Lamb – Köln, 28.11.2014

Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln Vorband: The Ramona Flowers

Lamb

Ich fürchte, ich habe diese Band falsch eingeschätzt. Noch auf der Rückfahrt vom Bürgerhaus Stollwerck frage ich mich, wie ein DJ / Sängerin Duo, das mit seiner Musik so stark in den 1990ern verwurzelt und stehengeblieben ist, so ein beeindruckendes Konzert spielen kann. Es roch zu keiner Zeit nach Altbackenheit noch nach übertriebener Starverehrung (so nach dem Motto alte Helden), obwohl beides hätte passieren können. Lamb gründeten sich 1996, eine Zeit, in der TripHop und seine Spielarten ganz groß waren. Schnell wurde das Duo um DJ und Keyboarder Andy Barlow und Sängerin Louise Rhodes, auch genau dieser Musikrichtung zugeordnet. Bei der Musikerkombination eigentlich auch kein Wunder, denn Drum and Bass / TripHop Bands wie Portishead, Tricky oder Massive Attack hatten eine ähnliche Ausgangskonstellation. So waren Lamb TripHop oder besser TripPop, denn im Vergleich zu den genannten Bands und Musikern waren Lamb viel poppiger und weniger düster. So wäre es nicht nur irreführend, es wäre schlichtweg falsch, wenn man die Briten in die gleiche Tonne werfen würde wie ihre viel berühmteren Kollegen.

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Portugal.The Man – Köln, 18.09.2013

Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln Vorband: Okta Logue

Portugal.The Man

Portugal. The Man verfolge ich seit ihrem Album “Waiter: „You Vultures!“. Das erschien 2006 und zeigte mir, dass auch 00er Jahre Rock eine glanzvolle Zeitlosigkeit haben kann. „Church mouth“, ihr zweites Album, hob die Messlatte noch einmal stark an. Seitdem veröffentlichen Portugal. The man Alben im Jahresrhythmus, 2013 stehen so sieben Alben auf der Habenseite. Ein irrsinniger Output, der sicher nur von dem Veröffentlichungswahn eines Rob Pollard überboten wird. Allerdings sehe ich die Qualitäten von Portugal. The Man derzeit weit grösser als die der letzten Guided by Voices Alben. Also war es eine leichte Entscheidung, sich auf ein Portugal. The Man Konzert festzulegen. Immerhin hatten wir die Amerikaner länger nicht mehr gesehen, und immerhin waren ihre letzten Konzerte herausragend spannend und kurzweilig. Beim Lesen der alten Berichte musste ich zwar sehr lachen, ob des Unsinns, den ich so schreibe, sie riefen mir aber auch die tollen Konzerte ins Gedächtnis zurück. Ha, dieser Blog erfüllt zu Hundertprozent seinen Dienst, denn genau aus diesem Grund habe ich ihn vor langer Zeit angelegt: Er möge mich an die vielen Konzerte erinnern und eine Art Konzertdokumentation sein. Was schrieb ich denn so über Portugal.The Man?
Wir einigen uns darauf, dass wir uns nicht einigen können und es keine Schublade gibt, in die Portugal.The man mit ihrem einsamen Prog-Rock hineinpassen. Einsamer Pro-Rock, auf diese zwei Begriffe können wir uns immerhin verständigen. (2007) Und das man in seine Auftrittszeit von knappen 75 Minuten ganz viele Songs hineinpacken kann, zeigten Portugal.the man am allerdeutlichsten. Ich glaube, keine andere Band hat an diesem Wochenende mehr Songs gespielt als die fünf Männer aus Alaska. ,Ihr Rezept: Musik machen ohne Pausen und nicht labern. Oder wie Noel sagen würde: „Shut up and play ‚One‘.“ (2011)
Na, da hat sich ja in den Jahren nicht viel verändert.

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The Melvins Lite – Köln, 26.04.2013

Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln Vorband: Big Business

The Melvins

Die Ergänzung leicht oder light bedeutet allgemeinhin, dass im Gegensatz zum Originalprodukt etwas fehlt. Je nach Produkt steht light für einen reduzierten Gehalt an als ungesund angesehenen Bestandteilen wie Fett, Zucker, Ethanol, Nikotin oder den Verzicht darauf. Er kann zum Beispiel bedeuten: kalorienreduziert, fettarm, zuckerfrei, mit wenig Kohlensäure, mit wenig Koffein usw. Ich kenne Rama leicht, Bud Lite (in optisch schönerer american english Schreibweise) und Coca Cola light. Ich glaube, Coca Cola light war das erste light Produkt, das mir in meinem Leben untergekommen ist. Wann war das nochmal? Ah, 1983. Gott, ist das lange her. Damals war es extrem cool, Coca Cola light zu trinken. Coca Cola konnte ja jeder, aber light?! In der silbernen Dose war es die stylish bessere und alternativere Cola Art. So wie in den 00er Jahren Bionade anstatt von normalem Orangensprudel. Nun gibt es also auch Bands in der Leichtvariante. The Melvins Lite sind die Melvins in abgespeckter Form. Das bedeutet, dass Buzz Osburne und Dale Crover ohne ihre aktuellen etatmäßigen Kollegen Jared Warren Coady Willis eine Platte („Freak puke“) aufnahmen und diese nun betouren. Als Bassisten haben sie sich Trevor Dunn von Fantômas geliehen. Er spielt einen sogenannten stand-up Bass und ergänzt Osburnes Gitarren- und Crovers Schlagzeugspiel perfekt. Die Melvins waren für mich immer ein Buch mit sieben Siegeln.

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Daughter – Köln, 08.04.2013

Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln Vorband: Bear's Den

Daughter

Lieber Christoph, Ich weiß nicht mehr genau, bei welchem Death cab for Cutie Konzert in der Live Music Hall wir uns zum ersten Mal unterhalten hatten. Es ist schon einige Jahre her. Seitdem haben wir viele Konzerte miteinander besucht, wir haben Reisen unternommen, Musik ausgetauscht und unsere Vorlieben für die jeweiligen falschen Fußballvereine (aus der Sicht des anderen) kundgetan. Wir haben oft über United und die Blues gestritten. Was Bands und Konzerte angeht, sind wir meistens auf einer Wellenlänge. Lastfm bescheinigt uns eine hervorragende musikalische Übereinstimmung. Trotzdem hat jeder für uns seine eigene kleine Nische. Ich mag weniger Ukulelenmusik, du weniger härtere Gitarren (sicherlich wirst du das jetzt vehement verneinen). Auch bei vermeintlichen Schnittmengenbands haben wir ab und an Diskussionsbedarf. So kommt es vor, dass wir ein Konzert komplett anders sehen. Am stärksten war es bei Tahiti80 (vor Jahren im Stadtgarten). Ich mochte sie sehr, du wärst am liebsten nach 10 Minuten gegangen. Ich könnte noch ein, zwei weitere Beispiel anführen, wenn ich sie nicht vergessen hätte. Ein kleinerer Disput war auch die Lautstärke des My bloody valentine Konzertes in Glasgow. Ich möchte es nochmals sagen: Nein, es war nicht so laut. Alles nur Gerede! Am Montag waren wir bei Daughter im Bürgerhaus Stollwerck. Ich gestehe, ich habe die Londoner erst in neulich entdeckt, obwohl du mir seit Monaten mit ihnen in den Ohren liegst. In dieser Zeit hattest du Daughter schon ein paar Mal gesehen und jedes Mal voller Begeisterung von ihnen erzählt. Ich halte viel von deinem Musikwissen und -geschmack, daher habe ich mir - wie so oft - blind ein Ticket für das Kölner Konzert gekauft, noch gerade rechtzeitig, bevor es ausverkauft war. So verkehrt können die ja nicht sein. Am Tag vor dem Konzert habe ich mir dann ein paar Songs angehört und musste feststellen, ja, Daughter sind toll, das wird sicherlich ein guter Abend.

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Mark Lanegan – Köln, 14.03.2012

Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln Vorband: Creature with the atom brain Immer wenn ich Mark Lanegans Stimme höre, muss ich an die Screaming Trees denken. Die Erfinder des Grunge waren seine erste Band. Von Anfang der 80er bis zur Screaming Trees Auflösung 2000 war er ihr Sänger. Nebenbei hatte Mark Lanegan immer schon sein Soloding, und als das immer besser lief, war die Screaming Trees Auflösung nur eine Frage der Zeit. Vier Alben veröffentlichte er in diesen Jahren und arbeitete überdies bei dem ein oder anderen Projekt mit. Ein sehr umtriebiger Mensch, dieser Mark Lanegan. Im aktuellen Jahrtausend war bzw. ist er Gastsänger bei den Queens of the Stoneage und bildet mit Greg Dulli die Gutter Twins. Die Screaming Trees habe ich live leider nie gesehen, Mark Lanegan kam mir jedoch sowohl mit QOTSA als auch den Gutter Twins unter die Augen. Und ich glaube, er war auch bei Melissa auf der Maur’s Debütalbum-Tour mit dabei. Da bin ich mir aber nicht mehr sicher. Sein in das Stollwerck geupgradetes Luxor Konzert sollte meine erste Lanegan Soloerfahrung sein. Vorneweg gesagt, es war eine gute, und nach längere Zeit eine mit schönen altbackenen Gitarren. Als ich im Bürgerhaus Stollwerck ankam, war die Vorgruppe schon bei der Arbeit. Ich vermutete keinen ausverkauften Konzertsaal, im Gegenteil. Dadurch dass das Konzert vom halb so großen Luxor hierhin verlegt worden war, erwartete ich zwar ein gut besuchtes Haus, aber kein unentspanntes volles Haus. Nach den letzten beiden Konzerterfahrungen in den vergangenen Tagen war mir dies ganz recht. So langsam zehrte das Konzerttriple, eine Grundmüdigkeit war unverkennbar. Daher konnte ich mich auch erst knapp vor Konzertbeginn aufraffen, loszufahren. Mein Glück, das alles so kam, wie ich es erhofft hatte. Die Band Creature with the atom brain spielte bereits. Ich freute mich tatsächlich, als ich durch die Saaltüren ihren angestaubten Rock vernahm. Ungewohnte, weil lange nicht mehr live gehörte Klänge. Das doch schon sehr zahlreich anwesende Publikum war sichtlich angetan. Verwunderlich ist das nicht, denn als Ergänzung zur Mark Lanegan Band waren die Belgier musikalisch wie optisch die Faust auf’s Auge. Ihr träger 90er Alternative Rock ist genauso zeitlos modern wie die dazu passende Bühnenperformance. Drei Gitarren, Schlagzeug, rotes Dauerlicht. Beim Fußball wären Creature with the atom brain ein Spielsystem mit Libero. Es würde funktionieren, nur macht es keiner mehr. Es waren aber genug der Generation 40+ vor Ort, um es gebührend wertschätzen zu können.

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