{"id":2807,"date":"2010-11-23T19:31:51","date_gmt":"2010-11-23T17:31:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=2807"},"modified":"2024-07-02T21:55:12","modified_gmt":"2024-07-02T19:55:12","slug":"interpol-dortmund-22-11-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/interpol-dortmund-22-11-2010\/","title":{"rendered":"Interpol &#8211; Dortmund, 22.11.2010"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\"><strong>Ort:<\/strong> Westfalenhalle 2, Dortmund<br><strong>Vorband:<\/strong> Surfer Blood<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm6.static.flickr.com\/5202\/5201405853_31e996f3b2.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor vielen Jahren sah ich <strong>Interpol <\/strong>zum ersten Mal. Genau wie an diesem mehr schlecht als rechten Novembertag war das Konzert in Dortmund.<br>Seinerzeit spielten sie im Vorprogramm der englischen Band <strong>The British Sea Power<\/strong> in einem Dortmunder Club. Ich glaube, der Laden hie\u00df Sabotage, zumindest war es eine der ersten Visions Partys, denen noch viele folgen sollten. <strong>Interpol <\/strong>hatten gerade ihr erstes Album ver\u00f6ffentlicht, und die Welt war hin und weg ob des neuen alten Sounds der New Yorker Band. Es war der T\u00fcr\u00f6ffner zur 80er R\u00fcckkehr, zum Hochleben des New Wave und des dunklen Synthierockpops. Pl\u00f6tzlich war eine Band in aller Munde, die bis dahin niemanden mehr interessiert hatte: <strong>Joy Division<\/strong>. Und der Vergleich war schnell da: <strong>Interpol <\/strong>sind die <strong>Joy Division<\/strong> der 00er Jahre. Getragener Gitarrenrock, Schwermut und eine distanzierte Coolness machten sie schnell zum Vorreiter einer neuen Bewegung, die in den <strong>Editors <\/strong>und anderen ihre Mitl\u00e4ufer fand.<br>An ihren Dortmunder Auftritt erinnere ich mich besonders gern. Viel Nebel, wei\u00dfes B\u00fchnenlicht, vier Gestalten in schwarzen Anz\u00fcgen. All das war so stimmig, so perfekt aufeinander abgestimmt, dass jeder sofort erkennen musste, diese Band wird gro\u00df. Dies Band hatte Stil. Sie hatte Style und sie hatte verdammt gute Songs. Ihr Deb\u00fct ist und bleibt sensationell. Ein Evergreen. Sieben Jahre ist das her, eine kleine Ewigkeit. Mittlerweile sind <strong>Interpol <\/strong>Superstars. Ihr zweites Album <em>Our love to admire<\/em> katapultierte sie in die Charts dieser Welt, <strong>Interpol <\/strong>endg\u00fcltig eine der stilvollsten Bands der Jetztzeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dortmunder Westfalenhalle 2 sieht aus wie ein Flugzeughangar. Ein langer Schlauch mit wenig Charme. Ein Zweckbau, der wunderbar funktioniert bei Messen wie der Intermodellbau oder der Hobbytronic. An Konzertabenden wirkt der Raum trostlos, gerade wenn er nicht komplett voll ist. Auf Zweidrittel w\u00fcrde ich den Zuschauerzuspruch an diesen Abend setzen. Und Zweidrittel sehen in der Westfalenhalle 2 verloren aus. Ich sch\u00e4tze, dass unter normalen Umst\u00e4nden das Konzert im K\u00f6lner Palladium stattgefunden h\u00e4tte. Dort w\u00e4re es besser aufgehoben gewesen, soviel schon mal vorneweg, aber derzeit dient das Palladium der K\u00f6lner Oper als Ausweichquartier und steht somit f\u00fcr andere Veranstaltungen nicht zur Verf\u00fcgung.<br>Die \u00d6rtlichkeit war also suboptimal, was jedoch noch lange nicht auf ein schlechtes Konzert schlie\u00dfen l\u00e4sst. Wie viele gute Konzerte hat es schon an ungl\u00fccklichen Orten unter schlechtesten Bedingungen gegeben?<br>Eine Menge, aber das Dortmunder <strong>Interpol<\/strong>konzert geh\u00f6rt leider nicht in diese Kategorie.<br>Leider, weil ich die Band sehr gerne mag, ihre Songs f\u00fcr sehr zeitlos und toll halte, das neue Album klasse finde und \u00fcberhaupt. Auf der R\u00fcckfahrt habe ich mich \u00fcber mich selbst ge\u00e4rgert, dass ich Interpol an diesem Abend nicht so gut sah, wie ich es mir vorher vorgestellt hatte. Falsche Erwartungen? Zuviel Vorfreude? Glatte \u00dcbersch\u00e4tzung? Vielleicht von allem etwas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8218;Jetzt ist auch noch der Sound mies&#8216;, dachte ich beim Opener \u201eSuccess\u201c vom aktuellen Album <em>Interpol<\/em>. Der Bass dr\u00f6hnte und wummerte zu stark. Das Problemchen wurde jedoch in den anschlie\u00dfenden Songs zurechtger\u00fcckt. Also, keine weitere Kritik am schlechten Sound f\u00fcr den Rest des Abends. Dass es trotzdem nicht klappte, lag irgendwie an der Gesamtatmosph\u00e4re. <strong>Interpol<\/strong>songs, und gerade <strong>Interpol<\/strong>songs wirken nur in einem besonderen Rahmen. Und der fehlte mir in der Westfalenhalle. Ich fand den roten Faden nicht, das Konzept. Ich mach das mal an einer bl\u00f6den Einzelbeobachtung fest, um einen Erkl\u00e4rungsversuch \u00fcber das abzugeben, was ich meine:<br><strong>Paul Banks<\/strong> trug ein kariertes Hemd und sprengte somit den Rahmen der schwarzen Anz\u00fcge seiner Kollegen <strong>Daniel Kessler<\/strong> und <strong>David Pajo<\/strong>. Das klingt wirklich albern, ich wei\u00df. Aber es passt nicht zu meinem Interpolbild, es passte nicht zu all dem Nebel und der indirekten B\u00fchnenbeleuchtung. Rein optisch war das eine Unebenheit, ein Versto\u00df gegen das Interpol Corporate Identity.<br>Wo war das stimmige Drumherum, das mich seinerzeit sprachlos gemacht hat? Ich vermisste es. Interpol geh\u00f6ren zu den Bands, die wenig mit dem Publikum interagieren. Sie spielen quasi vor einer Wand. Die Lichtverh\u00e4ltnisse, der Nebel, all das sagt nur eins: Distanz. <strong>Interpol <\/strong>will das Publikum nicht zum mitklatschen animieren, Interpol will allerh\u00f6chstens beobachtet werden. Ein Interpolkonzert lebt nicht von der Publikumsanimation, nicht vom mitmachen oder gar vom gemeinsamen Spa\u00df haben. Jeder f\u00fcr sich, so ist eher das Motto.<br>Das passt toll zur Musik und wirkt dabei keineswegs arrogant.<br>Es funktioniert jedoch nur, wenn es in der Darbietung perfekt r\u00fcberkommt. <strong>Carlos Dengler<\/strong>, der mittlerweile die Band verlassen hat, konnte dies besonders gut. Seine Gesten und Posen waren toll und verrieten viel \u00fcber <strong>Interpol<\/strong>. Er war ein, wenn nicht der Fixpunkt in einem Konzert. Er war der heimliche Frontmann der Band, der, \u00fcber den man sich nach einem Konzert unterhalten konnte. Sein Verlust tr\u00e4gt schwer. Nicht nur was das Songschreiben angeht, auch was die Liveumsetzung betrifft. Das wurde mir gestern klar, und da <strong>Carlos Dengler <\/strong>fehlt, irritiert eben auch \u2013 \u00fcbertrieben gesagt &#8211; ein farbiges Hemd.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber eigentlich ist es ja egal, was wer wie wann tr\u00e4gt. Das Ma\u00dfgebende, und das gilt auch f\u00fcr ein Konzert, ist und bleibt die Musik. Hier legten <strong>Interpol <\/strong>interessanterweise den Schwerpunkt auf die \u00e4lteren Sachen. Vom neuen Album spielten sie sechs oder sieben Songs, so habe ich es wenigstens in Erinnerung.<br>Aber auch hier hatte ich meine kleinen Entt\u00e4uschungen. Nicht was die Setlist angeht, die war gro\u00dfartig. \u201epda\u201c, \u201eSay hello to the angels\u201c, \u201eSlow hands\u201c, \u201eNot even jail\u201c, \u201e Untitled\u201c, \u201eNarc\u201c. Eine miese Setlist liest sich anders. Okay, \u201eStella\u201c oder \u201eLeif Erikson\u201c fehlten, aber ansonsten war alles Sch\u00f6ne dabei. Umso mehr h\u00e4tte es ein tolles Konzert werden m\u00fcssen.<br>Aber die Interpretationen waren merkw\u00fcrdig aufgepeppt. Mal wurden sie mit zu viel Bass und \/ oder Beat unterlegt, manchmal auch einfach nur zu schnell gespielt. Gerade das anfangs gespielte \u201eSay hello to the angels\u201c empfand ich als irrsinnig rasant.<br>\u00dcberdies musste ich feststellen, dass die neuen St\u00fccke live \u00fcberhaupt nicht funktionieren. Immer wenn ich das Gef\u00fchl hatte, na, vielleicht geht doch was, nahmen sie den Elan aus dem Konzert. Im direkten Aufeinandertreffen mit den Songs der ersten beiden Alben fielen sie deutlich ab. Der ganze Abend wurde so mehrmals ausgebremst. Aus der Konserve ist mir das gar nicht so deutlich geworden. Das neue Album finde ich toll, ich h\u00f6re es sehr gerne und relativ oft. Jammerschade das.<br>Wie bereits gesagt, ich \u00e4rgere mich sehr dar\u00fcber, dass ich diesem Konzert nicht alles abgewinnen konnte, dass es mehr an mir vorbeizog als mich mitnahm. Mist, denn so wie an diesem Abend m\u00f6chte ich <strong>Interpol <\/strong>nicht in Erinnerung behalten. Ob mir das gelingt, ist allerdings fragw\u00fcrdig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich rechne nicht mehr mit einem weiteren Album oder gar einer weiteren Tour. Ich glaube, dass <strong>Interpol <\/strong>Kapitel ist geschlossen. Und die Band wei\u00df das, und wir werden es bald erfahren.<br>Man m\u00f6ge mich bitte eines Besseren belehren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2009\/12\/09\/julian-plenti-koeln-08122009\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Julian Plenti \u2013 K\u00f6ln, 08.12.2009<\/a><br><a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2007\/11\/20\/interpol-koln-19112007\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interpol &#8211; K\u00f6ln, 19.11.2007<\/a><br><a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2007\/05\/12\/interpol-koln-11052007\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interpol &#8211; K\u00f6ln, 11.05.2007<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor vielen Jahren sah ich Interpol zum ersten Mal. 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