{"id":15847,"date":"2021-09-24T16:06:04","date_gmt":"2021-09-24T14:06:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=15847"},"modified":"2021-10-17T12:49:31","modified_gmt":"2021-10-17T10:49:31","slug":"justin-sullivan-maastricht-21-09-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/justin-sullivan-maastricht-21-09-2021\/","title":{"rendered":"Justin Sullivan &#8211; Maastricht, 21.09.2021"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Muziekgieterij, Maastricht<br><strong>Vorband: <\/strong>&#8211;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC01517.jpg\" alt=\"Justin Sullivan,pretty-paracetamol,New Model Army,Setlist,Konzertbericht,Review,Musikblog\" class=\"wp-image-15850\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Justin Sullivan<\/strong>. <strong>New Model Army<\/strong>.<br>Auf setlist.fm &#8211; das ist so eine Webseite f\u00fcr Konzertnerds, auf der man Setlisten und Konzertbesuche taggen, eintragen und teilen kann &#8211; verzeichne ich mehr halbherzig als gewissenhaft meine Konzertbesuche. Halbherzig, weil ich aus der Zeit vor 2004 nicht mehr wirklich alle Daten und Fakten beisammen habe und weil ich in der Zeit nach 2004 das ein oder andere Konzert schlicht vergessen habe, hier einzutragen. Und ehrlich gesagt ist es mir zu m\u00fchselig, aus anderen Archiven wie Webseite, last.fm, etc. die Sachen rauszusuchen und in die setlist.fm Datenbank einzutragen. \u00dcberdies w\u00fcrde ich mich auch nicht als Listenjunkie bezeichnen, was eine akkurate Datenhaltung f\u00fcr mich noch anstrengender werden l\u00e4sst. Sinn und Unsinn von Listen.<br>Doch zur\u00fcck zu setlist.fm. Am Abend des Konzertes wurde ich darauf hingewiesen, dass <strong>New Model Army<\/strong> ja eine der Bands seien, die ich mit am h\u00e4ufigsten gesehen habe. Kann nicht sein, ist meine Spontanreaktion. Die hab\u2019 ich ewig nicht mehr gesehen und fr\u00fcher doch eigentlich auch nicht regelm\u00e4\u00dfig. Oder?&nbsp;Mein letztes <strong>New Model Army<\/strong> Konzert liegt Jahre zur\u00fcck und muss eines der Weihnachtskonzerte gewesen sein, die die Band nach 2000 allj\u00e4hrlich im Palladium oder E-Werk gespielt hat. Ich kann mich nicht daran erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Erinnerungen habe ich allerdings an das 2000er Doppelkonzert zum 20. (?) Jahrestag der Band. Himmel, war das gro\u00dfartig. Da haben sie an beiden Abenden alles gespielt, was wichtig ist. Urspr\u00fcnglich hatte ich nur den besuch an einem Abend geplant, aber nachdem dann noch wichtige Songs ausstanden und der Abend so irre verr\u00fcckt gut war, beschloss ich noch vor Ort, mir auch ein ticket f\u00fcr den n\u00e4chsten Abend zu besorgen. \u2018See you tomorrow, we have got 30 more songs to play.\u2019 Der Aufforderung musste ich nachkommen. Ich glaube, das Kassenh\u00e4uschen hatte nach Konzertende noch auf.&nbsp;<br>Auch an den ein oder anderen Festivalauftritt von <strong>New Model Army<\/strong> Anfang der 1900er Jahre erinnere ich mich noch. Damals war das ja so, dass du <strong>New Model Army<\/strong> schlichtweg nicht aus dem Weg gehen konntest. Sch\u00fcttorf, Bizarre, wasauchimmer. <strong>New Model Army<\/strong> standen schon auf dem Plakat. Und meist weit oben. Genauso \u00fcbrigens wie die <strong>Levellers <\/strong>(die ich nicht gerne h\u00f6re) und <strong>The Alarm<\/strong>. Man sah sie gef\u00fchlt auf jedem Festival spielen. Und das zurecht. Die Bands hatten eine gro\u00dfe Fanbase und teilweise gro\u00dfe Songs. In meiner Erinnerung sind das die drei Bands, deren Aufn\u00e4her man am h\u00e4ufigsten auf Jeansjacken sah. (Ja, damals n\u00e4hte man sich hinten unter den Kragen rechteckige Bandsticker auf seine Jeansjacke. Ich hatte einen von <strong>U2<\/strong>).<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>New Model Army komponieren Hymnen, die ein linkes, alternatives Publikum begeistern, aber bei der breiten Masse auf Unverst\u00e4ndnis sto\u00dfen und vom Mainstream-Radio ignoriert werden. Die USA verweigern New Model Army sogar ein Arbeitsvisum wegen \u201emangelndem k\u00fcnstlerischen Potential\u201c. Sullivan revanchiert sich sp\u00e4ter mit dem Song \u201e51st State\u201c, der Amerika als moderne Kolonialmacht bezeichnet und Gro\u00dfbritannien als seinen 51. Bundesstaat. (Rockpalast)<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>New Model Army<\/strong> sind seit Jahren komplett aus meinem Dunstkreis verschwunden. Sie sind mir nicht mehr wichtig, f\u00fcr mich hatten sie ihre Zeit. <em>Thunder and consolation<\/em>, <em>The ghost of cain<\/em><strong><em>, <\/em><\/strong><em>No rest for the wicked<\/em><strong><em>, <\/em><\/strong><em>Impurity<\/em><strong><em>. <\/em><\/strong>Das war meine <strong>New Model Army<\/strong> Hochphase.&nbsp; Gerade <em>Thunder and consolation<\/em> war f\u00fcr eine lange Zeit das einzige Album, das ich geh\u00f6rt habe. \u201cGreen and grey\u201d steht immer noch auf meiner Lebens TOP-10 Songliste, \u201cStupid questions\u201d war damals der Dampf-Ablass-Song schlechthin und \u201cVagabonds\u201d, \u201cI love the world\u201d oder \u201cWhite coats\u201d kennt heutzutage jedes Kind. <br>Leider bleibt \u201cBallad of Bodmin Pill\u201d bleibt an diesem Abend der einzige Song aus diesem tollen Album. Aber immerhin, denn in den ersten Konzerten war laut setlist.fm noch nicht einmal dieser Song in <strong>Justin Sullivans<\/strong> Programm.<\/p>\n\n\n\n<p>Urspr\u00fcnglich sei das sein day-off, <strong>Justin Sullivan<\/strong> tourt gerade durch Deutschland, aber ein gewisser <strong>Morris <\/strong>h\u00e4tte ihn in die Dutch Mountains eingeladen, da konnte er nicht nein sagen. Und in der Tat, am Vortag und am n\u00e4chsten Tag spielt er zwei Konzerte in K\u00f6ln. Das hatte ich aber erst sp\u00e4ter gesehen, sonst w\u00e4ren wir vielleicht nach K\u00f6ln und nicht nach Maastricht gefahren. Obwohl, die Muziekgieterij ist einer der sch\u00f6nsten Konzertorte, den ich kenne. Und das spr\u00e4che dann wiederum f\u00fcr die paar Kilometer mehr bei der Anfahrt.<br>Was uns an diesem Abend erwarten w\u00fcrde, war nach einer Internetrecherche schnell klar. Seit ein paar Wochen tourt er durch Deutschland, es gibt YouTube Videos zu Hauf und die Datenbanken bei setlist.fm sind akribisch bef\u00fcllt. Also, so sieht\u2019s aus: <strong>Justin Sullivan<\/strong> sitzt auf einem Hocker und spielt <strong>New Model Army<\/strong> Songs (nicht die gro\u00dfen Hits) und Songs seines im letzten Jahr erstellten Soloalbums <em>Surrounded<\/em>. (Was \u00fcbrigens ein Grund daf\u00fcr ist, dass ein aktuelles <strong>New Model Army<\/strong> Album noch ein bisschen auf sich warten l\u00e4sst, wie er an diesem Abend erz\u00e4hlt). Leider variiert er die Setlist kaum, so dass keine \u00dcberraschungen zu erwarten sind, und schlie\u00dflich auch nicht eintreffen. 9 Songs vom Soloalbum, 14 New Model Army Songs. Alles Songs, die er w\u00e4hrend seiner Tour bereits schon gespielt hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der kleine Saal in der Muziekgieterij liegt im Kerzenlicht der kleinen Tischlichter, die auf den Tischen und F\u00e4ssern dekoriert sind. Es ist ein bestuhltes Konzert mit diversen Sitzgelegenheiten aus zwei Kirchenb\u00e4nken, Barhockern, St\u00fchlen und Sitzkissen. Optisch passt das zum Konzert; Schummerlicht. Da in der Hauptsache bodennahe Scheinwerfer eingesetzt werden, bleibt es die n\u00e4chsten Stunden bei dieser Schummerstimmung.<br>Um 20 Uhr startet <strong>Justin Sullivan<\/strong> mit &#8222;Maps&#8220;, einem ersten <strong>New Model Army<\/strong> Song. Als er die Einladung nach Maastricht bekam, h\u00e4tte er sich erstmal eine Altimeter App auf sein Handy geladen. The dutch alps, 50 Meter \u00fcber NN. Haha. Es ist ein erster Vorgeschmack auf das, was noch kommt und \u00fcberraschend f\u00fcr mich ist: <strong>Justin Sullivan<\/strong> erz\u00e4hlt viel und er erz\u00e4hlt unterhaltsam. Dass er so fantastisch entertainen kann, h\u00e4tte ich nicht vermutet. Durch sein akzentfreies britisches Englisch f\u00e4llt es mir auch nicht schwer, seinen Geschichten zu folgen. I understand almost everything.<br>Nach dem ersten <strong>New Model Army<\/strong> Appetizer folgt der gro\u00dfe Block mit f\u00fcnf neuen Songs aus seinem Soloalbum <em>Surrounded<\/em>. Die haben Qualit\u00e4t, er ist ein toller Singersongwriter.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die neuen Songs klingen ruhig und ausgereift. Es sind Liebesgeschichten, Tagebucherz\u00e4hlungen, Retrospektiven. \u2018Was Corona und das Alter eben so mit einem machen, wenn man den ganzen Tag auf der Coach hockt: man denkt \u00fcber sein Leben nach\u2019, wird er sp\u00e4ter irgendwann sagen. <strong>Justin Sullivan<\/strong> ist ein Geschichtenerz\u00e4hler. In den Songs und au\u00dferhalb. Er erz\u00e4hlt aus seiner Jugend, als er in den 1970er Jahren f\u00fcr drei Monate in Amerika war. Wir rechnen kurz nach. Ist <strong>Justin Sullivan<\/strong> etwa schon Mitte 60? Den Eindruck macht er gar nicht. Sp\u00e4ter google ich nach: <strong>Justin Sullivan<\/strong> ist 65 Jahre alt. Respekt.<br>Von Beginn an macht sich eine entspannte, sch\u00f6ne Atmosph\u00e4re breit. <strong>Justin Sullivan<\/strong> wirkt nah, ist nicht der da oben auf der B\u00fchne sondern Teil der Gemeinschaft. Er sucht ab und an die Kommunikation, plaudert frei vor sich hin und spielt Songs. Zur 100%igen Lagerfeueratmosph\u00e4re fehlt nur, dass wir alle mitsingen. Doch das machen allein die anwesenden Hardcore <strong>New Model Army<\/strong> Fans. Davon sind einige da. Sie kennen jede Textzeile und zucken ab und an auf ihren St\u00fchlen hin und her.&nbsp;<br>Nur einmal wird die Akustikgitarre verzerrt, wenn ich es richtig im Kopf habe, zu \u201cPassing through\u201d. Danach folgt der einzige Song ohne Gitarre, aber daf\u00fcr mit Sounds vom Band und Mundharmonikaeinsatz. Den &#8218;Karaoke Song&#8216;, so nennt ihn <strong>Justin Sullivan<\/strong>. \u201cYou weren\u2019t there\u201d passt so gar nicht ins Konzept des Abends. Ich h\u00e4tte ihn weggelassen.&nbsp;16 Songs lagen da bereits hinter uns, der Abend neigt sich so langsam dem Ende. &#8222;You weren&#8217;t there&#8220; bleibt die einzige Experimentierphase, anschlie\u00dfend und zum Abschluss des Konzertes nutzt <strong>Justin Sullivan<\/strong> wieder das klassische Singersongwriter Equipment. Nach 2 Stunden sind wir endg\u00fcltig raus. Wow, das war toll.&nbsp;Mit dieser Intensit\u00e4t und L\u00e4nge h\u00e4tten wir gerechnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende noch eine Ank\u00fcndigung vom Bandchef: Vielleicht und wenn alles mit den Papieren klappt, kommen <strong>New Model Army<\/strong> im Dezember nach Amsterdam. 40. Geburtstag feiern und so. Das sei aber noch nicht sicher, da die Reisedokumente bereits jetzt vorbereitet und zur Pr\u00fcfung abgegeben werden m\u00fcssten. Der Brexit, oder wie <strong>Justin Sullivan<\/strong> sagt: F**K**G BREXIT!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe title=\"Live: Justin Sullivan - Maps\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Nw4bDrk0Jng?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br>01: Maps (New Model Army)<br>02: Changing of the light<br>03: Amundsen<br>04: Coming with me<br>05: Unforgiven<br>06: 28th may<br>07: No greater love (New Model Army)<br>08: Rip Tides<br>09: Strogoula (New Model Army)<br>10: Marrakesh (New Model Army)<br>11: Over the wire (New Model Army)<br>12: Die trying (New Model Army)<br>13: Clean Horizon<br>14: Stone and Heather<br>15: Where I am (New Model Army)<br>16: Passing through (New Model Army)<br>17: You weren&#8217;t there (New Model Army)<br>18: Ballad of Bodmin Pill (New Model Army)<br>19: Eyes get used to the darkness (New Model Army)<br>Zugabe:<br>21: 1975<br>22: Rivers (New Model Army)<br>23: Fate (New Model Army)<br>24: Snelsmore Wood (New Model Army)<\/p>\n\n\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf setlist.fm &#8211; das ist so eine Webseite f\u00fcr Konzertnerds, auf der man Setlisten und Konzertbesuche taggen, eintragen und teilen kann &#8211; verzeichne ich mehr halbherzig als gewissenhaft meine Konzertbesuche. 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