{"id":3320,"date":"2011-08-12T20:15:18","date_gmt":"2011-08-12T18:15:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=3320"},"modified":"2019-09-25T18:57:59","modified_gmt":"2019-09-25T16:57:59","slug":"sebadoh-koln-10-08-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/sebadoh-koln-10-08-2011\/","title":{"rendered":"Sebadoh &#8211; K\u00f6ln, 10.08.2011"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>Ort:<\/strong> Geb\u00e4ude 9, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> The Wee Li&#8217;l Band<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/farm7.static.flickr.com\/6130\/6032125261_4db71a58de.jpg\" alt=\"Sebadoh - K\u00f6ln, 10.08.2011\" width=\"500\" height=\"281\" \/><\/p>\n<p>Da steh ich nun, etwas verloren, weil ich ohne Begleitung ins Geb\u00e4ude 9 gekommen war, und etwas m\u00fcde, weil Sebadoh nach knappen 2 Stunden erst nach Mitternacht ihr Konzert beendet haben.<br \/>\nAlso ab nach Hause. Ich verlie\u00df z\u00fcgig das Gel\u00e4nde und winkte im Vorbeigehen <strong>Lou Barlow<\/strong> und <strong>Jason Loewenstein<\/strong> zu, die beide an der T\u00fcr des Backstagebereiches standen und allen ein \u201eTsch\u00fcss\u201c, \u201eDanke\u201c und \u201eBye\u201c zuriefen. Viel sympathischer konnte dieser Abend nicht zu Ende gehen.<\/p>\n<blockquote><p>Sebadoh, das war doch bestimmt damals eine deiner Lieblingsbands?<\/p><\/blockquote>\n<p>Komischerweise nein. Komisch deshalb, weil ich sonst all den ganzen Kram, den man, unter anderem, Indie nannte &#8211; <strong>Yo la Tengo<\/strong>, <strong>Dinosaur Jr.<\/strong>, <strong>Guided by Voices<\/strong>, <strong>Mudhoney<\/strong>, <strong>Sugar<\/strong>, und wie sie alle hei\u00dfen &#8211; wie wild inhalierte. Aber <strong>Sebadoh<\/strong>, die gingen an mir vorbei.<br \/>\nErst Ende der 90er, also als <strong>Sebadoh<\/strong> eigentlich schon vorbei war, stieg ich in ihr Werk ein. <em>The Sebadoh<\/em>, ihr neuntes und letztes Album, steht zuhause im Schrank. Vergessen und verstaubt. Lustigerweise stand daneben <em>Sebadoh III<\/em>. Ich wusste gar nicht, dass ich das habe. \u201eThe freed pig\u201c, was sie auch im Geb\u00e4ude 9 spielen, ist das fr\u00fche Highlight dieses Albums. Laut Wikipedia verarbeitet hier<strong> Lou Barlow<\/strong> seinen quasi Rausschmiss und Abgang aus \/ von <strong>Dinosaur Jr.<\/strong> 1989.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;The Freed Pig&#8220;, the opening track on 1991&#8217;s Sebadoh III, documents Barlow&#8217;s frustration with Mascis and his poor treatment within the band.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch kurz zur\u00fcck zu <em>The Sebadoh<\/em>. Als ich das Album am Nachmittag noch mal durchh\u00f6rte, war ich froh, ein Ticket f\u00fcr den Abend besorgt zu haben. Ein tolles Album, charmant rustikal und voller guter Songs. \u201eIt\u2019s all you\u201c, \u201eBreak free\u201c, sind die gro\u00dfen Hits, und \u201eWeird\u201c ist der wohl beste <strong>Foo Fighters<\/strong> Song, den <strong>Dave Grohl<\/strong> nie selbst geschrieben hat. Was ich als Kompliment aufgefasst haben m\u00f6chte.<\/p>\n<blockquote><p>We are Sebadoh, we are from the 90s.<\/p><\/blockquote>\n<p>sagt <strong>Lou Barlow<\/strong> zu Beginn des Abends mit einem Lachen. Er spielte wohl auf die vorab get\u00e4tigten Ank\u00fcndigungen des S\u00e4nger der <strong>The Wee Li&#8217;l<\/strong> Band an. Dieser w\u00fcnschte uns gleich zwei Mal viel Spa\u00df mit der 90er Band <strong>The Sebadoh<\/strong>.<br \/>\n<strong>The Wee Li&#8217;l Band<\/strong> bespielten das Vorprogramm, was ich aber aufgrund einer studiumsbedingten Chatkonferenz verpasste. Fand ich aber nicht weiter schlimm, denn die K\u00f6lner Band hatte ich schon das ein oder andere Mal im Vorprogramm anderer Bands gesehen.<br \/>\nIm Gegensatz zu <strong>Sebadoh<\/strong>, die sah ich noch nie. <strong>Lou Barlow<\/strong> schon. Mit der <strong>Folk Implosion<\/strong> vor l\u00e4ngerer Zeit und erst vor zwei Jahren zusammen mit <strong>J. Mascis<\/strong> in Form von <strong>Dinosaur Jr.<\/strong>.<\/p>\n<p>A propos <strong>Folk Implosion<\/strong>. Noch so ein Spin-off. Und das erfolgreichere Projekt. Ihr Song \u201eNatural one\u201c erreichte mittlere Ber\u00fchmtheit, weil <strong>Folk Implosion<\/strong> hiermit auf dem Soundtrack zum Film <strong>Kids<\/strong> mitmischten. Nicht das einzige Mal, <strong>The Folk Implosion<\/strong> sind auch auf den Soundtracks zu <strong>A life less ordinary<\/strong> und <strong>Adaption<\/strong> zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Und ich bef\u00fcrchte, ich habe <strong>Sebadoh<\/strong> und <strong>Folk Implosion<\/strong> immer durcheinander gebracht oder in einen Topf geworfen. Nun egal, <strong>Lou Barlow<\/strong> spielt hier wie da. Der Name <strong>Folk Implosion<\/strong> ist \u00fcbrigens eine Anspielung an die <strong>John Spencers Blues Explosion<\/strong>. Einen Seitenhieb konnte sich <strong>Lou Barlow<\/strong> im Geb\u00e4ude 9 nicht verkneifen.<br \/>\n\u00dcberhaupt war er sehr redselig. Einige der Themen, die besprochen werden mussten, waren die:<\/p>\n<p><strong>Lou Barlow<\/strong> war schon oft im G9 und er findet hier den Klang seiner Stimme so toll. Er erinnert ihn an die Stimme von <strong>Bill Callahan<\/strong>, worauf er kurz erkl\u00e4rte, wie sich <strong>Callahan<\/strong> Songs zusammensetzen.<\/p>\n<p><strong>Sebadoh<\/strong> spielen in den 90ern im deutschen Fernsehen und fragen sich bis heute, warum sie dazu eingeladen wurden.<\/p>\n<p>Vielleicht war das aber auch alles Quatsch. Unterhaltsam waren die kleinen Geschichten jedoch allemal. Auch die \u00fcber die Band <strong>Journey<\/strong> und <strong>Lou Barlows<\/strong> Lieblingslied. (Google sagt gerade, das mit dem Fernsehen war wohl kein Quatsch. Rockpalastarchiv: <strong>Heinz Rudolf Kunze &amp; Verst\u00e4rkung<\/strong> feat. <strong>Sebadoh<\/strong> und andere).<\/p>\n<p>Musik gespielt wurde auch. Und das sehr angenehm und zur\u00fcckhaltend. Sebadoh sind die klassische Indieschule: Schlagzeug, Gitarre, Bass. Keine wuchtigen Gesten, kein \u00fcbertriebenes Gehabe. Einzig der Oberk\u00f6rper schwingt und ab und an nickt der Kopf im Takt. F\u00fcr Brillentr\u00e4ger eher nachteilig, und genau wie <strong>Markus Acher<\/strong> vor einer Woche musste auch <strong>Lou Barlow<\/strong> seine Brille irgendwann beiseitelegen. Sie rutscht nervig den Nasenr\u00fccken herunter, und da man als Gitarrist keine Hand frei hat, musste sie halt weg. Auch auf die Gefahr hin, die Dinge unsch\u00e4rfer zu sehen. So musste er die Setlist ganz dicht vor seine Augen halten, um den n\u00e4chsten Songtitel ablesen zu k\u00f6nnen. Dieser Gegencheck war wichtig, zeigten die unterschiedlichen Vorstellungen der Musiker vom n\u00e4chsten Song verwechselten doch <strong>Lou Barlow<\/strong>, <strong>Jason Loewenstein<\/strong> und <strong>Bob D&#8217;Amico<\/strong> in all ihrer Schlurfigkeit zwei, drei Mal die vorher besprochene Songreihenfolge.<br \/>\nDas DIN A4 Blatt musste arg vollgeschrieben sein. Da <strong>Sebadoh<\/strong> Songs eher kurz angebunden sind, kommen im Laufe eines zweist\u00fcndigen Konzertes einige zusammen. Ich tippe auf 26 bis 30 St\u00fccke**, die sie an diesem Abend spielen. Genau kann ich das leider nicht mehr nachhalten. &#8218;We have passed the curfew&#8216; bemerkt <strong>Lou Barlow<\/strong> vor der letzten Zugabe. Ja, es war ein sch\u00f6ner Abend, ein toller Ausflug zur\u00fcck in die beste Zeit des Indierocks.<\/p>\n<p>Es gibt Konzerte, zu denen kann man blind gehen. Ohne Albumkenntnisse, ohne auf-dem-laufenden zu sein. <strong>Sebadoh<\/strong> Auftritte geh\u00f6ren, \u00e4hnlich wie <strong>Wedding Present<\/strong>, <strong>Yo la tengo<\/strong>, <strong>Sonic Youth<\/strong> oder <strong>Get well soon<\/strong> Abende, dazu. Und es ist egal, ob die Band gerade ein neues Album drau\u00dfen hat, zum dritten Mal innerhalb eines dreiviertel Jahres in der Stadt spielt oder gerade Re-Releases mit einer Tour promotet*. Entt\u00e4uscht wird man nicht. Ein, zwei Songs und alles scheint wunderbar.<br \/>\n<strong>Sebadohs<\/strong> seichter \u201eIndieschwoof\u201c, der immer dann unterbrochen wurde, wenn <strong>Lou Barlow<\/strong> seinem Gitarristen den Gesang \u00fcberlie\u00df und selber den Bass nahm, ist h\u00f6chste Ehren wert. Ein authentisches Konzert. Unspektakul\u00e4r, erdig, gut. Schlurfig, schrammelig, Lo-Fi.<\/p>\n<p>\u201eJust gimme Indierock\u201c, rief mehrmals eine Stimme hinter mir. Nun, das spielten sie dann nicht, oder doch: knappe 2 Stunden lang.<\/p>\n<p>*Im Fall von <strong>Sebadoh<\/strong> ist es letzteres. <em>Bakensale<\/em> und <em>Harmacy<\/em>, ihre beiden Mitneunziger Alben werden wiederver\u00f6ffentlicht. Die Gelegenheit k\u00f6nnte ich eigentlich nutzen.<br \/>\n** Gut getippt, die unten aufgef\u00fchrte Setlist kam sp\u00e4ter per Mail.<\/p>\n<p><strong>Setlist:<br \/>\n<\/strong>01: On fire<br \/>\n02: Skull<br \/>\n03: Ocean<br \/>\n04: Rebound<br \/>\n05: Magnet\u00b4s coil<br \/>\n06: S. soup<br \/>\n07: Mind reader<br \/>\n08: Got it<br \/>\n09: Love to fight<br \/>\n10: Drag down<br \/>\n11: Dreams<br \/>\n12: Too pure<br \/>\n13: The freed pig<br \/>\n14: License to confuse<br \/>\n15. Sister<br \/>\n16: Drama mine<br \/>\n17: Nothing like you<br \/>\n18: Crystal gypsy<br \/>\n19: Careful<br \/>\n20: Bird in the hand<br \/>\n21: Beauty of the ride<br \/>\n22: Two years two days<br \/>\n23: Not a friend<br \/>\n24: Forced love<br \/>\n25: Sixteen<br \/>\n26: Give up<br \/>\nZugabe:<br \/>\n27: Not too amused<br \/>\n28: Willing to wait (more a nirvana version)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da steh ich nun, etwas verloren, weil ich ohne Begleitung ins Geb\u00e4ude 9 gekommen war, und etwas m\u00fcde, weil Sebadoh nach knappen 2 Stunden erst nach Mitternacht ihr Konzert beendet haben.<br \/>\nAlso ab nach Hause. Ich verlie\u00df z\u00fcgig das Gel\u00e4nde und winkte im Vorbeigehen Lou Barlow und Jason Loewenstein zu, die beide an der T\u00fcr des Backstagebereiches standen und allen ein \u201eTsch\u00fcss\u201c, \u201eDanke\u201c und \u201eBye\u201c zuriefen. 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