Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Fertig, los!

The Rifles - Köln, 15.06.2011

No love lost, das Debütalbum der britischen Band The Rifles ist mittlerweile schon fünf Jahre alt. Auf No love lost zähle ich sechs große Hits: „Peace & Quiet“, „When I’m alone“, „Local Boy“, „Repeated offender“, „She’s the Only One“ und „She’s got standards“. Diese elf Songs umfassende Scheibe ist ein Knaller. Ein Album mit einer solchen großen Hitdichte, das soll erst einmal jemand nachmachen.
2006 waren die Rifles damit die Band der Stunde.
2009 erschien ihr zweites Album, und es war ein eher beiläufiges. Joel Stoker, Rob Pyne, Grant Marsh und Lucas Crowther verschwanden aus meinem Gedächtnis.
Es war die Zeit der neuen britischen Welle um Bands wie Franz Ferdinand, Bloc Party, Editors, die musikalisch in den Vordergrund drängten.
Es war ein Zufall, der die Rifles wieder ins Gespräch brachte: Bei einem Paul Weller Konzert spielten die Rifles im Vorprogramm.
Ich freute mich, dass es so war. Das klang nach einem tollen Doppelpack-Konzert und ich war der festen Überzeugung, dass dadurch der Abend nochmals eine Steigerung erfuhr. Allerdings hatte ich mich nicht sonderlich auf die Rifles vorbereitet, nicht noch mal extra die CD nach Jahren wieder hervorgekramt. Ich wollte mich spontan von den mir bestimmt noch bekannten Songs überraschen lasen.
Und die Überraschung gelang voll und ganz.

Das Set der Rifles brachte soviel vertrautes und gutes, dass ich die vier Briten in meiner Wichtigkeitshierarchie direkt wieder drei Schubladen nach oben packte.
2011. Es sind weitere drei Jahre seit dem beschriebenen Konzert vergangen. Die Rifles sind in meinem Kopf wieder abgetaucht. Abgetaucht, aber nicht vergessen.
Als ich ihr Tourplakat am Bahnhof hängen sehe, erinnere ich mich an das letzte Konzert und bekomme direkt Lust, ihr Konzert im Gebäude 9 zu besuchen. Eine kurze Internetrecherche später wird aus dem Gedanken Realität. Natürlich wäre es nicht nötig gewesen, sich das ein oder andere Video im Netz anzuschauen. Aber die Rifles wurden als „acoustic event“ angepriesen, da siegte die Neugierde vorab mal zu schauen, was und wie das aussehen wird. Und es sah gut aus!
Mittlerweile ist die Band nur noch zu dritt. Schlagzeuger Grant Marsh und Bassist Rob Pyne verließen in der Zwischenzeit die Band.
Zu dritt sind sie auch auf dieser Akustik-Tour unterwegs. Gitarre, Gitarre, Keyboard. Und Barhocker, das ultimative Ausstattungselement eines Akustik-Konzertes.
Als dann jedoch eine E-Gitarre und ein Keyboard auf der Bühne standen, war ich irritiert. Also doch nicht akustisch, oder nur halb? Und was bedeutet überhaupt Akustik-Konzert? MTV, diese ehemalige sehr populäre und wichtige Musiksender, mit dem das Akustik Ding erst so richtig populär wurde (Eric Clapton), erklärt auf seiner Webseite:

„Akustik (griechisch: akuein ακουειν = hören) ist die Lehre vom Schall und seiner Ausbreitung. Bei den MTV Akustik-Sets breitet sich die Musik demnach ohne die Unterstützung elektrischer Hilfsmittel aus. Echt, unbehandelt und hautnah – Musikgenuß pur.“

Nehme ich dies als Definition, dann boten die Rifles gestern Abend kein 100%iges Akustikkonzert. Joel Stoker spielte eine Akustikgitarre, die E- Gitarre und das Keyboard waren allerdings eingestöpselt. Es war also eher die Nirvana unplugged Variante, die die Rifles boten.
Aber das ist schlussendlich egal, es ist der Wille, der zählt. Und die Absicht, den ganzen Abend über auf Barhockern am Bühnenrand zu sitzen auch. Gefühlt war es also ein Akustikkonzert.
Als Vorband hatten sie die Deutschrocker von Fertig, los! engagiert. Und auch die Bayern ließen es sich nicht nehmen, den Abend in unplugged Manier zu bestreiten. Der Name sagte mir anfangs nicht viel. Als ich dann kurz in einen Song reinhörte („Wenn du mich brauchst“), machte es klick. Ach die sind das. Unbestritten haben Fertig, los! gute Melodien und ein paar schöne Songs geschrieben, aber grundsätzlich fühlte ich mich in ihren guten 30 Minuten Vorprogramm nicht als Zielgruppe. Die Revolverheld-Generation war jedoch angetan, wir übrigen nahmen die Band als das an, was sie an diesem Abend war: die Vorband.
Haben die Rifles mittlerweile ein neues Album? Eine berechtigte Frage, die an diesem Abend mit „Jein“ beantwortet wurde. Sie haben ein paar neue Songs, ein dritten Album ist – wie man so schön sagt – in Planung, die Veröffentlichung jedoch noch nicht fix.
Um warm zu bleiben und um einige der neuen Songs live auszutesten, schieben die Rifles diese kleine Tour ein. Oder, um mit ihren Worten zu reden:
„Test some of the new stuff out, as well as all the HITS!!!“
Und die Betonung lag eindeutig auf Hits. Ihr Konzert war ein Festival des „No love lost“ Albums. Die drei spielten alle wichtigen Stücke des Albums, also alle bis auf „Narrow minded social club“ und „One night stand“. Dazu kamen eine Handvoll neuer Songs, die in der „abgespeckten“ Variante einen guten Eindruck bei mir hinterließen.
Zusammen brachten die Rifles es so auf eine gute Stunde toller Songs und bester Unterhaltung.
Vielmehr hatte ich von diesem Abend nicht erwartet. Es war das erhoffte Wiederhören länger nicht gehörter Lieblingssongs. Denn genau die haben mir die Rifles vor einigen Jahren zu Hauff beschert, und genau auf die habe ich mich an diesem Abend am meisten gefreut. Und genau die haben sie alle gespielt. Es gibt schlechtere Sachen, mit denen man sich an einem Sonntagabend befassen kann. Bremer Tatorte gucken zum Beispiel.

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
Paul Weller – Washington DC, 13.09.2008

frank

Hallo, ich heiße Frank und blogge unter pretty-paracetamol seit 2006. Ich schreibe hier über meine Konzertbeobachtungen und über Musik, die mich umtreibt. Vieles davon kommt aus dem sogenannten Indiebereich, manchmal aber auch darüber hinaus.

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