{"id":10599,"date":"2018-12-08T10:48:21","date_gmt":"2018-12-08T09:48:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=10599"},"modified":"2018-12-08T10:55:34","modified_gmt":"2018-12-08T09:55:34","slug":"giant-sand-koeln-03-12-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/giant-sand-koeln-03-12-2018\/","title":{"rendered":"Giant Sand &#8211; K\u00f6ln, 03.12.2018"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> King Georg, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-10601 size-full\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/1.jpg\" alt=\"Giant Sand im King Georg\" width=\"2048\" height=\"1153\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/1.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/1-200x113.jpg 200w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/1-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/>Die Ansetzung eines Zusatzkonzertes vor der eigentlichen Veranstaltung wirkt auf mich immer irritierend. Unberechtigterweise, denn der Name Zusatzshow bedeutet nur, dass ein weiterer Termin zu einer existierenden Veranstaltung hinzugef\u00fcgt wird. Das dieser zeitlich hinter der eigentlichen Veranstaltung liegen muss, gibt die Erg\u00e4nzung `Zusatz-` dabei allerdings nicht her. Trotzdem hat sich bei mir, und vielleicht auch bei dem ein oder anderen, mit dem Wort Zusatzshow eine Veranstaltung nach dem eigentlichen Konzert verortet. Frei nach dem Motto: es kann ja nur etwas erg\u00e4nzt werden, was schon da ist bzw. passiert ist.<\/p>\n<p>Einschub:<br \/>\nDas Zusatzkonzert von <strong>Giant Sand<\/strong> im K\u00f6lner King Georg, darum geht es n\u00e4mlich hier, bietet mir Gelegenheit, meine abstruseste Geschichte zu Zusatzkonzerten zu erz\u00e4hlen. Ende 2009 gaben <strong>Pavement<\/strong> bekannt, im September 2010 zwei Reunionkonzerte im Central Park von New York spielen zu wollen. Schnell wurden aus den zwei Konzerten vier, ein paar Wochen sp\u00e4ter wurde gar eine zus\u00e4tzliche Welttournee angesetzt. Wohlgemerkt, alles Zusatzkonzerte, verteilt \u00fcber den gesamten Erdball und &#8211; jetzt kommt es &#8211; mit der Pointe, dass sie alle vor der eigentlichen Reunion stattfanden. So kam es, dass ich die wiedervereinten <strong>Pavement<\/strong> in Berlin, Barcelona, Nijmegen bereits vor dem urspr\u00fcnglichen Reunionkonzert sah. Fand\u2018 nicht nur ich lustig, sondern auch die Band, die mit viel Witz und Selbstironie ihre Songansagen immer wieder mit dieser Thematik anf\u00fctterte. Einschub beendet.<\/p>\n<p>Facebook erinnerte mich letzte Tage daran, dass ich ziemlich genau vor einem Jahr <strong>Howe Gelb<\/strong> mit seinen beiden Mitmusikern live gesehen habe. Als <strong>Howe Gelb Trio<\/strong> gaben sie im tollen Domicil in Dortmund ein Jazzkonzert, das mich sehr beeindruckte. <strong>Howe Gelb<\/strong>, diesen Kerl hatte ich bis dato gar nicht auf meiner Musiklandkarte.<br \/>\nTrotzdem oder gerade deswegen \u00fcberlegte ich sehr lange, ob ich das <strong>Giant Sand<\/strong> Albumkonzert zu <em>Return to the valley of rain<\/em> besuchen sollte oder nicht. Kann es so toll werden wie vor einem Jahr? Und machen <strong>Giant Sand<\/strong> nicht auch so Countryindie? Ich war unsicher und wusste es nicht besser. Dass das King Georg bei stark besuchten Konzerten &#8211; und dieses Konzert schrie danach, stark besucht zu werden &#8211; ein g\u00e4nzlich schlechter Konzertort sind, kommt zu den Fragen noch obendrauf. So verga\u00df und verdr\u00e4ngte ich den Ticketkauf und wurde erst wieder wachgek\u00fcsst, als eine Nachricht in den digitalen blaugef\u00e4rbten Newsfeed flatterte, die mich darauf hinwies, dass f\u00fcr das Zusatzkonzert nur noch drei Tickets zu haben seien. Nun, einer der drei K\u00e4ufer war ich, das Zusatzkonzert war am Abend auch ausverkauft.<\/p>\n<p><em>The return to valley of rain <\/em>ist die letzte Ver\u00f6ffentlichung von <strong>Giant Sand<\/strong>, und zugleich die erste. Wie das geht? Ganz einfach, die Deb\u00fctplatte wurde dieses Jahr unter anderen (besseren?) Bedingungen wiederver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<blockquote><p>Valley of Rain war Giant Sands Debutalbum, das 1983 aufgenommen und schlie\u00dflich 1985 ver\u00f6ffentlicht wurde. Darauf zu h\u00f6ren Howe Gelb am Gesang und Gitarre, Winston Watson und Tommy Larkins am Schlagzeug sowie Scott Garber am Fretless Bass. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war Howe mit den M\u00f6glichkeiten von R\u00f6hrenverst\u00e4rkern nicht vertraut und hatte den gr\u00f6\u00dften Teil des Albums mit einem Roland JC120 auf 8-Spur-Ger\u00e4ten in Korea Town, Los Angeles, aufgenommen. Als Enigma Records das Album ver\u00f6ffentlichte, verlangten sie weitere 15 Minuten Musik, um daraus eine vollst\u00e4ndige LP zu machen. W\u00e4hrend der Aufnahmen dazu lieh sich Howe sich einen im Studio gelagerten Amp, entdeckte den Sound eines R\u00f6hrenverst\u00e4rkers und seine Welt ver\u00e4nderte sich f\u00fcr immer. W\u00e4hrend ihrer ersten Nacht in Los Angeles wurde der Van der Band ausgeraubt und Alles darin gestohlen bis auf das vorgemischte Band von Giant Sand das nicht gefunden wurde weil es hinter einem gro\u00dfen Kaktus im Innenraum des Vans versteckt war, der die Einbrecher mit seinen Nadeln in Schach hielt. Das Album konnte dann wie geplant nach dem Einbruch gerettet und ver\u00f6ffentlicht werden, aber der Sound des Solid-State-Amps schien f\u00fcr Valley of Rain immer ein Fehler zu sein. 30 Jahre sp\u00e4ter, nachdem die Band auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt worden war, hatten sich eben diese ersten Songs in die letzten Giant Sand-Touren eingeschlichen. Es schien mehr als angebracht diesem Album einen zweiten Versuch mit dem richtigen Verst\u00e4rker zu geben nur um zu sehen wie es h\u00e4tte klingen sollen. Also nahmen Giant Sand das Album erneut mit einem Fender 30 R\u00f6hrenverst\u00e4rker auf.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>The return to valley of rain<\/em> ist ein sehr lautes, gar punkrockiges Album ist. Ich kenne zwar nur die neue Abmischung, aber von den Grundz\u00fcgen her kann es 1985 nicht viel anders gedacht gewesen sein. Das verwunderte mich, denn <strong>Giant Sand<\/strong> hatte ich viel st\u00e4rker in die ruhige Americana, Folk Ecke gepackt. Neofolkies nannte man damals Bands wie <strong>Swell<\/strong>, <strong>Calexico<\/strong>, <strong>Chris Cacavas<\/strong>, die <strong>Bedlam Rovers<\/strong> und im weitesten Sinne auch die <strong>Meat Puppets<\/strong>, die die Spex auf ihrem wundersch\u00f6nen Sampler <em>Hit me with a flower<\/em> zusammenf\u00fchrte. Obwohl <strong>Giant Sand<\/strong> dort nicht vertreten waren, z\u00e4hlte ich sie, genauso wie <strong>Low<\/strong>, auch zu den Neofolkies. Das war scheinbar nicht ganz korrekt von mir.<\/p>\n<p>Wie vor einem Jahr stehe ich einem Trio gegen\u00fcber. Neben <strong>Howe Gelb<\/strong> komplettieren <strong>Th\u00f8ger Lund<\/strong> und <strong>Gabriel Sullivan<\/strong> das Power-Trio, wie <strong>Giant Sand<\/strong> in der Konzertank\u00fcndigung untertitelt werden. Nominell ist es damit \u00e4hnlich wie im Domicil, nur der Konzertrahmen ist weniger gediegen und die Musik weniger leise. Im King Georg wird gerockt auf Teufel komm\u2018 raus.<\/p>\n<p>&#8218;Where is the stage?&#8216; Die Vierergruppe Briten scheinen zum ersten Mal das King Georg zu besuchen. Verwirrt guckten sie durch die Eingangst\u00fcr und suchten mit den Augen nach der B\u00fchne. \u2018Am anderen Ende des Raums\u2018, sagte jemand. Die Blicke wurden darauf nicht minder verwirrt. Eine B\u00fchne im herk\u00f6mmlichen Sinn hat das King Georg nicht, eher einen kleinen freien Platz, an dem keine Besucher sondern die Band steht und spielt. Auf Augenh\u00f6he, sozusagen. Wer das nicht wei\u00df und dann noch zeitlich knapp dran ist, kann schon mal ern\u00fcchternd reinschauen, weil er dann vor lauter Hinterk\u00f6pfen nichts sieht. Also wirklich nichts.<\/p>\n<p>So wie ich. Ich bin sp\u00e4t und sortiere mich am Thekenrand auf mittlerer H\u00f6he des Raums ein. Nat\u00fcrliche sehe ich die Band nicht, bekomme nur vom H\u00f6rensagen mit, dass es vorne technische Probleme zu geben scheint und sich der Auftritt von <strong>Giant Sand<\/strong> so ein bisschen verz\u00f6gert. Ein Kabel scheint defekt.<br \/>\nWas in der n\u00e4chsten dreiviertel Stunde vorne passiert, geht v\u00f6llig an mir vorbei. Ab und an sehe ich eine Truckerkappe hin und her schwingen, mehr ist von der Band von meiner Position nicht auszumachen. Ich halte jedoch fest: Der Sound ist rockig, die Gesangstimme kommt mit enorm viel Hall, die Gitarre klingt quietschend und das Schlagzeug scheppernd. Obwohl das Konzert rockig rasant nach meinem Geschmack klingt, kann ich mich nicht hundertprozentig darauf einlassen. Da der Fixpunkt B\u00fchne wegf\u00e4llt, schweift mein Blick umher und ich beobachte andere Besucher, die teilweise mich zur\u00fcck beobachten oder andere Dinge machen, die man eben macht, wenn man keinen Blick auf die B\u00fchne hat: Paare k\u00fcssen sich, andere starren auf ihr Bierglas, beobachten Leute auf der anderen Seite der Theke, fingern an ihrem Mobile herum oder unterhalten sich mit ihrem Nachbarn. Einige schauen aber auch nach vorne in Richtung B\u00fchne, obwohl sie nur Hinterk\u00f6pfe sehen. Da h\u00e4lt sich das Liveerlebnis in Grenzen und ist in etwa so, wie wenn man sich YouTube Konzertvideos anschaut und nebenbei etwas mit Word arbeitet. Man ist abgelenkt und nicht bei der Sache. Bin ich auch nicht.<br \/>\nAber ich sehe wenigstes ab und an eine Truckerkappe.\u00a0Als <strong>Howe Gelb<\/strong> sie im Laufe des Abends ablegt, geht mir auch dieser Anhaltspunkt verloren.<\/p>\n<p>Gegen Konzertende melde ich Entwarnung. Einige sind bereits gegangen und so \u00f6ffnet sich f\u00fcr mich ein schmaler Blicktunnel und ich sehe ein bisschen mehr. Ich erkenne ab und an den Schlagzeuger und bemerke, dass ich den Bassisten lange Zeit f\u00fcr einen Besucher gehalten habe. Und ich wunderte mich schon, warum er oft und viel mitsang.<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/howe-gelb-trio-dortmund-30-11-2017\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Howe Gelb Trio \u2013 Dortmund, 30.11.2017 \/ domicil<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Facebook erinnerte mich letzte Tage daran, dass ich ziemlich genau vor einem Jahr Howe Gelb mit seinen beiden Mitmusikern live gesehen habe. Als Howe Gelb Trio gaben sie im tollen Domicil in Dortmund ein Jazzkonzert, das mich sehr beeindruckte. Howe Gelb, diesen Kerl hatte ich bis dato gar nicht auf meiner Musiklandkarte. 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