{"id":16082,"date":"2021-10-13T16:56:21","date_gmt":"2021-10-13T14:56:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=16082"},"modified":"2021-10-17T14:02:27","modified_gmt":"2021-10-17T12:02:27","slug":"squid-koeln-11-10-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/squid-koeln-11-10-2021\/","title":{"rendered":"Squid &#8211; K\u00f6ln, 11.10.2021"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Geb\u00e4ude 9, K\u00f6ln<br><strong>Vorband: <\/strong>John Moods<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/DSC01537.jpg\" alt=\"Squid - K\u00f6ln, 10.11.2021\" class=\"wp-image-16084\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der letzte Eintrag in meinem Notizbuch stammt vom 20.02.2020. Auch wenn das Datum lustig anmutet, das ist kein Scherz. So lange ist es her, dass ich zum letzten Mal mit dem Zug zu einem Konzert gefahren bin. Solange ist es \u00fcberhaupt her, dass ich Zug gefahren bin. Erst kam der Lockdown, sp\u00e4ter kam das Hochwasser mit all seinen infrastrukturellen Zerst\u00f6rungen. <br>Seit zwei, drei Wochen ist die Bahnlinie nach K\u00f6ln wieder intakt, ich habe den Weg zum Bahnsteig nicht vergessen, meinen Mundschutz eingepackt und sitze Minuten sp\u00e4ter da, wo ich immer sa\u00df, wenn ich abends zu Konzerten fuhr: beim Knick an den Wagen\u00fcberg\u00e4ngen. Soweit Routine und jahrelange Praxis, aber heute Abend kommt es mir wie etwas Besonderes vor. Ich bin gespannt wie ein kleines Schulkind vor der ersten Klassenfahrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Squid<\/strong>. Ein Konzert das urspr\u00fcnglich irgendwann stattfinden sollte, dann verlegt wurde, dann nochmals verlegt wurde und schlie\u00dflich auf einen Termin Ende des Jahres gesetzt wurde. Ende des Jahres ist heute Abend, das Bumann &amp; SOHN hei\u00dft Geb\u00e4ude 9 und <strong>Squid <\/strong>sind mittlerweile eine der angesagtesten Bands Englands. <br>Zweimal konnte ich <strong>Squid <\/strong>schon sehen, das ist ewig her. Aber h\u00e4ngengeblieben ist die tolle Livequalit\u00e4t der Band, die mich damals so sehr faszinierte, dass ich die Albumver\u00f6ffentlichung kaum abwarten konnte. Ich musste diese Songs in Ruhe h\u00f6ren. Ihr Deb\u00fctalbum <em>Bright Green Field<\/em> erschien dann im Mai dieses Jahres, ihr Konzert im Bumann &amp; SOHN war zu diesem Zeitpunkt schon angek\u00fcndigt und ich hatte nat\u00fcrlich das Ticket in der Schublade. <br>Nun, das Album entt\u00e4uscht mich nicht, es ist beinahe so irre wie <strong>Squids <\/strong>Konzerte. Die monotonen Drumparts, die vielen Tempo- und Instrumentenwechsel, die mal sehr tanzbaren, mal sehr verwirrenden Gitarrensounds, eigentlich all das, was ich aus den Livekonzerten kannte, h\u00f6re ich auch auf der CD. Da haben sie nichts rausgelassen oder glattgeb\u00fcgelt. Das ist gut und <em>Bright Green Field<\/em> ist definitiv eines der Alben des Jahres, keine Frage.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sehe offensichtlich nicht nur ich so, das Konzert ist nicht nur hochverlegt worden, sondern das gr\u00f6\u00dfere Geb\u00e4ude 9 ist auch ausverkauft. <strong>Squid <\/strong>sind eine der Bands der Stunde mit einem der spannendsten Sounds des Augenblicks. Wahrscheinlich werde ich dasselbe sp\u00e4ter im Jahr auch \u00fcber die Konzerte von<strong> Black Country, New Road<\/strong> und <strong>Black Midi<\/strong> sagen. Falsch ist das dann nicht, auch diese Bands versprechen mit ihren aktuellen Alben gro\u00dfartiges und unterf\u00fcttern den Hype um die neue britische Post-Punk Generation. Als ich gegen kurz nach 20 Uhr den Eingangsbereich betrete, ist der Saal schon voll. Na, immerhin habe ich mir zuvor das Schlange stehen zur 2G Kontrolle erspart. Nat\u00fcrlich ein schwacher Trost daf\u00fcr, dass ich jetzt im hinteren Saalbereich rumstehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, das ist keine Musik vom Band. Oder? Zwar h\u00f6re ich Synthies, Saxophon und Schlagzeug, ich sehe aber auch einen Musiker mit Gitarre auf der B\u00fchne stehen. Oder ist das gar kein Musiker, sondern ein Mitarbeiter, der eine <strong>Squid <\/strong>Gitarre stimmt? Ich schenke ihm kaum Aufmerksamkeit, erst als Applaus aus den vorderen Reihen kommt und der Kerl irgendwas von \u2018next song\u2026\u2019 ins Mikrofon sagt, bin ich bei der Sache. A ha, doch keine Umbaupause. <br>Auf der B\u00fchne steht <strong>John Moods<\/strong> und macht seichtesten Softrock. Der klingt so unspektakul\u00e4r und so leise, dass man ihn durchaus f\u00fcr Pausen- bzw. Hintergrundmusik halten kann. Manchmal h\u00f6re ich Soft- oder Yachtrock vor dem Einschlafen; er klingt so sch\u00f6n harmonisch und sanft, dabei l\u00e4sst sich gut abschalten und wegschlummern. <br>Synthiewellen beschallen den Saal. Die kommen, genauso wie das Schlagzeug und ab und an ein Saxophon, vom Band. Die Gitarre und Gesang sind aber wohl live, genau nehme ich das von weiter hinten nicht wahr. <strong>John Moods<\/strong> sieht aus wie <strong>Wolfgang Petry<\/strong> und er hat &#8211; so fasse ich f\u00fcr mich nach wenigen Minuten seinen Auftritt zusammen &#8211; musikalisch die 1970er und modisch die 1980er genau studiert. Und das klingt toll. Ich muss mir mal die CD besorgen, sie scheint perfekt f\u00fcr faule Sonntage auf der Couch und f\u00fcr n\u00e4chtliche Autofahrten. Also irgendwie f\u00fcr alles. Wenn mein Mobilempfang besser w\u00e4re, h\u00e4tte ich jetzt den K\u00fcnstler gegooglet. Aber das neue Geb\u00e4ude 9 ist zu gut abgeschottet, als dass meine notwendige Funkstrahlung ins Innere des Saales vordringen kann. H\u00e4tte sie es geschafft, h\u00e4tte ich in der Umbaupause folgendes \u00fcber <strong>John Moods<\/strong> lesen k\u00f6nnen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>John Moods wuchs in S\u00fcddeutschland auf und zog 1994 nach Berlin. Er war Mitgr\u00fcnder der Berliner Band <strong>Fenster<\/strong> und ver\u00f6ffentlichte im Juni 2018 sein Deb\u00fctalbum <em>The Essential John Moods<\/em>.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Lese ich in der Umbaupause eben nichts, sondern schaue mich um. Ich bin zum ersten Mal nach der Renovierung im Geb\u00e4ude 9. Der Boden ist neu, die W\u00e4nde (noch) strahlend wei\u00df. Sicherlich ist der \u2018Jackenhaken\u2019 (eine kleine Fuge\/Ritze in der Wand) vorne links ausgespachtelt. An diesem Abend kann ich das nicht pr\u00fcfen, es ist voll und ich versp\u00fcre keine Lust, mich weiter nach vorne zu begeben. Und sonst? Nun, man erkennt das Geb\u00e4ude 9 noch wieder, seinen alten Charme hat es nicht verloren. Ich dachte, der Saal w\u00e4re jetzt gr\u00f6\u00dfer. Gef\u00fchlt erscheint er mir auf den ersten Blick unver\u00e4ndert. Auf den zweiten Blick bemerke ich dann, dass in der Tiefe doch zwei, drei Meter dazugekommen sein m\u00fcssen. Die T\u00fcr neben der B\u00fchne war vorher nicht da und auch die Abst\u00e4nde der Wandpfeiler zum Eingang und zur B\u00fchne waren fr\u00fcher anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommen <strong>Squid<\/strong>. <strong>Louis Borlase<\/strong>, <strong>Ollie Judge<\/strong>, <strong>Arthur Leadbetter<\/strong>, <strong>Laurie Nankivell<\/strong> und <strong>Anton Pearson<\/strong> positionieren sich an der Schnur aufgereiht auf der B\u00fchne. Nach dem Intro kommen erstmal non Album Songs. \u201eFugue\u201d ist ein neuer Song, der nicht auf <em>Bright Green Field <\/em>ver\u00f6ffentlicht ist, genauso wenig wie \u201eSludge\u201d, \u201eThe cleaner\u201d und \u201eSevenz\u201d. Dazwischen mogelt sich \u201eG.S.K.\u201d, der erste Hit, das erste Highlight im Konzert. Die Setlisten der <strong>Squid <\/strong>Herbsttour \u00e4hneln sich, ich hoffte aber, dass sie \u201eDocumentary Filmmaker\u201d spielen, das sie bei dem ein oder anderen Konzert ausgelassen haben. Ich mag den Song, die ruhige Anfangspassage, das scheinbare Ende nach zwei Minuten und dann der immer st\u00e4rkere und lauter werdende Gesang. Das ist so typisch f\u00fcr den <strong>Squid<\/strong> Sound.<br>Nach \u201eNarrator\u201d ist es soweit. Zur Postpunktrompete &#8211; ich kann es nicht anders nennen &#8211; zitiert <strong>Ollie Judge <\/strong>ruhig die Textzeilen zu \u201eDocumentary Filmmaker\u201d, das kurz danach in diese zackigen Beats \u00fcbergeht. Auf dem Album folgt dann \u201e2020&#8243;, hier und heute \u201ePamphlets\u201d, dieses Monsterding von Song. Wer kann da ruhig stehen? Auch weil zuvor schon \u201eNarrator\u201d das Geb\u00e4ude 9 zehn Minuten lang ordentlich durchsch\u00fcttelte. Diese drei Songs bilden ein gro\u00dfartiges Finale des Konzertes, das hinten heraus nochmal ordentlich laut wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuvor ist es zeitweise verwirrender. Ist ein Song nun zu Ende oder ist es nur ein leiser Part, spielen sie gerade einen \u00dcbergang von Song A zu Song B, oder warum spielen jetzt alle gleichzeitig scheinbar irgendwas? Aber auch im gr\u00f6\u00dften scheinbaren Durcheinander ist immer eine Struktur vorhanden. Sie zeigt sich nur nicht immer so klar wie in den drei bekannteren Songs \u201eG.S.K.&#8220;, \u201eNarrator&#8220; und \u201ePamphlets&#8220;. Die sind ja beinahe Mathrock! Alles andere liegt live irgendwo zwischen Krautrock, <strong>Der Plan<\/strong> und free Jazz ohne Jazz. Aber <strong>Squid <\/strong>sind eine schlaue Band, sie \u00fcbertreiben es nicht, ihr Durcheinander ist nie zu viel Durcheinander (wie mir das z. B. auf der neuen <strong>Black Midi <\/strong>CD vorkommt). Und genau darum finde ich <em>Bright Green Field<\/em> enorm h\u00f6rbar und so spannend. Dieses &#8217;nicht zu viel&#8216; macht auch das Konzert nicht anstrengend, aber kurzweilig. Immer wenn ich denke, &#8218;puhh, warum jetzt noch &#8217;ne Schleife&#8216;, kommt ein tanzbarer Beat um die Ecke und entschlackt das Soundchaos.<\/p>\n\n\n\n<p>12 Songs und gute 75 Minuten Konzert. Es war ein perfekter Restart nach dem Lockdown und all dem anderen Kram. Ich freue mich auf die n\u00e4chsten Geb\u00e4ude 9 Konzerte. Die baulichen Ver\u00e4nderungen lassen mich im Winter vielleicht nicht mehr so frieren wie fr\u00fcher. Wenn die Zugverbindung stabil bleibt, sehen wir uns noch ein paar Mal in diesem Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br>01: Intro<br>02: Sludge<br>03: G.S.K.<br>04: Fugue<br>05: Sevenz<br>06: The Cleaner<br>07: Peel St.<br>08: Boy Racers<br>09: Paddling<br>10: Narrator<br>11: Documentary Filmmaker<br>12: Pamphlets<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/transformer-4-festival-maastricht-18-01-2020\/\" data-type=\"post\" data-id=\"12220\" target=\"_blank\">Squid &#8211; Transformer 4 Festival Maastricht, 18.01.2020<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/sonic-city-festival-kortrijk-09-u-10-11-2019\/\" data-type=\"post\" data-id=\"11639\"><\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/sonic-city-festival-kortrijk-09-u-10-11-2019\/\" target=\"_blank\">Squid \u2013 Sonic City Festival Kortrjik, 10.11.2019<\/a><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der letzte Eintrag in meinem Notizbuch stammt vom 20.02.2020. 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