{"id":1976,"date":"2010-02-09T19:08:30","date_gmt":"2010-02-09T18:08:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=1976"},"modified":"2010-02-09T19:21:22","modified_gmt":"2010-02-09T18:21:22","slug":"japandroids-koln-08-02-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/japandroids-koln-08-02-2010\/","title":{"rendered":"Japandroids &#8211; K\u00f6ln, 08.02.2010"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Japandroids - K\u00f6ln, 08.02.2010\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2761\/4344108416_d1ae77959e.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"281\" \/><\/p>\n<p>Noch so eine Herbstentdeckung aus dem letzten Jahr. &#8222;Post nothing&#8220;, das Deb\u00fctalbum der Japandroids \u00fcberrumpelte mich unvorbereitet. Noiserock von zwei Mann, Gitarre und Schlagzeug. Wuchtig. Ich h\u00f6re Swervedriver Gitarren und denke an &#8222;&#8230;and you will know us by the trail of dead&#8220; oder &#8222;At the drive-in&#8220;. &#8222;Post nothing&#8220; ist Rockmusik der Jetztzeit. Dieser immer melodi\u00f6s klingende L\u00e4rm ist nicht neu, keineswegs. Vor 20 Jahren gab es im weitesten Sinne erste Noiserock Attacken, seinerzeit unter dem Mantel des Alternative Rock verborgen. Helmet, zum Beispiel. Und noch einige andere&#8230;<br \/>\nBands, die so was fabrizieren, k\u00f6nnen nur aus Nordamerika kommen. Ah, die Japandroids kommen aus Kanada, oh aus Vancouver. Genau, Brian King und David Prowse wohnen in Vancouver, der it- Stadt der n\u00e4chsten Wochen.<br \/>\n\u201cWill they find their way back home?\u201c Ach, bestimmt. Der Weg nach Vancouver ist ja derzeit \u00fcberall ausgeschildert. Die Welt befindet sich in olympischer Vorfreude, Vancouver, der zentrale Ort der n\u00e4chsten Tage, ist aus den Medien und den Flugpl\u00e4nen nicht wegzudenken.<br \/>\nDoch bevor am Samstag das olympische Feuer erglimmt, wir uns in die Regeln des Curlings und Skeleton vertiefen, ist ein bisschen Vancouver in K\u00f6ln. Die Japandroids sind da, im Luxor.<br \/>\nDas Duo, das irgendwann im Rahmen erster Demoaufnahmen die Suche nach einem S\u00e4nger aufgegeben hat, vertreibt sich die vorolympische Zeit in Europa. * Oder m\u00f6gen sie gar keinen Sport und befinden sich quasi auf der Flucht vor den Sporttouristen und den Wolf-Dieter Poschmann\u2019s dieser Welt? Oder haben sie ihre Wohnungen vermietet und k\u00f6nnen die n\u00e4chsten Wochen eh\u2019 nicht zur\u00fcck. Ich wei\u00df es nicht, und eigentlich ist es auch egal. Also erst mal Europa begeistern, bitte.<\/p>\n<p>* Erg\u00e4nzung: Auch die olympische Zeit. Ihre Tour f\u00fchrt sie erst im April wieder in heimische Gefilde.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gilt: ein Konzert muss nicht lang sein, um ein gutes Konzert zu sein. Manchmal glaube ich, meine liebsten Konzerte sind die, die keine Stunde dauerten. Warum ich das erw\u00e4hne, nun, ich erwartete von Brian King und David Prowse kein abendf\u00fcllendes Programm. Meine Sch\u00e4tzung ging auf ungef\u00e4hr 50 Minuten. Dass die Japandroids ihr Set \u00fcber knappe 70 Minuten ausdehnten, \u00fcberraschte mich dann umso mehr. Eine Menge Zeit f\u00fcr eine Band mit nur einem Album im Gep\u00e4ck; erst recht wenn man wei\u00df, dass das &#8222;Post nothing&#8220; gerade mal knappe 40 Minuten lang ist.<br \/>\nSo peppten die Vancouveraner ihr Set durch zwei B-Seiten und einen alten, bisher nicht ver\u00f6ffentlichten Song auf. Wie viele St\u00fccke sie spielten, kann ich nicht mehr nachhalten. Viele k\u00f6nnen es aber nicht gewesen sein, denn jeder einzelne dauerte eine gef\u00fchlte Ewigkeit. Die schon auf dem Album nicht gerade kurz geratenen H\u00e4ppchen wurden live noch um einige Minuten an druckvollem Gitarrenspiel erg\u00e4nzt. Ich tippe auf zehn Songs, das k\u00f6nnte passen.<br \/>\nDas Konzert war so, wie ich es mir vorgestellt habe. Vor allem war es laut, ich glaube sogar, sehr laut. Leider war die Lautst\u00e4rke nicht gut verteilt. Was die Gitarre zu viel ab bekam, hatte der Gesang zu wenig. Gr\u00f6\u00dfenteils untersteuert versinken die Gesangsparts bei vielen Songs, Gitarre und Schlagzeug dagegen verschmelzen zu einem gro\u00dfen Klangbrei, der als Folge daraus leider weite Teile des Konzerts zu einer Einheitssuppe geraten lie\u00df. Tontechnisch durchaus ausbauf\u00e4hig, performancetechnisch dagegen sind die Japandroids on-top.<br \/>\nGitarrist Brian King erinnerte mich an Lou Barlow in den 90ern. Die Art wie er Gitarre spielt kommt dem Sebadoh Frontmann sehr nahe. Vielleicht lag es aber auch an den lockigen Haaren und dem tief ins Gesicht fliegenden Pony, der mich zu diesem Vergleich animierte.<br \/>\nVom Gesamtbild kam es einer Health Show sehr nahe. Kraftvoll, wuchtig, nach-vorn gehend. Die beiden machen L\u00e4rm f\u00fcr f\u00fcnf. Ihre Hits haben sie klug im Set platziert, wie Bojen weisen \u201cHeart Sweats\u201c, \u201cCrazy\/Forever\u201c und \u201cSovereignty\u201c ihnen und uns die Richtung. Erste Boje ist als zweites St\u00fcck \u201cThe boys are leaving town\u201c. Sp\u00e4testens ab hier ist der Weg frei: weg, raus, fort. Weiter, immer weiter. Es macht Spa\u00df zuzuschauen. Brian King ist ein erster Eyecatcher. Klar, er kann sich frei bewegen, er ist nicht an sein Mikrofon gebunden wie Bandkollege David Prowse an sein Schlagzeug. Er okkupiert die B\u00fchne, macht und tut, verausgabt sich. In den Songpausen, in denen er seine Gitarre nachjustiert, wirkt er entsprechend kurzatmig.<\/p>\n<p>Nach einer halben Stunde, die Japandroids haben gerade vier Songs gespielt, wird es merkw\u00fcrdig. Ich merke, wie meine Konzentration nachl\u00e4sst. Der diffuse Sound, die ungemein brummende Gitarre, die ungest\u00fcmen Drums und die sich \u00fcberschlagenden Stimmen scheinen mich zu \u00fcberfordern. Es ist die Zeit um \u201eWet Hair\u201c, in der ich gar nichts mehr wei\u00df. Ist es nun ein famoses Konzert oder ist es ein missgl\u00fcckter Auftritt?<br \/>\nH\u00e4tte man mich gestern Abend im Zug auf der Heimfahrt gefragt, ich h\u00e4tte mit \u201cf\u00fcrchterliches Konzert\u201c geantwortet. Heute jedoch glaube ich: es war ein famoser Abend, der noch lange nachhalten wird.<br \/>\nJapandroids Konzerte sind keine leichte Kost. Sie m\u00fcssen erst sacken, damit man ihre Gro\u00dfartigkeit erkennt. Ja, ich glaube, dass ist es.<br \/>\nBeim n\u00e4chsten Mal bin ich besser vorbereitet, dann wei\u00df ich Bescheid.<br \/>\nPr\u00e4dikat sehenswert.<br \/>\n&#8222;It&#8217;s raining in Vancouver &#8211; but I don&#8217;t give a fuck &#8211; &#8218;cause I&#8217;m far from home tonight.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Multimedia:<\/strong><br \/>\nFotos: <a title=\"Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pretty-paracetamol\/sets\/72157623265495187\/\" target=\"_blank\">frank@flickr<\/a><\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><a title=\"p-p Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2008\/08\/gossip-koln-2608008\/\" target=\"_blank\"><br \/>\n<\/a><a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2009\/10\/health-koeln-17102009\/\" target=\"_blank\">Health &#8211; K\u00f6ln, 17.10.2009<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch so eine Herbstentdeckung aus dem letzten Jahr. &#8222;Post nothing&#8220;, das Deb\u00fctalbum der Japandroids \u00fcberrumpelte mich unvorbereitet. 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