{"id":20013,"date":"2024-04-18T20:54:23","date_gmt":"2024-04-18T18:54:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=20013"},"modified":"2024-04-18T20:55:14","modified_gmt":"2024-04-18T18:55:14","slug":"thundercat-seraing-14-04-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/thundercat-seraing-14-04-2024\/","title":{"rendered":"Thundercat &#8211; Seraing, 14.04.2024"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ort:<\/strong> OM, Seraing<br><strong>Vorband:<\/strong> L4U<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1100\" height=\"619\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DSC09361-1100x619.jpg\" alt=\"Thundercat,Seraing,Konzertbericht,2024,live\" class=\"wp-image-20016\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DSC09361-1100x619.jpg 1100w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DSC09361-980x551.jpg 980w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DSC09361-550x309.jpg 550w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DSC09361-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DSC09361.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bilder auf Google Streetview zeigen eine verlassene Industriebaracke mit holzverschlagenen Fenstern. Oh ha, hier soll das OM sein? Das Haus steht doch leer. Die weiteren Geb\u00e4ude entlang der Stra\u00dfe stehen ebenso sehr verlassen im gef\u00fchlten Nirgendwo. Nur gef\u00fchlt, weil dann doch 100 Meter weiter eine Bahnstation ist und sich auf der anderen Seite der Bahngleise die Ausl\u00e4ufer der belgischen Stadt Seraing anschlie\u00dfen. Ich streetview-e mich durch die Gegend s\u00fcdlich der Maas auf H\u00f6he des Standard L\u00fcttich Stadions. In wenigen Stunden werde ich hier <strong>Thundercat<\/strong> sehen und da mein Auto kein Navi hat, merke ich mir die Stra\u00dfen und notiere die Anfahrtroute. Hier ist doch nichts. Oder besser: hier war nichts. Die Google Aufnahmen zeigen das Aufnahmedatum 2013. Okay, vor 10 Jahren sah es hier so aus. <br>Und heute? Heute steht an der Ecke zur Hauptstra\u00dfe zumindest ein Konzertsaal, eingerichtet im ehemaligen Firmenfestsaal des Unternehmens <strong>Cockerill<\/strong>. Im Oktober letzten Jahres wurde das OM, so der Name des Konzertvenues, er\u00f6ffnet. Es ist ein brandneuer Konzertsaal in einem alten Gem\u00e4uer. Drinnen sieht man davon nicht mehr viel, der Eingangsbereich und das Interieur wirken sehr modern. Einzig das im Art Deco gehaltene Gel\u00e4nder der Treppe zur Galerie und die hohen Fenster der beiden S\u00e4le zeigen etwas vom Charme des ehemaligen Festsaalgeb\u00e4udes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein nigelnagelneuer Konzertort in einem lost place. Das lost place ist das ehemalige Industriegel\u00e4nde <strong>Cockerill-Sambre S.A.<\/strong>, im 19.\/20. Jahrhundert eine der gr\u00f6\u00dften Eisengie\u00dfereien und Maschinenfabriken Europas, liegt brach. Seraing war einer der Ausgangspunkte der industriellen Revolution auf dem europ\u00e4ischen Kontinent und entwickelte sich zu einem der zentralen Industriestandorte Belgiens. Schon im Jahre 1816 betrieb die Familie <strong>Cockerill<\/strong> in Seraing mehrere Hoch\u00f6fen, ein Stahl- und Walzwerk, eine Maschinenfabrik, zwei Steinkohlegruben, eine Erzgrube und eine Kesselschmiede. Seraing wurde zu einem der Brennpunkte der belgischen Industrie und die Firma <strong>Cockerill <\/strong>der erste Hersteller von Eisenbahnmaterial auf dem europ\u00e4ischen Kontinent. Sie lieferte das Gleisbaumaterial f\u00fcr die erste Eisenbahn auf dem europ\u00e4ischen Festland, die Strecke von Br\u00fcssel nach Mechelen, und auch deren erste Lokomotive.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aktuell ist das Gel\u00e4nde eine gro\u00dfe Ruine und von starkem Vandalismus gepr\u00e4gt. Nach und nach werden die Geb\u00e4ude und Hallen abgerissen, lese ich. Was dann hier entstehen soll, keine Ahnung. Bisher entstanden ist zumindest das OM. Der gro\u00dfe Saal fasst 1700 Leute und das OM m\u00f6chte so etwas sein wie ein Bindeglied zwischen dem Br\u00fcsseler AB und den K\u00f6lner Konzerts\u00e4len. \u2018Man m\u00f6chte die Leute nicht mehr zwingen, nach K\u00f6ln oder Br\u00fcssel fahren zu m\u00fcssen, um Bands wie die <strong>Pretenders<\/strong>, <strong>dEUS <\/strong>oder <strong>Ghinzou <\/strong>zu sehen\u2019, lese ich auf einer Infoseite im Internet. In diesem Jahr finden hier einige interessante Konzerte statt. Oder aber man m\u00f6chte Leute nach Seraing einladen, um z. B. <strong>Thundercat <\/strong>zu sehen. Einige deutsche und luxemburgische Nummernschilder erblicke ich auf dem Parkplatz. Klar, f\u00fcr beide ist es die n\u00e4chstgelegene Gelegenheit, den Musiker zu sehen, nachdem alle Deutschlandtermine seiner Tour gecancelt worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An diesem Abend ist der gro\u00dfe Saal jedoch etwas zu gro\u00df. Die T\u00fcren zur Galerie bleiben versperrt, der Oberrang bleibt an diesem Abend geschlossen. Und auch unten ist es &#8211; ich sag mal &#8211; gut gef\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Thundercat<\/strong>. <br>\u00dcber <strong>Kamasi Washington<\/strong> und <strong>Flying Lotus<\/strong>, mit denen er einige Alben\/Songs zusammen machte, kam ich irgendwann auf <strong>Thundercat<\/strong>. Ich kaufte mir sein drittes Album <em>Drunk<\/em>, fand das \u00fcberragend sch\u00f6n und kaufte mir alsbald sein viertes und bisher letztes Album <em>It is what it is<\/em>. Was ich allerdings erst die letzten Tage las ist die Information, dass <strong>Stephen Bruner<\/strong>, so sein nicht-K\u00fcnstlername, von 2002 bis 2011 auch Mitglied der <strong>Suicidal Tendencies<\/strong> war. Ich k\u00f6nnte ihn in den fr\u00fchen 2000er Jahren also schon einmal live gesehen haben, denn ich glaube, ich habe die <strong>Suicidal Tendencies<\/strong> seinerzeit auf irgendeinem Festival gesehen. Das k\u00f6nnte aber auch schon in den 1990er Jahren gewesen sein, und dann h\u00e4tte ich ihn noch nicht gesehen. Viele Konjunktive, keine Festlegungen. Fest steht aber, dass der aktuelle <strong>Thundercat <\/strong>Sound jedoch sehr, sehr wenig mit dem Crossover der kalifornischen Band gemein hat. Fusion, oder auch Jazzrock oder Rockjazz genannt, ist eher sein Ding. Unter Fusion, so das Musikportal Wikipedia, versteht man einen Musikstil, der sich seit Beginn der 1960er-Jahre ausgebildet hat und in dem sich die Raffinesse des Jazz mit der rhythmischen Intensit\u00e4t des Funk und der Kraft der Rockmusik verbindet. Liest sich bl\u00f6d, klingt aber gut. Also zumindest bei <strong>Thundercat<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als wir den Saal betreten, l\u00e4uft der sch\u00f6ne <strong>Tame Impala<\/strong> Song \u201eThe less I know the better\u201c. \u2018Na das passt ja\u2018, denke ich, hat doch <strong>Thundercat <\/strong>erst k\u00fcrzlich mit <strong>Tame Impala<\/strong>&#8217;s <strong>Kevin Parker<\/strong> einen Song aufgenommen. <strong>L4U<\/strong> aka <strong>Laura Violi<\/strong> dj-t eine gute Stunde lang. Ihr Mix umfasst vieles, ist h\u00f6renswert und durchaus kurzweilig. <br>Da im Anschluss nur das DJ-Pult von der B\u00fchne geschoben werden muss, ist die Pause eher kurz. P\u00fcnktlich um 20.30 Uhr und damit exakt im angegebenen Zeitplan betreten <strong>Stephen Bruner<\/strong>, <strong>Justin Brown<\/strong> und <strong>Dennis Hamm<\/strong> die B\u00fchne. Das Intro vor dem ersten Song ist irre lang, der erste Song dann nochmal irre l\u00e4nger. \u201eGreat Scott \/ Innerstellar Love\u201c bringt einen ersten Vorgeschmack auf das, was uns in den n\u00e4chsten gut zwei Stunden erwartet: ausufernden Gitarrensoli und Improvisationen aller drei Musiker. Freejazz w\u00fcrde man im Jazz sagen, hier ist es dann eher Freefusion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Thundercat <\/strong>ist guter Dinge. Er scherzt mit seinem Keyboarder, begr\u00fc\u00dft bekannte Gesichter im Publikum und erz\u00e4hlt einiges \u00fcber seine Songs und Menschen, die sein K\u00fcnstlerleben beeinflusst haben. Ehrlich gesagt, hatte ich das so nicht erwartet. In meinen Gedanken hatte ich mich auf einen eher missmutigen US-amerikanischen Supermusiker eingestellt, der dieses &#8211; auch bei weitem nicht ausverkaufte- Konzert in der europ\u00e4ischen Provinz kurz und schmerzlos abrei\u00dft. Ich meine, da hast du zuvor vier ausverkaufte Abende in London und zwei ausverkaufte Abende in Amsterdam gespielt und dann kommst du nach Seraing, die Halle im Nirgendwo und das Wetter usselig, da w\u00e4re es nur zu verst\u00e4ndlich, wenn die Stimmung nicht top ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch denkste, <strong>Thundercat <\/strong>und Band sind in Spiellaune. Gut so!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das B\u00fchnenbild ziert eine im Manga Stil gezeichnete Katze mit leuchtenden Augen. <strong>Thundercat<\/strong> ist gro\u00dfer Manga Fan, im Laufe des Abends widmet er dem erst k\u00fcrzlich verstorbenen <em>Dragon Ball<\/em> Erfinder <strong>Akira Toriyama<\/strong> ein paar Songs und gibt \u00fcberdies noch ein paar Mal seine starke Japan Affinit\u00e4t zum Ausdruck. <br>Die Band jammt sich durch den Abend, <strong>Thundercat <\/strong>spielt Songs aus seinen letzten drei Alben und seinen Kollaborationen. \u201eIsn\u2019t it strange\u201c, ein <strong>Pedro Martins<\/strong> Cover inklusive einer umfangreichen Erkl\u00e4rung, wer denn dieser Pedro Martins sei oder \u201eWhat&#8217;s the use?\u201c, entstanden aus der Zusammenarbeit mit dem bereits verstorbenen <strong>Mac Miller<\/strong>. Auch ein kleines Snippet von <strong>Kendrick Lamars<\/strong> \u201eThese Walls\u201c &#8211; bei dem <strong>Thundercat<\/strong> auch seine Finger im Spiel hatte &#8211; &nbsp;darf nicht fehlen. A propos <strong>Lamar<\/strong>. Gossip-Geschichten von der West Coast und vom Coachella gibt es obendrauf. Wor\u00fcber man halt so spricht in Los Angeles.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer es wie ich nicht wei\u00df: <strong>Pedro Martins<\/strong> ist ein brasilianischer Jazzmusiker (Gitarre, auch Gesang, Klavier, Bass und Schlagzeug) und Komponist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unerm\u00fcdlich spielt <strong>Thundercat <\/strong>seinen sechssaitigen Bass. Auf YouTube gibt es einige Videos, die sein markantes Bassspiel erl\u00e4utern und die Eigenheiten seiner Bassgitarre erkl\u00e4ren. Ich nehme da folgendes mit: <strong>Thundercat <\/strong>betreibt kein slapping, er spielt den Bass mehr wie eine Gitarre. Deswegen klingt der Bass auch nicht wie ein typischer Bass. Er klingt viel melodi\u00f6ser. Wenn ich es nicht w\u00fcsste, ich w\u00fcrde nicht behaupten, dass er einen Bass spielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach all dem ausufernden Fusion Ged\u00f6ns wird es zum Abschluss des Konzertes swing-lich: \u201eFunny thing\u201c, \u201eBlack qualls\u201c (das auch <strong>Jamiroquai <\/strong>gut zu Gesicht gestanden h\u00e4tte), \u201eThem changes\u201c und \u201eDragonball durag\u201c verweigert <strong>Thundercat <\/strong>ausufernde Gitarrensoli. Die Songs sind nun radiotauglich kurz und die Band bringt so intensiver die Disco in den Saal. Es ist ein guter Abschluss eines \u00fcberragend unterhaltsamen Konzertes. <br>Und das OM ist ein durchaus interessanter Konzertort, der gerade mal 90 Autominuten entfernt liegt. Kann man \u00f6fter hinfahren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe title=\"Live: Thundercat - Walking on the moon\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/oWy6MAKcST0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/primavera-sound-festival-barcelona-29052018\/\">Thundercat &#8211; Primavera Sound Festival Barcelona, 29.05. \u2013 02.06.2018<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bilder auf Google Streetview zeigen eine verlassene Industriebaracke mit holzverschlagenen Fenstern. 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