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Landschaft. Grüne Wiesen, Strassen, nicht breiter als Wirtschaftswege, die die Hügel rauf und runter führen. chesapeake beachTankstellen, an denen Autos Benzin und Menschen abgestandenen angebrannten Kaffee tanken können. Eine Stunde Autofahrt östlich von Washington ist man tief in der Weite des Landes. Chesapeake nennt sich der Landstrich, der uns bei unserem Tagesausflug Gesellschaft leistet. Es ist die Gegend um Chesapeake Beach, einem kleinen, wohl nicht nur zu dieser Jahreszeit verschlafenen Fischerstädtchen. Wir schnuppern Meeresluft und vermissen jegliche touristische Anreize. Hier blüht das amerikanische Leben abseits der Supermarkt- und FastFood- ketten. Das hier könnte Twin Peaks sein. Im CD Spieler laufen Death Cab for Cutie, die besser in diese Gegend passen als der anschliessende Urban Jazz von Steely Dan. Stilbruch auf der Route 4 north. Wo sind die Lichter der Grossstadt?
Um 6 PM sehen wir sie noch nicht. Am Reflecting Pool des Capitols herrscht reger Touristenbetrieb. Die Sonne liegt in den letzten Zügen, ein schöner Frühlingstag neigt sich dem Ende entgegen. Nur ein paar Blocks weiter nördlich an der 6.ten Strasse spielen in 2 Stunden die Eels. Als Konzertraum haben sie sich die alte Synagoge Sixth and I ausgeguckt. Ein eher mickrig wirkender Gottesbau inmitten von höhergeschossigen Gebäuden. Der Saal ist ausverkauft. eels 29032008Drei Frauen, die unseren Weg kreuzen, schauen belustigend auf dieses Schild und fragen sich, wer die Eels seien. „So bekannt können die ja nicht sein, wenn man sie nicht kenne“, so ihre Rückschlüsse. Na ja. Gleichzeitig frage ich mich aber, wie bekannt die Eels in den Staaten nun wirklich sind. In die Synagoge gehen schätzungsweise 700 Menschen, der Tanzbrunnen in Köln, wo ich sie im Februar sah, fasst doppelt so viel und war ebenso ausverkauft. Sind die Eels hier nicht so gross oder wurde der kleine Veranstaltungsort bewusst gewählt? Ich kenne die Antwort nicht.
Flair hat das Gebäude allemal. Es erinnert mich ein wenig an die Kulturkirche Köln- Nippes. Allerdings wirkt die Synagoge ein bischen sakraler. Wir reihen uns die Schlange vor dem Eingang ein. Ein Polizist macht ziemlich unmissverständlich darauf aufmerksam, dass „videotaping“ and „photographing“ verboten seien und er jegwede Kamera einkassiere. Na gut, zwischen Fiction und Wirklichkeit liegen manchmal mehr als Worte. Wir sind in den US of A und hier grassiert die Handyfotografie bei Konzerten noch stärker als bei uns.
Wie wird das Konzert wohl ablaufen? Wird es Unterschiede zum Kölner Konzert im Februar geben? Es ist schliesslich die gleiche Tour. Diese Fragen stellte ich mir schon in der Metro. Ich war gespannt.eels 29032008
Um 8 PM die erste Antwort. Auch hier läuft als Vorfim die BBC Dokumentation über Mark Everetts Vater Hugh Everett III, den berühmten Physiker und Wissenschaftler. Also nochmal Quantenphysik und das Schrödingers Katze Experiment. Kann nicht schaden, doppelt gelernt hält länger. Interessanter Unterschied zum Kölner Publikum: in Washington nimmt man den zum Ende eher langatmigen und zähflüssigen Biopic gelassener hin. Pfiffe aus ungeduld gibt es keine. Vielleicht auch deswegen, weil jeder alles versteht. (Im Sinne von sprachlich, nicht inhaltlich).
Um 9.25 PM ging zum zweiten Mal das Licht aus. Aus der linken hinteren Tür zog E., eskortiert von zwei Polizisten, in den Saal ein. Die Mütze des schwarzen Field-Parkas tief ins Gesicht gezogen, so betrat er die Bühne. Das war schon mal ein Start, wie er besser zu Mr E. nicht hätte passen können. eels 29032008Skuriel, exzentrisch, verschroben. 2 Songs präsentierte er alleine auf der Gitarre, ehe er seinen Mitspieler und Begleiter Chet vorstellte. Auch Chet betrat in in verzüglichster Rocky Balboa Manier die Bühne. Und hatte sichtlich Spass an diesem Auftritt. Überhaupt, beide schienen gut gelaunt nach Washington gekommen zu sein, auch wenn der Präsendent George W. Bush die Einladung zum Konzert absagte. Nach dem dritten Stück ließ E. die Absageerklärung eines Pressesprechers des Präsidenten einspielen. Der Saal brüllte laut auf. Er brüllte noch lauter, als E. anmerkte, Obama hätte bestimmt vorbeigeschaut.
Musikalisch war es das erwartete ruhige Programm. E. spielte abwechselnd Klavier und Gitarre, zum Ende des Konzertes auch Schlagzeug, Chet bearbeitete Gitarre, Schlagzeug und Säge. Triumphal abgefeiert wurde der Instrumentenwechsel der beiden während Flyswatter. E. begann am Klavier, Chet am Schlagzeug. Mittendrin wechselten beide 2x die Plätze, um am Ende des Songs wieder die Ausgangsposition einzunehmen. Grosses Kino!eels 29032008
Apropos Kino. Zwischen den Stücken las Chet natürlich auch heute wieder zwei Passagen aus Mr E. Biographie “Things the grandchildren should know“.
Nach einer Stunde war das reguläre Set der beiden zu Ende. Es folgten drei Zugaben mit je einem Stück, ehe das Licht entgültig nicht mehr ausging.
„Remember ye law of Moses“ stand an der Wand im Rücken von E. Ich erinnere mich vor allem an den Sarkasmus von E. Gerade die Dokumentation machte mir beim zweiten Sehen mehr als deutlich, wie verschroben und in seiner eigenen Welt lebend Mr E. sich gibt. In Nuancen noch erheiternd wird es beim intensiveren Betrachten immer befremdlicher. Hoffentlich lässt er sich nicht zu sehr von seiner Welt gefangen nehmen oder geht gar an ihr zugrunde. Das wäre sehr schade.

So ging dieser wunderbare Konzertabend zu Ende. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt aber hängen: Im Land der Klimaanlagen betrug während des Konzertes die gefühlte Raumtemperatur ca. 12 Grad (windchill). Es scheint so zu sein, dass, egal wie die Temperaturen draussen oder im Gebäude auch sein mögen, pauschal die Klimaanlage auf Hochtouren läuft. Hey, schon mal was von Klimaautomatik gehört und einer Wohlfühlraumtemperatur von 21 Grad? Also, wenn ihr in USA ein Konzert besucht, geht nicht im T-Shirt hin, sondern packt lieber noch den Schal ein, sonst wird es kalt…Geht aber auf alle Fälle hin!
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Fotos: p-p@ipernity
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frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."