{"id":1821,"date":"2009-12-18T14:05:13","date_gmt":"2009-12-18T13:05:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/wp_test\/?p=1821"},"modified":"2009-12-31T13:33:43","modified_gmt":"2009-12-31T12:33:43","slug":"soapskin-dusseldorf-16-12-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/soapskin-dusseldorf-16-12-2009\/","title":{"rendered":"Soap&#038;Skin &#8211; D\u00fcsseldorf, 16.12.2009"},"content":{"rendered":"<p>\u201eHeute keine Pause\u201c, und: \u201eJegliche Ton und Filmaufnahmen verboten.\u201c Zwei Hinweisschilder empfangen mich im Foyer des D\u00fcsseldorfer Savoy Theaters. Soap&amp;Skin bzw. Anja Plaschg ist mal wieder in der Gegend. Zum dritten Mal in diesem Herbst besucht sie das Rhein-Ruhr Gebiet. Auch ich bin zum dritten Mal dabei. Dies ist kein Zufall, beileibe nicht. Seit ich Soap&amp;Skin vor gut einem Jahr das erste Mal entdeckte, bin ich Fan. Zu sch\u00f6n, zu ausdrucksstark und zu selbstzerst\u00f6rerisch ist ihre Musik, als das ich sie links liegen lassen k\u00f6nnte.<br \/>\nIhr D\u00fcsseldorfer Konzert ist etwas anders als die vorherigen, ihr Auftritt wird von einem Ensemble unterst\u00fctzt, was immer das auch hei\u00dfen mag.<br \/>\nAls ich Zuhause loskomme, ist es schon sp\u00e4t. Eine knappe Stunde Autofahrt plus x Minuten Stra\u00dfensuche gilt es einzukalkulieren. Es sieht nach einer Punktlandung aus. Dass ich doch um kurz vor acht Uhr das \u00fcber den Kinos\u00e4len liegende Theater betrete, verdanke ich der entspannten Stra\u00dfenverkehrssituation, weniger meiner Fahrtvorbereitung. In der D\u00fcsseldorfer Innenstadt musste ich feststellen, dass der Ausdruck von Google Maps Wegbeschreibungen und das damit einhergehende Positionieren der Zettel, in meinem Fall sechs DIN A4 Bl\u00e4tter, auf dem Beifahrersitz in der dunklen Winterzeit eher ungeeignet ist. Das Scheinwerferlicht des Hintermanns reicht nicht immer aus, um alle Stra\u00dfennamen auf den Zetteln entziffern zu k\u00f6nnen, und ist es an einer Kreuzung mal hell genug, so ist die Ampelphase zu kurz, um Stra\u00dfenname, eigene Position und Zielort auf einen Blick erfassen zu k\u00f6nnen. Ganz zu schweigen von der zu nerv\u00f6s justierten Hand des Hintermannes. Lichthupe! Alles klar, ich fahr\u2019 ja schon.<br \/>\nAber soll ich mir deswegen gleich ein Navi zulegen? Ich halte so ein Ger\u00e4t ja f\u00fcr sehr \u00fcberfl\u00fcssig und da ich auch diesmal meinen Zielort erreicht habe, hei\u00dft die Antwort weiterhin: nein. \u00dcberdies will ich auch nicht min\u00fctlich informiert werden, wie lange ich noch fahre, wann der n\u00e4chste Stau kommt und wie viele Satelliten gerade meine Position orten. Was hilft es mir, wenn ich unterwegs bin und schon nach halber Strecke wei\u00df, \u201eMist ich bin eine halbe Stunde zu sp\u00e4t.\u201c Soll ich dann umdrehen? Das Wissen um solche Fakten ist doch ern\u00fcchternd und raubt den Idealismus des Fahrens. Und das m\u00f6chte ich nicht und so bleibe ich bei der klassischen Variante und verschlie\u00dfe mich (vorerst noch) der Technik, die das Leben einfach macht.<\/p>\n<p>Der Vorraum des Theaters ist gut gef\u00fcllt. Um kurz vor acht k\u00f6nnen wir den Saal betreten. \u201eBitte keine Foto und Filmaufnahmen.\u201c Ja ja.<br \/>\nDie B\u00fchne ist pr\u00e4pariert. Klavier und Laptop stehen bereit. Soweit nichts neues. Aber \u00fcberraschend f\u00fcr mich, ich dachte, heute ginge es ohne Kleincomputer.<br \/>\nNeben dem Fl\u00fcgel stehen drei St\u00fchle, zwei Violinen liegen auf den Sitzfl\u00e4chen, ein Cello lehnt an dem dritten. Komplettiert wird die Instrumentensammlung durch einen Kontrabass und eine Trompete.<br \/>\nUm kurz nach acht betreten die sechs Musiker die B\u00fchne. Eine S\u00e4ngerin erg\u00e4nzt die Instrumentenspieler. Die beiden Violinenspieler und der Cellist nehmen auf den St\u00fchlen Platz, dahinter stehend Trompete, Kontrabass und S\u00e4ngerin. Es ist dunkel auf der B\u00fchne, \u00fcberraschend, dass alle sechs ohne zu stolpern ihren Weg gefunden haben. Aus den Lautsprechern t\u00f6nen Samples. Sie klingen nach quiekenden Schweinen und Bauernhofger\u00e4uschen. Aber so ganz klar ist es nicht.<br \/>\nDann taucht Anja Plaschg auf. Sie tritt ans Mikrofon. Da das Theater wenig Lichtquellen bietet, ist es nahezu stockdunkel. \u201eCynthia\u201c ert\u00f6nt, zum ersten Mal spielt die Trompete.<br \/>\nDa Anja Plaschg ein kleines Ensemble mit auf Tour nimmt, durfte vorher diskutiert werden. Werden die Songs umarrangiert? Wird sie auf Samples verzichten und werden die Instrumente stattdessen diese Parts \u00fcbernehmen? Es w\u00e4re eine, zugegeben sehr interessante M\u00f6glichkeit.<br \/>\nDie Antwort gab \u201eCry Wolf\u201c mit Fotoapparatsounds zu Beginn. Samples sind also auch mit Ensemble gestattet. Das ist auf der einen Seite toll, weil Soap&amp;Skin Songs erst durch das elektrische Klackern und Blubbern ihre volle Atmosph\u00e4re entfalten k\u00f6nnen, auf der anderen Seite kann ich nicht immer unterscheiden, welcher Ton nun aus dem Laptop kommt und welcher von der Violine oder dem Cello gespielt wird. Das ist ein bisschen schade und so unterscheidet sich das klangliche Soap&amp;Skin Liveerlebnis mit Ensemble nicht gro\u00df von den Konzerten in der Kulturkirche oder im FZW.<br \/>\nWas sich aber unterscheidet, ist die Atmosph\u00e4re. Das Konzert wirkt orchestraler, majest\u00e4tischer, bei weitem nicht so d\u00fcster und bedrohlich wie Anjas Solokonzerte. Was bestimmt zu einem Gro\u00dfteil dem Ambiente des Theaters zuzuschreiben ist, aber in Teilen bestimmt auch mit den sechs weiteren Musikern auf der B\u00fchne zu tun hat. Die Verh\u00e4ltnisse verschieben sich, wenn die Musik auf mehreren Schultern verteilt wird. Und Streichinstrumente wirken per se majest\u00e4tisch.<br \/>\nSehr sp\u00fcrbar ist das beim instrumentalen \u201eTurbine Womb\u201c. Zur\u00fcckgelehnt im Theatersessel ein wahrer Ohrenschmaus. Alles passt perfekt, der Sound ist glasklar, das Ensemble 1a besetzt. Au\u00dfer dem Gesang gibt es keine Sprache auf der B\u00fchne. Die Musiker verstehen sich wortlos.<br \/>\nDer Saal ist and\u00e4chtig. Nach \u201eThanatos\u201c bzw. vor \u201eThe sun\u201c erreicht der Abend den bekannten H\u00f6hepunkt. Das Licht geht aus, die ersten T\u00f6ne verhallen im nichts. Das ist der Moment, in dem Anja zu ihrer spirituellen B\u00fchnenperformance \u00fcbergeht. Aber auch heute, wo der Ort der falsche w\u00e4re und wo das Ensemble dagegen spr\u00e4che? Ich hoffte sie w\u00fcrde es nicht tun. Und sie hat alles richtig gemacht. W\u00e4hrend der Laptop qu\u00e4kt bleibt Anja scheinbar unber\u00fchrt und gelangweilt auf ihrem Schemel sitzen und blickt apathisch zu Boden. Statt Tanz stakkatohafte Klavieranschl\u00e4ge, begleitend von Cello und Kontrabass. Das ist toll und klingt so elegant wie ich es mir nie h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen.<br \/>\nNach \u201eSpiracle\u201c, bei dem die B\u00fchne dunkel bleibt und der Theatersaal angestrahlt wird, spielen sie einen Song, den ich nicht erkenne. \u201eVielleicht versteht ihr den Text\u201c, so k\u00fcndigt Anja Plaschg das St\u00fcck an. Nein, leider verstehe ich ihn nicht hundertprozentig.<br \/>\nEs folgt das warm und vers\u00f6hnlich klingende \u201eMr Gaunt Pt. 1000\u201c. Der Abend neigt sich langsam dem Ende entgegen. Mit \u201eMarch Funebre\u201c verabschiedet sich Anja Plaschg. Die Musiker bleiben jedoch auf der B\u00fchne und spielen noch ein paar Sekunden weiter. Es kommt also noch was. Richtig. Nach sehr kurzen Augenblicken kommt Anja wieder zur\u00fcck, stellt sich an das Mikrofon am B\u00fchnenrand. Die Musiker haben l\u00e4ngst aufgeh\u00f6rt zu spielen und stehen bewegungslos direkt vor dem B\u00fchnenvorhang. \u201eSog nit keyn mo\u201c, ein St\u00fcck des j\u00fcdischen Dichters und Partisanen Hirsch Gilk singt Anja Plaschg ohne Begleitung. Das Volkslied bleibt die einzige Zugabe. Ein guter Abschluss eines wundervollen Konzertes, das mehr Sinfonie als innerer Herbst war.<br \/>\nNoch lange nach den letzten T\u00f6nen blieb der ein oder andere in seinem Sessel sitzen. Es war ja auch erst viertel nach neun.<\/p>\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br \/>\n01: Brother of sleep<br \/>\n02: Cynthia<br \/>\n03: Cry Wolf<br \/>\n04: Turbine Womb<br \/>\n05: &#8230;<br \/>\n06: Sleep<br \/>\n07: Estinguish me<br \/>\n08: Thanatos<br \/>\n09: The sun<br \/>\n10: Spiracle<br \/>\n11: ???<br \/>\n12: Mr Gaunt Pt. 1000<br \/>\n13: Fall Foliage<br \/>\n14: March Funebre<br \/>\nZugabe:<br \/>\n16: Sog nit keyn mo<\/p>\n<p><strong>Multimedia:<\/strong><br \/>\n&#8211;<a title=\"Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pretty-paracetamol\/sets\/72157622453578861\/\" target=\"_blank\"><\/a><\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><a title=\"p-p Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2009\/09\/soap-skin-dortmund-13092009\/\" target=\"_blank\"><br \/>\nSoap&amp;Skin &#8211; Dortmund, 13.09.2009<\/a><br \/>\n<a title=\"p-p Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2009\/10\/soapskin-koln-30092009\/\" target=\"_blank\">Soap&amp;Skin &#8211; K\u00f6ln, 30.09.2009<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHeute keine Pause\u201c, und: \u201eJegliche Ton und Filmaufnahmen verboten.\u201c Zwei Hinweisschilder empfangen mich im Foyer des D\u00fcsseldorfer Savoy Theaters. 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