| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: ahuizotl

Sleater-Kinney mochte ich sehr. Die coolste Frauenband der 90er Jahre sah ich vor vielen Jahren einmal live und war mächtig beeindruckt von den vier Frauen um Carrie Brownstein und Janet Weiss. Ihr drittes Album „Dig me out“ ist zwar nicht ihr wütendstes, aber mein Lieblingsalbum. Mitte der 00er Jahre lösten sich Sleater-Kinney auf, die riot grrl Ära hatte endgültig ausgedient.

Brownstein is like a dry drunk on the subject of indie identity politics. Through her 20s she was the best little riot grrrl around — heaving her heart into every song, windmilling like Pete Townsend, briefly in love with Sleater-Kinney’s female lead singer, until they broke up and Brownstein claimed her true passion was the band. (nytimes.com)

Vor zwei, drei Jahren kam mir der Name Brownstein wieder unter. Durch Zufall entdeckte ich ihre Blog-Kolumne monitormix im Internetmagazin NPR, ab und an verfolgte ich ihre Beiträge und registrierte ihre Musikempfehlungen. Seit 2010 bloggt jedoch sie hier nicht mehr, ein Grund für ihr Aufhören war ihre neue Band Wild Flag.

As many of you have likely surmised by now — and as referenced in my recent post on All Songs Considered — the time has come for me to officially conclude my blog.
Instead, I will focus on three projects that take up nearly all of my time: One is Portlandia, a sketch comedy show that I developed and wrote with Fred Armisen (Saturday Night Live) for the IFC Channel. The second is a book I’ve been working on for more than a year called The Sound of Where You Are, to be published by Ecco/HarperCollins, if I could ever finish that damn thing. Finally, I have a new band called WILD FLAG.
If you’re wondering what else I do, well, I hang out with my dog, watch Mad Men, try in vain to find a sofa, and drive my car to and from the mechanic. Also, I have friends. (Carrie Brownstein, npr)

Nach wie vor war ich an dem interessiert, was Carrie Brownstein so macht und als ich las, dass sie eine neue Band gegründet hatte, freute ich mich sehr auf ihre ersten Songs.
Wild Flag sind neben Carrie Brownstein und Janet Weiss auch Mary Timony und Rebecca Cole. Es ist eine Art Indiefrauen Supergroup: Mary Timony sang in den 90ern bei Helium („The dirt of luck“ ist mein Albumtipp) Rebecca Cole war Mitglied der Minders.
Über die Minders kann ich nichts sagen, von dieser Band hörte ich vorgestern zum ersten Mal. Sleater-Kinney, Quasi und Helium kenne ich mehr oder weniger gut: ja, das passt musikalisch zusammen. Indie-Punk-Rock, klassisch, schnörkellos. Alles schön.

Die Erwartungshaltung war somit gesetzt. So sollten doch auch Wild Flag klingen. Gradliniger Powerrock.
Und um es kurz zu machen: Meine Wünsche an das Konzert gingen in Erfüllung und die Liveumsetzung der Wild Flag Songs war außergewöhnlich gut. Große Rockgesten, kleine Punkattitüden, Gitarrensoli und „windmilling like Pete Townsend“, Wild Flag erwärmten mein Herz. Bis die Füsse im kalten Gebäude 9 auch warm wurden, dauerte es da nicht allzu lange. Habe ich eigentlich schon mal bei einem Konzert gefroren und den Reißverschluss meiner Jacke bis oben hin zugezogen? Ich kann mich nicht erinnern. Himmel, dieser Winter!

Meine Abendplanung war auf eine knappe Stunde Wild Flag ausgelegt. „Spätestens um viertel vor elf bin ich aus dem Gebäude 9 Kühlschrank raus“ dachte ich um zehn, als die Vorband (von der ich nun auch den namen kenne: ahuizotl, sprich: [au-wi-‚zot-l] aus Köln / Düsseldorf) beendet hatte (übrigens die beste Vorband der letzten anderthalb Jahre – ob sie wohl Sharon Stoned kennen?) und die Bühne besenrein übergeben hatten, „so viel Material haben Wild Flag ja nicht.“ Dass es dann doch gefühlte 90 Minuten wurden lag nicht an einem langatmigen und zähflüssigen Konzert, sondern daran, dass allerlei Soli und extendend Versions gespielt wurden. Und an zwei Coverversionen als Zugabe.
„Television?“ fragte Mary Carrie vor dem ersten Zugabelied. Diese nickte und „I see no evil“ drosch auf uns ein. Wobei dreschen übertrieben ist, so wild und laut war es gar nicht. Oder stehe ich da wieder allein, denn auch die letzten Konzerte, die wir besuchten, fand ich nicht so laut. Alle anderen schon.
Zuvor gab es im regulären Set sehr lange Versionen von „Racehorse“ und „Romance“. Irgendwo müssen die Schattenkickboxtrainingstritte ja unterkommen, und das „windmilling“, und das Gitarre in Luft recken. Eine normale Songlänge reicht da nicht. So werden die mittellangen Albumsongs halt etwas erweitert. Das schadet ihnen nicht, und wir haben länger etwas davon und mehr zu bestaunen. Genau, auf der Bühne war immer was los. Wenn die beiden Frontfrauen mal eine Sekunde Pause hatten war das taktvolle Kopfschütteln von Keyboarderin Rebecca Cole jederzeit einen Blick wert. Zu dumm, das ich nur zwei Augen habe. Ich hatte oft das Gefühl, etwas zu verpassen. Zu ärgerlich auch, dass ich Janet Weiss Schlagzeugspiel nicht beobachten konnte. Das Keyboard stand in der Flucht. Da ist mir bestimmt etwas entgangen.
Wild Flag sind eine einzigartige Band. Ich hoffe, die vier machen noch ein, zwei weitere Alben.

Die zweite Zugabe brachte es schliesslich auf den Punkt: „Do you wanna dance“ von den Ramones. Besser hätte man es nicht sagen können, besser hätten Wild Flag den Abend nicht beenden können. Es war ein gutes Konzert!

Multimedia:
flickr

Kontextkonzerte:
Pavement – Berlin, 19.05.2010

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."