{"id":3388,"date":"2011-10-19T19:12:07","date_gmt":"2011-10-19T17:12:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=3388"},"modified":"2023-06-17T19:50:57","modified_gmt":"2023-06-17T17:50:57","slug":"new-order-brussel-17-10-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/new-order-brussel-17-10-2011\/","title":{"rendered":"New Order &#8211; Br\u00fcssel, 17.10.2011"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>Ort:<\/strong> Ancienne Belgique, Br\u00fcssel<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/farm7.static.flickr.com\/6159\/6261171068_16958806ba.jpg\" alt=\"New Order - Br\u00fcssel 2011\" width=\"500\" height=\"281\" \/><\/p>\n<p>Der Abend begann mit <strong>Walter Benjamin<\/strong>. Zwei Zitate des Philosophen er\u00f6ffneten einen der beiden Kurzfilme, die um halb neun herum \u00fcber die B\u00fchnenleinwand flackerten. (Eigentlich begann der Abend um acht Uhr mit einem DJ Vortrag, aber dazu weiter unten ein Satz mehr). Libanon oder Beirut hie\u00df der erste Kurzfilm, der zweite Film war ein quasi Video zum <strong>Notwist<\/strong> Song \u201eGone, Gone, Gone\u201c. Es waren Filme des Regisseurs <strong>Michael Shamberg<\/strong>, f\u00fcr den dieser Abend und der darauffolgende in Paris veranstaltet wurden. <strong>Shamberg<\/strong>, der eng mit der Band <strong>New Order<\/strong> verbunden ist, mehrere Videos und Livedokus mit und von ihnen aufnahm, ist schwer erkrankt und die Band veranstaltet f\u00fcr ihn zwei Benefizkonzerte.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas Einzigartige an der Arbeit mit New Order war, dass ich vollkommen frei entscheiden konnte, was ich machen wollte. Im Gegensatz zu Vertretern von Plattenfirmen etwa musste ich nie um die Gunst des Regisseurs buhlen. Ich konnte den Regisseur selbst w\u00e4hlen und musste nie etwas schriftlich abliefern und absegnen lassen. Viele der Regisseure, f\u00fcr die ich mich entschied, waren K\u00fcnstler und Filmemacher, die mit Musikvideos bis dahin nichts am Hut hatten. Viele von ihnen kannten noch nicht einmal die Band oder deren Musik. Bei \u201eTrue Faith\u201c, dem erfolgreichsten Video, f\u00fchrte Philippe Decoufl\u00e9 Regie, ein Choreograph aus Paris, dem der Song noch nicht einmal gefiel! Die Produktion jedes einzelnen Videos war einzigartig. Zugegeben, einige waren erfolgreicher als andere, aber die meisten bedeuten immer noch etwas ganz Besonderes f\u00fcr mich. Ich konnte mit vielen meiner Helden und Idole arbeiten \u2013 ich meine nicht nur die K\u00fcnstler und Regisseure, sondern auch Kameraleute wie Lachman, Henri Alekan, Roger Deakins und John Mathieson, oder Schauspieler wie Jane Horrocks und Bill Paxton, oder den Cutter Tony Lawson\u2026 \u2013 eine Liste, die ich endlos weiterf\u00fchren k\u00f6nnte.\u201c (M. Shamberg, 2005)<\/p><\/blockquote>\n<p>Soweit die (Vor)Geschichte zu diesem innerhalb weniger Stunden ausverkauften Konzert im Br\u00fcsseler Ancienne Belgique.<br \/>\n<strong>New Order<\/strong> wurden somit f\u00fcr mich zu einem mehr als hervorragenden Ersatz f\u00fcr das tags zuvor ausgefallene <strong>Soul Asylum<\/strong> Konzert an gleicher Stelle.* Dieses Konzert war mein eigentlicher Hauptgrund, an diesem Wochenende nach Br\u00fcssel zu fahren. Und da ein Konzert pro St\u00e4dtereise nicht lohnt, wollte ich am Montagabend noch <strong>Yuck<\/strong> nachschieben. Ein sch\u00f6nes Doppelpack f\u00fcr ein verl\u00e4ngertes Wochenende, so schien es mir.<br \/>\nDoch dann kamen mir <strong>New Order<\/strong> dazwischen, und die Pl\u00e4ne wurden ein erstes Mal \u00fcber den Haufen geworfen. Okay, Yuck sind gestrichen, aber, oh wie toll, was f\u00fcr eine Altherrenveranstaltung wird denn diese Br\u00fcsselfahrt! Dass vor einigen Tagen dann das Soul Asylum Konzert abgesagt wurde (terminliche Schwierigkeiten, wie es dann so gerne hei\u00dft) war zwar \u00e4rgerlich, aber doch auch verschmerzbar. Es w\u00e4re zwar toll gewesen, Dave Pirner nach Jahren erneut live zu sehen, allerdings habe ich Soul Asylum bestimmt 15 Jahre nicht mehr geh\u00f6rt. Also, abgehakt unter: w\u00e4re nett gewesen.<br \/>\nUnd so blieben von zwei Konzertabenden einer \u00fcbrig, der, und das ist mir heute auf der Zugfahrt noch mal so richtig klar geworden, sehr nachhaltig f\u00fcr mich sein wird. Ich war gestern schon nach dem Konzert sehr angetan von den 90 Minuten und sehr davon \u00fcberrascht, wie gut ich Songs wie \u201eTrue faith\u201c oder \u201eBizarre love triangle\u201c noch leise mitsingen kann. <strong>New Order<\/strong> scheinen mir wichtig zu sein, so etwas wird einem erst in solchen Momenten bewusst.<br \/>\nSie spielen fast in Ursprungsbesetzung: <strong>Stephen Morris<\/strong>, <strong>Gillian Gilbert<\/strong>, die nach 10 Jahren wieder zum Team geh\u00f6rte sowie <strong>Bernard Sumner<\/strong>, erweitert um <strong>Phil Cunningham<\/strong> und <strong>Tom Chapman<\/strong>. Es fehlte, klar, <strong>Peter Hook<\/strong>. Gut, ich kann das verschmerzen, viele andere sagen jedoch: <strong>New Order<\/strong> ohne <strong>Hook<\/strong> seien nicht <strong>New Order<\/strong>. Mir hat sein Bassspiel an diesem Abend zumindest nicht gefehlt.<br \/>\nAls ich sie das letzte Mal live sah, so vor 9-10 Jahren (?) im Palladium (geh\u00f6rte da <strong>Peter Hook<\/strong> noch zur Band, ich wei\u00df es nicht mehr), war es ein schreckliches Erlebnis. Daher erwartete ich von diesem Abend kein Konzert des Jahres. Seinerzeit in K\u00f6ln war die Band ziemlich abgewrackt, der Sound unterirdisch schlecht und <strong>Bernard Sumners<\/strong> Gesang noch schlechter als erwartet. Es war ein gro\u00dfes <strong>New Order<\/strong> live Disaster.<\/p>\n<p>An diesen Abend muss ich unwillk\u00fcrlich denken, als die ersten \u201eCrystal\u201c Gesangspassagen einsetzen. Schlecht ausgepegelt, wenig kraftvoll. Na das kann ja was werden, denke ich und f\u00fchle meine Vorahnungen best\u00e4tigt. Das es dann aber was wurde liegt an zwei wichtigen Unterschieden: Niemand auf der B\u00fchne war betrunken und im Laufe der n\u00e4chsten 2-3 Songs regulierte sich der Sound in nahezu perfekte Sph\u00e4ren. Phasenweise klingt sogar <strong>Bernard Sumners<\/strong> Stimme richtig gut. Und was auch deutlich erkennbar ist: die Band hat Bock auf die beiden Konzerte. Aber alles andere w\u00e4re ja auch irgendwie komisch. Sie hatten sich die Abende ja selbst eingebrockt.<br \/>\nIn 90 Minuten (der Zeitplan im AB wird genau eingehalten \u2013 \u00fcberdies ist es eine sch\u00f6ne Vorgabe der dortigen Veranstalter, die Konzerte zeitlich immer um 22.30 Uhr enden zu lassen, dass jeder Besucher noch ohne Hektik und ohne was zu verpassen seine \u00d6PNV Verbindungen nutzen kann. \u00dcberdies ist es nachts auf dem Ansbach Boulevard auch nicht sonderlich toll.) verzaubern sie mich mit einer guten Collage aus Altem und Neuem, aus Ibiza- Disco und Indiepop, aus Hits und \u00dcberhits.<br \/>\n\u201eCrystal\u201c (vom 2001er <em>Get ready<\/em>) und \u201eKrafty\u201c (vom letzten Album <em>Waiting for the Sirens&#8216; call<\/em>) sowie \u201eRegret\u201c bilden die neuere Generation, alles andere war 1980+. Und alles zusammen ergibt ein tolles, 14 St\u00fccke Best-of Konzert mit vielen wichtigen Songs. Ganz wichtig und gut: \u201eBizarre love triangle\u201c. Zuvor legt <strong>Bernard Sumner<\/strong> die Gitarre ab. Im Block mit \u201eTrue Faith\u201c und \u201e1963\u201c ist das das Herzst\u00fcck des Konzertes. Ich halte fest: <strong>New Order<\/strong> haben nix verlernt.<br \/>\nIm Zugabeblock spielen sie unvermeidlich: \u201eBlue Monday&#8220;. Gef\u00fchlte 20 Minuten dr\u00f6hnt mir dieses &#8218;tititititi, how does ist feel&#8230;&#8216; entgegen. Beim 50sten Synthieloop denke ich: Mit diesem Song kann man auch einen Konzertsaal an die Wand spielen. Es hat sich einfach todgenudelt, dieses Blue Monday. Egal ob 88er, 94er oder Originalversion. Zuviel war zu viel. Nein, ich kann es nicht mehr h\u00f6ren, auch wenn es noch so ein toller Song ist.<br \/>\n\u201eBlue Monday\u201c w\u00e4re eigentlich ein idealer Abschlusssong gewesen, der den Bogen zum Vorprogramm- DJ Set in feinster britischer Dancekultur elegant gespannt h\u00e4tte. Ibiza meets Disco. <strong>Paul Gascoigne<\/strong> und <strong>Glenn Hoddle<\/strong> h\u00e4tte es gefallen.<br \/>\nAber wer <strong>New Order<\/strong> sagt, denkt immer auch an <strong>Joy Division<\/strong>. Und so spielen sie dann noch \u201eLove will tear us apart\u201c. Na gut.<\/p>\n<p>*auch auf der Loreley, als ich sie das erste Mal live sah, war es vorher anders geplant. Seinerzeit sprangen <strong>New Order<\/strong> als Ersatz f\u00fcr die kurzfristig verhinderten <strong>Red Hot Chili Peppers<\/strong> ein.<\/p>\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br \/>\n01: Crystal<br \/>\n02: Regret<br \/>\n03: Ceremony<br \/>\n04: Age Of Consent<br \/>\n05: Love Vigilantes<br \/>\n06: Krafty<br \/>\n06: 1963<br \/>\n07: Bizarre Love Triangle<br \/>\n08: True Faith<br \/>\n09: 5-8-6<br \/>\n10: The Perfect Kiss<br \/>\n11: Temptation<br \/>\nZugabe:<br \/>\n12: Blue Monday<br \/>\n13: Love Will Tear Us Apart<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br \/>\n&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Abend begann mit Walter Benjamin. Zwei Zitate des Philosophen er\u00f6ffneten einen der beiden Kurzfilme, die um halb neun herum \u00fcber die B\u00fchnenleinwand flackerten. (Eigentlich begann der Abend um acht Uhr mit einem DJ Vortrag, aber dazu weiter unten ein Satz mehr). 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