{"id":2103,"date":"2010-03-24T19:45:47","date_gmt":"2010-03-24T18:45:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=2103"},"modified":"2023-05-28T18:14:55","modified_gmt":"2023-05-28T16:14:55","slug":"mono-dortmund-23-03-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/mono-dortmund-23-03-2010\/","title":{"rendered":"Mono &#8211; Dortmund, 23.03.2010"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> FZW, Dortmund<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Mono - Dortmund, 23.03.2010\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2689\/4460635114_800bb8a8ec.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"305\" \/><\/p>\n<p>Es war in vielen Dingen ein spezieller Abend. Nach langer Zeit und vielen Konzerten in den letzten Jahren hatte ich auf dem Weg nach Dortmund so gar nicht das Bed\u00fcrfnis, unbedingt rechtzeitig um kurz nach acht Uhr da sein zu m\u00fcssen. So tr\u00f6delte ich ein wenig herum, tankte noch an einer freien Tankstelle f\u00fcr 1,43 Euro, um an der n\u00e4chsten Aral festzustellen, dass der Liter hier 1,38 kostet, und zuckelte gem\u00fctlich \u00fcber die baustellengeschw\u00e4ngerte Autobahn. Ich hatte Lust auf Auto fahren und CD h\u00f6ren, einige Neuerscheinungen warteten schlie\u00dflich darauf, in Ruhe geh\u00f6rt zu werden. Aber nicht, dass das jetzt der Grund f\u00fcr meinen Ausflug nach Dortmund gewesen w\u00e4re. Ich war auch ein bisschen neugierig auf die japanischen <strong>Mono<\/strong>. Von denen hatte ich schon einiges geh\u00f6rt, also musikalisch als auch aus Erz\u00e4hlungen. Und das klang sehr lohnenswert\u2026<br \/>\nVor dem FZW standen noch viele Leute. &#8218;Sind die schon angefangen&#8216;, fragte ich an der Kasse.<\/p>\n<blockquote><p>&#8218;\u00c4hh, ja, glaube schon. Die Vorband spielt gerade. Oder so \u00e4hnlich. Ich wei\u00df nicht, ob das dazugeh\u00f6rt.&#8216;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich wurde nicht so richtig schlau aus diesen S\u00e4tzen, merkte mir aber: die Vorband spielt gerade. Gut, nichts verpasst.<br \/>\nAls ich den kleinen Saal des FZW betrat, lichteten sich die nebul\u00f6sen Bemerkungen des Kassenmanns. Wabbersounds und Sph\u00e4risches klang aus den Boxen. Auf der B\u00fchne sa\u00dfen zwei Jungs in Gartenst\u00fchlen. Vor sich hatten sie auf einem Tisch ein Macbook, ein iPod und ein Mischger\u00e4t aufgebaut. Ach ja, und eine \u00fcber USB angeschlossene externe Festplatte. Im Licht des Monitors klickerten sie mit der Maus oder auf der Tastatur umher. Ab und an nuckelte einer der beiden an seiner Flasche Bier. Ihre \u201ePerformance\u201c war meinen abendlichen Internetsessions sehr \u00e4hnlich. Vielleicht haben sie auch einfach eine wav Datei gestartet und ein bisschen rumgesurft.<br \/>\nAls ich um kurz vor neun die Treppen um Saal hinunterging, sah und f\u00fchlte es sich gut gef\u00fcllt an. Zwanzig Minuten sp\u00e4ter hatte es sich hinten heraus merklich geleert. Die sehr ruhigen und sehr experimentell-schwerf\u00e4lligen Sounds schienen nicht jedermanns Sache zu sein.<br \/>\nDas <strong>Mono<\/strong> Publikum ist \u00fcberwiegend m\u00e4nnlich. Unaufgeregt und sachlich. Und vor allem diszipliniert ruhig w\u00e4hrend des Konzerts. Ich bilde mir ein, ein bestimmtes Besuchermuster auszumachen. <strong>Mono<\/strong>, oder <strong>Archive<\/strong> oder auch <strong>Volcano the Bear<\/strong> oder andere Experimentell-Dark-Noise-Kraut-Rockbands ziehen ein spezielles Publikum an. Klar, Songs jenseits der 10 Minutengrenze, dazu noch instrumental und komplex im Aufbau und der Struktur, sind nichts f\u00fcr den schnellen H\u00f6rgeschmack. Das kann f\u00fcr den auf Dauer langweilig werden, der sich nicht wirklich mit der Musik auseinandersetzt. Und das bedeutet: Hausaufgaben machen. Und die lauten: Die Alben in aller Ruhe zu Hause h\u00f6ren, mehrfach und dabei die Feinheiten der einzelnen Songs herauszuarbeiten. Denn die gibt es unter all den Gitarren. Beispielsweise ein Glockenspiel, das wie in \u201eKidnappers bell\u201c aus dem nichts auftaucht. Investiert man die Zeit, dann erschlie\u00dfen sich einem die Songs und jeder Einzelne entwickelt seine eigene Identit\u00e4t. Dann machen 10 Minuten Songs richtig Spa\u00df.<br \/>\nLive gilt es, eine Voraussetzung zu schaffen. Der Sound muss gut sein, nichts darf in einem Matschkn\u00e4uel oder schlecht abgemischten Lautst\u00e4rken untergehen. Und im FZW war die Soundumsetzung perfekt. Daran gibt es nichts zu r\u00fctteln. Glasklar die Aussteuerung, und gar nicht so laut, wie ich es erwartet hatte.<br \/>\n<strong>Takaakira Goto<\/strong>, <strong>Tamaki Kunishi<\/strong> und <strong>Yoda<\/strong> spielen mal auf Hockern sitzend, mal stehend ihre Gitarren. Den Schlagzeuger <strong>Yasunori Takada<\/strong> sehe ich leider nicht so gut. Ein, zwei Boxen versperren die Sicht.<\/p>\n<blockquote><p>Ich seh\u2019 nur Haare und h\u00f6r Gitarren. Toll!!!<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese kurze Zustandsbeschreibungs muss raus. Das trifft den Abend sehr perfekt. &#8218;Wenn ich nicht w\u00fcsste, wo du bist, jetzt w\u00fcsste ich es&#8216;, lie\u00df die Expertenantwort nicht lange auf sich warten. Da war es halb elf, <strong>Mono<\/strong> standen seit einer Stunde auf der B\u00fchne und sind gerade bei Song Nummer sechs angekommen. Oh ja, durchschnittlich 10 Minuten hatte ich bis dahin pro Song ausgemacht. <strong>Mono<\/strong> Songs (auch die in Stereo &#8230; hahaha)* brauchen eben ihre Zeit. <strong>Monos<\/strong> Musik ist instrumental. Die japanischen Postrocker arbeiten nat\u00fcrlich mit Laut-leise-Dynamiken und all dem traditionellen Postrock Kram, also gem\u00e4chlicher Beginn, sich steigernde Gitarrenlautst\u00e4rke ab dem Mittelteil, dem totalen Ausbruch kurz vor Schluss und einem vers\u00f6hnlichen, friedvollen Ende. Trotz eines irgendwie gleichen Grundaufbaus der St\u00fccke war keine einzelne Minute langweilig. Neun Songs lang ist die Setlist, neunmal ein \u00e4hnliches Prozedere. Kurz Gitarren stimmen, K\u00f6pfe nach unten und los.<br \/>\nAls Zuh\u00f6rer bleibt einem nur der L\u00e4rmrausch.<\/p>\n<p>Das Geheimnis von Postrock Konzerten ist es, sich den Songs auszuliefern. Egal ob <strong>Mogwai<\/strong>, <strong>Godspeed you Black! Emporer<\/strong> oder andere Kollegen, die Menschen sind nicht der Hauptact des Konzertes. Zu sehen gibt es nicht viel, zu erleben im Sinne von Aktionismus eher wenig.<br \/>\nDaher ist ein gutes Postrock Konzert einfach beschrieben: wenn es den K\u00fcnstlern und der Musik gelingt, einen f\u00fcr 90 Minuten wegd\u00e4mmern zu lassen, gem\u00fctlich dazustehen und zu schwelgen, die Klangstrukturen wirken zu lassen, dann ist es ein gutes Konzert.<br \/>\n<strong>Mono<\/strong> schafften dies gestern Abend. Ich war verz\u00fcckt, gefangen und \u00fcberhaupt! Ein intensives Konzert!<\/p>\n<p>* Tschuldigung wegen des abgedroschenen und f\u00fcrchterlichen Wortscherzes. Aber ich musste es irgendwie unterbringen.<\/p>\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br \/>\n01: Ashes in the snow<br \/>\n02: Burial at sea<br \/>\n03: Kidnapper bell<br \/>\n04: Pure as snow<br \/>\n05: Sabbath<br \/>\n06: Yearning<br \/>\n07: Follow the map<br \/>\n08: Halcyon<br \/>\n09: Everlasting light<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><a title=\"p-p Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2008\/08\/gossip-koln-2608008\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n<\/a><a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2006\/09\/mogwai-in-essen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mogwai &#8211; Essen, 11.09.2006<\/a><a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2008\/10\/the-enemy-koln-30012008-20-16-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\nMogwai &#8211; K\u00f6ln, 29.10.2008<\/a><br \/>\n<a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2009\/07\/mogwai-bochum-30062009\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mogwai &#8211; Bochum, 30.06.2009<\/a><br \/>\n<a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2009\/10\/volcano-the-bear-dortmund-07102009\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Volcano the bear &#8211; Dortmund, 07.10.2009<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war in vielen Dingen ein spezieller Abend. 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