{"id":20270,"date":"2024-07-15T18:46:51","date_gmt":"2024-07-15T16:46:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=20270"},"modified":"2024-07-15T19:07:39","modified_gmt":"2024-07-15T17:07:39","slug":"waxahatchee-koeln-12-07-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/waxahatchee-koeln-12-07-2024\/","title":{"rendered":"Waxahatchee &#8211; K\u00f6ln, 12.07.2024"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Geb\u00e4ude 9, K\u00f6ln<br><strong>Vorband: <\/strong>Anna St. Louis<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1100\" height=\"619\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/DSC00425_02-1100x619.jpg\" alt=\"Waxahatchee - K\u00f6ln, 12.07.2024\" class=\"wp-image-20275\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/DSC00425_02-1100x619.jpg 1100w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/DSC00425_02-980x551.jpg 980w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/DSC00425_02-550x309.jpg 550w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/DSC00425_02-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/DSC00425_02.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die B\u00fchnenr\u00fcckwand im Geb\u00e4ude 9 ist durch einen goldgl\u00e4nzenden Vorhang bedeckt. Dieser reflektiert das Licht der B\u00fchnenscheinwerfer so, dass die Musiker in einem gelb-gold schimmernden Licht stehen. Das erzeugt eine &#8211; wie ich finde &#8211; ganz eigene Atmosph\u00e4re zwischen Glamour und Trash. Gepaart mit einer Showtreppe k\u00f6nnte es die B\u00fchnendeko eines eleganten Clubs sein. Das ist es hier nat\u00fcrlich nicht. Im Geb\u00e4ude 9 verspr\u00fcht der goldene Vorhang eher den sch\u00f6nen Charme eines leicht heruntergekommenen Country Clubs, in dem die Cowboys der <em>Dutton Ranch<\/em> jede Sekunde eine Schl\u00e4gerei anzetteln k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzert der amerikanischen Musikerin <strong>Waxahatchee<\/strong> ist fast ausverkauft. Ich wei\u00df nicht, ob mich das \u00fcberraschen soll oder nicht. Als ich <strong>Waxahatchee<\/strong> vor zehn, zw\u00f6lf Jahren erstmals live sah, spielte sie in halb so gro\u00dfen Clubs und vor halb so viel Publikum. Seinerzeit war ich gro\u00dfer Fan ihrer do-it-yourself-Indierocksongs, die beiden Alben <em>Cerulean Salt <\/em>und <em>American Weekend<\/em> h\u00f6rte ich regelm\u00e4\u00dfig auf Autofahrten. Das passte ganz gut, und vielleicht sollte ich das mal wieder tun. Damals schrieb ich sowas wie:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Wenn es ihr gelingt, noch etwas mehr Pop in ihre Songs zu legen, dann ist ihre Musik noch st\u00e4rker als jetzt schon daf\u00fcr geeignet, TV Serien von <em>Veronica Mars<\/em> \u00fcber <em>Walking Dead<\/em> bis zu <em>Ray Donovan<\/em> musikalisch zu unterlegen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Davon sind <strong>Waxahatchee <\/strong>2024 allerdings meilenweit entfernt. Jetzt macht <strong>Katie Crutchfield<\/strong> aka <strong>Waxahatchee <\/strong>in Countrymusik, oder wegen meiner Alternative-Country. So lese ich es im Internet. Ihre letzten beiden Alben, <em>Saint Cloud<\/em> und das aktuelle <em>Tigers blood<\/em>, kenne ich nicht. Es sollen Countryalben sein. Und Sozialforscher k\u00f6nnen mit Sicherheit gut erkl\u00e4ren, warum das Country Ding aktuell eine kleine Renaissance erf\u00e4hrt. Egal, ob in der Musik oder im Seriengesch\u00e4ft. <strong>Beyonc\u00e9<\/strong> und <strong>Yellowstone<\/strong> nenne ich mal beispielhaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kenne nur die beiden ersten Alben. Country also, ich bin da kein Freund von und war daher &#8211; abgesehen von der anf\u00e4nglichen Begeisterung, <strong>Waxahatchee<\/strong> mal wieder live sehen zu k\u00f6nnen, &#8211; zur\u00fcckhaltend, was den Ticketkauf anging. Banjo und Steel guitar sind nicht unbedingt meins. Daher kaufte ich mir erst sehr kurz entschlossen ein Ticket. Ich war unsicher, wie 2024 ein <strong>Waxahatchee <\/strong>Konzert f\u00fcr mich sein wird. Und h\u00e4tte ich nicht ein g\u00fcnstiges Angebot gefunden, vielleicht w\u00e4re ich gar nicht zum Geb\u00e4ude 9 gefahren. Vor dem Konzert fragte ich mich vor allem diese zwei Dinge: Spielt sie nur Countrysongs? Und wie Country-esk klingt ihr Country eigentlich? <br>Ein Blick auf die Setlisten der vergangenen Konzerte zeigte mir, dass die ersten Alben null Ber\u00fccksichtigung finden. Meine erste Frage scheint damit beantwortet. Und richtig, im Geb\u00e4ude 9 h\u00f6re ich sp\u00e4ter leider kein \u201eCatfish\u201c oder \u201eCoast to coast\u201c. Stattdessen stehen dort ein paar Songs aus ihrer Zusammenarbeit mit der S\u00e4ngerin Jess Williamson. Als <strong>Plains <\/strong>ver\u00f6ffentlichten sie vor zwei Jahren das Album <em>I walked with you a ways<\/em>, eine Country Platte.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>I Walked With You A Ways ist die gemeinsame Vision zweier Songwriterinnen, die zur\u00fcck in ihre Vergangenheit f\u00fchrt zu zeitlosen, klassischen Country-Songs, die sie als Kinder mitgesungen haben. Die Country-Anleihen hatten sich schon auf Waxahatchees Saint Cloud angedeutet, mit Plains taucht sie nun endg\u00fcltig in diese Welt ein.<\/p>\n<cite>bedroomdisco Homepage<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Aller Fragen und \u00dcberlegungen zum Trotz, sa\u00df ich am Freitagabend im Zug in Richtung Geb\u00e4ude 9. 20 Euro brachen meine letzten Zweifel und \u00fcberdies war ich ein bisschen neugierig und gespannt darauf, ob mich <strong>Waxahatchee<\/strong> auch 2024 noch begeistern k\u00f6nnen. Und wie sie jetzt so klingen. Kurz vor der Abfahrt hatte ich nur noch Zeit, mir einen Song bei YouTube anzuh\u00f6ren. Der gefiel mir ganz gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Saal ist gut gef\u00fcllt, als <strong>Anna St. Louis<\/strong> die B\u00fchne betritt. Der Keyboarder aus der <strong>Waxahatchee<\/strong> Band begleitet sie die n\u00e4chste halbe Stunde. Mir kommt es so vor, als ob ich Anna St. Louis schon einmal live gesehen habe, ihre Ansage, dass dies ihr erstes Konzert in Deutschland sei, l\u00e4sst mich jedoch zweifeln. Die Singer-Songwriterin aus Kansas City spielt ruhige Songs auf ihrer Akustikgitarre. Thematisch passt das ganz gut zu Waxahatchee, ein bisschen gehen die St\u00fccke aber im seichten Gelaber und in der pre-Konzert-Unruhe des Geb\u00e4ude 9 unter. Auch ich kann mich noch nicht so richtig konzentrieren und behalte keinen Song im Ged\u00e4chtnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann <strong>Waxahatchee<\/strong>. Mit Kansas City Trucker Cap und Band betritt <strong>Katie Crutchfield<\/strong> die B\u00fchne. Der erste Song ist sofort ein Hit. \u201e3 sisters\u201c vermischt die Disco mit dem Country und bildet einen stimmungsvollen Eingang in das Konzert. Das Geb\u00e4ude 9, das nun voll ist, ist direkt da. Auch ich denke \u2018wow\u2019 und h\u00f6re damit bis zum Ende des Konzerts nicht mehr auf. Nach dem ersten Gitarrensolo des Gitarristen gibt es erstmals &#8211; und nicht zuletzt &#8211; Applaus auf offener B\u00fchne. Himmel, bereits nach 5 Minuten haben <strong>Waxahatchee <\/strong>alle im Sack. Das h\u00e4tte ich nicht gedacht und es erinnert mich an bisschen an Konzerte von <strong>Big Thief<\/strong> oder <strong>The rural Alberta<\/strong>, die nach wenigen Minuten \u00e4hnlich stimmungsvoll abgingen. Jetzt ist klar, dass das Konzert nicht schlecht werden kann. Die Stimmung bleibt auf dem hohen Pegel der Anfangsminuten, auch wenn die Sounds etwas ruhiger und countryartiger werden. Doch die Melodien sind toll und mir f\u00e4llt auf, dass mich das Banjogeklimper gar nicht so doll nervt. Im Gegenteil, mein Lieblingsinstrument f\u00fcgt sich unaufdringlich in das Gesamtbild ein. Genauso wie die Pedal-Steel Gitarre, die nur ab und zu stark und \u00f6fter weniger stark durchklingt. Nur der Harmoniegesang ist nahezu allgegenw\u00e4rtig. Als Partner dienen <strong>Katie Crutchfield<\/strong> hier entweder die Bassistin oder der Gitarrist. Und apropos der Gitarrist. Der Mann mit dem Schn\u00e4uzer am linken B\u00fchnenrand f\u00e4llt mir auch durch seine eigenwilligen Moves und ein extrovertiertes Gitarrenspiel auf. Ihm kann ich minutenlang zusehen. <br>Die Zeit rauscht, die 80 Konzertminuten sind in Sekundenschnelle vorbei. Die letzten Alben und die <strong>Plains<\/strong> Platte bestimmen die Setlist. Obwohl ich nichts kenne, fremdle ich nicht mit den Songs. Sie sind einfach zu gut, <strong>Waxahatchee <\/strong>sind einfach zu gut, um nicht begeistert zu sein. Ich glaube, <strong>Katie Crutchfield<\/strong> ist auf einem Allzeithoch angekommen, <em>Tigers blood<\/em> ist ganz klar ihr bisheriges Meisterwerk. Gehe ich nach meinem Liveeindruck, dann w\u00fcrde ich sagen, es wird schwer, mit der n\u00e4chsten Platte gleich gut nachzulegen. Aber schauen wir. <br>Ich finde es sehr beeindruckend, welche Entwicklung <strong>Katie Crutchfield<\/strong> genommen hat. <strong>Waxahatchee<\/strong> 2015 &#8211; da sah ich sie zweimal live &#8211; steht in keinem kein Vergleich zu <strong>Waxahatchee<\/strong> 2024. Das sind zwei komplette Welten. <br>Das Konzert war gut, eines der besten in diesem Jahr. Ich hatte nicht viel erwartet und daher war ich nachher noch intensiver beeindruckt und begeistert von diesem Abend. Country oder Alternative Country ist echt h\u00f6rbar.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das Hamburger Konzert von <strong>Waxahatchee <\/strong>titelt das Hamburger Abendblatt: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>So gut wird Taylor Swift nie werden. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mag sein. Kann ich heute nicht sagen, ich werde das am Mittwoch \u00fcberpr\u00fcfen. Das ist dann aber eine andere, neue Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br>01: 3 Sisters<br>02: Evil spawn<br>03: Ice cold<br>04: Can&#8217;t do much<br>05: Problem with it<br>06: Hell<br>07: Right back to it<br>08: Burns out at midnight<br>09: Bored<br>10: Lone Star Lake<br>11: Crimes of the heart<br>12: Oxbow<br>13: Line of sight<br>14: Witches<br>15: Crowbar<br>16: Ruby Falls<br>17: The wolves<br>18: Hurricane<br>19: Lilacs<br>20: Tigers blood<br>Zugabe:<br>21: Much ado about nothing<br>22: 365<br>23: Fire<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-admin\/post.php?post=7089&amp;action=edit\">Waxahatchee &#8211; K\u00f6ln, 08.06.2015 \/ Blue Shell<\/a><br><a title=\"Waxahatchee \u2013 Br\u00fcssel, 31.01.2015\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/waxahatchee-bruessel-31-01-2015\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Waxahatchee &#8211; Br\u00fcssel, 31.01.2015 \/ Botanique<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die B\u00fchnenr\u00fcckwand im Geb\u00e4ude 9 ist durch einen goldgl\u00e4nzenden Vorhang bedeckt. 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