musikblogger, der zu der Erkenntnis kommt, dass das doch alles zu viel wird mit dem Schreiben und die Wertsch\u00e4tzung doch ach so gering ausfalle f\u00fcr die zeit, die man da opfert.<br \/>\nIch w\u00fcrde mich zu keiner der beiden Gruppen z\u00e4hlen. Ich denke bei Konzerten und beim Musik h\u00f6ren m\u00f6glichst wenig, h\u00f6chstens fallen mir ein paar Sachen ein und Dinge auf. Ich besuche Konzerte auch nicht, um dar\u00fcber zu erz\u00e4hlen, ich besuche Konzerte, weil sie mich interessieren. Das erz\u00e4hlen kommt an zweiter Stelle. Wenn ich Lokalreporter w\u00e4re und zur samst\u00e4glichen Oldienacht in die Tennishalle geschickt w\u00fcrde, w\u00e4re die Situation eine andere, dann st\u00e4nde das Berichten an erster Stelle. Bin ich aber nicht Reporter und Journalist, und daf\u00fcr gibt es gewiss gute Gr\u00fcnde. Einer w\u00e4re, dass ich nicht \u00fcber etwas berichten k\u00f6nnte, das mich nicht interessiert. Etwas zusammenfassen und objektiv zu beurteilen lag mir weder in der Deutschstunde noch im Vorschulunterricht. Und um nochmals auf das \u00fcber Konzerte schreiben zur\u00fcckzukommen: Das ist nicht schwer. Hinfahren, Foto machen, genie\u00dfen, zur\u00fcckfahren, \u00fcberlegen wie es war. Klingt einfach und ist einfach.<br \/>\nMit dem <strong>Cloud nothings<\/strong> Konzert hat der letzte Absatz nat\u00fcrlich nix gemein, au\u00dfer dem Ding, dass ich just am Tag der Abfahrt den ein oder anderen Blog \u00f6ffnete und das ein oder andere las, mich wunderte und immer wieder den Kopf sch\u00fcttelte.<\/p>\n<p><strong>Multimedia:<\/strong><br \/>\n<a title=\"Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pretty-paracetamol\/sets\/72157629972478493\/\">Flickr Photos<\/a><\/p>\n<p><strong>Kontextkonzert:<\/strong><br \/>\n&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie erkl\u00e4re ich beispielsweise meinen Arbeitskollegen Konzertfahrten in entfernte St\u00e4dte zu nicht in der \u00d6ffentlichkeit stattfindenden Bands und Musikern? Eine Frage, die sich mir manchmal stelle und die ich mittlerweile mit \u201eAm besten gar nicht\u201c beantworten m\u00f6chte. 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