- Seit 2002 Dinge über Musik und so -

Lieblingsplatte Festival – Düsseldorf, 15./16.12.2017

‘Habt ihr noch Bock?‘ fragt Jochen Distelmeyer, nachdem die Band Blumfeld den zweiten Block ihres Konzertes beendet hatte und auf die Bühne zurückkehrte. ‘Wir haben noch Bock auf ein, zwei Lieder‘. ‘Ich fühl mich so müde. Das ist nix mehr für mich‘ sagt Tom Liwa, als die Flowerpornoes nach dem zweiten Block nochmals für eine kleine Zugabe auf die Bühne des Clubs im zakk zurückkehren. Unterschiedlicher könnten die Befindlichkeiten der beiden Bands nicht sein. Unterschiedlich waren auch die beiden Konzertabende im zakk und im zakk Club, großartig waren sie aber beide!

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Destroyer – Düsseldorf, 19.11.2017

Irgendwann nach „Times Square“ und „Chinatown“ setzt sich Dan Bejar neben seinen Mikrofonständer auf den Boden. Es hat den Anschein, als benötige er eine kurze Pause. Hat jemand eine Picknickdecke dabei, dann könnte es noch gemütlicher werden. Während also der Destroyer Chef auf dem Boden sitzt, seinen Oberkörper auf den linken Arm abstützt, das linke Bein ausgestreckt und das rechte Bein angewinkelt hat, haben der Saxophonist und der Schlagzeuger der Band kurz was zu besprechen.

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Kate Nash – Düsseldorf, 17.08.2017

Mitte des letzten Jahrzehnts singt ein junges Mädchen Lieder über Liebe, Beziehungsdinge und das Leben im Allgemeinen. Soweit nichts Besonderes, wären da nicht diese bauernschlauen und dreisten Textpassagen, die seinerzeit viele begeisterten, und der Veröffentlichungsweg, den sie für ihre Musik wählte. Kate Nash veröffentlichte ihre Songs zuerst über das Internet, MySpace war damals das Nonplusultra und Kate Nash wird zusammen mit der Französin SoKo so etwas wie der erste Internetpopstar. Ihr Hit „Foundations“ stand zuerst auf ihrer MySpace Seite, in ihm heißt es zum Beispiel (und damit wieder zurück zu ihren Texten):

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Kraftwerk – Düsseldorf, 01.07.2017

Ich mag die Tour de France. Luis Herrera, Greg LeMond waren meine ersten Tour Lieblinge. Oft fieberte ich auf die Übertragung von ARD und ZDF hin, die regelmäßig die letzte halbe Stunde der Etappen mit Zielankunft übertrugen. Also meistens jedenfalls. Manchmal bekam ich auch das Endergebnis erst später mit, wenn die Zielankunft das Übertragungsende von 17.30 Uhr sprengte. Später dann kaufte ich mir von meinen ersten Azubigehältern ein Rennrad, hatte im Cappenberger Berg mein persönliches Alpe d’Huez und schaute in den 1990er Jahren regelmäßig Tour de France und freute mich am neuen fernsehmedialen Übertragungsglanz der Gebirgsetappen. Stundenlang vor dem TV zu sitzen, den Geschichten von Rudi Altig zu lauschen und sich vor allem die interessanten Landschaften (drei Stunden Ausreißergruppen gucken ist auf Dauer schon langweilig) anzuschauen, das war mein großes Hobby.

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Chris Brokaw – Düsseldorf, 19.02.2017

Codeine und Come sind ein Begriff, nehme ich an. Chris Brokaw spielte in beiden Bands, Schlagzeug bei Codeine, Gitarre bei Come. Derzeit spielt er ein paar Konzerte in Europa, eines davon in der Düsseldorfer Kassette. Kassette? Was ‘n das für ‘n Klub? Nun, die Kassette ist kein Club, es ist vielmehr ein Bar/Café, in der auch Konzerte stattfinden. Ohne Eintritt, aber mit wanderndem Hut, in den bitteschön jeder einen Obolus nach Belieben für den Musiker hineinlegen darf. Klingt nicht nur nach einem guten Konzept, es ist auch eines. Ich hoffe nur, dass sich die Sache für beide Seiten auch rentiert.

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Mutter – Düsseldorf, 16.12.2016

‘Hoffentlich drückt mir niemand das Mikrofon in die Hand. Hoffentlich drückt mir niemand das Mikrofon in die Hand.‘ Mutter sind beim letzten Song des Konzertes angekommen, „Ein kleines Stück Papier“, gleichzeitig auch das letzte Song auf der Platte Hauptsache Musik, und Sänger Max Müller, der bis dahin schon viel erzählt hat, leitet den Song als poppiges sing-a-long Stück ein, bei dem jeder die Möglichkeit haben soll, mitzumachen. ‘Ich lasse einfach das Mikron rundgehen und jeder singt einmal den Refrain. Der ist ganz einfach und geht so: Ein kleines Stück Papier, lalala, ein kleines Stück Papier.

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The Notwist – Düsseldorf, 12.12.2016

Neon Golden ist bis heute beste Indietronic-Album aus diesem Lande. Punkt. Diskussion zwecklos, weil es keine Gegenargumente bzw. ein besseres Album gibt. Tja, so ist das und ich gestehe, dass ich The Notwist verehre. Seit vielen Jahren liebe ich ihre Musik, ihre Konzerte. Ein Jahr ohne ein The Notwist Konzert ist für mich ein vertanes richtiges Konzertjahr. Ich kann mich einfach nicht sattsehen an ihren Livedarbietungen. Waren und sind phänomenal, dass sich in den nächsten Jahren daran etwas ändert, ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen.

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John Grant – Düsseldorf, 29.10.2016

Kurzentschlossen reifte der Plan, am Samstag dem New Fall Festival einen Besuch abzustatten. Aus Bequemlichkeit (wo ist diese Kirche, in der Kate Tempest spielt?) und aus Mangel an Wilco Karten entschied ich mich für den Auftritt von John Grant im Robert Schumann Saal direkt neben der Tonhalle. Nicht die schlechteste Wahl, ich mag diesen Veranstaltungsort; er ist schön, die Anfahrt ist unkompliziert, ein Parkplatz leicht machbar. Wenn ich schon an einem Samstag die Wohnung verlasse, sind das für mich durchaus Argumente, die mich beeinflussen.

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Kraftwerk – Düsseldorf, 11.01.2013

Ort: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K20, Düsseldorf Vorband: -

„Wie seid ihr denn an die Karten gekommen? Die Konzert waren ja schon nach einer halben Stunde ausverkauft?“ Nach zwei Stunden Kraftwerk‘scher 3-D Animationen standen wir im Foyer des Museums K20und erholten uns von den wundervollen und sprachlos machenden Eindrücken. „Konzert des Jahres“ diese drei Worte fielen dabei sehr oft. Die Frage stellte uns eine Reporterin irgendeiner Presseagentur. Das Foyer war mit Kamerateams und Interviewwilligen Leuten übersät. An vielen Stellen leuchteten die grellen Kameralichter und Menschen mit Schreibblock in der Hand befragten Menschen ohne Schreibblock in der Hand. Oh ja, die Kraftwerk Musikreihe scheint tatsächlich ein musikkulturhistorisches Ding grösseren Ausmaßes zu sein. Am Tag danach lese ich In jeder regionalen und überregionalen Zeitung einen Bericht vom gestrigen Abend, dem Auftakt der Kraftwerk Abende in Düsseldorf, in deren Folge sie ihre acht Alben an den folgenden Tagen zelebrieren werden. "12345678" nennt sich schlicht und einfach der ganze Batzen. Kraftwerk machen dies im Kunstmuseum K20 und sie machen es in 3-D. Quasi standesgemäss, möchte ich sagen. Kraftwerk gehören viel eher ins Museum als in eine normale Konzerthalle. Diese Phase hat die Band weit hinter sich gelassen. Kraftwerk sind zu einem großen Kunstwerk geworden, sie sind nicht bloß vier Musiker. Sie sind zu ihrer eigenen Ausstellung mutiert. Und die kann man nun in Düsseldorf bewundern, nachdem sie vor gut anderthalb Jahren bereits im MoMa in New York zu besichtigen war. Damals war das Ereignis weit weg, doch als vor einigen Wochen die Ticketbörse für die Düsseldorfer Abende eröffnete, war die Versuchung sehr groß (und auch der Wille), sich dieses quasi vor der Haustür stattfindende Ereignis unbedingt ansehen zu müssen. Ich bin nicht der riesengroße Kraftwerk Fan, aber das wollte ich mir zumindest an einem Abend nicht entgehen lassen. Zu spannend finde ich Kraftwerk, zu neugierig war auch ihre Ausstellung. Als die Frage aufkam, zu welchem der acht Abende ich denn mitkommen wollte, entschied ich mich ohne zu zögern für „Autobahn“. Ich weiß nicht genau warum, es hätte auch jede andere Aufführung der früheren Alben sein können, aber ich entschied mich für das Album, mit dem der typische Kraftwerk-Sound seinen Anfang nahm. Und somit für den Eröffnungsabend der Reihe "12345678".

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Olli Schulz – Düsseldorf, 10.12.2012

Ort: zakk, Düsseldorf Vorband: -

Was soll ich über ein Olli Schulz Konzert großschreiben? Guter Abend, unterhaltsamer Abend, lustiger Abend, ernster Abend, volles Haus. Ich denke, als Pauschalurteil gilt dies für alle Olli Schulz Konzerte der aktuellen Tour. Wer Olli Schulz einmal live erlebt hat, weiß, was ich meine. Der Wahlberliner (uii, Lieblingswort) spielt nicht einfach nur Konzerte, Olli Schulz inszeniert Abende. Er kann nicht einfach nur seine Songs runterspielen, er muss sie auch erzählen, sie erläutern, sie sehr oft anekdotieren. Selbst an schlechten Tagen spielt er sicherlich grandiose Konzerte, ich kann mir einen schlechtgelaunten Olli Schulz sehr unterhaltsam vorstellen. In Düsseldorf hatte er offensichtlich keinen schlechten Tag. Es gab nur lustige Geschichten, wenig echauffierende. Irgendwo las ich etwas von einer Vorband und davon, dass es an der Abendkasse noch karten zu kaufen gäbe. Mein fataler Rückschluss daraus war, dass es nicht so voll sein werde und dass es für mich reicht, wenn ich erst um kurz nach neun Uhr im Düsseldorfer zakk auflaufe. Ich hatte vorher noch einige Erledigungen zu tätigen, und abhetzen wollte ich mich nicht unbedingt. Als ich dann um kurz nach neun das zakk betrat, spielte Olli Schulz bereits, bzw. er erzählte eine Geschichte. Also rein in den Saal. Als ich die Tür öffnete, stand ich vor einer Menschenwand. Mmhh, da gingen wohl noch alle Karten an der Abendkasse weg, wie es schien. Es war proppenvoll. Wie viel ich bis hierin verpasst hatte, ich habe keine Ahnung. Da das Konzert aber noch gute zwei Stunden weiterging, kann es nicht allzu viel gewesen sein. Und die vorletzte Reihe, in der ich mich schliesslich gemütlich positionierte, war überdies überraschenderweise sehr okay. Ich hatte Bühnensicht und um mich herum war es für hintere Konzertsaalbereiche angenehm ruhig. Also alles paletti.

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Stabil Elite, Dillon – Düsseldorf, 06.10.2012

Ort: Robert Schumann Saal, Düsseldorf Vorband: -

Ach, „Fall“ für Herbst und nicht von „fallen“. Die Reihe vor uns diskutiert den „Neuen Herbst“ und interpretiert eifrig das Plakat der New Fall Konzertreihe im Düsseldorfer Kunstviertel. Das New Fall Festival findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt, in einer Woche bindet es Konzerte großer und kleiner Bands in der Tonhalle und im benachbarten Robert Schumann Saal. Beide Veranstaltungsorte liegen dabei schön am Rheinufer im Komplex bzw. am Museum Kunstpalast. Ein schöner, angenehm ruhiger Ort um im bestuhlter Atmosphäre Konzerte von Bands wie Notwist, Get well soon, Dillon, und anderen zu genießen. Als das Programm des diesjährigen New Fall im Frühjahr bei einem kleinen Konzert vorgestellt wurde, freute ich mich wie Bolle auf die erste Oktoberwoche. Seinerzeit konnte ich ja nicht ahnen, dass Dinge wie Arbeit und Nebenhöhlenentzündung mich vom täglichen Besuch des Festivals abhalten werden. The Notwist in der Tonhalle hätte ich gerne gesehen, ebenso Get well soon und Dear reader. Nun, immerhin blieb der Samstag, an dem wir uns auf den Weg nach Düsseldorf machten. Auf dem Programm standen im Robert Schumann Saal zwei sehr nach Düsseldorf passende Künstler / Bands: Dillon und Stabil Elite. Es waren definitiv nicht die größten Namen des Festivals, die unsere Aufmerksamkeit weckten, aber für uns die interessantesten. Und wenn schon Düsseldorf und Kunstmuseum, dann auch musikalisch Kunstkram. Und wenn dieser wie bei Stabil Elite auch noch aus Düsseldorf kommt, passt alles haargenau. Auf Stabil Elite war ich besonders neugierig. Vieles hörte ich von der Band, viele Assoziationen verband ich vorurteilsbehaftet mit ihrer Musik. Düsseldorfer Elektropop, wer da nicht sofort an Kraftwerk denkt hat irgendwann irgendwo nicht aufgepasst. Und die fünf Düsseldorfer, live wird das Kernteam Lucas Croon, Nikolai Szymanski und Martin Sonnensberger um Schlagzeuger Niklas Wandt und Bassist Timo Hein verstärkt, werden seit einiger neuestem ja quasi als legitime Nachfolger gehandelt. Nun gut, es ist an der Zeit, mir ein Bild davon zu machen und mir eine eigene Meinung abzuholen.

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… and you will know us by the trail of dead – Düsseldorf, 27.03.2011

Das Plakat lügt. Nein, nicht die famosen Rival School und ein besonderer Gast werden zusammen mit ... and you will know us by the trail of dead an diesem Abend auf der Bühne stehen, sondern eine andere Band. Das Düsseldorfer Konzert gehört zu einem der wenigen auf dieser Tour, an dem das Vorprogramm ein anderes Gesicht hat. Aber das ist bekanntes Wissen. Fugo heißt dieses Gesicht und ich denke, diese schweizerische Rockband ist der größeren Publikumsmasse unbekannter als Walter Schreifels Rival School.

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