- Seit 2002 Dinge über Musik und so -

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Callers

Manchmal bin ich froh, dass ich mir Bandnamen nicht merken kann. Im letzten Sommer zum Beispiel. In einer Musikzeitschrift hatte ich etwas über die Band Wu Lyf gelesen und mir anschließend vorgenommen, ihr Debütalbum bei der nächstbesten Gelegenheit zu kaufen. Diese kam einige Tage später und so stand ich vor dem CD regal und griff, im vollen Bewusstsein genau dieses Album haben zu wollen, zur aktuellen CD des Baltimorer Duos Wye Oak. Na gut, könnte man meinen, der Name fängt auch mit W an und enthält ein y, da kann das schon mal passieren. Mir passiert dies aber öfter. Ich vergesse regelmäßig Band- oder Albumname und stehe dann wie doof vor dem CD Regal und versuche mir krampfhaft zusammenzureimen, was ich denn nun eigentlich kaufen wollte. Manchmal gelingt es mir auch, manchmal kaufe ich auch Überraschendes.
Überrascht wurde ich dann auch von Wye Oaks drittem Album „Civilian“. Die Band um Jenn Wasner und Andy Stack kannte ich vorher genauso, wie ich in diesem Moment das Album von Wu Lyf kannte, nämlich gar nicht.
Was ich hörte, gefiel mir.
Der Rolling Stone umschreibt ihren Musikstil wie folgt:

Das erste was einem bei dem Duo aus Baltimore auffällt, ist die zerbrechliche, zurückhaltende Stimme von Wasner. So schaffen WYE OAK eine würdige, und große Musik, dessen Würde und Erhabenheit in viel Subtilität verborgen liegt. WYE OAK treten keine Türen ein um pathetisch vor sich hin zu gefühlern. Sie machen dies viel mehr mit großem Geschick und kleiner Geste. Dieser musikalischer Ansatz macht WYE OAK zu einer archetypischen Independent Band wie seinerzeit z.B. Doug March’s Built To Spill. WYE OAK liefern allerdings keine Blaupause ab für die kommenden Generationen. Bei ihnen geht es mehr um die Kreation des Moments. Glücksmomente, die sich vor allem live im Zusammenspiel von Jenn Wasner und Andy Stack dem Publikum eröffnen. „Es ist die kongeniale Kombination aus Stacks virtuosem Spiel – rechtshändig Schlagzeug, mit der Linken Bassmelodien auf dem Keyboard – und Wasners zurückhaltendem Gesang, die Wye Oak zu einem himmlischen Erlebnis werden lässt.“ (Rolling Stone).

Und was passt zu einem herbstlichen, arbeitwöchentlichen Donnerstagabend besser als sich gemütlich von einem bisschen Dreampop und nicht allzu harschem Gesang in die Nacht bringen zu lassen? Nun, James Blake vielleicht, oder Zola Jesus, oder für die Auszubildenden eventuell Within Temptation. Alles Konzerte, die man an diesem Superkonzertdonnerstag in Köln hätte besuchen können. Ich entschied mich für Wye Oak und habe es zu keiner Sekunde bereut.
Ach, Konzerte im Herbst sind toll. Es ist nicht mehr so warm, der Abend rechtzeitig in die tiefschwarze Nacht gehüllt, so dass man kaum etwas anderes unternehmen kann und das Wetter teilweise so ungemütlich ist, dass nicht jeder Hans-und-Franz auf den Beinen ist. So war es am Donnerstagabend eine ruhige, gemütliche und nicht übermäßig volle Konzertveranstaltung im „Building No. 9“ (Jenn Wesner).
Die Bühne sieht aufgeräumt aus. Links steht ein Mikrofonständer, rechts ein „halbes“ Schlagzeug und allerlei elektronischer Instrumentenkram. Als Wye Oak für ihr Konzert auf die Bühne kommen, waren sie schon mal da. Zusammen mit der New Yorker Vorgruppe Callers spielten sie bereits deren vorletztes Lied „Heartbreak“, ein Wire-Cover. Callers sind Sängerin Sara Lucas, Gitarrist Ryan Seaton und Schlagzeuger Don Godwin. Ursprünglich stammen sie aus dem Süden der USA, was, so bilde ich mir zumindest ein, ich aus ihren Songs heraushörte. Trotz des klassischen Indiebandaufbaus hat ihre Musik auch Noten von Soul und Blues, teilweise sogar etwas jazziges. All diese Assoziationen sind natürlich Sara Lucas Gesang geschuldet, der mal zurückhaltend mal treibend und energisch das Gerüst der Callers-Songs darstellt. Mit „How you hold your arms“ von ihrem aktuellen Album „Life of love“ beschließen Callers nach einer guten halben Stunde ihre interessante und hörenswerte Musikmischung.
Wye Oak benötigen nicht viel, um ihren ruhigen, sphärischen Indierock umzusetzen. Während Jenn Wesner singt und ihre Gitarre so spielt, dass man zeitweise meint, es müssten drei Gitarristen auf der Bühne spielen, bedient Andy Stark mit der rechten Hand das Schlagzeug und mit der linken Hand sein Keyboard, Rassel oder sonstiges Spielzeug. Wenn er mal drei Sekunden Schlagzeugpause hat, richtet er mit der linken Hand seine Brille. Das stelle ich mir nervig vor: Schlagerzeuger zu sein und eine Brille haben zu müssen. Immer und immer wieder dieses Hochgeschiebe des Brillengestells. Alternativ könnte man natürlich diese Brillenbügelhalter installieren, die ich aus dem Sportunterricht kenne. Die stoppen das Rutschen der Brille, sehen jedoch uncool aus.
Als zweites kommt „Hold me, hold me“ und ab dem Moment ist alles gut. Wissen Wye Oak eigentlich, wie toll ihre Songs sind? „Hold me hold me“, „Dogs eye“, „Civilian“ sind allesamt Songs des Jahres und großartige Referenzen an den Dream-Shoegaze von Slowdive oder den Sundays. Live funktioniert alles genauso gut wie auf Platte. Der Sound ist ausgepegelt, Gitarre und Schlagzeug stehen auf einer Linie und ergänzen sich prächtig. Es möchte keiner der beiden im Vordergrund spielen. Und so vergehen die nächsten Minuten zügig und kurzweilig. Zwischendurch bedanken sich die beiden artig bei den Betreibern des „Building No. 9“ für das da sein dürfen, suchen nach dem Namen des Plattenladens, in dem sie bei ihrem letzten Kölnbesuch (im Februar im Vorprogramm der Cold war Kids) eine kleine Session gespielt haben und finden ihn nicht und erzählen noch ein wenig von ihrem nachmittäglichen Dombesteigungsausflug.
Nach einer guten Stunde ist das Konzert beendet. Als Zugabe spielen Wye Oak „Strangers“ von den Kinks. Es ist ein schönes, passendes Cover und fasst somit den guten Abend im Gebäude 9 vortrefflich zusammen.

Multimedia:
flickr

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."