| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Club Bahnhof Ehrenfeld, Köln
Vorband:

Theophilus London is an MC and singer from Brooklyn, NY, whose genre-bending approach draws from a range of styles, from soul-pop and new wave to electro and contemporary R&B. Citing influences that include Michael Jackson and Prince as well as Kraftwerk and the Smiths. (allmusic.com)

Mono, Françoiz Breut, Theophilus London. Kann eine Woche größere Kontrastkonzerte haben als die letzte KW? Manchmal kommen mir selbst Zweifel bei dem, was ich mache. Postrock, Chansons, HipHop. Wo ist denn da bitte schön die Schnittmenge? Kann man Fan all dieser so unterschiedlichen Musikrichtungen sein?
Nun, ich kann es nicht, aber bei manchen Sachen habe ich eine Grundneugierde, die ich ab und an bedienen muss. So wie an diesen Sonntag. Als ich tags zuvor zufällig die Ankündigung des Club Bahnhof Ehrenfelds las, musste ich an das Frühjahr zurückdenken. Seinerzeit sind mir Herr London und Frank Ocean über den digitalen Weg gelaufen und ich erinnerte mich meiner HipHop / Rap / R‘n’B Blütezeit Anfang der 90er. MC Solaar, Terence Trent D’Arby, Beastie Boys, Advanced chemistry, Neneh Cherry. Ich bin und war nie großer Liebhaber von R’n’B, aber das, was London und Ocean machen, finde ich spannend. Allerdings auch nur so spannend, dass ich es kurze Zeit später wieder vergaß. Es fehlten halt doch die Gitarren. Bis auf Samstagnachmittag.
Das Wochenende war eh malad, und so wuchs in mir die Idee, es konzertial ausklingen zu lassen. Das Nerdtreffen Weekend-Festival (u. a. spielte dort Stephen Malkmus irgendeine Can Platte nach) kam für mich nicht in Frage, ich stellte es mir zu anstrengend vor. Also blieb Theophilus London, auf den meine Neugierde erschreckend hohe Formen annahm. In seiner Überhit “Humbling down” hörte ich nochmal kurz rein und fand ihn nach wie vor großartig. Da auch die anderen angeklicksten Songs auf einen guten Abend hoffen ließen, stand der Deal.
Ich wollte nicht zu früh da sein, ich wollte auch nicht vorne stehen, wie sonst üblich. Ich wollte einfach eine ruhige Stunde abseits größeren Trubels verbringen, ruhig etwas Musik verfolgen.
Da Theophilus London bisher erst ein Album veröffentlicht hat, stellte ich mich auf maximal 90 Minuten Konzert ein (ich sollte recht behalten). Da nirgends eine Vorband angekündigt war, wollte ich gegen neun Uhr im Club sein, ohne Angst zu haben, etwas zu verpassen. Selbst wenn ich etwas zu spät sein sollte, wäre es wurscht gewesen. Ganz so wichtig war mir dieses Konzert nicht. Ich war aber nicht zu spät, ich war 10 Minuten zu früh. Also konnte ich noch in Ruhe via Smartphone Nachrichten lesen und die Sonntagsspiele abrufen. (Mensch diese Technik. Was habe ich nochmal früher gemacht, während Umbaupausen, während des Wartens im allgemeinen?)
„Timez Are Weird These Days” heißt Londons Debütalbum, und nachdem bei der vorgeschobenen EP leute aus dem TV on the Radio Umfeld mitwerkelten, sind hier Holly Miranda und Sara Quin (die von Tegan & Sara) mit von der partie. Natürlich nicht an diesem Abend, im Club Ehrenfeld wurde Theophilus London durch den Rapper Brendan Fallis als unterstützt.
Im Sommer war schon mal in Ehrenfeld, ein paar Blocks weiter bestritt er das Vorprogramm der wunderbaren Santigold. An diesem Abend war es seine einzige Soloshow in Deutschland, eingeschoben nach seinem Auftritt im Vorprogramm von Seed in Hannover.

Der Sound seines Debütalbums ist zwar ein Mix aus 80ies Rap, New Wave Beats, Freestyle Noise und Psychobilly Surfrock-Gitarren, sollte allerdings am ehesten dem Electro-Pop zugeordnet werden. Passenderweise betitelt der 1987 in Trinidad geborene Theophilus sein 2011 erschienenes Debütalbum „Timez Are Weird These Days“ und illustriert damit seine fast destruktive Andersartigkeit. (Pressewerbetext)

Aha.
Und wie war jetzt das Konzert? Ich habe keine Ahnung, ob es großartig war oder ob es ein durchschnittliches Hiphop Event war. Mir fehlen einfach die Vergleichsmöglichkeiten. Was ich sagen kann ist, dass ich es interessant und unterhaltsam fand, dass es meine Erwartungen irgendwie bestätigt hat.
Toll fand ich „Dance Hall days“, das Cover dieses schönen 80er Jahre Klassiker von Wag Chung. Weniger toll fand ich „Big Spender“ und das Konzertende, als wenig inspirierend Rihanna und Michael Jackson über die Plattenteller liefen und Theophilus London spärlich darüber tonierte. Schade fand ich, dass er „Humbling down“ in nur einer Minute abfrühstückte, schon wiederum, dass er „Flying overseas“ ausführlich würdigte und „I stand alone“.
Der Rest war Mädchen auf die Bühne holen, T-Shirts und Leuchtstäbe ins Publikum werfen und Platten mixen. Bemerkenswert fand ich das Ende des Konzerts: Gegen halb elf däncte Theophilus London im Zuschauerraum zu irgendeiner Platte, die sein DJ gerade spielte, und sagte urplötzlich: „Das ist das Ende der Show. Ihr könnt mich noch am Merch Stand treffen.“ Licht an, Ende.
Wie gesagt, ein interessanter Abend.

Kontextkonzerte:
Primavera Sound (das Racist) – Barcelona, 26.05.2011

Multimedia:
http://www.youtube.com/watch?v=BLhVlV-9whQ

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."