Samstagvormittag.
Als ich zum Sackville Park schlendere, um mir noch rasch das Alan Turing Memorial anzuschauen, lausche ich kurz der dort stehenden Reisegruppe. Hat der Reisegruppenleiter gerade tatsächlich Noel Gallagher und Ian Brown zitiert? Er hat, ich habe mich nicht verhört, obwohl das bei meinem eher mäßigen Englisch-Hörverständnis durchaus drin gewesen wäre. „Manchester’s got everything except a beach“ (Ian Brown) so der eine, und „The thing about Manchester is…it all comes from here.“ (Noel Gallagher) so das Zitat des Anderen.
Ich muss ein bisschen schmunzeln, Ian Brown kennt doch außerhalb UK niemand. Oder?! Das Ian Brown Zitat passt gut zu Manchester, der Gallagher’sche Größenwahn ist…nun ja, Gallagher’scher Größenwahn.
Manchester hat in der Tat sehr viele Facetten, in den letzten zwei Tage konnte ich das durchaus feststellen. Dass die Musik hier einflussreich ist, haben wir tags zuvor an der ehemaligen Hacienda spüren können; wie bedeutend, einflussnehmend und wichtig den Mancunians ihre Musikgeschichte ist, wird mir allerdings erst in diesem Augenblick bewusst, als der Reiseführer die Zitate mit leuchtenden Augen von sich gibt.

Also Manchester. Eine Stadt, zwei Tage.
Kurz vor dem lock down. Nachmittags die Tasche gepackt, abends in Manchester. Ob das zukünftig auch noch so einfach funktionieren wird, wird sich zeigen. In naher Zukunft sehe ich allerdings solche Kurztrips leider erstmal nicht.
Es ist leicht, in die nordenglische Stadt zu reisen. Ein Direktflug und eine einfache und eng getaktete Bahnanbindung des Airport Manchester bringen uns schnell ins Stadtzentrum. Unser Hotel liegt direkt am Piccadely Garden, nur einen Steinwurf vom Zentrum entfernt. Schön ist es da und der Bahnhof in der Nähe erleichtert die An- und Abreise. Eine Bequemlichkeit, die man bei Städtereisen gerne hat. Kurz Akklimatisieren, ein kurzer Abendspaziergang, ein Essen, es reicht für heute. Denn die nächsten beiden Tage werden wir noch viel erleben: Starsailor und Embrace zum Beispiel, um mit der Musik anzufangen. Deren Doppelkonzert war sowas wie die Initialzündung zu diesem Kurztrip (auch wenn ich immer schon das Etihad Stadium sehen wollte). Das Etihad Stadium werden wir natürlich nicht links liegen lassen. Genauso wenig wie das Mutterhaus der Rave-o-lution, die Hacienda. Dinge, die besichtigt werden müssen. Weil es sich so gehört, weil sie einfach zu meinem Manchester gehören. Das gebietet schon die eigene Sozialisierung mit den Happy Mondays, Inspiral carpets, Stone Roses, Uwe Rösler und den ruinösen Abstiegen Citys Ende der 1990er Jahre bis in die dritthöchste Spielklasse. Ein Besuch Manchesters war mir somit schon immer eine Herzensangelegenheit. Dass es jetzt endlich geklappt hat, freute mich sehr. Der Freitag und der Samstag sind für den Besuch dieser Herzensangelegenheiten eingeplant.

Manchester 2020

Dazu gesellten sich wie zufällig das englische Fußballmuseum, das Universitätsviertel, ein vegetarisches Abendessen im gemütlichen Deaf Institute Club und einfach nur die Stadt. Canal Street, China Town, Deansgate und Princess Street. Eine Stadt erkundige ich wenn möglich am liebsten zu Fuß und abseits von in Reiseführern und Blogs vorgeschlagenen Rundwegen. Es braucht nicht mehr als eine Handvoll Fixpunkte, die irgendwie miteinander verknüpft werden müssen. Und dann gehen wir einfach los, grob in die Richtung der Fixpunkte und gut. Wenn wir dann eine Querstraße zu früh abbiegen, uns verlaufen oder einen kleinen Umweg gehen, ist das nicht schlimm. Im Gegenteil. Auf solchen (Irr)wegen entdecke ich oft die tollsten Orte. Wäre ich auf den kleinen Imbiss aufmerksam geworden? Hätte ich den Sackville Park entdeckt? Wohl kaum.
Was mir stark in Erinnerung bleiben wird ist auch, dass Manchester gefühlt eine große Baustelle ist. An jeder Ecke werden Viertel gentrifiziert. Hier ein spaciger Neubau, da ein Skyscraper. Umgestaltungsmaßnahmen, Bauboom. In Manchester tut sich was. Ob das immer gut ist oder stark zu Lasten der Einwohner geht, vermag ich nach diesem Kurztrip nicht zu beurteilen.

Embrace

Kontextkonzert:
Starsailor, Embrace – Manchester, 06.03.2020 / O2 Victoria Warehouse

Was ich sagen kann ist, dass Manchester einen Ausflug lohnt. Auch wenn man sich nicht für Fußball interessiert und mit der Rave-o-lution der 1990er Jahre nichts anfangen kann. Es gibt hier viel zu sehen und die Verkehrsanbindungen in- und außerhalb der Stadt sind für einen Kurztrip nahezu ideal.