{"id":11483,"date":"2019-10-01T19:35:21","date_gmt":"2019-10-01T17:35:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=11483"},"modified":"2019-10-01T19:58:13","modified_gmt":"2019-10-01T17:58:13","slug":"amanda-palmer-luxemburg-27-09-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/amanda-palmer-luxemburg-27-09-2019\/","title":{"rendered":"Amanda Palmer &#8211; Luxemburg, 27.09.2019"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong>  Conservatoire de Luxembourg, Luxemburg<br><strong>Vorband: <\/strong>&#8211;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1400\" height=\"787\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/DSC00175.jpg\" alt=\"Amanda Palmer\" class=\"wp-image-11488\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Es waren sehr unterhaltsame drei Stunden. Doch darf ich das ob der Schwere der Geschichten, die ich in den n\u00e4chsten Stunden h\u00f6ren werde, \u00fcberhaupt so sagen? <br>Denn Belanglosigkeiten hat <strong>Amanda Palmer<\/strong> nicht zu berichten. Im Gegenteil. Sie wird von wichtigen, lebensver\u00e4ndernden Situationen erz\u00e4hlen, die mich keine Worte finden lassen. So empfinde ich es als schwierig und vielleicht sogar unw\u00fcrdig, diese Geschichten, die nicht meine sind, mitzuteilen. Es ist ja nicht irgendein Tratsch und Klatsch des Nachbarn \u00fcber seine Katze, den ich weitererz\u00e4hle. Da h\u00e4tte ich, ehrlich gesagt, keine Skrupel.<br><strong>Amanda Palmer<\/strong> erz\u00e4hlt uns ihr halbes Leben, angefangen in Massachusetts, wie ihr Bruder sie musikalisch sozialisierte (\u2018<strong>Amanda<\/strong>, <strong>Madonna<\/strong> is ok, but you have to listen to <strong>The Cure<\/strong>!\u2018), \u00fcber ihre Zeit als Austauschstudentin in Regensburg und \u00fcber pers\u00f6nliche Schicksalsschl\u00e4ge. Und die sind es, die mich sprachlos zur\u00fccklassen: Ihre drei Abtreibungen und die Verarbeitungen der Bostoner Anschl\u00e4ge (<strong>Amanda Palmer<\/strong> lebte zur Zeit der Attentate in Boston) f\u00fcllen unverbl\u00fcmt die ersten zwei Stunden und nach der Pause werden die Themen nicht minder emotional: ein Besuch in einem Gef\u00e4ngnis, in dem die ganz schweren Jungs mit Strafen gr\u00f6\u00dfer 20 Jahren einsitzen (\u2018You killed a squirrel? That is rough, <strong>Amanda<\/strong>.\u2018), der Tod des besten Freundes und die erlittene Totgeburt f\u00fcllen eine weitere Stunde. Es ging mir mitunter an die Nieren und ich bewundere die Art und Weise, wie <strong>Amanda Palmer<\/strong> uns v\u00f6llig Fremden tiefste Einblicke in ihr Leben gab. Am Abend selbst dachte ich weniger dar\u00fcber nach, aber an den n\u00e4chsten Tagen wuchs mein Respekt vor dem, was und vor allem wie sie diesen Abend bestritt, immer st\u00e4rker an. Boah, oft muss ich noch an die Geschichten denken. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>This the strangest place on this tour. I am feeling like a teacher.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Sind wir hier richtig? Aus dem Haupteingang str\u00f6men Schulkinder, am Parkplatz vor der T\u00fcr warten die Eltern und das luxemburgische Milit\u00e4r. Das Musikkorps scheint auch hier zu \u00fcben. Teenager und Kiddies sitzen in der Cafeteria. <br>Aber das ist doch das Geb\u00e4ude, das als Konzertort ausgewiesen ist? Ja, ist es. <br>Das Conservatoire, wer Franz\u00f6sisch versteht ist klar im Vorteil, ist eine Musikschule am westlichen Stadtrand von Luxemburg. 1906 wurde sie gegr\u00fcndet und laut Wikipedia 1984 als Teil des\u00a0Campus Geessekn\u00e4ppchen\u00a0neu errichtet. Der alte Geb\u00e4udekomplex war zu klein geworden. Das neue Geb\u00e4ude verf\u00fcgt auch \u00fcber einen eigenen Konzertsaal mit einer gro\u00dfen Konzertorgel und spielt im Konzertleben der Stadt neben dem der\u00a0Philharmonie Luxembourg\u00a0eine bedeutende Rolle. Die Orgel sollte sp\u00e4ter noch zum Einsatz kommen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Im Konzertsaal des Konversatoriums wird in anderthalb Stunden <strong>Amanda Palmer<\/strong> auftreten. Als wir den Merchstand in der Aula erblicken wissen wir, dass wir richtig sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Vorbild ihrer <em>Their will be no intermission<\/em> Tour\nlieferte <strong>Bruce Springsteen<\/strong>. Es ist\neine der wenigen nicht heftigen Geschichten, die <strong>Amanda Palmer<\/strong> erz\u00e4hlt. Obwohl sie mit <strong>Bruce Springsteen<\/strong> nicht viel anfangen konnte und erst durch ihren\nStudienfreund David auf den Boss eingeschworen wurde (\u2018<strong>Amanda<\/strong>, nein! You should listen to <em>Nebraska<\/em>.\u2018) besuchte sie eine seiner Broadway Shows. In diesen\nShows erz\u00e4hlte <strong>Bruce Springsteen<\/strong> \u00fcber\nseine Kindheit, den Tod des Vaters und die Alzheimerkrankheit der Mutter. Das\nbest\u00e4rkte sie &#8211; auch getrieben von der Aufforderung eines Yogalehrers (\u2018If you\ncan you must\u2018) &#8211; ihre Geschichten auf die B\u00fchne zu bringen. So entstand das\nKonzept zu <em>Their will be no intermission<\/em>: Schicksalserlebnisse in\nVerbindung mit den daraus entstandenen Songs.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Saal ist wunderbar und perfekt geeignet f\u00fcr diesen Abend. Die Sitze sind bequem, die Beinfreiheit ausreichend. Ein Sofa eines Therapeuten kann nicht bequemer sein. Den Vergleich finde ich gut, denn ich werde mich in den n\u00e4chsten Stunden f\u00fchlen wie bei einer Therapiesitzung. Und er ist nicht allzu gro\u00df. Wir haben eine gute Sicht auf die B\u00fchne. Doch die ben\u00f6tigen wir anfangs nicht. Mit der Ukulele in der Hand steht Amanda Palmer urpl\u00f6tzlich im linken der beiden Treppenaufg\u00e4nge zu den Sitzreihen und spielt unverst\u00e4rkt \u201eIm my mind\u201d. Das Konzert, bzw. &#8211; ja was eigentlich? &#8211; die Vorstellung beginnt. \u201eRuns in the family\u201c bildet den musikalischen Einstieg in ihre Lebensgeschichte. Sie spielt es so, wie sie zuvor erz\u00e4hlt hatte, dass ihre Eltern nahezu daran verzweifelt sind, wie sie das heimische Klavier mit zu starken Anschl\u00e4gen maltr\u00e4tierte und sehr oft daf\u00fcr verantwortlich zeigte, dass der Klavierbauer immer wieder kleinere Reparaturen an dem Instrument vornehmen musste: laut, wild, roh. <strong>Amanda Palmer<\/strong> h\u00e4mmerte auf die Tasten. Dann folgen all die anderen Erlebnisse. Musikalisch unterst\u00fctzt durch f\u00fcnf, sechs Songs, die sie entweder am Klavier oder auf der Ukulele spielt. Ein Highlight ist dabei definitiv das an der gro\u00dfen Konzertsaalorgel gespielte <strong>John Lennon<\/strong> Cover \u201eImagine\u201c. Vor Konzertbeginn haben wir uns noch gefragt, ob auf dem Zettel, der an der Orgel liegt, \u2018Ber\u00fchren verboten\u2018 steht. Nun, es sind wohl eher die Noten und der Text zu \u201eImagine\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeit rast f\u00f6rmlich. Als <strong>Amanda Palmer<\/strong> eine Pause ank\u00fcndigt, ist es kurz vor 22 Uhr. Ups,\nich habe gar nicht gemerkt, wie die Zeit verging.<br>\nIn der Pause unterhalten wir uns mit einem luxemburgischen Bekannten \u00fcber seinen\n<strong>Bon Jovi<\/strong> Konzertbesuch im Londoner\nWembley-Stadion. Unser Kontrastprogramm; dazu l\u00e4uft <strong>The Cure<\/strong> aus den Lautsprecherboxen. Darkness and light.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Viertelstunde \u00fcbernimmt <strong>Amanda Palmer<\/strong> wieder das erz\u00e4hlen, bevor sie gegen 23 Uhr zum letzten Mal zur Ukulele greift. Zur Zugabe spielt sie \u201eUkulele Anthem\u201d erneut mikrofonlos vor den ersten Reihen. Es ist eine Art Freischwimmer nach den nachdenklichen Momenten der vorherigen drei Stunden. <br>Ein Konzert, das lange nachhallt. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u2026 and eat your fruit loops in the dark <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/amanda-palmer-the-grand-theft-orchestras-koln-03-11-2012\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Amanda Palmer &#8211; K\u00f6ln, 03.11.2012 \/ Luxor<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Multimedia:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-facebook wp-block-embed is-type-video is-provider-facebook\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<div class=\"oceanwp-oembed-wrap clr\"><div id=\"fb-root\"><\/div><script async=\"1\" defer=\"1\" crossorigin=\"anonymous\" src=\"https:\/\/connect.facebook.net\/de_DE\/sdk.js#xfbml=1&amp;version=v4.0\"><\/script><div class=\"fb-video\" data-href=\"https:\/\/www.facebook.com\/anna.radozda\/videos\/vb.100000737387164\/2716928495008370\/?type=2&amp;video_source=user_video_tab\" data-width=\"1200\"><blockquote cite=\"https:\/\/www.facebook.com\/anna.radozda\/videos\/2716928495008370\/\" class=\"fb-xfbml-parse-ignore\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/anna.radozda\/videos\/2716928495008370\/\"><\/a><p>Amanda Palmer Conservatoire de Luxembourg 27.09.2019<\/p>Gepostet von <a href=\"#\" role=\"button\">Anna Radozda<\/a> am Sonntag, 29. September 2019<\/blockquote><\/div><\/div>\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es waren sehr unterhaltsame drei Stunden. Doch darf ich das ob der Schwere der Geschichten, die ich in den n\u00e4chsten Stunden h\u00f6ren werde, \u00fcberhaupt so sagen? Denn Belanglosigkeiten hat Amanda Palmer nicht zu berichten. Im Gegenteil. Sie wird von wichtigen, lebensver\u00e4ndernden Situationen berichten, die mich keine Worte finden lassen. So empfinde ich es als schwierig und vielleicht sogar unw\u00fcrdig, diese Geschichten, die nicht meine sind, einfach so weiterzuerz\u00e4hlen. Es ist ja nicht so, dass ich irgendeinen Tratsch und Klatsch des Nachbarn \u00fcber seine Katze weitererz\u00e4hlen w\u00fcrde.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11489,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"pretty-paracetamol in concert: %%post_title%%","_seopress_titles_desc":"Es waren sehr unterhaltsame drei Stunden. Doch darf ich das ob der Schwere der Geschichten, die ich in den n\u00e4chsten Stunden h\u00f6ren werde, \u00fcberhaupt so sagen? Denn Belanglosigkeiten hat Amanda Palmer nicht zu berichten. Im Gegenteil. 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