- Seit 2002 Dinge über Musik und so -

Transformer II Festival – Maastricht, 20.05.2018

Ich hatte das alles ganz anders in Erinnerung. Die Brückenzufahrt zur Norderbrug war weg, der Eingang zur Muziekgieterij ein anderer. Einiges hatte sich im Umfeld der Muziekgieterij ganz schön verändert. Die Gentrifizierung lässt grüßen. Das große Student Hotel und der Kinokomplex zeigen die neue Ausrichtung des ehemaligen Industrieareals. Schon vorher kam mir unser Anfahrtsweg merkwürdig vor. Wo war denn der Kreisverkehr mit der Kirche am gegenüberliegenden Kreisbogen? Warum überqueren wir die Maas erneut? Einige der Fragen lösten sich kurz vor dem Erreichen des Ziels im Boschstraatkwartier im westlichen Maastricht in Luft auf (wir kamen anfahrtstechnisch aus Süden, nicht - wie ich es kannte - aus Westen, und Baustellen sprießen in Maastricht wie wild), andere blieben.

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Ben Folds – Hamburg, 16.05.2018

Mit der linken Hand in der Hosentasche schlurft Ben Folds auf die Bühne. Zu Recht völlig unbeeindruckt von den Räumlichkeiten des großen Saales der Elbphilharmonie setzt er sich an den Flügel, nachdem er sich einmal um 360 Grad drehend in die Runde gewinkt hat. Der Flügel ist das einzige Instrument auf der Bühne, in der Mitte aufgebaut und - wie immer - von links nach rechts (aus Sicht des Publikums) ausgerichtet. Klavier oder Flügel stehen immer von links nach rechts, warum ist das eigentlich so?

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Isaac Gracie – Köln, 04.05.2018

Isaac Gracie lernte ich letzten Sommer beim Reeperbahnfestival in Hamburg kennen. Dort war er musikalischer Gast bei Ray Cokes Nachmittagsmusiktalk, was bedeutete, dass er zwei oder drei Lieder spielte. Also Isaac Gracie, nicht Ray Cokes. Letzterer scherzte nur umher. Eines davon war ein wunderbares Nirvana Cover, ein anderes „Terrified“. An das dritte erinnere ich mich nicht mehr. Sowohl Cover als auch die eigenen Songs blieben mir so stark im Gedächtnis (ein Wunder bei der Vielzahl neuer Eindrücke, die ich auf dem Reeperbahnfestival sammeln durfte), dass ich den jungen Mann aus London in den nächsten Monaten im Auge behielt.

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Ought – Köln, 03.05.2018

An diesem Abend fiel mir die Entscheidung nicht leicht. Lucy Dacus oder Ought? Schon früh hatte ich mir ein Ticket für die Kanadier besorgt, in den letzten Wochen jedoch mehr und mehr die US-amerikanische Sängerin für mich entdeckt. Beide gingen aber nicht. Köln ist nicht Brüssel, wo tags zuvor beide Bands nacheinander in der Botanique Konzerte gaben. Das kleine Festival schlappe 200 km entfernt wurde komplettiert durch die Band Hater und war damit zum einen musikalisch stimmig und reizvoll besetzt. In Köln spielte Lucy Dacus im Blue Shell, Ought zusammen mit Hater im Bumann & Sohn. Beides kleine Läden, beide irgendwie toll für überschaubare Konzerte. Durch den zeitigen Ticketkauf war die Wahl quasi entschieden, selbstläufig fiel meine Wahl auf Ought.

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Die Nerven – Köln, 23.04.2018

Die Nerven. Als ich die Nerven das letzte Mal live in der Bonner Harmonie sah, konstatierte ich nach einem berauschenden Konzert, dass die Band zwar auch in der Jazz- und Musikkneipe der Harmonie gut aufgehoben war, ich ihren natürlichen Konzertlebensraum jedoch eher in alten Industriehallen wie dem Gebäude 9 sehen würde. Genauso wie alte Glamrockbands aus den 1970er Jahren in die Harmonie gehören, verorte ich Postpunk Bands in alte, ehemalige industrielle Gebäude, die zu Konzertsälen umfunktioniert wurden.

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Protomartyr – Köln, 22.04.2018

Der Typ im Anzug fasziniert mich, seitdem ich ihn das erste Mal erblickt hatte. Damals, ganz oben in der TivoliVredenburg in Utrecht. Er und seine Band spielten im kleinen Saal ein Konzert, das so nachhaltig wuchtig war, dass ich diese Band unbedingt wiedersehen musste. Der Typ ist erinnert mich an Mark E. Smith. Latent genervt, nervös und leicht reizbar schrie er seine Texte in das Mikrofon, dass die Band Mühe hatte, dem in irgendeiner Art und Weise zu folgen.

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Let’s eat Grandma – Köln, 20.04.2018

Was hat mich da nur geritten? Nach drei anstrengenden und schönen Konzertausflügen in den letzten sechs Tagen bin ich eigentlich viel zu müde, um an diesem Abend ins Schauspiel Köln zu fahren. Hinzu kommt, dass ich die Band Let’s eat Grandma nur so halb kenne. Ich erinnere mich, dass Let’s eat Grandma auf meiner letztjährigen Primaveraliste und Reeperbahnfestivalliste standen, ich aber seinerzeit die beiden Teenies aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen (wahrscheinlich Müdigkeit) verpasst habe. Daran dachte ich, als ich vor Wochen den Ankündigungstermin ihres Kölner Gigs über das Internet wahrnahm.

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Josh Rouse – Brüssel, 19.04.2018

Der AB Salon ist ein kleiner Raum über dem AB Café. Beide Räumlichkeiten gehören zum Konzerthaus Ancienne Belgique, kurz AB genannt. Das AB ist der Konzertsaal Brüssels, hier spielen alle wichtigen Leute, wenn sie in Belgiens Hauptstadt Konzerte geben. Der AB Salon ist seit einigen Monaten ein zweiter Konzertsaal. Wobei Saal Unsinn ist, es ist ein Raum, mit 70 Stühlen in zwei Viererreihen vor einer ebenerdigen Auftrittsfläche.

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Lana del Rey – Antwerpen, 17.04.2018

Als Lana del Rey vor Jahren ihr „Video games“ auf YouTube hoch lud, wurde sie über Nacht zum Star. Innerhalb eines Monats erreichte sie über eine Millionen Klicks, damals war das viel (ob das heutzutage auch noch so ist, weiß ich nicht). Zwei Nächte später war sie das neue Westküstenpopsternchen, Born to die, das Album von und mit „Video games“, schoss weltweit in die Charts. Lana del Rey hatte mit ihrem DIY Charme von „Video games“ den Nerv der Zeit getroffen. Aber nicht nur das: ihre gleichgültig und resignierend schwermütig klingender Gesang war so speziell, dass er nicht nur bei mir nicht mehr aus den Gehörgängen verschwand.

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Little waves Festival – Genk, 14.04.2018

C-Mine. In großen Lettern empfängt mich der Kreisverkehr kurz nach der Autobahnabfahrt. C-Mine, so heißt das Kulturzentrum in Genk, das sich in dem alten Steinkohlebergwerk am Stadtrand der belgischen Industriestadt eingenistet hat. Das Steinkohlebergwerk im limburgischen Abbaugebiet ist eines der ältesten des Landes. Oder besser gesagt, war eines der ältesten des Landes, denn Ende der 1980er Jahre wurde es geschlossen. Seit diesem Jahrtausend ist dort die sogenannte C-Mine ansässig, ein kreativer Ort mit Veranstaltungssälen, Kongresszentrum, Kino und einer Hochschule.

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Nada Surf – Köln, 10.04.2018

„Blizzard of 77“ ist der erste Song auf Let Go. Als ich das Album vor 25 Jahren euphorisch kaufte, war ich im ersten Augenblick enttäuscht. Nada Surf klangen hier so anders als auf ihrer zweiten Platte. The proximity effect hatte Wumms und war düster, „Mother’s day“ ist bis heute mein liebster Nada Surf Song, „Why are you so mean to me“ kommt knapp dahinter.

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The Thing – Köln, 09.04.2018

The Thing, die norwegische Rhythmusgruppe vieler bekannter Indiegrößen wie Neneh Cherry oder Thursten Moore, kenne ich vom letzten Neneh Cherry Konzert im Kölner Stadtgarten. Das war sein toller Abend und zeigte in Ansätzen, was für feine Musiker Mats Gustafsson, Ingebrigt Håker Flaten und Paal Nilssen-Love sind. Wobei Rhythmusgruppe natürlich Quatsch ist, denn The Thing sind eine eigenständige, etablierte Jazzgruppe, die seit 2000 Alben veröffentlicht. Ihr Sound ist dabei so einzigartig und genreübergreifend, dass gerne Indiemusiker anfragen, ob man nicht ein paar Liveshows oder das ein oder andere Album zusammen machen wolle/solle/könne.

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Suuns – Köln, 08.04.2018

Da sind sie wieder! Nachdem es um die kanadische Band in den letzten Jahren konzertmässig etwas ruhiger geworden ist, haben Suuns ein neues Album veröffentlicht. Felt heißt die Scheibe und sie klingt wunderbar. Da ist es nur zu obligatorisch, dass ich bei der anstehenden Tour kurz vorbeischaue und ein wenig  mittanze. Ach, dieser Bass. Hach, diese Melodien. Suuns sind toll!

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Fever Ray – Köln, 17.03.2018

Fever Ray sind mir nur bekannt als quasi Nachfolgeband der schwedischen Elektropopband The Knife. Nachdem die Geschwister Karin und Olof Dreijer 2014 The Knife auflösten, machte Karin Dreijer einfach alleine weiter. Beziehungsweise konzentrierte sie sich ab da auf ihr Soloprojekt Fever Ray, ein erstes Album Fever Ray als Fever Ray hatte sie bereits 2009 veröffentlicht; zu einer Zeit, als The Knife noch existierten. Im letzten Jahr erschien dann relativ kommentarlos Plunge, das zweite Album von Katrin Dreijer als Fever Ray.

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Yann Tiersen – Hamburg, 07.03.2018

Ile d’Ouessant. Eine Insel vor der bretonischen Küste. Die Ile d’Ouessant ist das westlichste Gebiet Frankreichs, lese ich im Internet. Ich sitze im Zug und bin auf der Rückfahrt vom gestrigen Yann Tiersen Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie. Die Ile d’Ouessant ist sowas wie Land’s End im Meer. Warum mich diese Insel so interessiert, hat mit dem gestrigen Abend zu tun.

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