{"id":1941,"date":"2010-01-26T19:08:50","date_gmt":"2010-01-26T18:08:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=1941"},"modified":"2019-06-20T14:10:17","modified_gmt":"2019-06-20T12:10:17","slug":"brett-anderson-koln-25-01-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/brett-anderson-koln-25-01-2010\/","title":{"rendered":"Brett Anderson &#8211; K\u00f6ln, 25.01.2010"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Brett Anderson - K\u00f6ln, 25.01.2010\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4029\/4307148046_9265f25357.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"294\" \/><\/p>\n<p>Kalt ist es drau\u00dfen. Bitterkalt. Ich betrete die Regionalbahn \u00fcber vereiste Bahnsteige. Was wird das heute Abend geben? Ex-<strong>Suede<\/strong> Mann <strong>Brett Anderson<\/strong> spielt im Luxor, und ich fahre hin. Angefixt durch die lange, konzertlose Zeit fiebere ich dem Abend entgegen. Oh Gott, Entzugserscheinungen. Ich werde, bzw. ich m\u00f6chte mich \u00fcberraschen lassen. Das scheint der Antrieb zu sein, bei diesem Mistwetter die warme Wohnung zu verlassen. Denn, ich muss gestehen, ich kenne keinen einzigen Song aus <strong>Brett Anderson<\/strong>\u2019s Solo- Schaffenswerk. Was nat\u00fcrlich kein Grund ist, nicht hinzugehen. Ich mag <strong>Suede<\/strong>, und hab eine kleine Ahnung von dem, was mich erwarten k\u00f6nnte.<br \/>\nIch bin wegen der Stimme hier. Wegen <strong>Brett Anderson<\/strong>\u2019s Gesangsstimme. Schon zu <strong>Suede<\/strong> Zeiten fand ich dieses sehr markante Organ sehr toll. Ich spar\u2019 mir jetzt eine adjektivbelastete Beschreibung, ich denke, es ist klar, was ich meine.<br \/>\nNur Suede sind lange vorbei. Seit 2003 existiert die Band nicht mehr. Drei Soloalben hat <strong>Brett Anderson<\/strong> seit dieser Zeit produziert, zwischendurch gab es noch das quasi <strong>Suede<\/strong> Projekt mit <strong>Bernard Butler<\/strong> Namens <strong>The Tears<\/strong>. Ruhig war es also nie um ihn, nur an mir sind diese Phasen komplett vorbeigegangen.<br \/>\nZur\u00fcck ins Luxor.<br \/>\n<strong>Brett Anderson<\/strong> hat sein Handwerk nicht verlernt. Beim zweiten Song steht er bereits am B\u00fchnenrand, greift H\u00e4nde und l\u00e4sst sich ohne Scham von der ersten Reihe anhimmeln. So habe ich ihn in Erinnerung. Vor einigen Jahren sah ich ihn in der Live Music Hall. Damals versuchte ihn ein eingegipstes Bein in seinem Bewegungsdrang zu b\u00e4ndigen. Es gelang dem Gips nicht immer. Zwar musste er die meiste Zeit des Konzerts auf einem Hocker sitzen, aber das tat er mit der gleichen Intensit\u00e4t wie <strong>Eddie Vedder<\/strong> im <em>Jeremy<\/em> Video. Ja, ja, Brett Anderson ist ein feiner Entertainer.<br \/>\nViele, oder alle (?) im gut gef\u00fcllten Luxor kennen ihn von fr\u00fcher. Und ich vermute, dass nicht wenige auf den einen oder anderen Klassiker spekuliert haben. Aber nat\u00fcrlich spielte die Band keine <strong>Suede<\/strong> Schinken.<\/p>\n<p>Die Zugabe k\u00fcndigte Herr Anderson mit &#8218;dies ist ein Song aus alten Zeiten&#8216; an. Kurz keimte Hoffnung auf, das war links und rechts, vor und hinter mir deutlich zu sp\u00fcren. &#8218;Ich m\u00f6chte euch auf eine lange Fahrt zur\u00fcck mitnehmen&#8216;. Ahhhh. &#8218;Zur\u00fcck nach 2007.&#8216; Ohhhh. Die &#8218;Memory lane&#8216; war also nicht besonders lang. &#8222;Back to you\u201c erklang und bildete einen w\u00fcrdigen Konzertabschluss.<br \/>\nDie vorherigen 90 Minuten waren ebenso unterhaltsam wie dieser kleine Monolog. <strong>Brett Anderson<\/strong> hatte seine Band mitgebracht. Bassist und Gitarrist flankierten ihn an den Seiten (lustig zu sehen, dass die Schr\u00e4glage der K\u00f6pfe zu ihren Positionen passte. Der Bassist links am B\u00fchnenrand neigte den Kopf zur linken Seite beim Bass spielen, der Gitarrist neigte den Kopf zur rechten Seite), das Schlagzeug positionierte sich im Hintergrund. Allesamt solide Handwerker. Leider war die eigentliche Instrumentensensation sehr weit hinten links auf der B\u00fchne versteckt. Keyboarderin \/ Pianistin <strong>Angie Pollock<\/strong>, die auch schon <strong>Peter Gabriel<\/strong> live unterst\u00fctzte, sah man den Abend \u00fcber kaum oder gar nicht. Sehr schade, sie verrichtete einen hervorragenden Job, sie war die heimliche zweite Kraft auf der B\u00fchne. Ein bisschen mehr Rampenlicht h\u00e4tte ihr gut zu Gesicht gestanden.<\/p>\n<p>Der Abend begann schmissig. Auf so viel \u201eGitarrenl\u00e4rm\u201c war ich gar nicht vorbereitet. Nach den ersten beiden Songs versprach ich mir, Brett Andersons Soloalben demn\u00e4chst zu kaufen.<br \/>\nNach einer guten halben Stunde, mittlerweile war etwas Ruhe in die B\u00fchnenshow eingekehrt, verlie\u00dfen die Begleitmusiker die B\u00fchne. Der elder statesman klimperte zwei Songs auf der Akustikgitarre. Die anschlie\u00dfenden ein, zwei Songs schipperten in \u00e4hnlich seichten Gew\u00e4ssern. Das war der Moment, in dem das Konzert seinen kleinen Durchh\u00e4nger hatte.<br \/>\nZum Ende hin wurde es dann wieder lauter, was der Veranstaltung besser tat. Zum einen musste ich dann nicht &#8211; gezwungenerma\u00dfen &#8211; den Gespr\u00e4chen vor mir lauschen (weil ich sie dann nicht h\u00f6rte), zum anderen kam dann der <strong>Anderson<\/strong> Pathos erst richtig sch\u00f6n zur Geltung. Denn Pathos war immer dabei. <strong>Anderson<\/strong> spielte damit, wirft sich in Pose, gestikuliert, greift H\u00e4nde, will der Mittelpunkt sein. Theatralisch, aber nie \u00fcberkandiert. Die Gelassenheit des Alters, so scheint es, l\u00e4sst es ihn nicht \u00fcbertreiben. Brett Anderson ist sich seiner Rolle bewusst, er genie\u00dft sie sichtlich. Und er freut sich \u00fcber so viel entgegengebrachte Sympathie. Macht einen sehr netten Eindruck, der Herr <strong>Anderson<\/strong>. Und das Luxor betreibt ein wenig Heldenverehrung.<br \/>\n<strong>Brett Anderson<\/strong> hat es geschafft. Er ist dem <strong>Suede<\/strong> Schatten entkommen, er hat genug gute eigene Songs, die ihn durch ein Konzert bringen. Er braucht die alten Hits nicht, um sein Publikum zu begeistern. Das ist auf der einen Seite toll, auf der anderen Seite ein bisschen schade. Gerne h\u00e4tte ich, so als letzte Zugabe, einen Klassiker geh\u00f6rt, \u201eBeautiful ones\u201c zum Beispiel. Es w\u00e4re das i-T\u00fcpfelchen gewesen, und uns h\u00e4tte es gefreut.<br \/>\nEr komme gerne nach Deutschland, lie\u00df er uns wissen, und er freue sich, dass es hier von Mal zu Mal besser funktioniert. Na dann schau mal schnell wieder vorbei!<br \/>\nDer Abend war eine sch\u00f6ne \u00dcberraschung!<\/p>\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br \/>\n01. Hymn<br \/>\n02. Wheatfields<br \/>\n03. The hunted<br \/>\n04. Ashes of us<br \/>\n05. Frozen roads<br \/>\n06. Leave me sleeping<br \/>\n07.Summer<br \/>\n08. Julian&#8217;s eyes<br \/>\n09. The Swans<br \/>\n10. The Empress<br \/>\n11. Clowns<br \/>\n12. Chinese whispers<br \/>\n13. A different place<br \/>\n14. To the winter<br \/>\n15. Love is dead<br \/>\n16. Song for my father<br \/>\nZugabe:<br \/>\n17. Scarecrows and lilacs<br \/>\n18. Funeral mantra<br \/>\n19.Back to you<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><a title=\"p-p Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2008\/08\/gossip-koln-2608008\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n<\/a>&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kalt ist es drau\u00dfen. Bitterkalt. Ich betrete die Regionalbahn \u00fcber vereiste Bahnsteige. Was wird das heute Abend geben? Ex-Suede Mann Brett Anderson spielt im Luxor, und ich fahre hin. Angefixt durch die lange, konzertlose Zeit fiebere ich dem Abend entgegen. Oh Gott, Entzugserscheinungen. Ich werde, bzw. ich m\u00f6chte mich \u00fcberraschen lassen. Das scheint der Antrieb zu sein, bei diesem Mistwetter die warme Wohnung zu verlassen. Denn, ich muss gestehen, ich kenne keinen einzigen Song aus Brett Anderson\u2019s Solo- Schaffenswerk. 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