{"id":10889,"date":"2019-04-23T13:55:20","date_gmt":"2019-04-23T11:55:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=10889"},"modified":"2022-05-11T20:20:07","modified_gmt":"2022-05-11T18:20:07","slug":"little-waves-festival-genk-13-04-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/little-waves-festival-genk-13-04-2019\/","title":{"rendered":"Little Waves Festival &#8211; Genk, 13.04.2019"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> C-Mine, Genk<br><strong>Bands:<\/strong> Isbells, Pinegrove, Marissa Nadler, Sam Amidon, Niklas Paschburg<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1150\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_1783.jpg\" alt=\"Little waves,Marissa Nadler,Konzertbericht,Review\" class=\"wp-image-10891\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Im letzten Jahr lernte ich das Little Waves Festival in Genk erstmals kennen. Unser Grund, die 100 Kilometer in die belgische Kleinstadt zu fahren, war der Solo- und Akustikauftritt der beiden <strong>Mercury Rev<\/strong>\u2019er <strong>Sean &#8222;Grasshopper&#8220; Mackowiak<\/strong> und <strong>Jonathan Donahue<\/strong>, der mich im Nachhinein sehr verzaubert zur\u00fccklie\u00df.<br>Aber ganz abgesehen von dem Auftritt \u00fcberzeugte mich das Little Waves mit seinem Veranstaltungsort und seiner wohl durchdachten und unaufgeregten Organisation. Im C-Mine Kulturzentrum, einer ehemaligen Zechenanlage \u00e4hnlich der Zeche Zollverein in Essen, wurden drei S\u00e4le unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe bespielt. <strong>Mercury Rev<\/strong> zum Beispiel traten in einem Theatersaal mit enorm bequemen Sitzpl\u00e4tzen auf, andere Bands spielten in einer kleinen Konzerthalle oder in einem angrenzenden Raum. Es war ein guter Samstagabend Ausflug und ja, schon damals plante ich, wieder herzukommen. Gedacht, getan.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Jahr besorgte ich mir direkt ein early bird Ticket f\u00fcr das Little Waves 2019 Festival. Obwohl noch keine Band bekanntgegeben wurde, hatte ich nie das Gef\u00fchl, dass ich die Investition bereuen w\u00fcrde. Und f\u00fcr die 20 Euro kann man auch nichts falsch machen! Als dann <strong>Marissa Nadler<\/strong> als erste K\u00fcnstlerin vermeldet wurde, war eigentlich schon alles gut. <strong>Marissa Nadler<\/strong>, die sieht man nicht oft und ich hatte sie schon l\u00e4nger nicht mehr live erlebt. Toll! Das passte. Ich hoffte, ihr Konzert w\u00fcrde im Theatersaal stattfinden. Dass es dann so kam, war &#8211; wie sich herausstellt &#8211; nicht nur ein Segen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter kamen die belgischen <strong>Whispering Sons<\/strong> als Headliner dazu und allein durch diese beiden Ank\u00fcndigungen wurde das Little Waves 2019 nicht nur gut, sondern ein besseres Festival. Ein bisschen schmerzte zwar die Absage von <strong>Ryley Walker<\/strong>, sie fiel f\u00fcr mich aber nicht so stark ins Gewicht, dass ich arg ver\u00e4rgert sein musste.<br>Stattdessen freute ich mich auf die Fahrt nach Genk, auf wieder einmal belgische Friet und auf die Konzerte in der sch\u00f6nen C-Mine.<br>Mein Plan war folgender: Ich wollte mit den belgischen <strong>Isbells<\/strong> am fr\u00fchen Abend starten, um mich dann \u00fcber <strong>Marissa Nadler<\/strong>, <strong>Sam Amidon<\/strong> oder <strong>Pinegrove<\/strong>, <strong>Niklas Paschburg<\/strong> und <strong>Whispering Sons<\/strong> durch den Abend zu hangeln. Ausgerichtet war mein Plan dabei auf den Auftritt von <strong>Marissa Nadler<\/strong>, den ich nicht nur auf gar keinen Fall verpassen wollte, sondern auch unbedingt in voller Ruhe und Aufmerksamkeit genie\u00dfen wollte. Um ihn rankte sich sozusagen meine gesamte Organisation.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1152\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_1773.jpg\" alt=\"Isbells\" class=\"wp-image-10892\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Nachdem mich die <strong>Isbells<\/strong> im Theater eine gute halbe Stunde unterhalten hatten, blieb ich f\u00fcr die Umbaupause von 40 Minuten einfach sitzen. Drau\u00dfen war es kalt und ungem\u00fctlich und in einen anderen Saal wechseln wollte ich f\u00fcr die wenigen Minuten nicht. So wartete ich einfach und sah <strong>Marissa Nadler<\/strong> dabei zu, wie sie ihre Gitarren stimmte und die beiden Mikrofone checkte. Als Soundtrack l\u00e4uft \u201eGhosts\u201c und \u201ePop Song\u201c von <strong>David Sylvian<\/strong>. Ich bemerke das, weil ich durch die anf\u00e4nglichen Synthie Plingplings in \u201eGhosts\u201c aus meinen Gedanken gerissen werde und mir dann bewusst wird, wie sch\u00f6n dieser Song in ein abgedunkeltes und nahezu leeres Theater passt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Liedjes von Tristesse.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>So k\u00fcndigt die Conf\u00e9rencieuse die Amerikanerin an. Und das stimmt nat\u00fcrlich. \u00dcber mittlerweile eine Vielzahl von Alben, von denen ich nur <em>July<\/em> und <em>Strangers<\/em> besser kenne, hat sie diesen traurig melodi\u00f6sen Sound entwickelt, der allein mit der Gitarre vorgetragen eine so zauberhaft sch\u00f6ne Wirkung entfachen kann, dass er einen nicht mehr losl\u00e4sst. Also mir geht es zumindest so.<br>Doch an diesen Abend stimmt irgendwas nicht. <strong>Marissa Nadler<\/strong> wirkt verzweifelt, vielleicht sogar genervt. Erst ist das Licht, das f\u00fcr Ihren Geschmack viel zu stark und viel zu hell die B\u00fchne ausleuchtet. Ein erster, zarter Versuch der Kontaktaufnahme mit dem Lichtmann und die Bitte, die Scheinwerfer zu dimmen, bringt erst nichts und <strong>Marissa Nadler<\/strong> muss kopfsch\u00fcttelnd und immer wieder die Hand vor die Augen haltend und sich vom B\u00fchnenrand wegdrehend noch einen weiteren Song spielen, bevor das Licht endlich gedimmt wird. Ab diesem Moment ist ihr der Konzertfaden deutlich verloren gegangen. Sie verliert sich im Stimmen ihrer Gitarre, wirkt von Sekunde zu Sekunde unsicherer, murmelt etwas \u00fcber die viel zu gro\u00dfe B\u00fchne, die sie alleine gar nicht ausf\u00fcllen kann (und mag) und von einer insgesamt aus ihrer Sicht spooky Atmosph\u00e4re. Ob all das hinten im Saal auch so ankommt, weiss ich nicht. Die ersten Reihen sprechen ihre Zustimmung aus, applaudieren nach den Songs noch st\u00e4rker und geben aufmunternde Kommentare. Doch es n\u00fctzt nichts. Das ganze Dilemma wird an einer Szene deutlich: Nach einem Song st\u00f6pselt sie erst ihre Gitarre aus, wei\u00df dann nicht wohin mit dem Kabelende und bewegt es hinter ihrem R\u00fccken von der linken in die rechte Hand und zur\u00fcck, b\u00fcckt sich zu ihren Pedalen, st\u00f6\u00dft sich beim Aufrichten am Mikrofon den Kopf um dann die Gitarre doch wieder einzust\u00f6pseln. Den nachfolgenden Song muss sie abbrechen, weil sie einen Griff nicht hinbekommt. Die leider einer K\u00fcnstlerin. Der Applaus nach dem Ersatzsong ist grenzenlos und l\u00e4sst <strong>Marissa Nadler <\/strong>kurz l\u00e4cheln.<br>Das Publikum ist aufmerksam und feinf\u00fchlig, es tr\u00e4gt am Unwohlsein keine Schuld. Was also bewegt <strong>Marissa Nadler<\/strong>? Ich habe zu jeder Sekunde die Bef\u00fcrchtung, dass sie augenblicklich das Konzert abbrechen w\u00fcrde. Doch sie h\u00e4lt tapfer bis zum Ende durch und verschwindet erst nach dem letzten Gitarrenton schnellstm\u00f6glich von der B\u00fchne. Dieser Auftritt hat ihr sicherlich keinen Spa\u00df macht.<br>Der Applaus hallt noch lange nach.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1152\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_1790.jpg\" alt=\"Sam Amidon\" class=\"wp-image-10895\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Nach diesem sehr bewegenden Konzert war der Abend gegessen. Ich h\u00e4tte nach Hause fahren k\u00f6nnen, bleibe aber, um mir <strong>Sam Amidon<\/strong> und die <strong>Whispering Sons <\/strong>anzusehen. Erst nach ein paar Minuten Ruhe und einem Gang \u00fcber das Gel\u00e4nde der C-Mine kann ich mich auf die beiden weiteren Konzerte einlassen.<br><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1150\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_1798.jpg\" alt=\"Whispering Sons\" class=\"wp-image-10893\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Definitiv im Ged\u00e4chtnis bleiben wird mir die unendliche starke B\u00fchnenpr\u00e4senz der <strong>Whispering Sons<\/strong> S\u00e4ngerin <strong>Fenne Kuppens<\/strong>. \u2018Just dance like <strong>Joy Division<\/strong>\u2018 ist ein Song der <strong>Wombats<\/strong>. Die Aussage kann ich m\u00fchelos auf die <strong>Whispering Sons<\/strong> \u00fcbertragen. Post-Punk im klassischen Sinn mit einer gro\u00dfen Portion <strong>Joy Division<\/strong>, kurz zusammengefasst ist es das, was ich auf der Hauptb\u00fchne des Little Waves sehe. Bei uns l\u00e4uft die belgische Band noch ein bisschen unter dem Radar, doch das wird sich sicherlich \u00e4ndern. Sp\u00e4testens, wenn sie im Sommer ein paar open airs spielen, und so einem breiteren Publikum bekannt werden. (Ich weiss jedoch gar nicht, ob sie das machen werden.) Live haben mich die <strong>Whispering Sons<\/strong> voll \u00fcberzeugt. Die muss ich nochmal sehen!<\/p>\n\n\n\n<p>Das gilt auch f\u00fcr den Musiker <strong>Niklas Paschburg<\/strong>. Auf dem R\u00fcckweg nehme ich ein paar Sequenzen seiner ambient-elektro-dance Gemengelage mit. Es klingt so spannend und sch\u00f6n, wie ich es von seinem Konzert im Luxor in Erinnerung hatte. Seinerzeit er\u00f6ffnete er vor <strong>Blonde Redhead<\/strong> und sein Set gefiel mir ausgesprochen gut. So wie an diesem Abend auch.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe title=\"Marissa Nadler - Blue Vapor (live in Genk)\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/MOzXuutaJso?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/little-waves-festival-genk-14-04-2018\/\" target=\"_blank\">Little Waves Festival &#8211; Genk, 14.04.2018<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im letzten Jahr lernte ich das Little Waves Festival in Genk erstmals kennen. 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