| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Swearing at Motorists

„The scarlet beast o’seven bells“. Ich werde mit diesem Album nicht recht warm. Auf der abendlichen Fahrt zum Gebäude 9 habe ich die neue Get well soon Platte dabei, sie läuft im Auto-CD Spieler. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich sie nicht mögen mag. Die älteren Alben gefallen mir sehr, Get well soon Konzerte sind immer ein Fest und schlussfolgernd will ich auch das neue Album mögen. Aber es gelingt mir nicht. Auf „The scarlet …“ ist mir von allem zu viel, zu viel alter Kinokram, zu viel Get well soon.
Ich denke an Konstantin („dann trink ich eben noch was“) Groppers Auftritt bei Roche und Böhmermann vor einigen Wochen. Frau Roche interessierte sich nicht wirklich für den Musiker, dabei – und das merke ich an der Ausfahrt Köln-Deutz, hätte sie doch nur das neue Album hören müssen und sie hatte den perfekten Intervieweinstieg: im Song „Dear Wendy“ benutzen Get well soon ähnliche Tonfolgen wie die Roche & Böhmermann Einspieljingles. Das hätte ihnen auffallen müssen.
Was all das mit The hundred in the hands zu tun hat? Nichts. Aber Anfahrtgeschichten gehören zu einem Konzertbesuch wie das Konzert selbst.
Jetzt aber zu The hundred in the hands:
Ein Fazit dieses Sommers könnte lauten, dass ich das Duo Eleanore Everdell und Jason Friedman viel zu lange links liegen gelassen habe. Viel zu lange.
Das Debütalbum der in New York lebenden Briten bekam ich vor 2 Jahren, ein kurzer Rückblick in das Jahr 2010 bringt mir das ins Gedächtnis zurück, was ich bereits im Sommer in Hannover feststellen durfte: diese Band hat gute Songs.
Über die Qualitäten von „Dressed in Dresden“ und „Commotion“ brauche ich nicht zu diskutieren, die sind unbestritten, es sind Riesenhits. Und „Pidgeon“ und „Lovesick“ stehen nur knapp dahinter. Für ein Album ist das eine enorme Hitdichte, wie ich finde.
Die Vorband Swearing at Motorists ließen wir konsequent aus. Wir hatten die Band bereits im Vorprogramm der Lemonheads im Mai und anderswo gesehen, unser Grundbedürfnis war damit gestillt. Niemanden von uns zog es übermäßig stark in den Konzertsaal, und da wir scheinbar Quasselwasser getrunken hatten, vertrödelten wir ihren Auftritt erst vor dem Gebäude 9 und anschließend im Vorraum. Die dumpfe Dröhnen der Außenhaut des alten Industriegebäudes im Takt des Swearing Basses genügte uns. Wir hatten nicht das Gefühl, etwas zu verpassen.
Erst sehr zeitig gegen neun Uhr gingen wir vor die Bühne. Unsere Gesprächsdichte war immer noch enorm, und so wirkte es fast störend, als The hundred in the hands ihr Konzert eröffneten.
Zum Glück legten sie gleich fulminant los, so dass der Gedanke „ach, müssen die jetzt schon spielen“ sehr schnell verflog bzw. erst gar nicht aufkam. „Pidgeons“, einer der Hits, eröffnete das Programm. Ein Top-Start Niveau, das natürlich die nächsten Songs über nicht gehalten werden konnte. Die Band legte die Messlatte zu Beginn hoch, ich wurde von „Pidgeons“ direkt verwöhnt und folglich dauerte es bis zum nächsten Hit, bis sich das sehr wohlige Anfangsgefühl wieder einstellte. Der ließ nicht lange auf sich warten und so fiel es mir leicht, in das Konzert hineinzugleiten.
The Hundred in the hands gehören zu dieser Art Band, deren Konzerte man jederzeit besuchen kann. Egal, ob sie gerade ein neues Album gemacht haben oder man sie schon drei, viermal gesehen hat. Man wird nie enttäuscht nach Hause gehen, man wird ihre Konzerte aber wohl auch nicht in den TOP 5 des Jahres einordnen. Es sei denn, man ist dicker Fan. Aber im Fantum gelten sowieso andere Gesetze. Das THITH Konzert war also wie ein Köln-Tatort, spannend und solide, aber an Charlotte Lindholm kommt es nicht ran.
Wie schon in Hannover wurden die beiden von einem Schlagzeuger unterstützt. Allerdings, und wenig verwunderlich standen er und Jason Friedman deutlich im Schatten von Eleanore Everdell. Sie ist der eye-catcher, da kann Jason Friedman noch so zackig über die Bühne tanzen. Es hilf nichts.
Sie spielten viel von ihrem Debütalbum und einiges von der just veröffentlichten Platte „Red night“. Im Detail verschwamm es an diesem Abend etwas zu sehr für mich, zu wenig kenne ich das neue Album, zu lange habe ich das Debütalbum in Gänze nicht mehr gehört.
Mit „Commotion“ beendeten sie nach einer guten Stunde das Konzert. Als Zugabe spielten sie einen neuen Song. Ohne Schlagzeuger. Es sei ein Stück ihrer neuen Platte, wie Eleanore Everdell berichtete. An „Commotion“ kam es lange nicht ran, und so endete das Konzert mit dem Eindruck, den ich während der letzten Stunde bereits gewonnen hatte. The Hundred in the hands schaffen es nicht, auf ganzer Strecke vollends zu überzeugen. Aber welcher aktuellen Band außer den XX’en und Cat Power gelingt das in diesem Herbst überhaupt?
Für einen schönen Abend reichte es allemal.

Kontextkonzerte:
BootBooHook Festival – Hannover, 25.08.2012

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."