{"id":17420,"date":"2022-08-12T20:57:08","date_gmt":"2022-08-12T18:57:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=17420"},"modified":"2022-08-12T22:23:18","modified_gmt":"2022-08-12T20:23:18","slug":"the-afghan-whigs-koeln-09-08-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/the-afghan-whigs-koeln-09-08-2022\/","title":{"rendered":"The Afghan Whigs &#8211; K\u00f6ln, 09.08.2022"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Luxor, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> \u2013<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/DSC03933.jpg\" alt=\"The Afghan Whigs - K\u00f6ln, 089.08.2022\" class=\"wp-image-17423\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/DSC03933.jpg 1200w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/DSC03933-800x450.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ich habe ja schon viele Konzerte besucht, aber das habe ich noch nicht erlebt: Um kurz nach 21 Uhr tritt der Tourmanager der Band ans Mikrofon. Nach einer semi-offiziellen Begr\u00fc\u00dfung (\u2018Hello People of Cologne, my name is \u2026 and I am the tour manager of <strong>The Afghan Whigs<\/strong>\u2019) gibt er eine kurze Einweisung dar\u00fcber, wie man an seinem Handy die Blitzfunktion ausschaltet. Die Band habe nichts gegen Fotos und Videos, aber sie m\u00f6chte nicht andauernd in diese Blitzlampen gucken. Also: Fotos ja, Blitzlicht nein. Kann ich verstehen. Selbst mich nervt es schon, wenn neben &#8211; oder noch schlimmer &#8211; hinter mir jemand mit Blitz fotografiert oder gar \u00fcber Sekunden filmt. Abschlie\u00dfend empfahl er noch denjenigen, die keine Ohrst\u00f6psel haben, weiter nach hinten zu gehen. Es w\u00fcrde doch sehr, sehr laut werden. Und die Band k\u00e4me dann in a couple of minutes.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt auch nach hunderten von Konzertbesuchen immer noch Neues zu entdecken. Sehr sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The Afghan Whigs<\/strong>. Wie es aussieht, habe ich die Band noch nie in einem Clubkonzert erlebt. Meine bisherigen Erfahrungen, so sagt es mein Archiv, sind einzig Festivalerlebnisse. Damals an einem Freitagabend in Haldern in den fr\u00fchen 1990er Jahren, beim Primavera Sound 2012 und 2017 und beim PhonoPop Festival 2014 in R\u00fcsselsheim. Der Abend ist also eine Premiere.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine falsche Vorstellung, die zu Beginn der 1990er Jahre \u00fcber <strong>The Afghan Whigs<\/strong> kursiert. <strong>The Afghan Whigs<\/strong> sind keine Grungeband. Zwar werden <em>Up in It<\/em> (1990), <em>Congregation <\/em>(1992) und <em>Gentlemen <\/em>(1993) via SubPop zur Hochzeit des Grunge ver\u00f6ffentlicht, (was alles auf Grunge schlie\u00dfen k\u00f6nnte), ist es aber nicht. Auch ich hatte das damals nicht so auf dem Schirm, als ich <em>Gentlemen <\/em>zum ersten Mal h\u00f6rte. Ich war irritiert und mochte die Platte anfangs auch nicht besonders. Es brauchte ein paar Jahre, bis ich mich mit dem Soul und mit den hier und da funkrockig flirrenden Gitarren richtig anfreunden konnte. Ja, <strong>The Afghan Whigs<\/strong> haben Soul. <br>Eigentlich dauerte es bis 1996, als ich die Band an einem Freitagabend auf dem Haldern Pop sah. <strong>Blumfeld <\/strong>und <strong>Tocotronic <\/strong>spielten an diesem Abend auch. Von Haldern hatte ich bis dahin noch nie etwas geh\u00f6rt, aber vom s\u00fcdlichen M\u00fcnsterland aus war die Anfahrt nicht allzu weit. An diesem Abend waren <strong>The Afghan Whigs<\/strong> so wuchtig und energiegeladen, dass die Songs, die ich bis dato nur von CD kannte, eine ganz andere Dimension bekamen. Es haute mich um und \u00e4nderte meine Sicht auf <strong>Greg Dulli <\/strong>und Kollegen. Und w\u00e4hrend <strong>Tocotronic <\/strong>in schlabbrigen Trainingsjacken ihre Gitarren schrammelten, spielten <strong>The Afghan Whigs<\/strong> in dunklen Anz\u00fcgen. Auch das beeindruckte mich sehr. Und <strong>Greg Dulli<\/strong> sah ein bisschen wie <strong>Tom Cruise<\/strong> aus. Oder war es <strong>Keanu Reeves<\/strong>? Das beeindruckte mich zwar nicht, war aber mein kleiner fun fact.<\/p>\n\n\n\n<p><em>1965<\/em>, das Album mit dem Astronauten auf dem Cover und das letzte <strong>The Afghan Whigs <\/strong>Album vor ihrem Split, wurde zu einem meiner Lieblingsalben. \u201eSomethin&#8216; hot\u201c, \u201eCrazy\u201c und \u201eUptown again\u201c; welches andere Album bietet noch gleich zu Beginn drei Welthits. Spontan fallen mir da nur <em>Nevermind <\/em>und <em>Is this it<\/em> ein. Und genau auf dieser Stufe ist <em>1965 <\/em>einzuordnen. Aber auch die weiteren Songs wie z. B. \u201e66\u201c oder \u201eJohn the Baptist\u201c haben Welthitpotential.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der \u00dcberschrift \u2018In der Hitze der Nacht\u2019, die zum schwitzigen und energiegeladenen Rock der <strong>Afghan Whigs<\/strong> passt wie Marmelade auf den Fr\u00fchst\u00fcckstoast, wird nichts. Im Luxor ist es angenehm k\u00fchl. Der Klimaanlage sei Dank. Sie k\u00fchlt den Saal angenehm ab und bl\u00e4st mir ordentlich in den Nacken. Gegen 20 Uhr ist es noch nicht allzu voll und meine Vorahnung scheint sich zu bewahrheiten. Es wird keine Vorband geben. Wieder einmal umsonst zeitig auf den Weg gemacht, wieder einmal \u00e4rgere ich mich dar\u00fcber, dass der Servicegedanke der hiesigen Veranstalter mehr als unterirdisch ist. Denn erneut wurde meine nachmitt\u00e4gliche Frage nach Zeiten und Vorband unbeantwortet gelassen. So stehe ich dann und warte. Und ich h\u00f6re 75 Minuten Musik vom Band. Die ist nicht sonderlich gut. Auch das noch. Ein paar Andere machen das auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Um kurz nach 21 Uhr kommen und damit in more than a couple of minutes kommen die <strong>Afghan Whigs <\/strong>auf die B\u00fchne. Endlich. Es sind die ergrauten <strong>Greg Dulli<\/strong> und <strong>John Curley<\/strong>, <strong>Afghan Whigs<\/strong> Urgesteine, Gitarrist, Violinist, Perkussionist <strong>Rick G. Nelson<\/strong>, Schlagzeuger <strong>Patrick Keeler<\/strong> und der immer Kaugummi kauende Leadgitarrist <strong>Christopher Thorn<\/strong>, den Menschen meines Alters noch als Gitarristen von <strong>Blind Melon<\/strong> kennen k\u00f6nnten. Seit ihrer Reunion 2012 hat die Band die beiden Alben <em>Do to the Beast<\/em> und <em>In spades<\/em> ver\u00f6ffentlicht. Das ist 10 bzw. 5 Jahre her. Um den f\u00fcnf Jahresrhythmus nicht zu unterwandern, erscheint im September diesen Jahres die dritte Ver\u00f6ffentlichung. <em>How do you burn?<\/em> hei\u00dft die Platte, von der ich an diesem Abend den ein oder anderen Song zu h\u00f6ren bekomme: \u201eJyja\u201c zum Beispiel, das sie nach eigenen Angaben an diesem Abend erstmals live spielen, oder \u201eI&#8217;ll make you see God\u201c, \u201eA line of shots\u201c. Interessanterweise aber nicht die letzte Single \u201eThe getaway\u201c. <br>Das ist alles sch\u00f6n und unterhaltsam. Aber die eigentlichen Knaller sind nach wie vor die Songs aus der fr\u00fchen Phase der <strong>Afghan Whigs<\/strong>. Und damit meine ich die Songs aus den Jahren 1990 bis 1998. \u201eSomethin\u2019 hot\u201c, \u201eSon of the south\u201c, \u201eJohn the Baptist\u201c, \u201eGentlemen\u201c, \u201eWhat jail is like\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Abschluss des Konzertes spielen sie ein <strong>The Smith<\/strong> Cover, davor schon \u201eHouse of the raising sun\u201c und den <strong>Andrew Lloyd Webber<\/strong> Song. Hoppla, <strong>The Afghan Whigs<\/strong> bedienen sich ausgiebig an der Hit-Theke. \u201ePersonal Jesus\u201c geh\u00f6rt auch dazu. Erw\u00e4hnte ich das bereits? Das ist aber nicht alles an Fremdkompositionen. In \u201eSummer\u2019s kiss\u201c bauen sie neben <strong>Depeche Modes<\/strong> Gassenhauer auch Snippets von <strong>The doors<\/strong> und noch ein, zwei andere Sachen ein. Den Blues\/Soul Kosmos verlassen sie dabei nicht. Ich glaube, ich habe l\u00e4nger kein Konzert mehr besucht, wo so viel Cover ge- oder angespielt wurden. Ganz nett, ganz abwechslungsreich. <br>Aber&#8230;aber dabei haben <strong>The Afghan Whigs<\/strong> doch noch genug eigene Hits, die ich ebenso gerne h\u00f6ren w\u00fcrde: \u201eUptown again\u201c, \u201e66\u201c. \u201eRetarded\u201c. \u201eI know your little secret\u201c. Die fehlen an diesem Abend n\u00e4mlich in dem von <strong>Greg Dulli<\/strong> angek\u00fcndigten Rundumschlag \u00fcber alle bisherigen acht Alben.\u00a0\u00a0<br>Sie spielen drei weitere Songs und ich bekomme noch den fr\u00fchestm\u00f6glichen Zug. Auf dem Bahnsteig ziehe ich mein Res\u00fcmee: Hatten <strong>The Afghan Whigs<\/strong> fr\u00fcher nicht einen deutlicheren schw\u00fclen Soulanteil in ihren Liveauftritten? Das spezielle \u2018I got a little wine, some Marvin Gaye\u2018 (\u201eJohn the Baptist\u201c) fehlt an diesen Abend. Mir scheint, als h\u00e4tten sie den etwas verloren. Ich empfand das Konzert nicht so donnernd und umwerfend. Wie erw\u00e4hnt, die \u00dcberschrift \u2018In der Hitze der Nacht\u2019 zieht an diesem Abend nicht. Aber anyway, es war ein gutes Konzert und unterhaltsame 90 Minuten. Auch wenn es nicht alle meine Erwartungen erf\u00fcllt hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe title=\"The Afghan Whigs - Gentleman || Luxor K\u00f6ln 09.08.22\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/39qrLoIpAVg?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br>01: Jyja <br>02: I&#8217;ll make you see God <br>03: Matamoros <br>04: Light as a feather <br>05: Oriole <br>06: Toy automatic <br>07: Gentlemen <br>08: What jail is like <br>09: Who do you love? <br>10: Fountain and Fairfax <br>11: Algiers <br>12: I am fire <br>13: The house of the rising sun <br>14: Heaven on their minds <br>15: Somethin&#8216; hot <br>16: Please, Baby, please <br>17: Demon in profile <br>18: A Line of shots <br>19: John the Baptist <br>20: Summer&#8217;s kiss <br>21: My enemy <br>22: Son of the south <br>23: Into the floor <br>24: There is a light that never goes out<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/phonopop-festival-ruesselsheim-12-07-2014\/\" data-type=\"post\" data-id=\"5840\"><\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/primavera-sound-festival-barcelona-31-05-2012\/\" target=\"_blank\">The Afghan Whigs \u2013 Primavera Sound Festival Barcelona, 31.05.2012<\/a><br><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/phonopop-festival-ruesselsheim-12-07-2014\/\" target=\"_blank\">The Afghan Whigs \u2013 PhonoPop Festival R\u00fcsselsheim, 12.07.2014<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/primavera-sound-festival-barcelona-01-06-2017\/\">The Afghan Whigs &#8211; Primavera Sound Festival Barcelona, 01.06.2017<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe ja schon viele Konzerte besucht, aber das habe ich noch nicht erlebt: Um kurz nach 21 Uhr tritt der Tourmanager der Band ans Mikrofon. 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