| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Luxor, Köln
Vorband:

Warum sitze ich im Zug und fahre zu einem Konzert einer Band, die mir seit Jahren egal ist. Deren musikalischer Kontext mir zwar vertraut ist, ich mich aber kaum noch an einzelne Songs erinnern kann. Denn seit geschätzten 14 Jahren habe ich The Breeders nicht mehr gehört. Und mich nicht für sie interessiert. Geblieben ist nur „Cannonball“.
Es ist wie mit Buffalo Tom. Ist man ehrlich, dann muss man zugeben, dass diese Bands musikalisch durch sind, sie spielen den Sound vergangener Zeiten, Innovationssprünge sind kaum zu erwartet. Es gibt sicherlich durchaus spannenderes Zeug zu hören, was also treibt mich an, diese Bands zu sehen. Ich denke, der Reiz des Backflashes ist der eigentliche Beweggrund. Nochmal für vielleicht 90 Minuten „1990 plus x“ sein zu lassen. Nochmal alte Helden sehen.
Ja, das ist es. Das lässt in mir diese grosse Vorfreude aufkommen. Egal, es gibt schlimmeres.

Gestern nun The Breeders. Hiessen die früher nicht mal nur Breeders?
Also, The Breeders. Für mich mehr ein Bild, ein Synonym für eine Musikepoche als eine Band. Sie waren das Bindeglied zwischen den traditionellen amerikanischen Indierockbands der Endachtziger und der Grunge-Rock Generation. Von beiden Seiten gleich verehrt und geschätzt. 2 Alben haben die Breeders in dieser Zeit veröffentlicht. Pod und Last splash. Letzteres war ihr kommerziell erfolgreichstes Album, ihre break-through Single „Cannonball“ findet sich auf dieser Platte.
„Cannonball“ ist auch die einzige Breedersassoziation, die sich bei mir über die Jahre gehalten hat. Irgendwann kurz nach 1993 habe ich Kim und Kelley Deal beiseite gelegt und nicht wieder aufgehoben. Zwischendurch mal was über erneute Alkohohl- und oder Drogenexzesse gelesen, erstaunt den Kopf gehoben als es hiess, Kim Deal geht wieder mit den Pixies auf Tour, das war’s. Title TK, ihr 2002er Album, und Mountain Battles gehören nicht zu den Alben, auf deren erscheinen ich sehnsüchtig gewartet hätte.
Gestern spielten sie ihren einzigen Deutschlandgig im Luxor. Das heutige Konzert in Berlin wurde gecancelt. Die Nachfrage war wohl nicht besonders hoch. Auch in Köln war der Club gerade mal gut zur Hälfte gefüllt.

Kurz nach neun.
Manchmal ergeben sich die kleinen Geschichten um den Konzertbesuch wie von selbst. Oder durch Zufall. Am Montag lief auf 3sat eine unterhaltsame Dokumentation über Haarausfall bei Männern im Alter von 30 bis 40 und den psychischen Problemen, die damit einhergehen. Also Haarverpflanzung, Ersatzprodukte, Haarersatzteil etc.. Hieran musste ich unvermittelt denken, als ich auf die Hinterköpfe der vor mir stehenden Reihen blickte. Genau, das Publikum war eher männlich und mid-age. Aber durchschnittlich nicht so alt wie bei Frank Black, wie jemand hinter mir bemerkte, oder wie der Sänger der Vorband Cloudberry es treffend auf den Punkt brachte: „Es sind viele Leute in meinem Alter heute abend hier. Die werden unser nächstes Lied sofort erkennen. Lasst euch überraschen.“ Die Überraschung war „Into your arms“, ein Lemonheads Cover aus deren „Come on feel the Lemonheads“ Album von 1993.
Cloudberry spielten eine halbe Stunde lang Indierock aus den Tiefen der 90er. Das Cover passte gut und spiegelt ebenso gut ihre Musik wider. Ihre Helden müssen Buffalo Tom, Lemonheads und Bob Mould heissen.

Ab kurz nach zehn gehörte die Bühne dann Kim und Kelley Deal. Die beiden Frontfrauen der Breeders standen eindeutig im Fokus. Den Drummer hatten sie kaum sichtbar hinten rechts in der Ecke versteckt, Bass und Gitarre Nr. 3 wurden am Bühnenrand plaziert. Kaum zu sehen waren aber auch K+K, denn besonders gross sind die beiden nicht. Obwohl leicht erhöht auf der Bühen stehend, waren beide kaum grösser als das davor stehende Publikum. Und so war spätestens ab der achten Reihe köpferecken angesagt.
Erblickte man dabei Kim Deal, so sah man sehr deutlich, dass jahrelange Alkoholsucht sehr wohl ihre Spuren hinterlassen. Leicht aufgedunsen sieht sie immer noch aus. Nicht mehr ganz so schlimm wie noch vor ein paar Jahren, aber immer noch sichtbar mitgenommen und irgendwie schlecht. Kelley machte da einen ‚gesünderen‘ Eindruck. Schadet der gespritzte Drogenkonsum der Haut weniger als Alkohol?
Unabhängig vom Erscheinungsbild, fit sind sie beide. Sie liefern eine gute 80 minütige Show. Gespielt wurden Songs aus allen vier Alben und vom The Amps Album Pacer. The Amps war ein Kim Deal Nebenprojekt in den 90ern. Emotionaler Höhepunkt nach einer guten halben Stunde natürlich der Übersong „Cannonball“, der auch heute noch richtig gut geht und nicht unhörbar geworden ist. Ein Klassiker. Auch die anderen kleinen Hits wie „Divine Hammer“, „Safari“ oder das Beatles Cover „Happiness is a warm gun“ wurden gebührlich abgefeiert. Ich hatte den Eindruck, das die Crew auf der Bühne in absoluter Spiellaune war und sich wirklich darüber freute, dass im Publikum eine so gute Stimmung herrschte.

Ein bischen war es wie das Treffen alter Freunde, die sich lange nicht gesehen haben. Nach fünf Minuten weiss man wieder, was man am anderen hat, und wundert sich darüber, das man ihn in der zwischenzeit gar nicht wirklich vermisst hat.
Rausgeschmissen wurden wir mit „German studies“ einem Stück vom neuen Album, das tatsächlich einen deutschen Text hat. Man konnte ihn nicht wirklich verstehen, bis auf den Refrain: „Im Dunkeln“ hiess der.
Im Dunkeln ging ich dann auch kurz nach elf zur Bahn.

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."