{"id":2748,"date":"2010-11-11T19:57:42","date_gmt":"2010-11-11T17:57:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=2748"},"modified":"2012-10-03T11:53:20","modified_gmt":"2012-10-03T09:53:20","slug":"slut-koln-10-11-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/slut-koln-10-11-2010\/","title":{"rendered":"Slut &#8211; K\u00f6ln, 10.11.2010"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>Ort:<\/strong> Luxor, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> The strange death of liberal England<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"img-border size full wp-image-2414 aligncenter\" title=\"Slut - K\u00f6ln, 10.11.2010\" src=\"http:\/\/farm5.staticflickr.com\/4058\/5166754205_405498f91f_b.jpg\" alt=\"Slut - K\u00f6ln, 10.11.2010\" width=\"1024\" height=\"680\" \/><\/p>\n<p>Jetzt ist es wieder soweit. Der nasskalte Herbst ist endg\u00fcltig da und schleicht sich in der fr\u00fch beginnenden Tagesdunkelheit \u00fcber den Asphalt. Die Zeit der leichten \u00dcbergangsjacke ist vorbei. Sie alleine schafft es nicht mehr, ausreichend W\u00e4rme am K\u00f6rper zu halten. Eine Fleecejacke f\u00fcr drunter geh\u00f6rt wieder zur Pflichtausstattung, wenn ich mich abends auf zugigen Bahnsteigen rumtreibe. Ach ja, und erst ein Schal macht das urbane Herbstoutfit komplett. Aber der leichte Sommerschal reicht noch allemal. Noch.<br \/>\nWarum erz\u00e4hl ich das? Ganz einfach, weil ich gestern Abend mit gef\u00fchlten vier Jacken am oder um den K\u00f6rper wie ein Muli bepackt im Luxor stand und drei Stunden Musik sah.<br \/>\nOh nein, es ist nicht die Kniepigkeit f\u00fcr den Garderobeneuro, es sind die (berechtigten) Bedenken, den planm\u00e4\u00dfigen Heimzug zu verpassen, weil die Jackenr\u00fcckgabe l\u00e4nger dauert als vorher berechnet. Garderobenschlangen sind eine sehr unberechenbare Spezies. Und nat\u00fcrlich schl\u00e4ngelt sie sich immer dann sehr gem\u00e4chlich Richtung Ausgang, wenn man es eilig hat. Und da der \u00f6ffentliche Personennahverkehr nicht im 24\/7 Rhythmus schl\u00e4gt, sondern die letztm\u00f6gliche Verbindung um kurz nach Mitternacht den Bahnhof verl\u00e4sst, kann es schon mal sehr bl\u00f6d laufen.<br \/>\nErst recht, wenn man sich auf der sicheren Seite f\u00fchlt. \u201eAch, die spielen 90 Minuten, die Vorband &#8217;ne halbe Stunde, da ist Zeit genug.\u201c<br \/>\nBei The strange death of liberal England und Slut dachte ich genau so. &#8222;Da ist Zeit genug.&#8220; Von wegen, und Gott sei Dank handelte ich anders. Ansonsten h\u00e4tte ich a) entweder eher gehen m\u00fcssen, um rechtzeitig meinen Kram zu bekommen, b) ohne Jacken nach Hause fahren d\u00fcrfen oder c) mir am <a title=\"Homepage\" href=\"http:\/\/www.koeln.de\/koeln\/was_ist_los\/topevents\/auftakt_der_karnevalssession_am_1111_383246.html\" target=\"_blank\">Heumarkt<\/a> einen Platz in der ersten Reihe suchen k\u00f6nnen. Um diese Zeit w\u00e4re das bestimmt noch m\u00f6glich gewesen. Denn erst um kurz nach Mitternacht war das Konzert beendet und es war weise, meine Klamotten nicht abzugeben. Ja, es lief nicht so, wie ich es mir vorher ausgemalt hatte.<\/p>\n<p><!--more-->Gestern war ich auch wegen der Vorband da. Die derzeit allgegenw\u00e4rtigen The strange death of liberal England sollten den Abend er\u00f6ffnen. Seit Wochen gibt es kaum einen Musikblog, der nicht ein Videointerview, eine Plattenbesprechung oder wenigstens eine kleine Randnotiz zu den vier Jungs und einem M\u00e4del aus Portsmouth im posting hat. Auch ich war der Versuchung erlegen, meinen Senf zu ihrem Deb\u00fctalbum \u201eDrown your heart again\u201c abzugeben.<br \/>\nDenn es hat es verdient. Die Platte ist toll, und live soll die Band ebenso begeistern. Habe ich gelesen.<br \/>\nHeute kann ich sagen: Stimmt. S\u00e4nger Adam Woolway ist ein famoser Frontmann mit gro\u00dfer Ausstrahlung und B\u00fchnenpr\u00e4senz. Mit aufgerissenen Augen fixiert er die ersten Reihen und lie\u00df so kurzzeitig Assoziationen zu dem \u00e4hnlich starr blickenden Frontmann einer anderen Band aufkommen, der gestern mit seinem Solodeb\u00fct in einem anderen Klub der Stadt gastierte. Genau, ich meine Paule Smith. Wie voll war es eigentlich im Geb\u00e4ude 9? Das Luxor war gut besucht.<br \/>\nBereits nach den ersten Kl\u00e4ngen des Openers war klar, wir hatten die richtige Entscheidung getroffen, hier hinzugehen und nicht ins Rechtsrheinische zu fahren.<\/p>\n<p>The strange death of liberal England spielten sehr gute 40 Minuten. Und ich war sehr \u00fcberrascht, wie gut sie live sind. Konzerte dieser Band scheinen wirklich das zu halten, was man von ihnen sagt bzw. \u00fcber sie liest. Die vier spielten ein souver\u00e4nes Set mit allen Hits (\u201eCome on you young philosophers!\u201c, \u201eRising sea\u201c, \u201eAutumn\u201c, \u201eShadows\u201c) und einigen weiteren Songs.<br \/>\nIhr Auftritt brachte ihnen viel Aufmerksamkeit und Applaus. Gute 40 Minuten durften sie ran, und das war keine Minute zu viel.<\/p>\n<p>Also, Vorband top, da konnte nicht mehr viel anbrennen. \u201eHallo, wir haben gerade unsere ersten beiden Alben erneut ver\u00f6ffentlicht und dies ist unsere kleine Tour dazu. Daher \u2013 um keine Fragen aufkommen zu lassen \u2013 werden wir erst Songs von diesen beiden Alben spielen und zum Ende hin mixen wir dann ein bisschen.\u201c Das nenn ich mal eine etwas andere Konzertansage. Ich glaube, diese Erl\u00e4uterung von Christian Neuburger direkt zu Beginn des Slut Sets war \u00fcberfl\u00fcssig. Nachdem, was ich so beobachtet hatte, schien es mir, als ob alle Bescheid wussten.<\/p>\n<p>Ich war nie ein sonderlich gro\u00dfer Slut Fan. Ende der 90er habe ich die Band zwei, dreimal in Vorprogrammen gesehen, an die ich mich nicht mehr n\u00e4her erinnern kann. Dabei sind die Bayern eine deutsche Indieinstitution. (Also nur die f\u00fcnf, nicht alle Bayern, und erst recht nicht der FC Bayern.) Die sollte ich eigentlich auf der Pfanne haben. Aber erst neulich entdeckte ich wieder ihr erstes Album in meinem CD-Regal. Und damit die Sch\u00f6nheit ihrer Songs. Wie konnte es mir nur gelingen, diese Band an mir vorbeiziehen zu lassen? Ich begreife es nicht.<br \/>\nEine Stunde lang spielten die Ingolst\u00e4dter gute, sch\u00f6ne Indiegitarrenmusik. So viele tolle, zeitlos klingende Songs hatte ich von ihnen nicht erwartet. Ich werde regelrecht \u00fcberrollt von der Wucht ihrer St\u00fccke und von dem hohen Grad an Melodieverst\u00e4ndnis, das die f\u00fcnf dabei an den Tag legen.<br \/>\nEs war ein Brett, das mir da entgegengeworfen wurde.<br \/>\nKnochentrockene Gitarren, schlicht und ergreifende Melodien. Gro\u00dfartig! Von Song zu Song kletterte der Abend in der Jahreskonzertrangliste nach oben.<br \/>\n\u201eFor exercise and amusement\u201c von 1996 und \u201eInterference\u201c von 1998, das waren die Eckdaten der ersten Stunde. \u201eInterference\u201c, das wunderbare \u201eI know\u201c, \u201cSoda\u201c oder \u201eHomesick\u201c die dazugeh\u00f6rigen Songs. Passend zu den dunkleren Gitarren war die B\u00fchne dezent best\u00fcckt. 5 schmale Leinw\u00e4nde reflektierten zart die Videoprojektionen, wei\u00dfes und rotes Licht dominiert in der B\u00fchnenbeleuchtung. Hier passte alles. Das war allergr\u00f6\u00dfte Abendunterhaltung. Slut konzentrierten sich auf das Wesentliche. F\u00fcr Deko- der Arty-Schnickschnack blieb kein Platz. Sehr beruhigend, das zu sehen. Das Luxor nahm die alten Songs dankbar auf. Leichtes Kopfnicken, zartes mitsingen, geschlossene Augen und vertr\u00e4umtes Grinsen geh\u00f6rten gestern zur Publikumsgrundausstattung. Mir ging es da nicht anders.<br \/>\nEin wild durchgetanztes \u201eCloudy day\u201c beendete den ersten Teil des Slut Konzertes. Bis dahin war ich schon v\u00f6llig von den Socken. Ich hatte alles wichtige geh\u00f6rt, ich h\u00e4tte gehen k\u00f6nnen. Machte ich nat\u00fcrlich nicht, denn der Abend war noch nicht vor\u00fcber.<br \/>\nSechs weitere Songs sollten folgen, und, wie angek\u00fcndigt, der \u201eFor exercise and amusement\u201c und \u201eInterference\u201c Rahmen wurde dabei nicht mehr ganz so ernst genommen. \u201eMackie Messer\u201c und \u201eEasy to love\u201c durften bei einem Slut Konzert nat\u00fcrlich nicht fehlen. Sie kamen jetzt. Zwei Kracher zur rechten Zeit. Den Abschluss und letzte Zugabe bildete nochmals alter Kram, \u201eVirus\u201c vom 96er Album. Wie ich gestern Abend spontan feststellen musste, eines der besten Indiem\u00e4dchenlieder, die je geschrieben wurden.<br \/>\nEin feiner Song, ein w\u00fcrdiger Abschluss eines tollen Abends!<\/p>\n<p><strong>Multimedia:<\/strong><br \/>\nFotos: <a title=\"Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pretty-paracetamol\/sets\/72157625362531938\/\" target=\"_blank\">frank@flickr<\/a><\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br \/>\n&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ort: Luxor, K\u00f6ln Vorband: The strange death of liberal England Jetzt ist es wieder soweit. Der nasskalte Herbst ist endg\u00fcltig da und schleicht sich in der fr\u00fch beginnenden Tagesdunkelheit \u00fcber den Asphalt. Die Zeit der leichten \u00dcbergangsjacke ist vorbei. Sie alleine schafft es nicht mehr, ausreichend W\u00e4rme am K\u00f6rper zu halten. 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