{"id":3382,"date":"2011-10-06T20:54:51","date_gmt":"2011-10-06T18:54:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=3382"},"modified":"2011-10-06T20:54:51","modified_gmt":"2011-10-06T18:54:51","slug":"anna-calvi-koln-05-10-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/anna-calvi-koln-05-10-2011\/","title":{"rendered":"Anna Calvi &#8211; K\u00f6ln, 05.10.2011"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>Ort:<\/strong> Luxor, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband: <\/strong><a title=\"YouTube\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=sL_LxzpSFvA&amp;feature=related\" target=\"_blank\">Fr\u00e0n\u00e7ois &amp; The Atlas Mountains<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/farm7.static.flickr.com\/6054\/6217551713_8bdf07fcd4.jpg\" alt=\"Anna calvi - K\u00f6ln, 05.10.2011\" width=\"500\" height=\"281\" \/><\/p>\n<p>Anna Calvi singt mit weit aufgerissenem Mund. Klar akzentuiert klingt ihre dunkle Stimme. Oh ja, singen kann die junge Frau aus  England, und wenn die Welt gerecht w\u00e4re w\u00fcrde sie den n\u00e4chsten <a title=\"Homepage\" href=\"http:\/\/www.thesun.co.uk\/sol\/homepage\/showbiz\/3792745\/James-Bonds-got-A-View-To-Adele.html\" target=\"_blank\">James Bond versoundtracken<\/a> und nicht ihre Inselkollegen Adele. (Was jetzt nicht hei\u00dfen soll, dass sie es nicht verdient h\u00e4tte, Anna Calvi h\u00e4tte es nur mehr verdient.)<br \/>\nGitarrespielen kann sie auch. Und wie! Zur gro\u00dfen Freude des jazzangehauchten Publikums. Das ist zahlreich erschienen, das Luxor meldet ausverkauft, und so sind wir an diesem Abend nicht umgeben vom typischen  Indiepopkonzertpublikum, und vielleicht ist das ein Grund mit, warum dieser Abend ein nerviger und anstrengender Abend f\u00fcr mich war.<br \/>\nAuch dazu beigetragen haben bestimmt die abgehetzte Anfahrt (Zug verpasst, Lieblingsparkreihe besetzt), der vorangegangene Orthop\u00e4denbesuch, die Vorgruppe und viele Aufreger der Woche, die dazu f\u00fchrten, dass es letztlich ein f\u00fcr mich nicht \u00fcberzeugendes Konzert wurde.<br \/>\nJeodch der Reihe nach, und dann weiter zur Musik:<br \/>\nAls ich kurz vor neun im Luxor auflaufe, ist der Laden schon gut gef\u00fcllt. Das Konzert ist seit Wochen ausverkauft, wenig verwunderlich nach einem tollen Stadtgartenauftritt im Fr\u00fchjahr (den ich wegen Antriebslosigkeit sausen lie\u00df) und einem \u00fcberragenden selbst betiteltem Deb\u00fctalbum der S\u00e4ngerin (das ich eine lange Zeit intensiv geh\u00f6rt habe).<br \/>\nDas l\u00e4stige am Luxor ist, dass sich die Waschr\u00e4ume quasi direkt neben der B\u00fchne befinden, und man sich durch den kompletten Konzertsaal k\u00e4mpfen muss, um dort hinzu gelangen. F\u00fcr G\u00e4ste, die das nicht wissen, erscheinen Waschraumg\u00e4nger auf den ersten Blick als Vordr\u00e4ngler und Reinquetscher, und so wird ihnen gerne schon mal der Weg Richtung B\u00fchne (und Waschraum) nur \u00e4u\u00dferst missmutig freigegeben. Sehr schnell wurde mir bewusst, dass an diesem Abend viele Besucher zum ersten Mal das Luxor betraten. Nun gut, geduldige Wortwechsel helfen weiter und irgendwann war das Ziel erreicht. Eigentlich eine belanglose Sache, wenn ich nicht diese Art von unsinnigen Gespr\u00e4chen den ganzen Abend \u00fcber immer mal wieder geh\u00f6rt und gesehen h\u00e4tte.<br \/>\nAch Leute, was ist denn dabei, wenn jemand seinen Platz verl\u00e4sst, weil er durstig ist oder es zu warm oder was-auch-immer und ein paar Minuten sp\u00e4ter wieder zur\u00fcck zu seinen Leuten m\u00f6chte? Dann muss man doch nicht b\u00f6se gucken. Aufgestanden, Platz vergangen, gilt nicht immer und hier \u00fcberhaupt nicht.<br \/>\nWie komme ich jetzt auf den Begriff \u201eKomfortzone\u201c? Dass sie bei ausverkauften Konzerten selten eingehalten werden kann, liegt in der Natur des Luxors, dass sie jedoch so schamlos \u00fcbert\u00f6lpelt wird wie an diesem Abend nicht unbedingt. Man stelle sich die Situation wie folgt vor: voller Laden, vierte Reihe, kurz vor der Sardinenb\u00fcchse. So weit alles im gr\u00fcnen Bereich. Wir haben es uns in der Enge eingerichtet. Oft erlebtes, oft ertragenes. Dann ein Geschiebe von rechts, und zwei weitere Menschen klebten vor unseren B\u00e4uchen. \u201eIst doch okay, wir sind ja auch kleiner.\u201c Nein, es ist nicht okay, denn nicht nur Gr\u00f6\u00dfe, sondern auch die Masse spielt eine Rolle.<br \/>\nAn normalen Tagen st\u00f6rt mich das alles sehr wenig, aber gestern Abend waren es die falschen Momente. Will sagen, es war ein mehr als ungl\u00fccklicher Start in ein Anna Calvi Konzert, auf das ich sehr gespannt war.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIm Fr\u00fchjahr hatte ich mich nachtr\u00e4glich noch oft dar\u00fcber ge\u00e4rgert, nicht in den Stadtgarten gefahren zu sein. Umso sch\u00f6ner war dann die Nachricht, dass Anna Calvi im Herbst an der Ostsee auftreten wird und noch besser die Ank\u00fcndigung, dass sie im Oktober erneut in K\u00f6ln spielt.<br \/>\nDenn wie erw\u00e4hnt, \u201eAnna Calvi\u201c ist ein tolles Album. Oberfl\u00e4chlich erinnert der Stil ein wenig an PJ Harvey, was mehr Anna Calvi\u2018s Gesang geschuldet ist als der musikalischen Grundrichtung. Die ist mehr Blues als Indie, mehr Bolero als britische Melancholie.<br \/>\nAuf dem Album h\u00f6rt man das im Kleinen, Live erlebte ich es im Gro\u00dfen. Ein starkes Blues-Gitarrensolo im ersten Song \u201eRiders by the sea\u201c zeigte mir die Richtung. Die gef\u00e4llt mir normalerweise nicht, da gehe ich mit Christoph, ich hatte aber Hoffnung, dass es nur bei diesem kurzen Aufflackern bleiben m\u00f6ge \u2013 \u00e4hnlich wie auf dem Album \u2013 und nicht noch weitere gr\u00f6\u00dfenwahnsinnige Gitarrensolo folgen. Oder wenn doch, dass diese nicht so dick auftragen und durch anderes \u00fcberstrahlt werden. Das h\u00e4tte dem bis dahin suboptimalen Abend sehr gut getan, aber da diese Welt nicht gerecht zu sein scheint, lief es eher nach der Brehme- Doktrin: \u201eHaste Schei\u00dfe am Bein, haste Schei\u00dfe am Bein.\u201c<\/p>\n<p>Die Gitarrensoli blieben im Ertr\u00e4glichen, allerdings \u00fcberstrahlte das andere nicht. Nach den ersten vier Songs hatte ich eigentlich genug, selbst das auf CD famos aufspielende \u201eBlackout\u201c hinterlie\u00df bei mir nichts.<br \/>\nAbgesehen von allem trara drum herum &#8211; ich hatte mich mittlerweile daran gew\u00f6hnt &#8211;  gewann ich mehr und mehr den Eindruck, dass Anna Calvi an diesem Abend in nicht allzu gro\u00dfer Spiellaune sein muss. Zu heruntergerissen wirkten die Songs.<br \/>\nNach einer guten halben Stunde h\u00f6rte ich auf: Den Refrain kenne ich. Nicht von Anna Calvi, sondern von einer anderen Band. \u201eEine wenig gegl\u00fcckte Coverversion\u201c lie\u00df ich meinen Nachbarn wissen, ohne ihm genau mitgeben zu k\u00f6nnen, um welches Cover es sich handelt. \u201eWolf like me\u201c (TV on the Radio \u2013 so wei\u00df ich heute) stand ab da beispielhaft f\u00fcr das Konzert. So wie der Coverversion das voranpreschende, energische fehlte,  drang all das, was ich an Anna Calvi\u2018s Songs so sch\u00e4tze, im Luxor leider nicht bis zu mir vor: Ihre Dramen, die Explosivit\u00e4t, das Nervenaufreibende. Selbst das ganz gro\u00dfe \u201eSuzanne and I\u201c verpuffte irgendwo.<br \/>\nDas letzte Drittel verlief nicht anders. \u201eDesire\u201c, der zweite Hit, lie\u00df kurzzeitig etwas Schwung aufkommen, der Saiten-Fingertanz im etwas zu langem Gitarrensolo des finalen \u201eLove won\u2019t be leaving\u201c war beeindruckend, aber im Ganzen war es das nicht.<br \/>\nEs war ein komischer Abend. Ja, ich hatte andere Erwartungen. Auf einen neuen Versuch in ein paar Wochen beim Rolling Stone Weekender.<\/p>\n<p><strong>Multimedia:<\/strong><br \/>\nFotos: <a title=\"Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pretty-paracetamol\/sets\/72157627832785112\/\" target=\"_blank\">frank@flickr<\/a><\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br \/>\n&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ort: Luxor, K\u00f6ln Vorband: Fr\u00e0n\u00e7ois &amp; The Atlas Mountains Anna Calvi singt mit weit aufgerissenem Mund. Klar akzentuiert klingt ihre dunkle Stimme. Oh ja, singen kann die junge Frau aus England, und wenn die Welt gerecht w\u00e4re w\u00fcrde sie den n\u00e4chsten James Bond versoundtracken und nicht ihre Inselkollegen Adele. 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