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.Ort: Gebäude 9, Köln

Manchmal hat man Glück. Und manchmal werden Erwartungen nicht erfüllt.
Da bin ich wieder, zurück auf Konzerten interessanter, netter, unterhaltsamer und gutaussehender Bands. Den Anfang im neuen Jahr machen die Rakes. Wie die Jungfrau zum Kinde kam ich zu diesem Konzertbesuch.
Lange hatte ich meine Tage in dem Gefühl verbracht, dass Oasis den Opener ins neue Jahr geben werden. Doch als ich gestern Morgen den Stadtanzeiger aufschlug, und im Samstagsmagazin vom Intro Intim Abend las, wurden die Pläne geändert. Die Rakes konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Und überhaupt, wieso ist mir dieser Termin entgangen?
Sollte ich so spontan sein, mich ohne langes hin- und her auf den Weg machen? Generell ist Spontanität keine meiner bevorzugten Eigenschaft, doch warum soll im neuen Jahr nicht alles anders sein? Also, auf ins Gebäude 9.
Direkt am Eingang wurde ich gleich für meine Verhaltensänderung belohnt. Dadurch, dass das Pärchen vor mir in der Schlange nicht nur Bett (Vermutung!) sondern auch Kleiderbügel zu teilen weiß, konnte der Garderobier meine Jacke auf seinen letzten freien Bügel hängen und den einen Euro abkassieren. Hinter mir gab es ein zwei lange Gesichter, doch ich war froh, dass ich meine Winterjacke nicht den ganzen Abend mit mir rumtragen musste. Das wäre mehr als lästig geworden. Jacke, Tasche, Kaltgetränk. Zum Klatschen hätte ich keine zwei Hände mehr frei gehabt. Und Applaus verdienen alle Bands.
Den ersten der drei Acts des Abends hatte ich verpasst. Über den Auftritt von James Yuill kann ich daher nicht berichten.
Ich war gerade noch pünktlich, um das Set der Filthy Dukes zu sehen. Die drei Briten, die durch ihre DJ Sets in England auf sich aufmerksam machten, setzten direkt tanzbare Maßstäbe. Elektro meets Techno meets Wave meets Indie. Ich hatte schon schlechteres aus diesem Themenfeld gehört. Es roch nach Eurodisco, es war keyboardlastig und es war viel 80er drin, klar, aber es war ein intelligenter zeitgemäßer Aufguss von alledem. Ein sehr interessantes gut dreiviertelstündiges Set, dass mich zu keiner zeit langweilte.
Ein gelungener Auftakt in den Abend.
Die Bloggerbande war schon vor Ort. Christoph, das Musik-Gehirn, der, so kommt es mir vor, jeden kennt und gesehen hat, der eine Gitarre halten kann, und Micha, der den goldenen Schnitt mit Löffeln gefressen hat und umwerfende Konzertfotos aus seinem kleinen schwarzen Apparat heraus kitzelt, traf ich vor der Bühne. Einem kurzweiligen Pausengespräch bis zum Auftritt der Rakes stand nichts im Weg.
Es gibt Bands, von denen kennt man nur ein, zwei Stücke, kann sie aber direkt in eine musikalische Ecke stellen. Die Rakes gehören für mich zu diesen Bands.
Ich kenne die beiden Singles Strasbourg und The world is a mess but…. Letzteres kennt wahrscheinlich jeder und so ist es nicht besonders, dass auch ich es vor einiger Zeit entdeckt habe. Dancefloorhymne sagt dazu die Fachpresse. Und da auch „Strasbourg“ ein kleiner Straßenfeger ist, erwartete ich annähernd ähnliches vom übrigen Rakes-Werk, gerade auch, weil ihr Album Ten New Messages sehr gelobt wurde.
Die ersten dreißig Minuten erschienen mir zäh. Ich kam nicht rein ins Konzert. Ich wartete auf einen Wachmacher, auf einen 3 Minuten Moment, der mich mitnahm. Selbst „We dance together“, digital gehört (was ich gerade mache) ein Smasher, und gestern Abend als drittes Stück dabei, rüttelt nicht an mir.
Der Sound, naja, war breiig. Den Gesang des Co-Sängers Matthew Swinnerton hörte ich gar nicht, der Rest ging in einem Klangmatch baden. Auch das keine guten Voraussetzungen für einen „Jetzt-bin-auch-ich-da“ Moment.
So verging die Zeit, die Rakes spielten solide unspektakulär. Erst im letzten Viertel wurde ich bei Strasbourg – That’s the reason und Open book leicht gekickt. „This is our final song“ sagte Sänger Alan Donohoe und es kam, was noch fehlte: The world was a mess but his hair was perfect.
Nach einer Stunde verließ die Band die Bühne, und alles war von bühnentechnischer Seite her auf eine Zugabe eingestellt. Als dann Musik aus dem Hintergrund erklang, half auch wildes Gestikulieren mit der Taschenlampe nichts. Die Musik wurde nicht abgestellt, es wurde das Saalllicht angeknipst. Ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass es keine Livemusik mehr geben wird. (außer vielleicht bei New Model Army, wenn Justin Sullivan die Rowdies runterschmeisst und I love the world singt).

.Multimedia:

Setlist: konzerttagebuch.de
Fotos: frank@ipernity
Video: –
Lesenswert: hififi.de | whitetapes.de
Archiv: –

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."