{"id":21638,"date":"2026-04-22T20:58:14","date_gmt":"2026-04-22T18:58:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=21638"},"modified":"2026-04-22T20:58:15","modified_gmt":"2026-04-22T18:58:15","slug":"big-thief-koeln-14-04-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/big-thief-koeln-14-04-2026\/","title":{"rendered":"Big Thief &#8211; K\u00f6ln, 14.04.2026"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> E-Werk, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> Dylan Meek<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1100\" height=\"619\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC07880_01-1100x619.jpg\" alt=\"Big Thief - K\u00f6ln, 14.04.2026\" class=\"wp-image-21643\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC07880_01-1100x619.jpg 1100w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC07880_01-980x551.jpg 980w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC07880_01-550x309.jpg 550w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC07880_01-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC07880_01.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Auf dieses Konzert war ich mehr als gespannt. Seit ich <strong>Big Thief<\/strong> vor einigen Jahren beim Primavera Sound gesehen habe, bin ich ein kleiner Fan der Band und von <strong>Adrianne Lenker<\/strong>. F\u00fcr das Konzert in K\u00f6ln hatte ich mir daher fr\u00fchzeitig ein Ticket gesichert; eine kluge Entscheidung, denn Wochen vor Konzertbeginn ist das Ding ausverkauft. <br>\u2018Frank\u2019 ruft es aus der Schlange vor dem E-Werk heraus, als ich versuche, ihr Ende zu erreichen. \u2018Hallo Frank\u2019, ein paar Meter weiter h\u00f6re ich meinen Namen erneut. Die Konzertkollegen sind schon da und haben sich bereits in der Warteschlange positioniert. Ich erwidere kurz die beiden \u2018Hallos\u2018 und plaudere ein paar Worte. Mich sowohl hier als auch da in die Wartenden zu dr\u00e4ngeln m\u00f6chte ich jedoch nicht. Da habe ich Skrupel und gehe lieber die 100 Meter weiter bis zum Ende der Warteschlange. Es ist erst viertel vor sieben, also bis zum Einlass dauert es noch ein paar Minuten, aber es ist schon elendig viel Betrieb. Die Schlange reicht vom E-Werk Eingang bis zur T-Kreuzung links herunter. Soweit kann ich das zumindest einsehen. Wer die \u00d6rtlichkeiten kennt, wei\u00df, was ich meine. Es war durchaus eine gute und richtige Entscheidung, etwas fr\u00fcher von der Arbeit zu verschwinden und zeitlich in Richtung E-Werk aufzubrechen. Mit so einem starken Aufkommen hatte ich aber nicht gerechnet. Was treibt die Leute nun zu <strong>Big Thief<\/strong>? Und vor allem, was treibt die Teenagern und Twentysomethings hierhin? Folk ist doch eigentlich was f\u00fcr \u00e4ltere Menschen. Mit Mitte 20 habe ich Folkmusik verachtet. Sicher, <strong>Adrianne Lenker<\/strong> geh\u00f6rt zu den besten Musikerinnen der Gegenwart, aber das alleine kann es doch nicht sein. Ist es wirklich ihr TikTok-Account (und die Vielzahl von TikTok Videos, die mit <strong>Adrianne Lenker<\/strong> Songs unterlegt sind), der ihr 8 Million Spotify User einbringt und der zu starker Popularit\u00e4t bei f\u00fchrt. Auf reddit gibt es einen Beitrag, den ich zugegebenerma\u00dfen nicht ganz gelesen habe, mit dem Titel <em>I feel like Adrianne Lenker already did what Cameron Winter is doing<\/em> und der versucht, sich dem Ph\u00e4nomen der <strong>Adrianne Lenker<\/strong> Popularit\u00e4t zu n\u00e4hern. Vielleicht finden sich hier ein paar Antworten. Ich nehme f\u00fcr mich erstmal das TikTok Argument mit. Weiter verfolge ich die Thematik dann jedoch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Drinnen angekommen, finde ich dann tats\u00e4chlich noch links au\u00dfen einen Platz vor den B\u00fchnengittern. Interessanterweise wird es hier im Laufe des Abends nicht wirklich voll; warum, verstehe ich nicht so ganz, denn Sound und Blick sind ganz hervorragend. Auch, wenn ich sehr stark am Rand des Saales stehe. Meine Bekannten stehen mittiger. Die letzten Konzertnews tauschen wir per Messengerdienste aus. \u00dcber das Vorprogramm zum Beispiel. \u2018Das soll angeblich der Bruder des <strong>Big Thief <\/strong>Gitarristen bestreiten\u2019, lese ich. Auch die interessante und \u00fcberraschende Mischung von jung und alt im Publikums ist nach wie vor ein Thema. Einer der Konzertfreunde steht inmitten einer Traube junger Menschen und stellt erstaunt fest, dass alle um ihn herum Stirnraten spielen. Irgend so ein Handygame. <br>Neben mir stehen zwei Endzehner, vielleicht 18,19 Jahre alt. Der Junge sagt pl\u00f6tzlich sehr ernst zu seiner Freundin \u2018Ich bin schon ziemlich Punk Rock\u2019. Die vorangegangenen Gespr\u00e4chsfetzen hatte ich nicht wahrgenommen, ein Lachen muss ich mir allerdings verkneifen. Ein bisschen sieht er aus wie der S\u00e4nger von <strong>Green day<\/strong>.\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Dann betritt <strong>Dylan Meek<\/strong> die B\u00fchne. &#8218;Sch\u00f6n, dass <strong>Weird Al Jankovic<\/strong> diesen Spa\u00df mitmacht\u2019, lese ich im Messenger. Hihi, eine gewisse \u00c4hnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen. Im E-Werk steht er als Alleinunterhalter auf der B\u00fchne, in seinem anderen Musikerleben ist er mit Band unterwegs. Solo nennt sich das Programm, das wir gute 45 Minuten lang h\u00f6ren. <em>Solo <\/em>ist auch sein aktuelles Album, das \u00fcber Bandcamp bezogen werden kann. Allerdings nicht zum freien Download, wie <strong>Dylan Meek<\/strong> noch w\u00e4hrend des Konzertes behauptet. Musikalisch klingen die guten Sachen nach easy listening \u00e0 la <strong>Dean Martin<\/strong> oder <strong>Ben Folds<\/strong>, manchmal baut er aber fuer meinen Geschmack zu viel Theatralik und Schnickschnack in seine Songs ein, und dann ist es eher wie Zirkusmusik. Auf Platte sind die Songs bestimmt h\u00f6renswerter, ich muss mir mal das <em>Solo <\/em>Album anh\u00f6ren. Der letzte Song hei\u00dft \u201eThis is brotherhood\u201c, und prompt schaut dann auch <strong>Buck Meek<\/strong> vorbei. Somit ist das auch gekl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Anschluss werden die Gitarren gestimmt. Umgebaut werden muss nix, <strong>Dylan Meek<\/strong> verstaut nur sein Keyboard und MacBook, und das war\u2019s. Das <strong>Big Thief<\/strong> Equipment steht schon aufgebaut in seinem R\u00fccken. Der Abend zieht sich. Um viertel nach neun betreten dann endlich <strong>Adrianne Lenker<\/strong>, <strong>Buck Meek<\/strong>, <strong>James Krivchenia<\/strong> und Bassist <strong>Joshua Crumbly<\/strong> die B\u00fchne. Der ist neu, bei meinem letzten Konzert spielte noch <strong>Max Oleartchik<\/strong> den Bass. Sie beginnen wie die letzten Konzerte auch mit \u201eDouble Infinity\u201c, einem Song vom immer noch aktuellen Album <em>Double Infinity<\/em>. Eine neue Platte erscheint bald, ein Umstand, der f\u00fcr dieses Konzert irgendwie Segen und Fluch zugleich ist. Der Segen: Die neuen Songs klingen gut und sie gefallen mir. Der Fluch: <strong>Big Thief <\/strong>spielt einen Haufen neuer Songs, die bisher noch nicht zu h\u00f6ren waren. Manch einen mag das ver\u00e4rgern, weil so andere &#8211; bekannte &#8211; tolle Sachen hinten runterfallen. Mir ist das ein bisschen egal. \u201eNot\u201c, den Song, der mir wichtig war, spielen sie, \u201eLos Angeles\u201c auch. Also kann ich durchaus mit der Songauswahl leben. Neben neuen Songs spielen sie auch Songs von <strong>Adrianne Lenkers<\/strong> Soloplatten. Der <strong>Big Thief<\/strong> Gig schaut also \u00fcber den Bandtellerrand hinaus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe title=\"Live: Big Thief - Not\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Xp6BjYan7uw?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Vom ersten Augenblick an frisst das E-Werk den Musikern aus der Hand. Die Stimmung ist da und ich habe direkt den Eindruck, dass <strong>Big Thief<\/strong> hier und heute machen k\u00f6nnen, was sie wollen; sie w\u00fcrden immer und f\u00fcr alles massiven Applaus erhaschen. Logischerweise ist das Konzert gut. Live spielen <strong>Big Thief<\/strong> ihre Songs anders als auf Platte. Die Songs kratzen oft an 8 oder 9 Minutenmarken, weil die Band die St\u00fccke mit ausufernden Gitarrensoli versieht. Das hebt alles nochmal auf ein anderes Level, ohne eine Sekunde langweilig zu sein oder langatmig zu klingen. Und genau das ist die gro\u00dfe Kunst, die <strong>Big Thief<\/strong> abliefern. Ich denke nicht beim dritten oder vierten Gitarrensoli \u2018ach n\u00f6&#8216;, nicht noch eins, ich denke eher gar nichts und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Und es ist auch gar nicht schlimm, dass <strong>Adrianne Lenker <\/strong>den ein oder anderen Songtext vergisst. Ehrlich gesagt, es wundert mich auch nicht, denn ihre Songs erz\u00e4hlen Geschichten. Die Texte sind durchaus lang und intensiv (\u201eTrade tomorrow\u201c). Daf\u00fcr ist das Publikum enorm textsicher, ich entdecke \u00f6fter Leute, die alles leise und gedankenverloren mitsingen. <br>Das ganze Ambiente wirkt grundsympathisch. Der B\u00fchnenaufbau ist unspektakul\u00e4r, eng stehen die Musiker*innen beisammen. Das Licht ist dezent und erzeugt trotz der Gr\u00f6\u00dfe des Saales eine heimelige Atmosph\u00e4re. Starall\u00fcren entdecke ich keine. Wird das Bassspiel von <strong>Joshua Crumbly<\/strong> bei einem Song nicht ben\u00f6tigt, steht er and\u00e4chtig mit gefalteten H\u00e4nden neben dem Schlagzeug und applaudiert am Ende des Songs als erster seinen Bandkolleg*innen. <br>Vier Songs vor Konzertende gibt <strong>Adrianne Lenker<\/strong> das Programm der letzten Konzertminuten bekannt. Sie w\u00fcrden jetzt noch einen neuen Song und dann drei alte Songs. Die alten Songs oder besser gesagt 2 der Songs w\u00e4ren dann die Zugabe. Die Erl\u00e4uterung versandet noch etwas in zu viel Detailinformationen, bevor dann \u201ePterodactyl\u201c angestimmt wird. Das ist der neue Song, und tats\u00e4chlich folgen die drei bekannten \u201eIncomprehensible\u201c, \u201eAnything\u201c und \u201eLos Angeles\u201c ohne das obligatorische Gepl\u00e4nkel B\u00fchne verlassen &#8211; Applaus &#8211; wieder auf die B\u00fchne kommen &#8211; Zugabe spielen. Ob sie es vergessen haben? Ich wei\u00df es nicht, es wird auch kein weiteres Wort mehr dar\u00fcber verloren. Sie spielen einfach weiter und gehen dann, gegen 23.15 Uhr, ein einziges Mal von der B\u00fchne. Fast so unscheinbar, wie sie sie 2 Stunden zuvor betreten haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Abschluss spielen sie \u201eLos Angeles\u201c. Ende. Aus. Ein Riesenkonzert! Ich bin maximal euphorisiert. Ich \u00fcberlege intensiv, sie mir im Sommer in Luxemburg nochmal anzusehen. <br>Wenig sp\u00e4ter bin ich zuhause. \u2018I felt asleep with my sneakers on.\u2019<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br>01: Double infinity<br>02: Vampire empire<br>03: Simulation swarm<br>04: Cradle<br>05: From<br>06: Trade tomorrow<br>07: Where will we go<br>08: Real love<br>09: Heavy focus<br>10: Wallet<br>11: Real house<br>12: Terrifying<br>13: Terminal paradise<br>14: Not<br>15: Christmas Day<br>16: Mr. Man<br>17: Pterodactyl<br>18: Incomprehensible<br>19: Anything<br>20: Los Angeles<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/primavera-sound-festival-barcelona-09-06-2022\/\">Big Thief &#8211; Primavera Sound Festival Barcelona, 09.06.2022<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dieses Konzert war ich mehr als gespannt. 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