{"id":1458,"date":"2009-08-12T19:18:08","date_gmt":"2009-08-12T18:18:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=1458"},"modified":"2009-08-12T19:20:47","modified_gmt":"2009-08-12T18:20:47","slug":"berlin-festival-2009-tempelhof-08082009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/berlin-festival-2009-tempelhof-08082009\/","title":{"rendered":"Berlin Festival 2009 &#8211; Tempelhof, 08.08.2009"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Jarvis Cocker - Berlin Tempelhof, 08.08.2009\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/12\/66\/85\/5656685.afc63c8d.500.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"301\" \/><\/p>\n<p>Der Samstag begann laut. Da wir noch unsere Wunden vom Vortag pflegen mussten, lie\u00dfen wir die Kilians Dinslakener sein und begaben uns erst zur aus Brooklyn stammenden Band Oneida Richtung Tempelhof. \u00dcber diese Band kann ich nicht viel erz\u00e4hlen. Ich kenne sie schlichtweg nicht, bzw. kannte sie bis Samstag nicht. Die vier M\u00e4nner, namentlich Kid Millions (Schlagzeug und Gesang), Bobby Matador (Gitarre; Gesang), Hanoi Jane  (Gitarre, Bass) und  Shahin Motia (Gitarre) spielten gro\u00df auf und hinterlie\u00dfen einen bleibenden Eindruck. Ich habe selten ein so lautes Festivalset geh\u00f6rt wie das von Oneida. Klar, durch die Halligkeit im hangar wurde der Eindruck verst\u00e4rkt, aber der direkte L\u00e4rmstrahl aus Richtung B\u00fchne war im vorderen Bereich regelrecht k\u00f6rperlich zu sp\u00fcren. Irgendwo zwischen Krautrock, Stoner Rock und Elektropunk liegen ihre Songs. Sie sind wild, zerstreut; kleine Monster mit ewiger Spieldauer. Ich glaube, Oneida haben in ihren 45 Minuten B\u00fchnenzeit maximal 5 St\u00fccke gespielt. Oder sechs. Oneida, der Samstag fing gut an.<br \/>\nUnd er ging in gleichem Tempo weiter.<br \/>\nThe Thermals covern 100% von Sonic Youth. Der zweite Song ihres Sets ist mein Wachmacher. Genau wie Oneida, der Name leitet sich \u00fcbrigens von einem Volk der Irokesen ab, gingen die Thermals bisher nahezu an mir vorbei. Aber der gew\u00fcnschte Nebeneffekt eines Festivals ist es ja, solche eher unbekannten K\u00fcnstler ausgiebiger kennenzulernen. Und die Thermals haben mich \u00fcberzeugt. Sie erfinden das Rad des Indie-Rock-Alternativ-Pop a la Guided by Voices oder Ramones nicht neu, aber sie drehen es in unterhaltsamer Manier weiter. Schnell sind die Songs, und kurz. Eine der Festivalentdeckungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Oneida - Berlin Tempelhof, 08.08.2009\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2602\/3811359873_a641b86d0a.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"281\" \/><\/p>\n<p>Health, die Band die beim diesj\u00e4hrigen SXSW in Austin sehr wohlwollende Kritiken erhielt, spielten mit geringem Zeitversatz quasi parallel zu den Rifles auf der Second Stage. Also machten wir uns nach einer Viertelstunde Rifles Hits auf den Weg. Zwischendurch noch ein kleiner Schlabberstop am W\u00fcrstchenstand und schon waren wir mitten im Soundcheck der vier M\u00e4nner aus Los Angeles. Es kam nun zur lustigsten Szene des Festivals. Noch circa 10 Minuten checkten sie ihre Instrumente, dann trat S\u00e4nger Jake Duzsik ans Mikrofon, begr\u00fc\u00dfte das Publikum und wie auf Knopfdruck fing die Band urpl\u00f6tzlich an aufs \u00fcbelste loszurocken und sich ekstatischen Bewegungen hinzugeben. Nach 30 Sekunden entschulterten die drei ihre Gitarren, griffen zu den Mikros und br\u00fcllten unverst\u00e4ndliches in ihre Mikros. Wieder wenige Sekunden sp\u00e4ter knieten sie sich vor ihre Pedals und Frickelger\u00e4te und lie\u00dfen den elektrischen Bassbeats freien lauf. Das sind Health. Ihre B\u00fchnenperformance erinnert an Trail of Dead und Atari Teenage Riot.<br \/>\nIhr Noise Rock ist sehr kraftvoll, die Gitarren dominieren die Songs, Keyboard und sonstige Elektrospielereien bleiben aber nicht au\u00dfen vor. Gesang ist f\u00fcr Health eher nebens\u00e4chlich, schien es mir. Nur selten trat  Jake Duzsik ans Mikro, und wenn, dann ging er hoffnungslos unter.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"  aligncenter\" title=\"Health - Berlin Tempelhof, 08.08.2009\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2432\/3812175906_4ed433b1a9.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"281\" \/><\/p>\n<p>Danach war die Luft erst mal raus. Zu Zoot Woman fanden wir uns zwar wieder vor der Hauptb\u00fchne ein, allerdings war es im Hangar mittlerweile gut gef\u00fcllt und ich nicht in der Stimmung f\u00fcr Disco.<br \/>\nIm Anschluss sollte Herr Jarvis Cocker die B\u00fchne in Beschlag nehmen. Jarvis war unser heimlicher Hauptakt des Samstags. Schon nachmittags war klar, dass wir Deichkind ein Lied lang keine Chance geben w\u00fcrden.<br \/>\nDamals, in den 90ern, m\u00f6chten wir schon die britischen Pulp sehr, und waren traurig als sie sich 2002  nach sieben Alben in eine immer noch anw\u00e4hrende Schaffenspause verabschiedeten. Von Jarvis Cocker, dem S\u00e4nger, war in der Folge lange Zeit nichts zu h\u00f6ren.<br \/>\n2003 erschien dann sein Solodeb\u00fct \u201eJarvis\u201c. Dann tauchte er in einem der Harry Potter Filme auf, schrieb Kinderb\u00fccher und trennte sich von seiner Frau. Dieses Jahr erschien mit \u201eFurther Complications\u201c sein zweites Solowerk. Im Gegensatz zu \u201eJarvis\u201c, das streckenweise doch sehr an die Pulp Songs ankn\u00fcpfte, ist \u201eFurther Complication\u201c mehr Rock als Pop. Das \u00fcberraschte mich doch sehr, trotzdem \u2013 oder gerade deswegen \u2013 bin ich sehr von dem Album begeistert.<br \/>\nIn Berlin spielte Jarvis Songs aus beiden Alben. Im ersten Teil des Sets die des neuen Albums, im zweiten Teil Songs vom Deb\u00fct. Erwartungsgem\u00e4\u00df gab es keine Pulp Songs. Die mag er n\u00e4mlich nicht mehr spielen, lie\u00df Herr Cocker verlauten. Das machte er schon seinerzeit nicht, als er mit seinem Deb\u00fct auf Tour war und wir ihn in K\u00f6ln gesehen haben. Dann lieber nur eine Stunde spielen.<br \/>\nUnd eine Stunde Jarvis ist allemal besser als keine. In Berlin war sein Set auf eine Stunde angesetzt, und es war ein Augenschmaus. Der alte Schlacks \u00fcberzeugte. Immer in Bewegung, immer in direkter Konversation mit dem Publikum. Ein wahrhaft gro\u00dfer Entertainer, der immer was zu sagen hat und der seinen Songs durch seine (unfreiwillig?) staksig unelegant wirkenden K\u00f6rperbewegungen das besondere verleiht.<br \/>\nDavon lebt die Jarvis Cocker Show, denn  musikalisch ist nicht jeder vorgetragene Song ein Knaller. Aber das geht unter, wenn er mit einer Handpuppe spricht, die ihm aus der ersten Reihe entgegengehalten wird, oder das Keyboard mit der Schuhsohle maltr\u00e4tiert. \u201eAngela\u201c, die aktuelle Single, kommt fr\u00fch am Abend und ist neben \u201eBlack Magic\u201c und \u201eFat children\u201c ein Highlight. Jetzt haben alle in den vorderen Reihen hat ein L\u00e4cheln im Gesicht. Apropos vordere Reihen. Es haben sich haupts\u00e4chlich Mitte-, Enddrei\u00dfiger hier platziert, die Pulp Zielgruppe von damals ist Jarvis also treu geblieben. Einzig einige Deichkindkids haben sich dazwischengemogelt. Sie  wollten sich fr\u00fchzeitig eine gute Ausgangsposition sichern und pogen aus lauter Langeweile zu \u201eBlack Magic\u201c. Ein bisschen mussten sie aber noch ausharren, ein Saxophon (\u201eHomewrecker\u201c) \u00fcber sich ergehen lassen, bevor \u201eYou are in my eyes\u201c das Set beendete.<br \/>\nSie haben halt nicht verstanden, beziehungsweise eine falsche Herangehensweise. Uns hat es gefallen, und fielen anderen, die sich nach dem Ende des Sets Richtung drau\u00dfen bewegten, auch. Der gr\u00f6\u00dfere und j\u00fcngere Teil an Festivalbesuchern jedoch str\u00f6mte uns entgegen. Wenn die Welt gerecht w\u00e4re&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Berlin Tempelhof, 08.08.2009\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3540\/3812112106_ed404411e4.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"299\" \/><\/p>\n<p>\u2014\u2014<br \/>\nMultimedia:<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"..\/..\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/user-login-red.gif\" alt=\"\" align=\"absmiddle\" \/>Fotos: <a title=\"Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pretty-paracetamol\/sets\/72157622000295946\/\" target=\"_blank\">frank@flickr<\/a><a title=\"YouTube\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Vh1Y7YVeIss\" target=\"_blank\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Samstag begann laut. 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