{"id":17479,"date":"2022-09-08T18:19:24","date_gmt":"2022-09-08T16:19:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=17479"},"modified":"2022-09-08T18:22:08","modified_gmt":"2022-09-08T16:22:08","slug":"lucy-dacus-koeln-31-08-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/lucy-dacus-koeln-31-08-2022\/","title":{"rendered":"Lucy Dacus &#8211; K\u00f6ln, 31.08.2022"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Luxor, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> Emperor X<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC04122.jpg\" alt=\"Lucy Dacus - K\u00f6ln, 31.08.2022\" class=\"wp-image-17482\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC04122.jpg 1200w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/DSC04122-800x450.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Das letzte Mal, als ich um diese Uhrzeit im Zug sa\u00df, endete meine Fahrt abrupt auf halber Strecke. \u2018Personen im Gleis\u2019 lautete die schmallippige Durchsage des Zugf\u00fchrers. Immerhin sorgte sein breiter rheinisch-eiflerischer Dialekt ein bisschen Heiterkeit. Aus 10 Minuten wurden 15 Minuten wurden \u00fcber eine halbe Stunde. Und so sorgten die Personen im Gleis (w\u00e4re doch auch ein feiner Bandname f\u00fcr eine Deutschrockband) daf\u00fcr, dass mein Zug die Weiterfahrt nicht nur unterbrechen musste, sondern sie komplett abbrach und wieder zur\u00fcckfuhr. Da auch der n\u00e4chste Zug ausfiel, verpasste ich an diesem Abend das Konzert von <strong>Torres <\/strong>im Bumann &amp; SOHN. Schade.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Problem habe ich an diesem Abend nicht. Stattdessen habe ich ein anderes. Lange Zeit konnte ich mich nicht entscheiden, welches Konzert ich an diesem Abend sehen m\u00f6chte: ist es <strong>Protomartyr <\/strong>im Geb\u00e4ude 9 oder ist es <strong>Lucy Dacus<\/strong> im Luxor? Letztlich entschied ich mich aus reiner Bequemlichkeit f\u00fcr das Luxor und f\u00fcr <strong>Lucy Dacus<\/strong>.&nbsp; Musikalisch hatte ich keinen Favoriten. Die Liste der rationalen Pros und Contras endete unentschieden. Das Luxor liegt n\u00e4her am Bahnhof, was einem k\u00fcrzeren Fu\u00dfweg gleichkommt. Ehrlich gesagt, ich h\u00e4tte beide Konzerte sehr gerne besucht. Aber das geht ja nicht. Physik und so.<\/p>\n\n\n\n<p>Also <strong>Lucy Dacus<\/strong>. 2019 sah ich sie auf dem Primavera Sound Festival und ich war sehr angetan. Ihr Indiepoprock war charmant, das Cover \u201eLa vie en rose\u201c au\u00dfergew\u00f6hnlich gut. Ihre damalige Single \u201eNight shift\u201c wurde sowas wie mein Festivallieblingslied. Nach dem Konzert kaufte ich direkt ihr aktuelles Album <em>Historian<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Per Audioansage, die vom Band eingespielt wird, bittet <strong>Lucy Dacus<\/strong> alle Besucher darum, w\u00e4hrend des Konzertes Mundschutz zu tragen. Konzerte im Sp\u00e4therbst 2022 beginnen so. Ich glaube, ich werde das in diesem Herbst noch des \u00d6fteren h\u00f6ren.&nbsp; Die Worte ihrer Chefin unterst\u00fctzend verteilt ihre Tourmanagerin medizinische Masken an diejenigen, die keine dabeihaben. So kann sich nun wirklich niemand herausreden. Das ist gut und nachdem zuvor die aufgeklebten Hinweisschilder an den W\u00e4nden des Luxors noch von vielen ignoriert wurden, kramen jetzt &#8211; soweit ich das sehen konnte &#8211; alle ihren Mundschutz hervor und setzen ihn auf. Gut so. Mir ist vorher schon aufgefallen, dass der B\u00fchnenbereich mit einem Sperrgitter und Instrumentenboxen nicht direkt zug\u00e4nglich gemacht worden ist. Zwischen B\u00fchne und Publikum bleibt an beiden Seiten ein gut ein Meter breites Gap. Im Kontext der Ansage und der Verteilung der Masken vermute ich, ein Wunsch der Band nach etwas mehr Abstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Luxor ist bereits gut gef\u00fcllt als <strong>Emperor X <\/strong>die B\u00fchne betritt. Der amerikanische Singer\/Songwriter \u00fcberrascht mit sehr guten Deutschkenntnissen und einer interessanten Performance, die mich ein bisschen an <strong>Kleenax Girl Wonder<\/strong> erinnert. Der ehemalige Hochschullehrer <strong>Chad R. Matheny <\/strong>steht mit seiner Akustikgitarre am abgeknickten Mikrofon und schreit seine Texte mehr als er sie singt. Eine gute halbe Stunde lang schreit und spielt und schreit und spielt und fl\u00fcstert und erz\u00e4hlt <strong>Emperor X <\/strong>seine<strong> <\/strong>Geschichten. Das hat eine gewisse Wucht, in vielen Momenten reichlich Charme und in den weniger lauten Augenblicken ist das wunderbar anzuh\u00f6ren. Die Mischung ist gut, die Texte offensichtlich lakonisch und nice. Seine Ver\u00f6ffentlichungen betitelt er mit Namen wie <em>Several new songs in various digital formats <\/em>oder <em>10,000-Year Earworm to discourage resettlement near nuclear waste repositories. <\/em>Ein interessanter K\u00fcnstler.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lucy Dacus<\/strong> l\u00e4sst es rocken. Indierocken. Mit ordentlich viel Gitarren. \u201eTriple dog dare\u201c als Opener weist unmissverst\u00e4ndlich den Weg. Das Versprechen nach einem richtig sch\u00f6nen old School Indierockpop Konzert wird in den n\u00e4chsten anderthalb Stunden nicht gebrochen. Die Songs sind neu und stammen bis auf drei Ausnahmen vom aktuellen Album <em>Home Video<\/em>. Die Ausnahmen sind \u201eNonbeliever\u201c und \u201eNight shift\u201c (von <em>Historian<\/em> &#8211; dem einzigen Album, das ich von <strong>Lucy Dacus<\/strong> kenne) und \u201eI don&#8217;t wanna be funny anymore\u201c der einzige Song vom Deb\u00fctalbum.<\/p>\n\n\n\n<p>Bekannterma\u00dfen handeln die Songs auf <em>Home Video<\/em> \u00fcber Erinnerungen und Gedanken aus ihren Coming of Age-Jahren, die Songtexte sind meist autobiografisch. In \u201ePartner in crime\u201c bettelt sie zum Beispiel mit leichtem Autotune in der Stimme um die Aufmerksamkeit einer Person. In \u201eChristine\u201d erz\u00e4hlt sie die Geschichte einer Freundin, deren bevorstehende Hochzeit sich als falsch herausstellen k\u00f6nnte. Die Textzeile<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>He can be nice, sometimes <br>Other nights, you admit he&#8217;s not what you had in mind <br>All in all, nobody&#8217;s perfect <br>There may be better, but you don&#8217;t feel worth it <br>That&#8217;s where we disagree<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>findet um mich herum viel Zustimmung und wird \u00fcberzeugt mitgesungen. Oft gibt es auch Applaus auf offener Szene, wobei ich mich frage, warum gerade jetzt. Das alles und die Songs live vorgetragen wirkt auf mich erfrischend ehrlich und aufrichtig, manchmal auch bitters\u00fc\u00df nachdenklich. <br>Der Abend ist f\u00fcr viele eine sehr emotionale Geschichte, die ihren Peak bei \u201eThumbs\u201c erreicht. Der Song nimmt mit, ist schwer und bedr\u00fcckend. Das sp\u00fcre sogar ich, der diesen Song nun nicht wirklich in- und auswendig kennt und weit davon entfernt ist zu behaupten, es sei mir ein wichtiger Song. Links und rechts werden Taschent\u00fccher gez\u00fcckt, H\u00e4nde wischen \u00fcber die Augen. Die Ballade ist der ruhigste und aufgeladenste Moment des Konzertes. Nach dem Song ist es f\u00fcr einen Augenblick ruhig. Ergreifend ruhig. Der Klo\u00df im Hals muss erstmal weg. <strong>Lucy Dacus <\/strong>und das Luxor atmen gemeinsam tief durch. Und das nicht nur sinnbildlich, sondern tats\u00e4chlich. Diese gemeinsame Emotionalit\u00e4t schwei\u00dft zusammen, verbindet die Musiker mit dem Publikum und macht den Abend f\u00fcr viele zu einem besonderen Abend. Auch f\u00fcr mich. <br>Puh, sacken lassen. Weitermachen. Gerne auch etwas erfrischender und leichter.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wird gemacht, mit \u201eGoing going gone\u201c. Den Backgroundchor, der auf Platte zu h\u00f6ren ist, \u00fcbernimmt live die Band. Die Kumpaninnen <strong>Julien Baker<\/strong> und <strong>Phoebe Bridgers<\/strong> und all\u2018 die anderen, die auf CD im Chor zu h\u00f6ren sind, sind an diesem Abend ja nicht mit dabei. Aber nicht aus diesem Grund wird \u201eGoing going gone\u201c zu einem weiteren besonderen Moment an diesem Abend. Im Luxor wurden vor Konzertbeginn selbstgebastelte kleine Papiersternchen verteilt, die mit der klaren Anweisung \u2018hochhalten zur 2. Strophe von \u201eGoing going gone\u201c\u2019 bezeichnet waren. Und so ist das Luxor zur zweiten Strophe auf einmal voller Papiersterne, denn nahezu alle machen mit und halten ihren Stern in die H\u00f6he. Eine grandiose Choreographie, eine gro\u00dfe \u00dcberraschung. Die Band ist perplex, <strong>Lucy Dacus<\/strong> kommt gar kurz aus dem Takt. \u2018Let&#8217;s make a photo\u2019, sagt sie schnell zu ihrer Keyboarderin, \u2018or better a short film\u2019 und posiert mit einem Daumen hoch vor den ersten Reihen. Ich wei\u00df nicht, wer oder welcher Fanclub das geplant hat, aber es war eine tolle Idee.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Anschluss folgt mit \u201eBrandon\u201c der poppigste Song des Abends. Ach ne, das <strong>Cher <\/strong>Cover \u201eBelieve\u201c kommt ja auch noch. Im Gegensatz zu den anderen <strong>Lucy Dacus<\/strong> Coversongs \u00fcberzeugt mich \u201eBelieve\u201c an diesem Abend leider nicht; ich finde, es ist der schw\u00e4chste Song des Abends.\u00a0Was durchaus als Kompliment f\u00fcr die anderen &#8211; eigenen &#8211; Songs gewertet werden kann. Damit ist das Konzert so gut wie rum. Ganz zum Schluss spielt sie solo einen scheinbar neuen, noch unver\u00f6ffentlichten Song, denn sie bittet darum, ihn nicht aufzuzeichnen. \u201eBus\u201c bildet den Abschluss des gut 80-min\u00fctigen Konzertes.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Der Abend war gro\u00dfartig und es war definitiv nicht meine schlechteste Idee, hierher zu fahren. Aber das h\u00e4tte ich beim Besuch des <strong>Protomartyr <\/strong>Konzertes sicherlich auch gesagt. Jetzt denke ich erstmal, dass das <strong>Lucy Dacus<\/strong> Konzert der bessere Abend war.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe title=\"Lucy Dacus - Addictions live at Luxor K\u00f6ln\/Cologne, 31\/08\/2022\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/S1h7Xjh-N-8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Setlist:<\/strong> <br>01: Triple dog dare<a href=\"https:\/\/www.setlist.fm\/setlist\/lucy-dacus\/2022\/luxor-cologne-germany-2bb0bc16.html#\"><\/a> <br>02: First time <br>03: Addictions<a href=\"https:\/\/www.setlist.fm\/setlist\/lucy-dacus\/2022\/luxor-cologne-germany-2bb0bc16.html#\"><\/a> <br>04: Hot &amp; heavy<a href=\"https:\/\/www.setlist.fm\/setlist\/lucy-dacus\/2022\/luxor-cologne-germany-2bb0bc16.html#\"><\/a> <br>05: Christine <br>06: VBS <br>07: Nonbeliever<a href=\"https:\/\/www.setlist.fm\/setlist\/lucy-dacus\/2022\/luxor-cologne-germany-2bb0bc16.html#\"><\/a> <br>08: Partner in crime<a href=\"https:\/\/www.setlist.fm\/setlist\/lucy-dacus\/2022\/luxor-cologne-germany-2bb0bc16.html#\"><\/a> <br>09: Fool&#8217;s gold<a href=\"https:\/\/www.setlist.fm\/setlist\/lucy-dacus\/2022\/luxor-cologne-germany-2bb0bc16.html#\"><\/a> <br>10: Thumbs<a href=\"https:\/\/www.setlist.fm\/setlist\/lucy-dacus\/2022\/luxor-cologne-germany-2bb0bc16.html#\"><\/a> <br>11: Going going gone<a href=\"https:\/\/www.setlist.fm\/setlist\/lucy-dacus\/2022\/luxor-cologne-germany-2bb0bc16.html#\"><\/a> <br>12: Brando<a href=\"https:\/\/www.setlist.fm\/setlist\/lucy-dacus\/2022\/luxor-cologne-germany-2bb0bc16.html#\"><\/a> <br>13: Please stay <br>14: I don&#8217;t wanna be funny anymore<a href=\"https:\/\/www.setlist.fm\/setlist\/lucy-dacus\/2022\/luxor-cologne-germany-2bb0bc16.html#\"><\/a> <br>15: Kissing lessons<a href=\"https:\/\/www.setlist.fm\/setlist\/lucy-dacus\/2022\/luxor-cologne-germany-2bb0bc16.html#\"><\/a> <br>16: Night shift <br>Zugabe <br>17: Believe<br>18: Bus<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/primavera-sound-festival-barcelona-31-05-2019\/\" data-type=\"post\" data-id=\"11017\">Lucy Dacus &#8211; Primavera Sound Festival Barcelona, 31.05.2019<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das letzte Mal, als ich um diese Uhrzeit im Zug sa\u00df, endete meine Fahrt abrupt auf halber Strecke. \u2018Personen im Gleis\u2019 lautete die schmallippige Durchsage des Zugf\u00fchrers. 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