{"id":2690,"date":"2010-10-26T17:26:35","date_gmt":"2010-10-26T15:26:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=2690"},"modified":"2010-10-26T17:32:07","modified_gmt":"2010-10-26T15:32:07","slug":"jochen-distelmeyer-koln-25-10-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/jochen-distelmeyer-koln-25-10-2010\/","title":{"rendered":"Jochen Distelmeyer &#8211; K\u00f6ln, 25.10.2010"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>Ort:<\/strong> Geb\u00e4ude 9, K\u00f6ln<br \/>\n<strong><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/farm2.static.flickr.com\/1386\/5118014470_1ca0fc9a1c.jpg\" alt=\"Jochen Distelmeyer - K\u00f6ln, 25.10.2010\" width=\"500\" height=\"281\" \/><\/p>\n<p>Hamburger Schule Pop. (K\u00f6lner Stadtanzeiger)<br \/>\nManche Tage verlaufen anders als andere. Und Montage erst recht. F\u00fcr den fr\u00fchen Abend war eine Eigent\u00fcmerversammlung angesetzt. Zeitlich gar kein Problem, dachte ich noch vorher, Herr Distelmeyer sollte nicht vor halb zehn spielen und die Versammlung nicht ewig dauern. Um halb neun dachte ich so nicht mehr. Ich sa\u00df immer noch an diesem Tisch und diskutierte \u00fcber Garagenstellplatzverordnungen, Mindestgr\u00f6\u00dfen f\u00fcr Abstellfl\u00e4chen, Wege- und Nutzungsrechte, Plakatw\u00e4nde an denkmalgesch\u00fctzten Hausw\u00e4nden und zweckentfremdete Fahrradabstellr\u00e4ume. Ja ja, grau ist mitunter nicht nur die Theorie, sondern auch das wahre Leben. Und in diesem lief mir so langsam die Zeit davon. Als ich eine Viertelstunde sp\u00e4ter ins Auto stieg, und mich auf den Weg ins Geb\u00e4ude 9 machte, hatte ich die Vorband logischerweise schon abgehakt.<\/p>\n<p><!--more-->Und innerlich auch schon den gesamten Abend. Ich mag es eher weniger, mich abzuhetzen und hopplahopp irgendwas zu erledigen. In gewissen Momenten mag ich Ruhe und Bedachtheit und so kam mir kurz der Gedanke, den kompletten Abend sausen zu lassen.<br \/>\nWenn es jetzt im Geb\u00e4ude 9 noch gro\u00dfartig voll ist, dann w\u00e4re mein Ungl\u00fcck komplett, dachte ich noch. Aber Gl\u00fcck gehabt Teil 1: Es war zwar voll, aber nicht gro\u00dfartig voll. Gl\u00fcck Teil 2: Ich kam genau p\u00fcnktlich zu den ersten Kl\u00e4ngen von \u201eWohin mit dem Hass\u201c in den Konzertsaal. Alle schlechten Gedanken und die Hektik davor waren zu diesem Zeitpunkt pass\u00e9.<br \/>\nHerr Distelmeyer hatte gerade sein Konzert er\u00f6ffnet. Das Sakko hing noch an seinem K\u00f6rper, die E-Gitarre noch vor seinem K\u00f6rper. Rotzig klangen die ersten T\u00f6ne und ich war froh, schlussendlich doch hier zu sein. Alles schmeckte nach einem sch\u00f6nen Gitarrenabend in der Tradition der fr\u00fchen Blumfeld Sachen.<br \/>\nDas k\u00e4me mir sehr entgegen, denn in den letzten Jahren habe ich Jochen Distelmeyers musikalisches Schaffen komplett aus den Augen verloren. Beziehungsweise bewusst ignoriert. \u201eTestament der Angst\u201c aus dem Jahr 2001 ist das letzte Album, was ich mir von Blumfeld gekauft und geh\u00f6rt habe. Seine anschlie\u00dfende pop- und schlageraffine Phase interessierte mich nicht, und auch sein erstes Soloalbum aus dem letzten Jahr ging an mir vorbei. Irgendwann kam dann noch eine Live CD Beilage in der Musikexpress. Die habe ich geh\u00f6rt, ein, zwei Mal und dann verloren.<br \/>\nDas sagt wohl alles dar\u00fcber, wie es mit mir und dem Distelmeyer bestellt ist.<\/p>\n<p>Trotzdem z\u00f6gerte ich nicht, mir ein Ticket f\u00fcr das Konzert zu besorgen. Ein wenig Neugierde auf den bedeutendsten deutschen Musiker der 90er muss doch noch da sein.<br \/>\nUnd der Beginn entt\u00e4uschte keineswegs. Der Rest des Abends \u00fcbrigens auch nicht. Dass es nicht so \u201ewuchtig\u201c weitergehen w\u00fcrde, wie es mit den ersten beiden Songs begann, war mir jedoch auch klar.<br \/>\nJochen Distelmeyer sieht nicht nur alt aus (ich musste heute direkt nachschauen, Baujahr 67), sein Gesamtwerk bietet mittlerweile eine so gro\u00dfe Facette, das Abwechslung garantiert ist. Nur 90er Hamburger Schule Gitarren w\u00e4ren da ungerecht.<br \/>\nSo gab es viele Popanleihen in diesem Hopping durch die verschiedenen Alben, aber die ganz irren Schlagersachen bleiben aus. Irgendwann habe ich den \u00dcberblick verloren. Was ist vom Soloalbum, welche St\u00fccke sind aus diesem Jahrtausend, welche aus dem letzten. In der ersten H\u00e4lfte des Konzertes, die nach einer Stunde beendet wurde, war es f\u00fcr mich nicht erkennbar.<br \/>\nAlles war Pop. Das Wuchtigere wurde entwuchtet, das Leise und Sanftm\u00fctige aufgebauscht. Das klingt nach Einheitsbrei, aber nat\u00fcrlich war es das nicht, vielmehr war es eine muntere Reise durch Distelmeyer\u2019sche Songs.<br \/>\nDer zweite Part, sechs Songs umfassend, lag schwerpunktm\u00e4\u00dfig auf der \u201eIch Maschine\u201c. \u201eVon der Unm\u00f6glichkeit Nein zu sagen, ohne sich umzubringen\u201c, \u201eSex.Bomben\u201c und \u201eAus Kriegstagesb\u00fcchern\u201c kamen hintereinander weg. Toll!<br \/>\nDistelmeyer covert Blumfeld.<br \/>\nMit seichteren Gitarren entsch\u00e4rft passten die alten Hits gut ins neue Jahrtausend und zu einem \u00e4lter gewordenen Musiker, der die Texte seiner Songs erlebt hat, aber r\u00fcckblickend die Dinge abgekl\u00e4rter sieht. Jetzt hatte sich der Abend f\u00fcr mich definitiv gelohnt.<br \/>\nAber er war immer noch nicht vorbei. \u201e1000 Tr\u00e4nen tief\u201c, \u201egraue Wolken\u201c, \u201eSo lebe ich\u201c. Was f\u00fcr eine feine Kombination. Zur digitalen Rhythmusmaschine sang Jochen Distelmeyer lasziv rauchend und tanzend: \u201eKomm zu mir in der Nacht &#8211; wir halten uns umschlungen &#8211; bis der Tag erwacht &#8211; k\u00fcss mich dann wie zum ersten Mal\u201c.<br \/>\nDas hatte was von franz\u00f6sischen Chansonniers und sah lustig ungelenk aus. Zu diesem Zeitpunkt stand er alleine auf der B\u00fchne, seine Band kam erst gegen Ende des Songs zur\u00fcck. Gemeinsam spielten sie noch in gef\u00fchlten Endlosversionen \u201egraue Wolken\u201c und \u201eSo lebe ich\u201c. Gerade letzteres, und zu diesem Zeitpunkt standen Herr Distelmeyer und Band bereits \u00fcber zwei Stunden auf der B\u00fchne, schien unz\u00e4hlbare Strophen zu haben. Ein never-ending Song, der aber doch irgendwann ein Ende hatte.<br \/>\n\u201eDas war\u2019s. Kommt gut nach Hause. Vielen Dank.\u201c<br \/>\nUnd auch wenn die Seitent\u00fcr des Geb\u00e4udes 9 schon ge\u00f6ffnet wurde, das war es noch nicht ganz. Die vier auf der B\u00fchne spielten noch eine Zugabe und erst dann war endg\u00fcltig Feierabend.<br \/>\nDie vielen Minuten Distelmeyer sind um.<br \/>\nGut war\u2019s.<\/p>\n<p><strong>Multimedia:<\/strong><br \/>\nFotos: <a title=\"Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pretty-paracetamol\/sets\/72157625121606997\/\" target=\"_blank\">frank@flickr<\/a><\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2010\/08\/04\/die-sterne-juicy-beats-festival-31-07-2010\/\">Die Sterne &#8211; Juicy Beats Festival, 31.07.2010<\/a><br \/>\n<a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2010\/08\/03\/tocotronic-juicy-beats-festival-31-07-2010\/\" target=\"_blank\">Tocotronic &#8211; Juicy Beats Festival, 31.07.2010<\/a><br \/>\n<a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2010\/03\/05\/tocotronic-koln-04-03-2010\/\" target=\"_blank\">Tocotronic &#8211; K\u00f6ln, 04.03.2010<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ort: Geb\u00e4ude 9, K\u00f6ln Hamburger Schule Pop. 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