{"id":3235,"date":"2011-06-05T16:04:49","date_gmt":"2011-06-05T14:04:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=3235"},"modified":"2025-03-18T14:57:22","modified_gmt":"2025-03-18T13:57:22","slug":"primavera-sound-barcelona-28-05-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/primavera-sound-barcelona-28-05-2011\/","title":{"rendered":"Primavera Sound Festival &#8211; Barcelona, 28.05.2011"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-left\"><strong>Ort:<\/strong> Parc del F\u00f2rum, Barcelona<br><strong>Bands:<\/strong> Yuck, Warpaint, Dean &amp; Britta, Mercury Rev, Dean Wareham<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2596\/5800179288_382132c56b.jpg\" alt=\"Warpaint - Barcelona, 28.05.2011\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Das Fazit eines Festivals. Der dritte Tag. Und: <strong>Warpaint<\/strong>! <strong>Warpaint<\/strong>! <strong>Warpaint<\/strong>!<br>Es herrscht schon fr\u00fch eine rege Betriebsamkeit rund um das Festivalgel\u00e4nde. Aber wir sind ja auch schon auf dem Gel\u00e4nde, warum sollten es uns die anderen nicht gleichtun. Es gab auch einen guten Grund.<br>Um 18 Uhr spielen <strong>Yuck<\/strong>, die neuen Lieblinge aller Blogger von heute und den Ausgaben der Musikmagazine von morgen, und eine dreiviertel Stunde sp\u00e4ter die vier M\u00e4dels von <strong>Warpaint<\/strong>.<br><strong>Yuck <\/strong>liegen auf dem Weg zur Llevant B\u00fchne. Daher plane ich den Abstecher ein. An diesem Samstag will ich alles richtig machen, und auf keinen Fall zu sp\u00e4t zur Llevant B\u00fchne kommen. <strong>Warpaint <\/strong>m\u00f6chte ich mir unbedingt von Anfang an und aus n\u00e4chster N\u00e4he anschauen. Ohne Wenn und Aber. Also setze ich mich nicht weit vom Ausgang auf die Trib\u00fcne an der ATP-B\u00fchne.<br><strong>Yuck<\/strong>, eine vierk\u00f6pfige Band aus London. Obwohl ich sehr viele Artikel\u00fcberschriften in diversen Musikblogs \u00fcber und mit ihrem Namen gelesen hatte, kannte ich ihre Musik nicht. Die Tage vor Barcelona waren mit lauter anderem Kram so zu, dass ich es vorher nicht geschafft habe, mir die ein oder andere Festivalband anzuh\u00f6ren. Schlechte Vorbereitung? Vielleicht.<br>Die ersten Songs sind toll. Ich bin angenehm \u00fcberrascht von der klassisch altmodischen Herangehensweise der Band. Ihre Songs sind so konsequent 1990er Indierockpop, es macht Spa\u00df ihnen zuzuh\u00f6ren. Zwischendurch frage ich mich, welche 1990er Band ich nach einer halben Stunde nicht geh\u00f6rt habe. <br>Nach der ersten Anfangseuphorie um \u201eHoling out\u201c, \u201eThe wall\u201c und \u201eGeorgia\u201c flacht die Begeisterung allerdings ein wenig ab. <strong>Yuck <\/strong>k\u00f6nnen qualitativ nicht mehr nachlegen, ihr Pulver scheint nach einer Viertelstunde verschossen. Also bleibt mir Zeit, sich den Auftritt n\u00e4her anzuschauen. Und da kommt mir immer wieder ein Name in den Sinn: <strong>Robert Smith<\/strong>.<br>Nicht nur in Sachen Frisur hat der <strong>Yuck <\/strong>S\u00e4nger <strong>Daniel Blumberg<\/strong> gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit dem <strong>Cure <\/strong>Frontmann. Auch seine K\u00f6rperhaltung, das Tragen der Gitarre, seine verdrehten Beine, all das h\u00e4tte bei einem &#8218;<strong>Robert Smith<\/strong> in concert&#8216; look-a-like Wettbewerb sehr gute Aussichten auf den ersten Platz.<br>Dass <strong>Yuck <\/strong>auch ab und an eine <strong>Cure <\/strong>Gitarre in ihren Songs haben, passt da gut. W\u00e4hrend sie \u201eGet away\u201c spielen \u00fcberlege ich kurz, welche 1990er Jahre Band ich bisher noch nicht herausgeh\u00f6rt habe. Mir f\u00e4llt spontan nur eine ein: die <strong>Lemonheads<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer guten halben Stunde verlie\u00dfen wir aber die Band, um uns den anderen <strong>Cure <\/strong>an diesem Abend zuzuwenden: <strong>Warpaint<\/strong>. <br>Die M\u00e4dels sind relativ fr\u00fch auf der zweitgr\u00f6\u00dften Festivalb\u00fchne angesetzt. Wie gro\u00df sind die Amis in Spanien? Ist die fr\u00fche Uhrzeit gerechtfertigt oder die gro\u00dfe B\u00fchne? Passt beides \u00fcberhaupt \u00fcberein? Fragen \u00fcber Fragen, die ich mir in der Metrofahrt zum Parc del F\u00f2rum an diesem Nachmittag gestellt hatte. Die Antworten sind einfach: gro\u00df, beides, ja.<br><strong>Warpaint <\/strong>haben keine M\u00fche, die gro\u00dfe B\u00fchne f\u00fcr sich zu vereinnahmen. Anders als <strong>James Blake<\/strong> am Vortag wirkt ihr Auftreten auf der Llevant wie eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, wie eine Normalit\u00e4t: Hey, wir sind <strong>Warpaint<\/strong>, wir haben ein klasse Album gemacht, nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir auf einer gro\u00dfen B\u00fchne ran. Selbstsicherheit ohne eine Spur von Arroganz. Denn die sehe ich ihnen nicht an, ich sehe vier gut gelaunte Musikerinnen, denen ihr Auftritt sichtlichen Spa\u00df bereitet. Und 3000 Leute vor der B\u00fchne haben den auch. Ich glaube, <strong>Warpaint <\/strong>spielen ihr das Konzert ihres Lebens bisher, zumindest f\u00fchlt es sich so an. Viel besser kann ich sie mir nicht vorstellen. Sie legen eine irre Spiellaune an den Tag und genie\u00dfen zwischendurch immer wieder den Blick aufs Meer.<br>Jemand sagte, er h\u00e4lt <strong>Warpaint <\/strong>f\u00fcr die beste Band der Welt. Nun, nach diesem Auftritt m\u00f6chte ich ihm nicht widersprechen. Das war schon grandios. Bis zu diesem Samstagabend dachte ich, <strong>Sufjan Stevens<\/strong> k\u00f6nne bei diesem Primavera Sound Festival von keiner anderen Band getoppt werden. <strong>Warpaint <\/strong>schafften es. Sie lieferten mein Konzert des Festivals. Diesen Eindruck darf ich mir eigentlich verw\u00e4ssern, von nun an sollte ich keine <strong>Warpaint <\/strong>Konzerte mehr sehen. Sie w\u00fcrden mich nur entt\u00e4uschen. Aber ich \u00fcberdenke den Ansatz nochmal. <strong>Warpaint <\/strong>nicht noch einmal live sehen w\u00e4re ja auch bl\u00f6d!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2676\/5799626527_40cd078ce9.jpg\" alt=\"Mercury Rev - Barcelona, 28.05.2011\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Es war also ein gelungener Start in den letzten Tag, der noch die eine oder andere \u00dcberraschung parat halten sollte.<br>Ist es eigentlich mutig, <strong>PJ Harvey<\/strong> nicht zu sehen? Oder ist es stattdessen mutiger, sich im Auditori eine Band anzusehen, f\u00fcr die ich in ihrer Hochphase Ende den 1990ern nichts \u00fcbrig hatte und deren gestenreichen Gesangstil des S\u00e4ngers ich nie m\u00f6chte?<br>&#8218;<strong>Mercury Rev<\/strong> perform <em>Deserter\u2019s Songs<\/em>&#8218;, so wurde das Konzert angek\u00fcndigt. Wem das nicht so viel sagt, dem sei es erklaert: <em>Deserter\u2019s Songs<\/em> ist <strong>Mercury Rev<\/strong>&#8217;s viertes Studioalbum, das der NME 1998 zum &#8218;album of the year&#8216; k\u00fcrte. Es ist quasi ihr <em>Nevermind<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Nachdem wir uns <strong>Dean Wearham<\/strong> und seine Frau <strong>Britta <\/strong>im kleinen Zelt zu einer unplugged Session angeguckt hatten, beschlossen wir spontan, das Auditori der gro\u00dfen B\u00fchne vorzuziehen. Ob das eine gute Idee ist, dessen schienen wir uns zwar nicht ganz sicher, wir wollen es aber drauf ankommen lassen.<br>Reserviert, wie zwei Tage zuvor f\u00fcr die <strong>Sufjan Stevens<\/strong> Show, haben wir diesmal nicht. Also stellen wir uns in die lange Reihe der nicht Reservierenden und hoffen, rechtzeitig in den Konzertsaal zu gelangen.<br>Es klappt so gerade. Zu den ersten Kl\u00e4ngen von \u201eHoles\u201c (sowohl Album- als auch Konzerter\u00f6ffnungssong) finden wir Sitzpl\u00e4tze im gut besuchten, aber bei weitem nicht vollem Konzertsaal. Der erste Eindruck: der Ausdrucksgesang von Frontmann <strong>Jonathan Donahue<\/strong> ist noch da. Mein zweiter Eindruck: wow, da sind ja ein paar ganz gute Sachen auf <em>Deserter\u2019s Songs<\/em>.<br>Erg\u00e4nzt durch ein paar instrumentale Kr\u00fcmel spielen <strong>Mercury Rev<\/strong> das komplette Album. In Reihenfolge. Also auch die ein, zwei schw\u00e4cheren St\u00fccke, die wirklich langweilig sind. Aber wer au\u00dfer <strong>Nirvana <\/strong>und <strong>Oasis <\/strong>schreibt schon ein Album voller Hits? Eben. Als Zugabe spielen sie <strong>Peter Gabriel<\/strong>\u2018s \u201eSolsbury Hill\u201c sowie einen weiteren Song.<br>Es war ein lustiger Abend im Musiksaal. <strong>Mercury Rev<\/strong> lieferten eine eins-a 1990er Jahre Rockshow: viel Nebel, viel Pathos, viel Gepose. Immer hart am Rand des Kitsch. Gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Aber die richtige Wahl und ein Konzert zum dr\u00fcber erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3659\/5800179484_25214fba0b.jpg\" alt=\"Dean &amp; Britta - Barcelona, 28.05.2011\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><br><strong>Dean Wareham<\/strong> hatte ich bereits vor drei Stunden vor der kleinen unplugged B\u00fchne stehen sehen. Er und seine Frau Britta unterhielten sich mit anderen Leuten, bevor sie ein kurzes Stelldichein im Ray-Ban Zelt geben sollten, in dem sie drei, vier Songs spielten (darunter das tolle \u201eSnowstorm\u201c) und abschlie\u00dfend einige Fragen beantworteten.<br>Nun also ihr regul\u00e4res Konzert auf der ATP-B\u00fchne. Ich gestehe ein, dass ich <strong>Galaxy 500<\/strong> vor Jahren vollst\u00e4ndig verpasst habe. Aber, es ist ja nie zu sp\u00e4t, Dinge nachzuholen. Und so wurden <strong>Dean Wareham<\/strong> bzw. <strong>Galaxy 500<\/strong> zu meiner pers\u00f6nlichen Barcelonaentdeckung. \u201eBlue thunder\u201c oder das schon erw\u00e4hnte \u201cSnowstorm\u201d, im Intervall zwischen <strong>Guided by voices<\/strong> bis <strong>Yo la tengo<\/strong> passt <strong>Dean Wareham<\/strong> perfekt in meinen Musikkosmos. Sch\u00f6nster, klassischer amerikanischer Indie. Sanft, weich, melodi\u00f6s. Es war ein tolles Konzert, ein guter Festivalabschluss.<br>Nachdem ich mein restliches Prepaidkartenguthaben wieder gegen Bargeld eingetauscht hatte und noch eine gute halbe Stunde <strong>Swans <\/strong>genoss, beschlossen wir, das Primavera Sound Festival 2011 f\u00fcr uns gem\u00fctlich ausklingen zu lassen. F\u00fcr heute hatten wir gen\u00fcgend gute Konzerte erlebt.<br>Und wer kommt n\u00e4chstes Jahr? <strong>Radiohead<\/strong>, <strong>Ash<\/strong>, und eine <strong>Sleater Kinney<\/strong> Reunion w\u00e4ren doch was.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/primavera-sound-barcelona-27-05-2011\/\">Primavera Sound Festival &#8211; Barcelona, 27.05.2011<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/primavera-sound-barcelona-26-05-2011\/\">Primavera Sound Festival &#8211; Barcelona, 26.05.2011<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/the-charlatans-primavera-29-05-2010\/\">The Charlatans &#8211; Primavera Sound Festival, 29.05.2010<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/a-sunny-day-in-glasgow-condo-fucks-primavera-28-05-2010\/\">A sunny day in Glasgow, Condo Fucks &#8211; Primavera Sound Festival, 28.05.2010<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/pavement-the-xx-primavera-27-05-2010\/\">Pavement, The xx &#8211; Primavera Sound Festival, 27.05.2010<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Fazit eines Festivals. 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