{"id":11058,"date":"2019-06-23T19:02:20","date_gmt":"2019-06-23T17:02:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=11058"},"modified":"2024-07-02T20:42:00","modified_gmt":"2024-07-02T18:42:00","slug":"billy-corgan-luxemburg-21-06-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/billy-corgan-luxemburg-21-06-2019\/","title":{"rendered":"Billy Corgan &#8211; Luxemburg, 21.06.2019"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Den Atelier, Luxemburg<br><strong>Vorband: <\/strong>Katie Cole<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"2000\" height=\"1125\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC01613.jpg\" alt=\"Billy Corgan,Konzertbericht,Review,Setlist\" class=\"wp-image-11063\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Billy Corgan<\/strong> schaut grimmig. Seine m\u00e4chtigen Armen wiegen von hinten nach vorne, von links nach rechts. Mit seinen beiden Umh\u00e4ngem\u00e4nteln bekleidet sieht er aus wie <strong>Graf Zahl<\/strong>. Nur zum Lachen ist ihm gerade nicht zumute.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Talk or play, talk or play? It\u2019s simple and it\u2019s serious. Talk or play?<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Kein hallo oder guten Abend Luxemburg; talk or play sind die ersten Worte, die wir von ihm h\u00f6ren. Just hat er seinen ersten Song gespielt, als ihm sichtlich der leicht hohe Ger\u00e4uschpegel im Atelier zu nerven beginnt. 500 Menschen, viel mehr sind es an diesem fr\u00fchsommerlichen Abend nicht, stehen vor der B\u00fchne und m\u00fcssen sich auch erst einmal akklimatisieren. Von der Bar scheppern noch ein paar Gl\u00e4ser, der ein oder andere muss seinem Nachbarn vielleicht mitteilen, wie befremdlich <strong>Billy Corgan<\/strong> in seinen wallenden Umh\u00e4ngen aussieht. Neben <strong>Graf Zahl<\/strong> denke ich wahlweise an Draculafilme aus den 1930er Jahren oder an einen dunklen Star Wars B\u00f6sewicht. \u2018Talk or play?\u2018 <strong>Billy Corgan<\/strong> fragt immer noch und sieht dabei \u00fcberhaupt nicht gl\u00fccklich auch. \u2018<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>If you\u2019d like to talk, okay. But I am here to play some music. But I you\u2019re not interested in this\u2026<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Es wird dann ruhiger und die aus Theater und Kino bekannten Zischlaute, mit denen man Nachbarn zur Ruhe mahnt, werden zum runng gag, \u00fcber den auch <strong>Billy Corgan<\/strong> irgendwann schmunzeln muss. Ein schmunzeln, dass ich aber nicht interpretieren kann. Ist es eher abwertend oder doch am\u00fcsierend gemeint. \u00dcberhaupt, aus seine Ansagen und Gesten kann ich an diesem Abend nicht richtig lesen. Lange Zeit sehe ich auf der B\u00fchne einen grimmigen und ver\u00e4rgerten Musiker stehen, der jeden Moment das Konzert aus einem dummen Grund beenden lassen kann. Bei jedem noch so kleinen Glasgeschepper hebt er seinen Kopf, h\u00f6rt jede Zwischenbemerkung und schaut nicht freundlich in die hochgehaltenen Mobiltelefonkameras. Die aufmunternden Billy Rufe, die zwischendurch immer mal wieder durch den Raum schallen, scheinen ihn noch mehr zu \u00e4rgern.<br>Dabei sind das Sympathiebekundungen in Ma\u00dfen. Es ist von den Umst\u00e4nden her ein ganz normales Konzert. Aber <strong>Billy Corgan<\/strong> kann nicht nonchalant dar\u00fcber hinwegh\u00f6ren. Er mu\u00df kommentieren, seinen Sarkasmus \u00e4ussern. Erst gegen Ende des Konzertes wirkt er ausgeglichener und toleranter. Ich sag jetzt einfach mal, <strong>Billy Corgan<\/strong> hatte einfach einen schlechten Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor 20 Jahren plusminus habe ich die <strong>Smashing Pumpkins<\/strong> zum letzten Mal live gesehen. (Glaube ich). In D\u00fcsseldorf, in der Osterrocknacht des wdr. Damals waren sie schon gro\u00df und spielten nach <strong>Cypress Hill<\/strong>, <strong>Sonic Youth<\/strong> und anderen als letzte Band des Abends. Jahre zuvor sah ich sie zum ersten Mal. Im D\u00fcsseldorfer Tor 3, die Vorband damals war eine Band namens <strong>The Verve<\/strong>.<br><strong>Billy Corgan<\/strong> solo erlebte ich bisher noch nicht. Ehrlich gesagt sind die <strong>Smashing Pumpkins<\/strong> f\u00fcr mich eine Band aus der Vergangenheit. Ewig ist es her, dass ich eines ihrer Alben aufgelegt habe oder mich nach neuem Material erkundigte. Erst die Rock am Ring \u00dcbertragung am letzten Wochenende brachte mir die <strong>Smashing Pumpkins<\/strong> nach Jahren wieder n\u00e4her. \u2018<strong>Billy Corgan<\/strong> ist auch \u00e4lter geworden, einen kleinen Bauch hat er bekommen\u2018, dachte ich beim Betrachten der Fernsehbildern.<br>Wie stark seine Hits sind, merke ich im Atelier. \u201eDisarm\u201c, ich kann noch vieles aus der aus dem Lameng mitsingen. Bei \u201eTonight, tonight\u201c oder \u201eThirty-Three\u201c ist das \u00e4hnlich.<br>An diesem Abend h\u00f6re ich alles erstmals nur mit der Akustikgitarre oder am Klavier gespielt. Und sie klingen \u00fcberragend sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Setlist der vergangenen Solokonzerte weist den Weg. Es wird zwei Sets geben; im ersten spielt er Songs aus seinen Soloalben, im zweiten dann Songs der <strong>Smashing Pumpkins<\/strong> und <strong>Zwan<\/strong>. Wer nun vermutet, dass das erste Set eher belanglos ist und gegen das zweite qualitativ abf\u00e4llt, der irrt gewaltig. Die Solosachen sind ebenso sch\u00f6n anzuh\u00f6ren wie die alten <strong>Smashing Pumpkins<\/strong> Kracher. Nat\u00fcrlich ist der Jubel \u00fcber \u201eDisarm\u201c, \u201eTonight, tonight\u201c oder \u201eFor Martha\u201c gr\u00f6\u00dfer, aber die Aufmerksamkeit im ersten Programmteil ist nicht geringer. Vielleicht sind wir auch nur eingesch\u00fcchtert und h\u00f6ren deswegen so konzentriert zu. Doch nein, das glaube ich nicht.<br>Ein Klavier steht auf der B\u00fchne, und zwei Mikrofonst\u00e4nder. Mehr braucht es an diesem Abend nicht. Bevor <strong>Billy Corgan<\/strong> die B\u00fchne betritt, spielt die aktuelle <strong>Smashing Pumpkins<\/strong> Keyboarderin <strong>Katie Cole<\/strong> ein paar Songs aus ihrem Deb\u00fctalbum, dass demn\u00e4chst erscheinen wird. Es ist solider australischer Singersongwriterkram, den wir pr\u00e4sentiert bekommen. Der ist nicht schlecht und die halbe Stunde ist enorm kurzweilig. Auch, weil <strong>Katie Cole<\/strong> mit dem noch sp\u00e4rlich gef\u00fchlten Saal umzugehen wei\u00df und mit Zwischenansagen, kleinen Song mash-ups und Kurzgeschichten die Aufmerksam hoch h\u00e4lt.<br>Sp\u00e4ter wird sie f\u00fcr zwei Songs (\u201eDancehall\u201c, \u201eBuffalo boy\u201c) zur\u00fcckkehren und <strong>Billy Corgan<\/strong> gesanglich begleiten.<br><strong>Billy Corgan<\/strong>, oder wie es auf seinen Merch T-Shirts steht: <strong>William Patrick Corgan<\/strong>, beginnt an der Akustikgitarre. Er spielt solo und akustisch, mal am Klavier aber meist an der Gitarre. Nachdem er den Saal nach seinen Vorstellungen ruhig gestellt hat, wechselt er zwischen Gitarre und Klavier hin und her. Die Songs, die wir h\u00f6ren, kommen teils von seinem aktuellen Album <em>Ogilala<\/em>, teils von einem neuen Soloalbum, dass im Herbst ver\u00f6ffentlicht wird und von <strong>Rick Rubin<\/strong> produziert wurde. Auf der Setlist stehen:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Setlist (1):<\/strong><br>01: Waiting for a train that never coms<br>02: Hard times<br>03: To scatter one\u2019s own<br>04: Faithless darling<br>05: Apologia<br>06: Cri de couer<br>07: Buffalo boy<br>08: Dancehall<br>09: Aeronaut<br>10: Processional<br>11: Half-life of an autodidact<br>12: The long goodbye<br>13: Mandarynne<br>14: Along the Santa Fe trail<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer guten Stunde ist dann Pause. \u2018I\u2019ll see you in 20 minutes.\u2018 Die Pausenzeit h\u00e4lt er ein und jeder im Atelier wei\u00df nat\u00fcrlich, was ihn zweiten Programmteil erwartet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass niemand die Setlist aus Dublin und Glasgow gegooglet hat. Seine Umh\u00e4ngem\u00e4ntel und den grimmige Gesichtsausdruck l\u00e4sst er in der Kabine, als er auf die B\u00fchne zur\u00fcckkehrt. Er wirkt nun nicht nur kleidungstechnisch entschlackt. &#8218;Okay, er h\u00e4tte da so eine Band und er w\u00fcrde jetzt ein paar \u00e4ltere Lieder spielen.\u2018<br>Neun <strong>Smashing Pumpkins<\/strong> Songs aus allen Epochen und ein <strong>Zwan<\/strong> Song (\u201eEndless summer\u201c) folgen.<br>Das Atelier frisst ihm nun aus der Hand. Ganze Refrainst\u00fccke werden mitgesungen, der Applaus nach den alten Hits ist enorm gro\u00df. Es ist aber auch toll, \u201eDisarm\u201c nur am Klavier vorgespielt zu bekommen oder \u201eTonight, tonight\u201c nur auf der Akustikgitarre zu h\u00f6ren. Da krabbelt mir schon ein bisschen G\u00e4nsehaut den R\u00fccken hoch. Der absolute \u00dcbersong aber ist \u201eFor Martha\u201c, ein Song \u00fcber seine Mutter vom <em>Adore<\/em> Album. Er ist traumhaft, sch\u00f6n, einfach wunderbar. Was nur ein Klavier aus einem St\u00fcck Musik machen kann ist ph\u00e4nomenal!<br>Zur Zugabe stellen wir uns auf \u201e1979\u201c ein. Doch zur \u00dcberraschung spielt <strong>Billy Corgan<\/strong> nicht das, was auf der Setlist vermerkt ist, sondern ein Cover. \u201eNights in white satin\u201c von <strong>The Moody Blues<\/strong>. Wow, das ist noch viel besser!<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>It\u2019s over, so you can talk right now\u2026<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe title=\"Live: Billy Corgan - For Martha\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/RHicG0JBGn4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich habe von diesem Abend nicht viel erwartet. Gut, dass Erwartungen nicht immer in Erf\u00fcllung gehen. Dieses Konzert hatte es in sich. Am Ende des Tages m\u00f6chte ich folgendes festhalten: <strong>Billy Corgan<\/strong> ist ein verdammt guter Musiker und er ist nicht immer nur grimmig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Setlist (2):<\/strong><br>15: Wound<br>16: Thirty-three<br>17: Spaceboy<br>18: Violet rays<br>19: Endless summer<br>20: For Martha<br>21: Tonight, tonight<br>22: Ugly<br>23: Travels<br>24: Disarm<br>Zugabe:<br>25: Nights in white satin<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br>&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Billy Corgan schaut grimmig. Seine m\u00e4chtigen Armen wiegen von hinten nach vorne, von links nach rechts. Mit seinen beiden Umh\u00e4ngem\u00e4nteln bekleidet sieht er aus wie Graf Zahl. Nur zum Lachen ist ihm gerade nicht zumute. &#8218;Talk or play, talk or play? It\u2019s simple and it\u2019s serious. 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