{"id":1532,"date":"2009-09-14T16:27:06","date_gmt":"2009-09-14T15:27:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=1532"},"modified":"2010-01-06T20:18:13","modified_gmt":"2010-01-06T19:18:13","slug":"soap-skin-dortmund-13092009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/soap-skin-dortmund-13092009\/","title":{"rendered":"Soap&#038;Skin &#8211; Dortmund, 13.09.2009"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Soap&amp;Skin - Dortmund, 13.09.2009\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2541\/3919151761_6835591ac3.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"318\" \/><\/p>\n<p>Dieser Auftritt polarisiert. Das ist klar wie Kl\u00f6\u00dfchen und aus dem Grundmurmeln am Ende des gut einst\u00fcndigen Konzertes von Soap&amp;Skin aka Anja Plaschg deutlich vernehmbar.<br \/>\nSchultheaterauff\u00fchrung sagen diejenigen, die es nicht so toll fanden. Von atmosph\u00e4rischer Dichte, klasse Songs und einer beeindrucken Performance berichten die, die ihren Mund sekundenlang nicht mehr zu bekommen haben, nachdem Anja Plaschg die B\u00fchne kommentarlos im Dunkeln verlassen hatte.<br \/>\nIch gestehe, ich geh\u00f6re zur letzten Gruppe. Es war schon besonders, was die \u00d6sterreicherin hier abgeliefert hat. Bis zum Wahnsinn ist es manchmal ein kurzer Weg, und eine Frage besch\u00e4ftigte mich die R\u00fcckfahrt \u00fcber sehr: Hat sie tats\u00e4chlich in Richtung meines Nachbarn gespuckt oder war dieses \u201ePahh\u201c nur die Andeutung der Tat?<br \/>\nWas war passiert?<br \/>\nDie letzten T\u00f6ne von \u201eThe Sun\u201c verstummten, das Licht ging aus, und Anja, die bis dahin nahezu regungslos am Klavier gesessen hat, zog ihre Jacke aus und startete eine &#8211; ich umschreib sie mal mit Teufelsaustreibungstanz &#8211; Performance, die so irritierend wie beeindruckend war. Zu orchestralen Laptopkl\u00e4ngen m\u00e4andriert sie tanzend Richtung B\u00fchnenrand. Nun stand sie direkt vor uns, und schrie und fl\u00fcsterte, und schrie und fl\u00fcsterte. Neben mir klackte unentwegt der Fotoapparat. Das klacken schien sie zu st\u00f6ren und mit einem energisch intensiven Blick blickte sie in Richtung des Fotografierenden. Und dann kam eben jenes \u201ePahh\u201c. Die Szenerie hatte etwas Bedrohliches. Sie k\u00f6nnte gleich von der B\u00fchne springen und Unberechenbares tun. Machte sie aber nicht, und somit fand der Abend kein abruptes Ende.<br \/>\nAber zum Anfang des Konzerts.<br \/>\n\u201eIch beginne nicht mit Turbine Womb\u201c. Das waren die einzigen Worte, die wir von Anja Plaschg h\u00f6ren. Ihre sch\u00fcchtern gehauchten \u201eDanke\u201c nach den St\u00fccken kann man nur von ihren Lippen ablesen. H\u00f6ren tut man sie nicht.<br \/>\nKlavier, Laptop, Klavierhocker und drei Mikrofone. Mehr braucht es nicht. Die B\u00fchne ist mit einem Lichtspot ausgeleuchtet. W\u00e4hrend des Spiels meidet Anja es, direkt im Lichtkegel zu sitzen. Ihr Kopf ist immer ein wenig nach links geneigt.<br \/>\nAnja Plaschg ist eine klassisch ausgebildete Pianistin. Das merkt man ihrem Spiel an. Die Melodien sitzen, die Finger fliegen \u00fcber die Tastatur. Die erste dreiviertel Stunde f\u00fchlt sich wie ein Pianokonzert an. Auf dem Klavier steht ein Laptop. Was f\u00fcr angesagte Folks\u00e4nger derzeit die Loopstation ist, ist f\u00fcr Anja Plaschg der Laptop. Mal t\u00f6nt ein ganzes Orchester aus den Lautsprechern, mal nur ein digitales Atmen. Das Knarren, welches ich erst als interessante Hintergrundapplikation vermutet hatte, kommt dagegen nicht aus dem Apple. Es sind die mit Gummi ummantelten Treppenstufen im FZW, die jedes Mal, wenn jemand herauf- oder heruntergeht, zu h\u00f6ren sind. Ja, es ist ein ruhiges Konzert. (Zur Erkl\u00e4rung: Der Konzertsaal liegt 10 bis 15 Treppenstufen niedriger als das Foyer. Wenn man also nicht auf dem Rang stehen m\u00f6chte, muss man einige Stufen herabsteigen.)<br \/>\nNochmals f\u00fcnf Minuten fr\u00fcher. \u201eEine Ansage an das Publikum. Bilder mit Blitz bitte nur w\u00e4hrend der ersten drei Songs. Die K\u00fcnstlerin w\u00fcnsche es so.\u201c Das war die Tourmanagerin. Ich stelle mir ihren Job nicht einfach vor.<br \/>\nDer Abend verl\u00e4uft erwartungsgem\u00e4\u00df. Ich hatte viel von den Schrulligkeiten der neuen \u00f6sterreichischen Indie Hoffnung (Am letzten Donnerstag wurde sie mit dem <a title=\"YouTube\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oo5F-_05wKw\" target=\"_blank\">Amadeus<\/a>, dem \u00f6sterreichischen Musikpreis in der Kategorie Alternative\/Rock ausgezeichnet) gelesen und richtete mich auf einen \u00e4hnlich verst\u00f6renden Abend ein wie ich ihn vor einigen Jahren bei einem \u201cCat Power\u201c Konzert im Geb\u00e4ude 9 erlebt hatte. Damals spielte Chan Marshall insgesamt drei Stunden lang, immer wieder unterbrochen durch Pausen, Publikumsdiskussionen und alle m\u00f6glichen Verweigerungsattacken. Mit Chan Marshall wird Anja Plaschg ja gerne verglichen, und nach dem gestrigen Abend sage ich: zu Recht.<br \/>\nSie spielt vieles oder gar alles von ihrem Deb\u00fctalbum \u201eLovetune for Vacuum\u201c. Auch ein neues St\u00fcck baut sie in ihr Set ein, soviel l\u00e4sst sie uns noch wissen. Es ist sch\u00f6nes, ruhiges Soloklavierkonzert. In den Songpausen justiert sie das Soundprogramm auf dem Laptop und trinkt einen Schluck Wasser. Mehr nicht. Es ist still im FZW, keiner spricht. Ich glaube, nach einer viertel Stunde hat sie alle mitgerissen.<br \/>\nDie Zeit rast. Mit \u201eThe Sun\u201c endet so was wie das regul\u00e4re Set. Jetzt steht sie vorne am B\u00fchnenrand und bewegt ihren K\u00f6rper zu den Laptopkl\u00e4ngen. Ihr Blick ist starr und abwesend. Sie spricht die Stimmen aus dem Lautsprecher nach, ihre Finger sind zusammengekrampft, die Haare h\u00e4ngen ihr im Gesicht. Alles wirkt sehr intensiv. Macht sie das jeden Abend? Gegen Ende des Songs geht sie in die Knie und l\u00e4sst sich fallen. Der letzte Laptopton ist verklungen.<br \/>\nDas Licht geht aus.<br \/>\nEnde. Im Dunkeln verl\u00e4sst sie die B\u00fchne.<br \/>\nDas war es.<br \/>\nEs ist kurz vor halb zehn.<br \/>\nDieser Auftritt kann &#8211; nein darf &#8211; keine Zugabe erhalten. Die Zugabe bekommen wir auch nicht.<\/p>\n<p>\u2014\u2014<br \/>\nMultimedia:<br \/>\nFotos: <a title=\"ipernity\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pretty-paracetamol\/sets\/72157622242721059\/\" target=\"_blank\">frank@flickr<\/a><br \/>\nArchivbericht: <a title=\"p-p Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2008\/12\/soap-skin-ep\/\" target=\"_blank\">Soap&amp;Skin EP<\/a><a title=\"YouTube\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Vh1Y7YVeIss\" target=\"_blank\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Auftritt polarisiert. Das ist klar wie Kl\u00f6\u00dfchen und aus dem Grundmurmeln am Ende des gut einst\u00fcndigen Konzertes von Soap&amp;Skin aka Anja Plaschg deutlich vernehmbar. 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