{"id":1567,"date":"2009-10-01T14:35:30","date_gmt":"2009-10-01T13:35:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=1567"},"modified":"2010-01-06T20:14:55","modified_gmt":"2010-01-06T19:14:55","slug":"soapskin-koln-30092009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/soapskin-koln-30092009\/","title":{"rendered":"Soap&#038;Skin &#8211; K\u00f6ln, 30.09.2009"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Soap&amp;Skin - K\u00f6ln, 30.09.2009\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2648\/3971581173_dd9dbc287e.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"260\" \/><\/p>\n<p>Erst die Schweiz, gestern \u00d6sterreich. Ausnahmek\u00fcnstlerinnen aus unseren beiden Nachbarl\u00e4ndern gaben sich in dieser Woche in der K\u00f6lner Kulturkirche die Klinke, bzw. das Klavier, in die Hand. Begeisterte uns Sophie Hunger am Dienstag abend am im schwarzen Klavierlack gehaltenen Fl\u00fcgel mit tollen Melodien, so legte gestern die Steirin Anja Plaschg aka Soap&amp;Skin auf ihre Art nach.<br \/>\nAber nicht nur der Fl\u00fcgel war derselbe wie am Vortag, auch der ein oder andere Zuh\u00f6rer hatte die feminine Doppelpackung gebucht, wie wir bei einem Blick durch die Reihen feststellen konnten. Nicht die schlechteste Entscheidung, versprechen doch beide K\u00fcnstlerinnen instrumententechnisch ein sehr hohes Niveau.<br \/>\nAnja Plaschg, 19 Jahre jung und \u00d6sterreichs gro\u00dfe Indiehoffnung, kann Klavier spielen. Und wie! Seit ihrem sechsten Lebensjahr macht sie dies und die Leier vom \u201eAch h\u00e4tte ich doch fr\u00fcher auch ein Instrument erlernt\u201c w\u00e4re beim Anblick ihrer Fingerfertigkeiten erneut angebracht, aber die gab es ja gestern schon.<br \/>\nIch hatte Soap&amp;Skin bereits vor einigen Wochen im Dortmunder FZW gesehen, aber in der Kulturkirche erschloss sich mir eine andere Klangdimension. In dem sakralen Raum waren die T\u00f6ne viel klarer und dominanter zu h\u00f6ren als in der kleinen Dortmunder Konzerthalle. Es war eindeutig die geeignetere Location und meine Idee, Anja Plaschg innerhalb kurzer Zeit zweimal zu sehen, wurde ein erstes Mal belohnt.<br \/>\nAls ich die Lutherkirche betrat, f\u00fchlte ich mich drei\u00dfig Jahre zur\u00fcckversetzt. Wie zur besten Messdienerzeit str\u00f6mte mir weihrauchgeschw\u00e4ngerte Luft entgegen. Dabei geht das mit dem evangelischen Glauben nicht hundertprozentig \u00fcberein. Die Lutherkirche ist ein evangelisches Gotteshaus, und Weihrauch ist urspr\u00fcnglich nur in katholischen Kirchen Teil der Zeremonie. Sp\u00e4ter erfuhren wir, dass dies der Wunsch der K\u00fcnstlerin gewesen sei soll. Da  waren sie, die Worte des Abends: auf Wunsch der K\u00fcnstlerin. Das kam noch dreimal: Fotografieren, bitte nur ohne Blitz (sollte eigentlich eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit sein), auf Wunsch der K\u00fcnstlerin; kein Gehtr\u00e4nkeverkauf w\u00e4hrend des Konzertes im hinteren Kirchenteil (L\u00e4rmentwicklung durch Plastikbechergeklimper!) auf Wunsch der K\u00fcnstlerin und die Setlist durfte auch nicht abfotografiert werden (richtig: auf Wunsch der K\u00fcnstlerin, wie der Mischpultmann sagte. Grosse Geheimnisse um ein junges M\u00e4dchen.<br \/>\nDas Konzert begann wie in Dortmund. Die B\u00fchne wurde nur durch einen oder zwei wei\u00dfe Spotleuchten aufgehellt. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der B\u00fchne blieb im dunkeln. Der Fl\u00fcgel war so aufgebaut, dass Anja Plaschg leicht mit dem R\u00fccken zum B\u00fchnenrand sa\u00df. Auf dem Fl\u00fcgel stand der Laptop, das andere Instrument des Abends. All das kannte ich schon vom Dortmunder Konzert.<br \/>\nGespannt war ich auf den zweiten Teil des Programms, wenn nach \u201eThe sun\u201c symbolisch die Sonne dadurch verdunkelt wird, dass das B\u00fchnenlicht sekundenlang ausgeht und Anja Plaschg zur Performanceshow abdriftet. In Dortmund war diese ganz sch\u00f6n be\u00e4ngstigend und aggressiv und ich fragte mich damals, ob sie das jeden Abend auf diese Art umsetzt oder ob es seinerzeit nur das Ergebnis eines beschissenen Tages war.<br \/>\nUm es kurz zu machen: in K\u00f6ln war es nicht so dramatisch. Kein besessenes Geschrei, keine exorzistisch anmutenden Tanzeinlagen. Anja Plaschg wirkte von Anfang an innerlich ausgeglichener und weniger angespannt und aggressiv.<br \/>\nDer erste Teil des gut einst\u00fcndigen Konzertes lief einwandfrei, ihr Klavierspiel war sehr pr\u00e4zise, glasklar und mit nahezu sanftem Tastenanschlag. Gest\u00f6rt wurde der H\u00f6rgenuss lediglich durch das Knacken der linken Lautsprecherbox. Hier schien die Technik zu versagen. \u00c4rgerlich, denn gerade in den ruhigen Sequenzen st\u00f6rte es sehr. Anja Plaschg lie\u00df sich aber davon nicht aus der Ruhe bringen. Gut.<br \/>\nDen Laptopeinsatz nahm ich diesmal nicht so deutlich wahr. Lag es an der schw\u00e4chelnden Lautsprecherbox oder an der feinen Kirchenakustik, die das Klavierspiel in den Vordergrund brachte. Egal, in den wichtigen Momenten war es h\u00f6rbar. Der Laptop ersetzt wahlweise das gro\u00dfe Orchester oder unterst\u00fctzt die Songs durch kleine, digitale Loopsequenzen. Die Vorgehensweise ist immer gleich. Vor jedem St\u00fcck startet Anja Plaschg die entsprechende Sequenz im Computerprogramm und setzt dann punktgenau mit ihrem Klavierspiel ein. Die Exaktheit in den \u00dcberg\u00e4ngen oder Anschlusssequenzen zwischen Klavierspiel und Gesang auf der einen, und den digitalen Tracks auf der anderen Seite, ist beeindruckend hoch. Hier ist eine Perfektionistin am Werk.<br \/>\nDas Kirchenambiente ist der ideale Ort f\u00fcr Soap&amp;Skins d\u00fcstere, dramatische Pianomusik. In der verrauchten Luft entwickelte sich schnell eine besondere Atmosph\u00e4re, die mich komplett vereinnahmte. \u201eSpiracle\u201c schafft so was spielend und war der beste Song des Abends. Wenn Anja gequ\u00e4lt zu \u201eWhen i was a child\u201c ansetzt, oder das im Refrain aufkommende \u201ePlease, help me\u201c zum Ende hin in ein dramatisches Geschrei mutiert, dann macht mir das Angst.<br \/>\nFrau Plaschg schafft es, durch Stimme und Klavierspiel eine Dramaturgie innerhalb der Songs aufzubauen, die einen eingesch\u00fcchtert zur\u00fcckl\u00e4sst und die in der Luft schwirrt wie eine h\u00e4ssliche Geisterfratze, die einen jeden Moment anspringen m\u00f6chte. Im Idealfall rettet sich dieses Gef\u00fchl bis in das n\u00e4chste St\u00fcck und es bildet sich eine Kette von euphorisierender Besessenheit, die sich erst durch das pl\u00f6tzliche Ende des Konzertes aufl\u00f6st. Ein Zustand, sch\u00f6n und irritierend zugleich.<br \/>\nHatte ich nach dem Dortmunder Konzert geschrieben, so ein Auftritt darf keine Zugabe haben, wurde mir gestern das Gegenteil gezeigt.<br \/>\nAnja Plaschg kam nach lang anhaltendem Applaus noch einmal zur\u00fcck, ging ans Mikrofon und sang ein <span style=\"text-decoration: line-through;\">\u00f6sterreichischesVolkslied Dem Inhalt und Klangbild nach muss es ein Grablied oder ein Prozessionslied gewesen sein, so ganz konnten wir uns anschlie\u00dfend nicht einigen.<\/span> Gerade erhielt ich eine Mail mit folgendem Inhalt: &#8222;Das letzte St\u00fcck, das wir f\u00fcr \u00f6sterreichisch hielten, ist ein jiddisches Kampflied aus dem Baltikum. Ich habe das vorhin bei Google gefunden.&#8220;<br \/>\nIch mu\u00df wohl meinen Google-Suchalgorithmus verbessern!<\/p>\n<p>Sei es wie es ist, der zweite Konzertbesuch bei Soap&amp;Skin brachte die wichtige Erkenntnis, dass Anja Plaschg nicht immer so ist, wie ich sie in Dortmund kennengelernt habe. Das beruhigt mich sehr.<br \/>\nSoap&amp;Skin Konzerte sind unbedingt sehenswert. Das n\u00e4chste Mal ist sie am 16. Dezember in unserer Gegend. Ort ist dann das D\u00fcsseldorfer Savoy Theater. Dann in Musikerbegleitung. Es k\u00f6nnte eine dritte, nochmals vollkommen andere Soap&amp;Skin Erfahrung werden.<\/p>\n<p><strong>Multimedia:<\/strong><br \/>\nFotos: <a title=\"Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pretty-paracetamol\/sets\/72157622242721059\/\" target=\"_blank\">frank@flickr<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst die Schweiz, gestern \u00d6sterreich. 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