{"id":10444,"date":"2018-10-03T18:28:59","date_gmt":"2018-10-03T16:28:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=10444"},"modified":"2018-10-03T18:32:57","modified_gmt":"2018-10-03T16:32:57","slug":"spain-eupen-30-09-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/spain-eupen-30-09-2018\/","title":{"rendered":"Spain &#8211; Eupen 30.09.2018"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Kulturzentrum Alter Schlachthof, Eupen<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong>\u00a0Kissing Gourami<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10445\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/3-1.jpg\" alt=\"Konzert, Spain, Konzertbericht, Setlist\" width=\"2048\" height=\"1150\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/3-1.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/3-1-200x112.jpg 200w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/3-1-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/>Konzerte in der Provinz. Wenn man wie ich auf dem Land aufgewachsen ist, ist man von klein an das hin und her fahren gew\u00f6hnt. Fr\u00fcher erst mit dem Fahrrad eine halbe Stunde in die Stadt zu den Schulkollegen, sp\u00e4ter dann nachts um zwei Uhr durch Felder und W\u00e4lder von merkw\u00fcrdigen Bauernfeten zur\u00fcck nach Hause. Noch sp\u00e4ter dann war das Auto der Eltern ein Segen.<br \/>\nSo empfinde ich es heutzutage nicht als ungew\u00f6hnlich, mit dem Auto in andere St\u00e4dte zu Konzerten zu fahren. Auch wenn es mich &#8211; ehrlich gesagt &#8211; manchmal annervt. Aber wenn die Kultur nicht zu mir kommt, muss ich eben zur Kultur. Konzertg\u00e4nger in Br\u00fcssel, Paris oder Berlin m\u00f6gen verwundert schmunzeln. Klar, sie haben die Klubs n\u00e4her an der eigenen Haust\u00fcr, aber der Vorteil, den ich habe ist, dass ich so zwangsl\u00e4ufig und nebenbei andere St\u00e4dte und Konzertkulturen kennenlerne. Ich muss nicht immer an die gleichen Orte und in die gleichen Klubs. Wer Positives sucht, findet auch was.<\/p>\n<p>In Eupen zum Beispiel hatte ich zuvor noch nie ein Konzert besucht, in Maastricht (tags zuvor) war ich dagegen schon das ein oder andere Mal. Und so kam es, dass ich an diesem Wochenende erst in den Niederlanden und dann in Belgien ein Konzert besuchte. Und alles ohne Grenzkontrollen, aber mit Frietjes! Wunderbar, dieses Europa. (Frag mal einen Berliner, wie das beim ihm so aussieht. Er pendelt wahrscheinlich zwischen Kreuzberg und Kreuzberg.)<\/p>\n<p>Nachdem 20 Stunden zuvor bereits kurz in Belgien (<a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/michael-nau-the-mighty-thread-maastricht-29-09-2018\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Irrfahrt durch Maastricht<\/a>) war, bin ich es an diesem Abend l\u00e4nger. Eupen liegt 20 km von Aachen entfernt, von mir aus gesehen auf der anderen Seite des hohen Venn. Warum gerade in Eupen ein Kulturzentrum mit einem derartigen Programm seinen Betrieb aufgenommen hat (man beachte: u. a. <strong>Girls in Hawaii<\/strong> spielen hier in ein paar Wochen), finde ich ein spannendes Projekt. Und ein sch\u00f6n obendrein. Damit hat der Aachener, der selbst keine Musikklubinfrastruktur in der eigenen Stadt hat, nun zwei Ausweichm\u00f6glichkeiten. Neben dem Nieuwe Nor in Heerlen nun auch den Alten Schlachthof in Eupen.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck nach Eupen. Der Alte Schlachthof in Eupen scheint ein relativ neues Kulturzentrum zu sein. Alles wirkt neu und riecht unverbraucht. Vom hellgrauen Betonboden k\u00f6nnte man essen, so sauber ist es. In dem ehemaligen Industriekomplex gibt es zwei Hallen \/ B\u00fchnen. <strong>Spain<\/strong> spielen in einem kleinen Saal, der aufgrund seiner vielen Niveauunterschiede von \u00fcberall aus beste Sicht auf die B\u00fchne bietet. Die Akustik ist top, Bar und Garderobe befinden sich im Foyer vor dem Saal. In dem Geb\u00e4udekomplex gibt es noch ein mit Caf\u00e9 und Sitzm\u00f6glichkeiten drinnen wie drau\u00dfen. Der Alte Schlachthof macht einen enorm einladenden Eindruck auf mich.<br \/>\nGr\u00f6\u00dfentechnisch ist der kleine Saal meiner laienhaften Sch\u00e4tzung nach f\u00fcr vielleicht 300 Personen ausgelegt. An diesem Abend besuchen 30 Leute den alten Schlachthof. Ein perfekter Ort f\u00fcr eine Band wie <strong>Spain<\/strong>. Ich bin begeistert von diesem Ort und hoffe ich, dass hier noch ein paar tolle und interessante Bands auftreten. Ich m\u00f6chte hier unbedingt wieder hin.<\/p>\n<p>\u2018Happy thanksgiving.\u2018<br \/>\nEtwas obskur begr\u00fc\u00dft uns <strong>Josh Haden<\/strong>, Bassist und Bandvorstand von <strong>Spain<\/strong>. Neben ihm auf der B\u00fchne stehen seine Schwester <strong>Petra Haden<\/strong>, Gitarrist <strong>Kenny Lyon<\/strong> (spielte auch mal bei den <strong>Lemonheads<\/strong> und <strong>NOFX<\/strong>), Keyboarder <strong>Shon Sullivan<\/strong> (tourte auch mit <strong>Elliott Smith<\/strong>, den <strong>Eels<\/strong> und den <strong>Rentals<\/strong>) sowie der Schlagzeuger <strong>Danny Frankel<\/strong>. Es ist eine kleine 1990er Indie\/ Alternative All Star Band, die in Eupen gastiert. Die Bandzusammensetzung und die Vorgeschichte der Musiker kannte ich zu Konzertbeginn nicht, ich habe diese Dinge alle erst im Nachhinein gelesen.<\/p>\n<p>Die neunziger Jahre sind auch die Hochzeit von <strong>Spain<\/strong>. <em>The Blue Moods of Spain<\/em>, das Deb\u00fct aus dem Jahr 1995, ist ein Knaller und beeinflusste ma\u00dfgeblich das seinerzeit kleine gro\u00dfe Genre des Slowcore um Bands wie <strong>Idaho<\/strong>, <strong>Swell<\/strong>, <strong>Smog<\/strong>, <strong>Red House Painters<\/strong> und <strong>Slint<\/strong>. Ihren gr\u00f6\u00dften Hit hatten <strong>Spain<\/strong> vier Jahre sp\u00e4ter. \u201eEvery time I try\u201c vom 1999er Album <em>She haunts my Dreams<\/em> kennt eigentlich fast jeder. Also sollte eigentlich jeder kennen.<\/p>\n<blockquote><p>Von alle den melancholischen Slowcore Bands der 1990er waren Spain eine der einfallsreichsten: eine unbefangene, vom Blues gekitzelte Gruppe aus LA, angef\u00fchrt von Josh Haden (Sohn des Jazz-Bassisten Charlie Haden), die regelm\u00e4\u00dfig nach Spiritualized gekreuzt mit einem coolen Jazzquartett klingen. Hadens ruhiges Sezieren der eigenen Zweifel und Schuldgef\u00fchle ist beunruhigend, \u00e4hnlich des heimlichen Lauschens einer intimen Konversation\u2026 eine herzlich weit untersch\u00e4tzte Band. (Uncut)<\/p><\/blockquote>\n<p><em>The Blue Moods of Spain<\/em> ist an diesem Abend mit drei Songs vertreten. \u201eRay of light\u201c, \u201eUntitled #1\u201c und \u201eTen nights\u201c zeigen, wie toll <strong>Spain<\/strong> vor 20 Jahren klangen.<br \/>\nAber die Band schwelgt nicht nur in Erinnerungen. 2018 sieht das mittlerweile 12. Album von <strong>Spain<\/strong>. Gro\u00dfartig klingt die Band immer noch, auf <em>Mandala Brush<\/em> ist das gut nachzuh\u00f6ren.<br \/>\nAuch live ist <strong>Spain<\/strong> eine h\u00f6chstinteressante Angelegenheit. Der Abend beginnt mit 20 Minuten \u201eGod is love\u201c von besagtem <em>Mandala Brush<\/em>. Der eh schon l\u00e4ngere Song wird auf der B\u00fchne nochmals ausgedehnt und ich frage mich, ob das jetzt den ganzen Abend so weitergeht, denn nach hinten raus wird wild improvisiert. <strong>Josh Haden<\/strong>, am B\u00fchnenrand sitzend, zupft vertr\u00e4umt minutenlang eine Basslinie, bevor er eine ge\u00f6ffnete Bierflasche als Blasinstrument umfunktioniert. <strong>Shon Sullivan<\/strong> tut es ihm Sekunden sp\u00e4ter gleich und aus dem Hintergrund frohlockt <strong>Kenny Lyon<\/strong>. \u2018Oh, i like that!\u2018 Dann holt er die Automatica hervor, sucht nach dem passenden Einsatz und spielt mit. Einzig <strong>Danny Frankel<\/strong> bleibt unbeeindruckt von der vor ihm ablaufenden Szenerie und macht das, was man mit einer Flasche normalerweise macht: er g\u00f6nnt sich einen Schluck aus der Pulle.<br \/>\nNach einer kurzen Durchschnaufpause wird meine Frage von <strong>Kenny Lyon<\/strong> beantwortet: \u2018Any requests?\u2018 fragt der Gitarrist ins Publikum, das gem\u00fctlich auf den Stufen sitzt. Auf Zuruf spielen sie \u201eLorelei\u201c, nachdem der Gitarrist wohlwollend seine Zustimmung gab: \u2018Oh, that\u2019s a good one\u2018. Okay, so mein R\u00fcckschluss, der Abend wird kein reines Free Jazz Improvisationskonzert. Wurde er auch nicht. Nur noch einmal driftete die Band ein bisschen vom urspr\u00fcnglichen Plot eines Songs ab (\u201eRay of light\u201c), das war es dann mit der Improvisation.<br \/>\n<strong>Spain<\/strong> spielen noch ein paar alte Sachen (\u201eTen nights\u201c, \u201eUntitled #1\u201c) und das ein oder andere neue St\u00fcck (u. a. \u201eTangerine\u201c). Am meisten freue ich mich \u00fcber \u201eEvery time I try\u201c. Darauf hatte ich gehofft und es ist das i-T\u00fcpfelchen auf diesen perfekten Ausflug. Anderthalb Stunden Konzert vergingen wie im Flug. Es war toll! Oder wie <strong>Josh Haden<\/strong> am Ende des Konzertes ausrief: \u2018SPAIN! SPAIN! SPAIN!\u2019<\/p>\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br \/>\n01: God is love<br \/>\n02: Lorelei<br \/>\n03: ?<br \/>\n04: Every time I try<br \/>\n05: Ten nights<br \/>\n06: ?<br \/>\n07: Tangerine<br \/>\n08: Ray of light<br \/>\n09: Battle of<br \/>\n10: Untitled #1<br \/>\n11: ?<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<br \/>\n<\/strong>&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konzerte in der Provinz. Wenn man wie ich auf dem Land aufgewachsen ist, ist man von klein an das hin und her fahren gew\u00f6hnt. Fr\u00fcher erst mit dem Fahrrad eine halbe Stunde in die Stadt zu den Schulkollegen, sp\u00e4ter dann nachts um zwei Uhr durch Felder und W\u00e4lder von merkw\u00fcrdigen Bauernfeten zur\u00fcck nach Hause. Noch sp\u00e4ter dann war das Auto der Eltern ein Segen. 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