Grizzly Bear – Brüssel, 14.10.2017

Ort: Ancienne Belgique, Brüssel Vorband: Liima Nach meinem letzten Grizzly Bear Konzert waren die Radkappen weg. Die Kölner Essigfabrik liegt schön schaurig am Rand eines Industrieareals in der Nähe des…

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Waxahatchee – Brüssel, 31.01.2015

Ort: Botanique, Brüssel Vorband: - Waxahatchee ist der Name eines Flusses im US-Bundesstaat Alabama. Die umliegenden Städte haben Namen wie Stewartville, Alexander City Childersburg und Columbiana. Nach diesem Fluss benannte…

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-M- – Brüssel, 08.08.2014

Ort: Place des Palais, Brüssel (Brussels Sommer Festivals) Vorband: - M Das diesjährige Brussels Sommer Festival hat an diesem Freitag seinen Eröffnungstag. Es ist der 8. August und das Line-up für diesen Tag sieht folgende Bands vor:  The Feather, Skip the use, Patti Smith, M. Auf der benachbarten Bühne Laurenzinho, Mickey, Stereoclip, Aeroplane, Rodriguez Jr. und Stephen Bodzin. Wir waren wegen M da, und wegen Patti Smith. Den Rest hatten wir nicht im Auge. Die Namen der teils belgischen Bands sagten uns nicht viel. Nach einem kurzen vor-hören war jedoch klar, die Fahrt nicht zu früh anzutreten und nicht unnötig Arbeitszeit zu opfern. So spannend klang das nicht, was The Feather und Skip to use online anboten. Und ein Bühnenwechsel zuvor kam überdies nicht auf den Plan. Das passte nicht so recht ins Konzept. Die Bühnen waren einen Fußmarsch voneinander entfernt. Die Hauptbühne stand am Place des Palais, die kleine Bühne, auf der die elektronischen Bands auftraten, am Mont des Arts westlich vom Königspalast. Und da ich viel Publikum erwartete, wollte ich ein hin- und her vermeiden. Denn ja, eigentlich hieß der Plan M und Patti Smith.

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Patti Smith – Brüssel, 08.08.2014

Ort:Place des Palais, Brüssel (Brussels Sommer Festivals) Vorband: -

Patti Smith

Patti Smith. Worte über das Schaffen und Leben dieser Frau zu schreiben ist mehr als überflüssig. Das haben andere längst und viel besser getan und eigentlich kennt ja jeder Patti Smith bzw. ihre Musik. Selbst, wenn er sie nicht glaubt, zu kennen. „Because the night“ zum Beispiel ist Patti Smith (mit Bruce Springsteen), und irgendeine Coverversion ihres Welthits ist sicher jedem wenigstens im Radio über den Weg gelaufen. Sei es die der 10000 Maniacs, Kim Wilde oder Cascada; da kennt jeder die Version, die er verdient. Ich mag die zerstückelte, weit weg interpretierte Sonic Youth Variante sehr gerne, früher auf der Tanzfläche natürlich die der 10000 Maniacs. Wer „Because the night“ nicht kennt, kennt sicher „Dancing barefoot“ vom 1979 Album Wave der Patti Smith Group. Coverversionen gibt’s von The Mission (!!!), U2 und den Simple Minds. Damals war der Punk fast vorbei und Patti Smith, bzw. die Patti Smith Group (Lenny Kaye, Ivan Kral, Richard Sohl und Jay Dee Daugherty) hatte ihren ersten musikalischen Block – bestehend aus drei Alben – abgeschlossen. Es dauerte viele Jahre bis Patti Smith wieder Musik machte und Alben veröffentlichte. Ihr letztes, Banga, erschien vor zwei Jahren. Der Katalog bleibt also übersichtlich, er besticht eher mit Klasse statt Masse. Das ist gut so, kommerziell bedingte Verwässerungen durch Livealben und Best-ofs gibt es eh genug.

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Violent Femmes – Brüssel, 19.06.2014

Ort: Ancienne Belgique, Brüssel Vorband: -

Violent Femmes

Als Zugabe spielen die Violent Femmes „Blister in the sun“. Erneut. Zum zweiten Mal an diesem Abend. Es ist ihr schwächstes Stück. Somit endet der Konzertabend wie er begann. „Blister in the sun“, der vermeidlich größte Hit der Post-Punk Band aus den USA, den sicherlich jeder kennt. Das durchgreifend mitlaufende Bassspiel Brian Ritchies, der leicht nölige Gesang von Gordon Gano, nicht nur ein Merkmal dieses Evergreens. Beides zieht sich durch sehr viele Violent Femmes Songs und ist sowas wie ein Erkennungszeichen der Band. Als wir nach dem Konzert im Vorraum des Ancienne Belgique standen stellten wir unisono fest, ja, diese Band hat ein klangliches Markenzeichen. Violent Femmes Songs, egal aus welcher ihrer acht Alben-Phasen, erkennt man direkt. Seit über dreißig Jahren existiert diese Band, die Anfang / Mitte der 80er Jahre zusammen mit R.E.M. den später so titulierten Collegerock erfand. Doch als R.E.M. ihr „Shiny happy people“ hatten, lösten sich die Violent Femmes quasi auf. Sänger Gordon Gano machte ein Soloalbum, die Violent Femmes bleiben kurzzeitig zurück und trotz eines wahnsinnigen Debütalbums weitestgehend unbekannt und Indie. Eigentlich unvorstellbar, wenn ich bedenke, dass neben „Blister in the sun“ mit „Gone Daddy gone“ und „Add it up“ drei sichere Welthits auf Violent Femmes zu finden sind. Beides hielt die Band, die verschiedenste Musikerwechsel am Schlagzeug vollzog, nicht davon ab, weiter Platten zu veröffentlichen.

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PIAS Nites Festival, Brüssel 15.03.2014

Ort: Tours & Taxis, Brüssel Bands: dEUS, Girls in Hawaii, Milky Chance, Champs, Melanie de Biasio, The Spectors Girls in HawaiiMein eigentlicher und einziger Grund, das PIAS Nites Festival am Samstagabend zu besuchen, hieß dEUS. Dass sich darüber hinaus die Möglichkeit ergab, Girls in Hawaii ein zweites Mal innerhalb kürzester Zeit live zu sehen, war schön. Ebenso die Chance, mir ein Bild von den deutschen youtube-Schönheiten Milky Chance machen zu können und die viel spannenderen Bands Champs, The Spectors und Melanie de Biasio zu entdecken. Aber das waren zu Beginn des Ausflugs nur geplante Randerscheinungen, dass sich das ganze dann im Laufe des Abends zu einem runden Bild zusammensetzen sollte, war toll und kam für mich eher überraschend. Ja, es war ein rundum schöner Abend in der alten Fabrikanlage Tours & Taxis, irgendwo im Brüsseler Norden. Der 1903 nach den Plänen des Architekten Van Humbeek im Herzen von Brüssel, am Ufer des Kanals in typisch industrieller Architektur erbaute Gebäudekomplex Tour & Taxis wird heute als Veranstaltungszentrum genutzt. Das einst als Warenumschlagsplatz genutzte Gebäudeensemble mit seiner charmanten Backstein-, Glas und Eisenarchitektur wird heute hauptsächlich für Messen, Ausstellungen und Events genutzt.

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dEUS – PIAS Nites Festival Brüssel, 15.03.2014

Ort: Tours & Taxis, Brüssel Vorband: - dEUS Heimspiele sind die besten Spiele, dachte ich, als ich mich gegen 2 Uhr nachts auf den zugegeben etwas unheimlichen Heimweg zu meinem Hotel im Brüsseler Norden machte. Ich hatte gerade zwei Stunden dEUS Konzert hinter mir und war noch völlig aufgekratzt. In Gedanken das grandiose Konzerte vor Augen, die Melodie von „For the Roses“ im Ohr, so ließ sich der kleine Fußmarsch entlang eines Kanals leicht und schrecklos bewältigen. dEUS gehören zu meinen absoluten Lieblingsbands, seit sie Mitte der 90er Jahre mit ihrem Händchenhalten-Video erstmals bei MTV’s 120 Minutes auftauchten (oder hieß es 1994 bereits 420 Minutes bzw. Alternative Nation?). Die Belgier um die kongenialen Tom Barman und Stef Kamil waren der Beweis, dass intelligenter Rock Underground nicht nur von Sonic Youth oder anderen amerikanischen Bands stammen muss. Einen Festivalsommer waren dEUS der letzte heiße Scheiß, und das zu Recht. Ihr 1994er Debütalbum Worst Case Scenario war ein Noise Album par excellence. Während in Großbritannien die Wiedergeburt des Britpops anstand, Oasis veröffentlichten Defintely maybe, hatte der Kontinent mit dEUS seine eigenen Indielieblinge. Neben „Suds & Soda“ hatte das Debüt mit „Via“ und “Hotellounge“ gleich drei potentielle Indie-Evergreens und zeigte bereits früh, was diese Belgier drauf haben. Welche andere Indieband hatte seinerzeit schon eine Geige im Instrumentenschrank? Bei dEUS war sie elementar wichtig, als Ohrenschmeichler wie bei „Via“ kam sie zum Einsatz, aber auch, wenn es experimentell-laut und kratzig-schräg werden sollte. Unglaublich toll sind die Geigensequenzen in „Suds & Soda“, wenn Tom Barman und Stef Kamil darüber ihr „Friday,Friday“ brüllen.

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I like Trains – Brüssel, 16.02.2014

Ort: Botanique, Brüssel Vorband: Her name is Calla

I like Trains

Wir haben da so ein Traditionsding. Wenn es die Zeit erlaubt, und die erlaubte es bisher immer, kehren wir vor einem Konzertbesuch in der Brüsseler Botanique in einen in der Nebenstraße gelegenen türkischen Imbiss ein. Snack Le Botanique  heißt der Laden und er macht, wie so viele Gebäude und somit auch Imbissstuben in der belgischen Hauptstadt, einen leicht abgeramschten Eindruck. Aber das ist nur äußerlich, denn seitdem wir hier vor Jahren zum ersten Mal einkehrten, wurden wir nie enttäuscht. Und so kommen wir immer wieder und schaffen zwischen Autofahrt und Konzert mit Pommes, Dürüm und Döner eine magenfüllende Grundlage für den Abend. Das letzte Mal war ich vor gut einem Jahr hier. Seitdem hat sich einiges geändert. Alles neu, könnte ich meinen und es scheint, als ob der Imbiss gentrifiziert worden wäre. An der hinteren Wand hängt eine New York Fototapete (allerdings eine ohne Blick auf Manhattan, sondern den East River entlang), das Mobiliar wurde ausgetauscht und an der Theke werde ich nun gefragt, welche Soßen und Salate ich zu meinem Dürüm/Döner haben möchte. Und es gibt Menüs zum Komplettpreis. Gott sei Dank hat sich die Qualität nicht verändert, der Laden ist nach wie vor top und weiterhin ein Imbissstubentip in der Nähe der Botanique. Den Magen voller bester belgischer Pommes betraten wir Gegen halb acht die Botanique, wir waren entspannt im Zeitplan (bei Autofahrten nach Brüssel geht dieser nicht immer auf, daher ist das erwähnenswert) und wir konnten den Bands beim Merchaufbau vor der Rotonde zuschauen. Das I like Trains Konzert sollte im mittleren der drei Botanique Konzertsäle stattfinden. Ein kleinerer liegt im Keller, der grössere Saal weiter hinten in dem Gebäude, das vormals die Orangerie des königlichen botanischen Gartens war.

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Pixies – Brüssel, 02.10.2013

Ort: Ancienne Belgique, Brüssel Vorband: -

Pixies

Mein erstes Pixieskonzert war 1991. Zusammen mit drei Freunden sah ich die Band damals auf dem Gießener Bizarre Festival. Wir waren jung und hatten kein Geld, aber Mutters Ford Fiesta. Das Bizarre Festival war sehr bizarr, neben einer Menge an guten Bands (Lush, Ride, Iggy Pop, Pixies, The Alarm, Danzig, House of love,…) brachte es auch eine Menge an Widrigkeiten.
1991 wurde das bis dahin eintägige Festival auf zwei Tage ausgedehnt. Dazu wurde als Veranstaltungsort das Waldstadion in Gießen gewählt. Als Veranstaltungstage waren Samstag und Sonntag vorgesehen. Für die ungefähr 28.000 Karten des Vorverkaufs stand nur Platz für etwa 5000 Zelte zur Verfügung. Die meisten Besucher reisten schon Freitag abends an, dadurch entstanden sehr chaotische Verhältnisse in Gießen. Für die Festival-Besucher wurden daher von der Polizei Wiesen der örtlichen Bauern beschlagnahmt und als Zeltplätze ausgewiesen. Einige Zelte wurden sogar auf Verkehrsinseln und in Vorgärten gesichtet. Sinngemäße Lautsprecherdurchsage nach dem ersten Festivaltag: „Bitte verbrennt keine Gartentürchen mehr. Die Feuerwehr kommt mit dem Löschen der Brände nicht mehr nach.“ Aufgrund dieser extrem chaotischen Situation in der Stadt dachte man über personelle Konsequenzen im Stadtrat nach. (wikipedia)
Da war dieses Campinggelände, mitten im Gießener Stadtpark. Da war unser unvorbereitet sein, als Festival Neulinge hatten wir außer einem Zelt nicht viel dabei. Essen, kann man doch vor Ort kaufen, dachten wir. Und schlafen, na ja, wird schon irgendwie gehen, im vier Mann Zelt zu viert. Und Gießen, soweit ist das doch nicht, da kann man hinfahren. Alles Fehleinschätzungen. Mc Donalds hatte noch kein Frühstück im Sortiment, das Gelände öffnete erst um 12 Uhr und das Zelt war viel zu klein und die Fahrt elendig lang. Erst recht für mich als einzigen Fahrer. Am Sonntag waren wir alle hundemüde. Den gesamten Abend saßen wir auf der Tribüne des Fußballstadions (das Bizarre fand in einem Stadion statt) und schauten dem Treiben zu. Spektakulär war das Plastikflaschen in die Luft werfen. Zu Iggy Pop war zeitweise der Himmel über dem Innenraum voll mit Plastikflaschen. Heute unvorstellbar. Der Rückweg am Sonntagabend war fürchterlich. Mutters Fiesta nicht ausgelegt für eine volle Belegung und das Kassettenradio beschallte den Standardlautsprecher nur notdürftig. Aber es waren zwei tolle Tage, alles in allem.

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Cat Power – Brüssel, 26.06.2013

Ort: Ancienne Belgique, Brüssel Vorband: Maya's Moving Castle

Cat power

Mein erster Eindruck: Ist Chan Marshall wirklich so groß? Das Ancienne Belgique und seine riesenhafte Bühne sind spärlich ausgestattet und wirken so überdimensioniert. Eine Schlagzeugempore im Hintergrund, daneben die Bass Station, auch leicht erhöht. Links die Keyboards, rechts das Mikrofon der Gitarristin, die auch die Zweitstimme gibt. Jeder Musiker hat seinen angestammten Bereich, klar abgegrenzt. Am vorderen Bühnenrand stehen zwei Mikrofonständer, ein weiteres Mikrofon liegt direkt vor mir auf dem Boden. Zwischen den Instrumenten ist enorm viel Platz. Sicherlich ein kleines Volleyballfeld hat Chan Marshall Raum, um sich ausgibigst zu bewegen. Das hinterlässt Eindruck, der noch verstärkt wird durch die im Hintergrund auf einer Videoleinwand vorbeiziehenden blauen Himmel, Menschen und anderlei Filmsequenzen. Nach guten anderthalb Stunden fällt die Antwort leicht. Oh ja, Chan Marshall hat mittlerweile eine Bekanntheitsstufe erreicht, die ich noch vor Jahren für nicht möglich gehalten hätte. Vor Jahren heißt Anfang der 00er, als ich sie zum ersten Mal im Kölner Gebäude 9 sah. Es war mein verstörtestes Konzert ever. Der Beginn schleppte sich unendlich, als gegen Mitternacht Cat Power die dunkle Bühne betrat. Mit dem Rücken zum Publikum saß sie am Klavier, spielte Songs, brach sie ab, verharrte in Stille, improvisierte, spielte Songfragmente an, brach ab, verschwand von der Bühne. Nach einer halben Stunde schien das Konzert beendet, wir gingen, um dann später in der Zeitung lesen zu müssen, dass sie noch sehr, sehr lange weitergespielt hat. Ich hatte mich seinerzeit sehr über mich geärgert, dass ich nicht länger diese Eskapaden ausgehalten und ausgestanden habe. Gerade auch, weil es für lange Zeit mein letztes Cat Power Konzert gewesen sein soll. Spätestens aber mit ihrem Cover Album „Jukebox“ und dem aktuellen „Sun“ ist sie irgendwo im Mainstream angekommen. In den USA ist sie weltbekannt, in Europa fehlt dazu nicht mehr viel. Das AB ist ausverkauft, seit langem. Es ist dies das Ersatzkonzert der ausgefallenen Novembertour aus dem letzten Jahr. Damals hatte ich ein Ticket für Köln, und mich maßlos geärgert, dass das Konzert wegen „finanzieller Schwierigkeiten“ (wie die gesamte Tour) abgesagt werden musste. Vielleicht hatte es auch andere Gründe, egal.

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The Joy Formidable – Brüssel, 01.02.2013

Ort: Botanique, Brüssel Vorband: We are animals

„Hast du am Freitag schon was vor?“ Mit dieser Frage am Dienstagabend kurz vor Beginn des Paul Banks Konzertes fing alles an. Nein, ich hatte noch nichts vor am Freitag, und so kam es, dass ich spontan und voller Neugierde dem Angebot zustimmte, mit nach Brüssel in die Botanique zu fahren um mir die bis dahin nur namentlich bekannte walisisch, schottisch, amerikanische Bandkombination Namens The Joy Formidable anzusehen. „Austere“, so erfuhr ich im weiteren gesprächsverlauf, könne ich kennen, es sei so etwas wie ein kleiner Riesenhit der band. Egal, es bedurfte keiner weiteren Überzeugungs- oder Überredungskünste, für einen unterhaltsamen Abend mit Musik bin ich immer zu haben. Da bin ich dabei, da fahre ich auch gerne mit nach Belgien. Insgeheim bin ich gar über jedes Angebot zum Besuch der Botanique dankbar, ist sie doch einer meiner allerliebsten Konzertorte. Die Sache war also abgemacht, und so startete am späten Freitagnachmittag die Fahrt ins nicht so weite Brüssel. Die Besonderheit daran war diesmal, dass sie ohne moderne Navigationshilfen durchgezogen wurde, papierenes Kartenmaterial sollte uns schon hinführen. Wir waren ja bereits oft genug da und der Weg eigentlich klar. Eigentlich insoweit, als dass wir uns nur nicht verfahren dürfen. Einmal falsch abbiegen, und die Klarheit würde auf den ersten 10 Metern schwinden. Brüssel ist verkehrstechnisch ein tiefer Moloch, der einen rasch an die Orientierungsgrenzen führen kann. Erst recht im Regen, erst recht im Dunkeln. Und es kam wie es kommen musste und wir übersahen die richtige Ausfahrt von der Autobahn. Irrfahrt Nummer eins begann, obwohl, so richtig irre war sie nicht. Wir waren zwar nicht mehr auf dem direkten Weg, aber immer noch im Rahmen der Google Maps Ausdrucke. Wir wussten, wo wir waren, zumindest phasenweise. Dass wir noch einigermaßen im Zeitplan ankommen würden, war also absehbar und wurde auch eingehalten. Ein allzu großes Interesse an der Vorband bestand eh nicht, so dass wir We are animals denn auch zugunsten eines Abendsnacks sausen ließen. Haben wir was verpasst? Ich denke nein, und essen ist ja auch wichtig! Ein Blick auf die Eingangstür der Orangerie verriet uns, dass The Joy Formidable um neun Uhr die Bühne betreten sollten. Konzertzeitpläne sind eine gute Sache, warum gibt es sie eigentlich bei uns nicht? Es war also noch Zeit für einen Besuch beim Türken um die Ecke, und der grösste Saal der Botanique sah uns gesättigt gegen kurz nach neun wieder.

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Stars – Brüssel / Köln, 16./17.12.2012

Ort: Botanique, Brüssel und Luxor,Köln Vorband: Zeus

Brussels is always an option. Als sich die kanadischen Stars für Dezember im näheren Dunstkreis der Voreifel ankündigten, war aus einer Idee rasch der Plan entwachsen, ihr Brüsseler Konzert mit einem wochenendlichen Kurztrip zu verbinden. Es ist ein Katzensprung in die belgische Hauptstadt, der Zug braucht keine 2 Stunden, die Geschäftshotels im Norden der Stadt an Samstagen und Sonntagen sehr erschwinglich und die Botanique einer der besten Konzertorte Europas. Also wenig, was dagegen sprach. Und vieles sprach dafür. Die Stars gehören zu meinen uneingeschränkten Lieblingsbands. Ich mag die Kanadier, sie sind so normal, sie haben so schöne Melodien und der zwei-Personengesang von Amy Millan und Torquil Campbell gibt den Stars die gewisse Besonderheit, die sie von vielen anderen Bands unterscheidet und sie aus dem Pool der Indiepopbands herausragen lässt. Was haben sie nicht schon für Hits geschrieben, „Your ex-lover is dead“, „My favorite book“, „The night stars here“ um mal die größten zu nennen. Eigentlich könnte ich hier noch 40 weitere Songs aufzählen. Im Sommer erschien „The north“, ihr aktuelles Album. Wie andere auch war ich beim ersten Durchhören etwas enttäuscht. Wo war der Ohrwurm? Wo waren die auf Anhieb funktionierenden Songs? „The north“ hatte all die nicht. Oder aber ich fand sie nicht. Es schien die schwächste Platte der Stars seit langem zu sein. Nun gut, immer Champions League ist auch für die besten schwierig.

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Best Coast – Brüssel, 22.09.2012

Ort: Botanique, Brüssel Vorband: Paon Brüssel ist immer eine Option. War ich dieses Jahr eigentlich schon in der Botanique, dem besten, schönsten und stimmigsten Konzerthaus, das ich kenne? Nun, dann wird es langsam Zeit, denn mindestens einmal im Jahr sollte ich im Norden Brüssels vorbeischauen. Das Konzert der Los Angeles Band Best Coast bot sich dazu an, näher sollte die Band an Köln nicht herankommen. Grund genug, um sich auf den samstagnachmittäglichen Weg in Richtung Belgien zu begeben. Dass wir diese Idee nicht alleine gepachtet hatten, bemerkten wir am Abend vor der Bühne des kleinsten Konzertsaales des Botanique: bekannte Gesichter standen schon in Reihe eins. Auf manche Dinge ist eben Verlass. Folgt man Best Coast auf Twitter, lernt man viel über die Band, Los Angeles, Anzugsordnungen bei Konzerten, das Tourleben und anderen Unsinn. Die Band (oder Sängerin Bethany Cosentino) ist eine rege Netzwerkkommentatorin, sie twittert was das Zeug hält. Seit ihrem Kölner MTC Konzert vor ungefähr zwei Jahren bin ich Best Coast Verehrer, ich mag ihren laxen Indiepop und ihre unaufgeregte Art. So lange folge ich ihnen auch bei Twitter, oder besser gesagt folgte ich ihnen, denn vor einigen Monaten wurde es mir zu viel. Kein neues Album und Unmengen an Statusmitteilungen, die mich nur bedingt interessierten, ließen Twitter Twitter sein und ich entfolgte Best Coast. So verpasste ich natürlich die Ankündigung eines neuen Albums und einer spätsommerlichen Tournee. Auf beides musste ich erst aufmerksam gemacht werden, zögerte dann jedoch keine Minute, um unserem Konzertausflug zuzustimmen. Best Coast spielten im Gewölbekeller, in der sogenannten Witloof Bar der Botanique. Viel Betrieb war an diesem Abend im Kulturzentrum, die Briten von We have band begeisterten in der Orangerie, die Rotonde bot eine Ausstellung zum Thema Frauen und Film. Das Konzert war seit Tagen ausverkauft, das Parkhaus um die Ecke fast direkt neben dem türkischen Imbiss, den wir gerne und immer wieder als Snackoption vor Konzertbeginn wahrnehmen, überraschend leer. Das lief ja bestens, und wenn man weiß, dass ein belgisches ausverkauft wenig mit einem köln’schen ausverkauft gemein hat, stand einem schönen und entspannten Konzertabend nichts mehr im Weg.

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New Order – Brüssel, 17.10.2011

Ort: Ancienne Belgique, Brüssel Vorband: -

New Order - Brüssel 2011

Der Abend begann mit Walter Benjamin. Zwei Zitate des Philosophen eröffneten einen der beiden Kurzfilme, die um halb neun herum über die Bühnenleinwand flackerten. (Eigentlich begann der Abend um acht Uhr mit einem DJ Vortrag, aber dazu weiter unten ein Satz mehr). Libanon oder Beirut hieß der erste Kurzfilm, der zweite Film war ein quasi Video zum Notwist Song „Gone, Gone, Gone“. Es waren Filme des Regisseurs Michael Shamberg, für den dieser Abend und der darauffolgende in Paris veranstaltet wurden. Shamberg, der eng mit der Band New Order verbunden ist, mehrere Videos und Livedokus mit und von ihnen aufnahm, ist schwer erkrankt und die Band veranstaltet für ihn zwei Benefizkonzerte.
„Das Einzigartige an der Arbeit mit New Order war, dass ich vollkommen frei entscheiden konnte, was ich machen wollte. Im Gegensatz zu Vertretern von Plattenfirmen etwa musste ich nie um die Gunst des Regisseurs buhlen. Ich konnte den Regisseur selbst wählen und musste nie etwas schriftlich abliefern und absegnen lassen. Viele der Regisseure, für die ich mich entschied, waren Künstler und Filmemacher, die mit Musikvideos bis dahin nichts am Hut hatten. Viele von ihnen kannten noch nicht einmal die Band oder deren Musik. Bei „True Faith“, dem erfolgreichsten Video, führte Philippe Decouflé Regie, ein Choreograph aus Paris, dem der Song noch nicht einmal gefiel! Die Produktion jedes einzelnen Videos war einzigartig. Zugegeben, einige waren erfolgreicher als andere, aber die meisten bedeuten immer noch etwas ganz Besonderes für mich. Ich konnte mit vielen meiner Helden und Idole arbeiten – ich meine nicht nur die Künstler und Regisseure, sondern auch Kameraleute wie Lachman, Henri Alekan, Roger Deakins und John Mathieson, oder Schauspieler wie Jane Horrocks und Bill Paxton, oder den Cutter Tony Lawson… – eine Liste, die ich endlos weiterführen könnte.“ (M. Shamberg, 2005)
Soweit die (Vor)Geschichte zu diesem innerhalb weniger Stunden ausverkauften Konzert im Brüsseler Ancienne Belgique. New Order wurden somit für mich zu einem mehr als hervorragenden Ersatz für das tags zuvor ausgefallene Soul Asylum Konzert an gleicher Stelle.* Dieses Konzert war mein eigentlicher Hauptgrund, an diesem Wochenende nach Brüssel zu fahren. Und da ein Konzert pro Städtereise nicht lohnt, wollte ich am Montagabend noch Yuck nachschieben. Ein schönes Doppelpack für ein verlängertes Wochenende, so schien es mir. Doch dann kamen mir New Order dazwischen, und die Pläne wurden ein erstes Mal über den Haufen geworfen. Okay, Yuck sind gestrichen, aber, oh wie toll, was für eine Altherrenveranstaltung wird denn diese Brüsselfahrt! Dass vor einigen Tagen dann das Soul Asylum Konzert abgesagt wurde (terminliche Schwierigkeiten, wie es dann so gerne heißt) war zwar ärgerlich, aber doch auch verschmerzbar. Es wäre zwar toll gewesen, Dave Pirner nach Jahren erneut live zu sehen, allerdings habe ich Soul Asylum bestimmt 15 Jahre nicht mehr gehört. Also, abgehakt unter: wäre nett gewesen. Und so blieben von zwei Konzertabenden einer übrig, der, und das ist mir heute auf der Zugfahrt noch mal so richtig klar geworden, sehr nachhaltig für mich sein wird. Ich war gestern schon nach dem Konzert sehr angetan von den 90 Minuten und sehr davon überrascht, wie gut ich Songs wie „True faith“ oder „Bizarre love triangle“ noch leise mitsingen kann. New Order scheinen mir wichtig zu sein, so etwas wird einem erst in solchen Momenten bewusst.

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