{"id":3685,"date":"2012-01-25T18:55:37","date_gmt":"2012-01-25T17:55:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=3685"},"modified":"2021-08-08T19:58:45","modified_gmt":"2021-08-08T17:58:45","slug":"the-notwist-nijmegen-22-01-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/the-notwist-nijmegen-22-01-2012\/","title":{"rendered":"The Notwist &#8211; Nijmegen, 22.01.2012"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Doornroosje, Nijmegen<br \/>\n<strong>Vorband: <\/strong>Joasihno<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-15654\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/The-Notwist_22012012.jpg\" alt=\"The Notwist\" width=\"1200\" height=\"674\" \/><strong>The Notwist<\/strong> sind von allen Bands vielleicht die mit der h\u00f6chsten &#8218;Lieblingsmomente in Liedern&#8216; Dichte. Ich hab sie zwar nie gez\u00e4hlt, aber spontan fallen mir eine handvolle Notwist Songs ein, in denen Lieblingsmomente vorkommen.<br \/>\nDie Minuten 1:30 bis 1:50 im <em>Nook<\/em>\u2019schen \u201eNo love\u201c, die Sekunden zwischen Minute 1:30 und 1:50 von \u201eI\u2019m a whale\u201c, oder die Sekunden um Minute 1:30 in \u201eOne with the freaks\u201c, der Anfang von \u201eGood lies\u201c oder die 60 Sekunden \u201eGloomy Planets\u201c zwischen Minute 2:00 und Minute 3:00. Ach, ich mag diese Sequenzen sehr. Oft ist es sogar so, dass ich nur diese Songparts h\u00f6re und den Rest einfach wegskippe. Bei <strong>The Notwis<\/strong>t kommt zu diesen Lieblingsmomenten auch noch ein Lieblingsliveaugenblick. Der ist genau dann, wenn sich <strong>Max Punktezahl<\/strong> in Schrittstellung vor sein Keyboard stellt, mit dem rechten Fu\u00df taktvoll wippt und just im Augenblick des \u00dcbergangs zum Indiegeschrammel dramatisch wild den Oberk\u00f6rper nach vorn und hinten wuchtet. Der Song dazu ist \u201eGravity\u201c. Es ist ein herrlicher Augenblick, der f\u00fcr mich alles zusammenfasst, was <strong>The Notwist<\/strong> f\u00fcr mich ausmachen. Ach, noch viel mehr. Wenn mich einer fragen w\u00fcrde, welche Musik ich mag und warum (was eigentlich schon eine bl\u00f6de Frage ist) w\u00fcrde ich ihm genau diesen einen Augenblick eines <strong>Notwist<\/strong> Konzert zeigen.<br \/>\nVor einigen Tagen haben <strong>The Notwist<\/strong> Oliver in Paris sehr \u00fcberzeugt, was mich wenig \u00fcberraschte. Mich \u00fcberzeugten <strong>The Notwist<\/strong> bisher immer.<\/p>\n<p>&#8218;Keiner singt so wie Markus&#8216; schreibt Oliver, und ist hingerissen von <strong>Markus Achers<\/strong> &#8218;unglaublich traurigen, aber gleichzeitig auch so weichen, warmen, tr\u00f6stlichen Stimme.&#8216;<br \/>\nDem kann ich nur zustimmen, <strong>Markus Achers<\/strong> Gesang verleiht dem <strong>Notwist<\/strong> Sound das i-T\u00fcpfelchen und l\u00e4sst auch in elektronischeren <strong>Notwist<\/strong>-Zeiten den amerikanischen Gitarrenindie durchscheinen.<br \/>\nVor gut 20 Jahren hatten <strong>The Notwist<\/strong> den mit L\u00f6ffeln gefressen. Keine andere europ\u00e4ische Band klang so. <strong>The Notwist<\/strong> \u2013 damals als Band um die H\u00e4lfte kleiner: <strong>Markus<\/strong> und <strong>Micha Acher<\/strong> sowie <strong>Mecki Messerschmidt<\/strong> waren Anfang \/ Mitte der 90er Gitarre Bass, Schlagzeug &#8211; spielten eine perfekte Mischung aus <strong>Dinosaur Jr.<\/strong>, <strong>Minor Threat<\/strong>, <strong>Soundgarden<\/strong>, <strong>H\u00fcsker D\u00fc<\/strong> und den <strong>Lemonheads<\/strong>. Das war gro\u00dfartig und wurde leider v\u00f6llig verkannt. Seinerzeit waren sie Welten entfernt von ihrem heutigen Sound. Einzig <strong>Markus Achers<\/strong> Gesang war damals schon so wie heute: voll von dieser schwerm\u00fctigen Sanftheit und inneren Beharrlichkeit. Seit Ende der 90er, eigentlich mit dem Hinzukommen von Mann Martin Gretschmann ver\u00e4nderte sich ihr Sound. Mehr und mehr elektronische Feinheiten kamen ins Spiel, ihre Songs wurden komplizierter und sch\u00f6ner, weniger wild und keine Metalgitarren mehr. Allerdings bleibt ein Link zu ihren Urspr\u00fcngen. Er hat mit Musik nichts zu tun, f\u00e4llt mir aber immer auf, wenn ich <strong>The Notwist<\/strong> live sehe: <strong>Markus Acher<\/strong> erinnert mich jedes Mal aufs Neue an <strong>Lou Barlow<\/strong>. Auch am Sonntag. Und das war fast die einzige Konstante an diesem Abend. Denn sonst war alles anders.<br \/>\nEs begann schon auf der regnerischen Hinfahrt. &#8218;Da ist ein gro\u00dfer Pommesladen, wollen wir nicht da hin? F\u00fcr das Restaurant an der Ecke k\u00f6nnte es schon etwas sp\u00e4t sein.&#8216; Es war kurz nach sieben Uhr, als wir die vielen Kreisverkehre der Hauptstrasse durchquerten. Gesagt, getan. Einen Kreisverkehr sp\u00e4ter drehten wir und fuhren auf den Parkplatz des Fritjes-Diner. Das wir vor dem Konzert in Nijmegen noch etwas essen gehen war fest eingeplant. Allerdings hatten wir das Eckrestaurant direkt neben dem Doornroosje im Kopf, als wir an das &#8222;was essen gehen&#8220; dachten. Nun wurde es dieser Diner 4 km vor dem Doornroosje. Egal, Frikandel, Bami und Pommes spezial sind nicht die schlechtere Wahl, und da mit uns noch f\u00fcnf Karnevalisten in die H\u00fctte einzogen, f\u00fchlten wir uns gleich wie daheim. Auch wenn wir dieser Art von Heimat emotionslos gegen\u00fcberstehen.<br \/>\nIm Doornroosje war es angenehm gef\u00fcllt. Wir sch\u00e4tzten, dass der Laden nicht ganz ausverkauft sei und das wohl 40% der Zuh\u00f6rer \u00fcber die A57 nach Nijmegen kamen. Tja, diese Weilheimer Band schien in den Niederlanden wenig Beachtung zu finden. Bei uns allerdings nicht, sehr gerne nahmen wir den ungem\u00fctlichen Weg ins gem\u00fctliche Doornroosje auf uns. Nijmegen liegt aber auch zu verkehrsg\u00fcnstig, um hier nicht ab und an bei guten Konzerten vorbeizuschauen. Und ein <strong>Notwist<\/strong> Konzert ist per Definition ein gutes Konzert. Das letzte Mal sah ich sie an der Ostsee, davor im Sommer in Dortmund. Beide Male mussten \/ durften sie zu ung\u00fcnstigen Zeiten auf die B\u00fchne. Um 17 Uhr, lange bevor ein Festival so richtig losgeht, spielten sie am Weissenh\u00e4user Strand, in Dortmund nicht viel sp\u00e4ter. Aber das st\u00f6rte kaum jemanden, das Zelt an der Ostsee war voller als tags drauf um Mitternacht bei <strong>Elbow<\/strong>.<\/p>\n<p>Im Doornroosje war der Konzertbeginn auf 21.30 Uhr angesetzt. So versprach es zumindest der Aushang am Eingang. Dass es dann 10 Minuten sp\u00e4ter wurde, geschenkt. Es war bereitet, der Abend konnte beginnen.<br \/>\n<strong>The Notwist<\/strong> er\u00f6ffneten \u00fcberraschend. \u201cOne dark love poem&#8220; vom <em>Nook<\/em> Album donnerte unter hellem Wei\u00dflicht von der B\u00fchne. Oh, heute weniger Elektro und mehr Rock?<br \/>\nTats\u00e4chlich hatten The Notwist an diesem Abend einen musikalischen Schwerpunkt. Der hiess zwar nicht \u201eRock\u201c und auch nicht \u201eweniger Gefrickel\u201c, er hie\u00df <em>Neon Golden<\/em>. Sieben Songs vom 2002er Album spielten sie, dazu eine Handvoll vom letzten, <em>The devil, you + me<\/em>, und fertig war die Setlist. Aber war ihr Sound nicht doch rockiger? Klang das Schlagzeug nicht scheppernder als sonst? Und war nicht generelle mehr zug in den St\u00fccken?<br \/>\nNat\u00fcrlich konnte ich mich w\u00e4hrend des Konzerts nicht von meinem Eingangsverdacht befreien, &#8218;war da nicht ein kleines New-Order Sample zu Beginn von &#8222;Pilots&#8220;?&#8216;. Immer mal wieder schien es mir, als ob an diesem Abend musikalisch etwas anders lief.<br \/>\nDas Doornroosje ist ein kleiner Laden, die B\u00fchne ist in idealer ein Meter H\u00f6he. Wir waren also sehr nahe dran und vielleicht war das schon der Grund, warum die Musik lauter und das Schlagzeug scheppernder klangen. Ja, daran wird es liegen. Ich sollte mir Dinge nicht immer einreden. Auch wenn sie augenscheinlich gut zusammenpassen kann doch alles zuf\u00e4llig so sein: das wei\u00dfe Licht, die rockigere Grundausrichtung, das laut scheppernde Schlagzeug. Man k\u00f6nnte hier die alten <strong>Notwist<\/strong> rein interpretieren, muss man aber nicht.<br \/>\nAndere Dinge sind doch viel wichtiger: Warum habe ich die <em>Shrink<\/em> CD nicht, und wo zum Henker ist <em>13<\/em>?<\/p>\n<p>PS: <strong>Achers<\/strong> Gesang klang gar nicht so entr\u00fcckt melancholisch, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Also doch mehr <strong>Lou Barlow<\/strong> im Doornroosje.<\/p>\n<p>PPS: &#8222;Gravity&#8220; war wieder wundersch\u00f6n!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The Notwist sind von allen Bands vielleicht die mit der h\u00f6chsten \u201eLieblingsmomente in Liedern\u201c Dichte. Ich hab sie zwar nie gez\u00e4hlt, aber spontan fallen mir eine handvolle Notwist Songs ein, in denen Lieblingsmomente vorkommen.<br \/>\nDie Minuten 1:30 bis 1:50 im Nook\u2019schen \u201eNo love\u201c, die Sekunden zwischen Minute 1:30 und 1:50 von \u201eI\u2019m a whale\u201c, oder die Sekunden um Minute 1:30 in \u201eOne with the freaks\u201c, der Anfang von \u201eGood lies\u201c oder die 60 Sekunden \u201eGloomy Planets\u201c zwischen Minute 2:00 und Minute 3:00. Ach, ich mag diese Sequenzen sehr. 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