- Seit 2002 Dinge über Musik und so -

Josh Rouse – Brüssel, 19.04.2018

Der AB Salon ist ein kleiner Raum über dem AB Café. Beide Räumlichkeiten gehören zum Konzerthaus Ancienne Belgique, kurz AB genannt. Das AB ist der Konzertsaal Brüssels, hier spielen alle wichtigen Leute, wenn sie in Belgiens Hauptstadt Konzerte geben. Der AB Salon ist seit einigen Monaten ein zweiter Konzertsaal. Wobei Saal Unsinn ist, es ist ein Raum, mit 70 Stühlen in zwei Viererreihen vor einer ebenerdigen Auftrittsfläche.

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Grizzly Bear – Brüssel, 14.10.2017

Nach meinem letzten Grizzly Bear Konzert waren die Radkappen weg. Die Kölner Essigfabrik liegt schön schaurig am Rand eines Industrieareals in der Nähe des Rheins. Nachdem ich die ÖPNV Anfahrtszeiten studierte, entschied ich mich, mit dem Auto zu fahren. Rund um das ehemalige Aurora Werk sollte sich doch eine Parkmöglichkeit finden lassen. Und richtig, es gab dort, abseits der Hauptverkehrsstraße und im Dunkeln gelegen, einen Parkstreifen, der auch schon eifrig beparkt wurde. Ich stellte mein Auto dazu. Und dachte mir nichts dabei. Die Abschleppgefahr schien hier nicht gegeben, das ist immer meine größte Sorge. Doch drei Stunden später schaute ich ungläubig. Nein, das Auto stand noch an seinem Platz, nur erkannte ich das nicht sofort. Als ich per Fernöffnung die Türen entriegelte und das Innenlicht aufleuchtete, wunderte ich mich, dass der untere Teil des Fahrzeugs dunkel war. ‘Warum ist es an den Reifen so dunkel‘, fragte ich mich. Warum reflektiert das Mondlicht nicht wie gewohnt an den silbernen Radkappen?

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Noel Gallagher’s high flying birds – Brüssel, 22.03.2015

Die Sache mit dem Britpop. Also mal ehrlich, ist es nicht so, dass dieser Britpop ein Relikt aus den 1990er Jahren ist, den heute niemand mehr hinter dem Ofen hervorholt? Ist nicht all das, was im Namen des Britpop in den letzten 12 Jahren veröffentlicht wurde, nur noch Mist und nichts gegen die tollen Alben und Bands der

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Violent Femmes – Brüssel, 19.06.2014
Violent Femmes

Violent Femmes – Brüssel, 19.06.2014

Ort: Ancienne Belgique, Brüssel Vorband: -

Violent Femmes

Als Zugabe spielen die Violent Femmes „Blister in the sun“. Erneut. Zum zweiten Mal an diesem Abend. Es ist ihr schwächstes Stück. Somit endet der Konzertabend wie er begann. „Blister in the sun“, der vermeidlich größte Hit der Post-Punk Band aus den USA, den sicherlich jeder kennt. Das durchgreifend mitlaufende Bassspiel Brian Ritchies, der leicht nölige Gesang von Gordon Gano, nicht nur ein Merkmal dieses Evergreens. Beides zieht sich durch sehr viele Violent Femmes Songs und ist sowas wie ein Erkennungszeichen der Band. Als wir nach dem Konzert im Vorraum des Ancienne Belgique standen stellten wir unisono fest, ja, diese Band hat ein klangliches Markenzeichen. Violent Femmes Songs, egal aus welcher ihrer acht Alben-Phasen, erkennt man direkt. Seit über dreißig Jahren existiert diese Band, die Anfang / Mitte der 80er Jahre zusammen mit R.E.M. den später so titulierten Collegerock erfand. Doch als R.E.M. ihr „Shiny happy people“ hatten, lösten sich die Violent Femmes quasi auf. Sänger Gordon Gano machte ein Soloalbum, die Violent Femmes bleiben kurzzeitig zurück und trotz eines wahnsinnigen Debütalbums weitestgehend unbekannt und Indie. Eigentlich unvorstellbar, wenn ich bedenke, dass neben „Blister in the sun“ mit „Gone Daddy gone“ und „Add it up“ drei sichere Welthits auf Violent Femmes zu finden sind. Beides hielt die Band, die verschiedenste Musikerwechsel am Schlagzeug vollzog, nicht davon ab, weiter Platten zu veröffentlichen.

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Pixies – Brüssel, 02.10.2013

Ort: Ancienne Belgique, Brüssel Vorband: -

Pixies

Mein erstes Pixieskonzert war 1991. Zusammen mit drei Freunden sah ich die Band damals auf dem Gießener Bizarre Festival. Wir waren jung und hatten kein Geld, aber Mutters Ford Fiesta. Das Bizarre Festival war sehr bizarr, neben einer Menge an guten Bands (Lush, Ride, Iggy Pop, Pixies, The Alarm, Danzig, House of love,…) brachte es auch eine Menge an Widrigkeiten.
1991 wurde das bis dahin eintägige Festival auf zwei Tage ausgedehnt. Dazu wurde als Veranstaltungsort das Waldstadion in Gießen gewählt. Als Veranstaltungstage waren Samstag und Sonntag vorgesehen. Für die ungefähr 28.000 Karten des Vorverkaufs stand nur Platz für etwa 5000 Zelte zur Verfügung. Die meisten Besucher reisten schon Freitag abends an, dadurch entstanden sehr chaotische Verhältnisse in Gießen. Für die Festival-Besucher wurden daher von der Polizei Wiesen der örtlichen Bauern beschlagnahmt und als Zeltplätze ausgewiesen. Einige Zelte wurden sogar auf Verkehrsinseln und in Vorgärten gesichtet. Sinngemäße Lautsprecherdurchsage nach dem ersten Festivaltag: „Bitte verbrennt keine Gartentürchen mehr. Die Feuerwehr kommt mit dem Löschen der Brände nicht mehr nach.“ Aufgrund dieser extrem chaotischen Situation in der Stadt dachte man über personelle Konsequenzen im Stadtrat nach. (wikipedia)
Da war dieses Campinggelände, mitten im Gießener Stadtpark. Da war unser unvorbereitet sein, als Festival Neulinge hatten wir außer einem Zelt nicht viel dabei. Essen, kann man doch vor Ort kaufen, dachten wir. Und schlafen, na ja, wird schon irgendwie gehen, im vier Mann Zelt zu viert. Und Gießen, soweit ist das doch nicht, da kann man hinfahren. Alles Fehleinschätzungen. Mc Donalds hatte noch kein Frühstück im Sortiment, das Gelände öffnete erst um 12 Uhr und das Zelt war viel zu klein und die Fahrt elendig lang. Erst recht für mich als einzigen Fahrer. Am Sonntag waren wir alle hundemüde. Den gesamten Abend saßen wir auf der Tribüne des Fußballstadions (das Bizarre fand in einem Stadion statt) und schauten dem Treiben zu. Spektakulär war das Plastikflaschen in die Luft werfen. Zu Iggy Pop war zeitweise der Himmel über dem Innenraum voll mit Plastikflaschen. Heute unvorstellbar. Der Rückweg am Sonntagabend war fürchterlich. Mutters Fiesta nicht ausgelegt für eine volle Belegung und das Kassettenradio beschallte den Standardlautsprecher nur notdürftig. Aber es waren zwei tolle Tage, alles in allem.

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Cat Power – Brüssel, 26.06.2013

Ort: Ancienne Belgique, Brüssel Vorband: Maya's Moving Castle

Cat power

Mein erster Eindruck: Ist Chan Marshall wirklich so groß? Das Ancienne Belgique und seine riesenhafte Bühne sind spärlich ausgestattet und wirken so überdimensioniert. Eine Schlagzeugempore im Hintergrund, daneben die Bass Station, auch leicht erhöht. Links die Keyboards, rechts das Mikrofon der Gitarristin, die auch die Zweitstimme gibt. Jeder Musiker hat seinen angestammten Bereich, klar abgegrenzt. Am vorderen Bühnenrand stehen zwei Mikrofonständer, ein weiteres Mikrofon liegt direkt vor mir auf dem Boden. Zwischen den Instrumenten ist enorm viel Platz. Sicherlich ein kleines Volleyballfeld hat Chan Marshall Raum, um sich ausgibigst zu bewegen. Das hinterlässt Eindruck, der noch verstärkt wird durch die im Hintergrund auf einer Videoleinwand vorbeiziehenden blauen Himmel, Menschen und anderlei Filmsequenzen. Nach guten anderthalb Stunden fällt die Antwort leicht. Oh ja, Chan Marshall hat mittlerweile eine Bekanntheitsstufe erreicht, die ich noch vor Jahren für nicht möglich gehalten hätte. Vor Jahren heißt Anfang der 00er, als ich sie zum ersten Mal im Kölner Gebäude 9 sah. Es war mein verstörtestes Konzert ever. Der Beginn schleppte sich unendlich, als gegen Mitternacht Cat Power die dunkle Bühne betrat. Mit dem Rücken zum Publikum saß sie am Klavier, spielte Songs, brach sie ab, verharrte in Stille, improvisierte, spielte Songfragmente an, brach ab, verschwand von der Bühne. Nach einer halben Stunde schien das Konzert beendet, wir gingen, um dann später in der Zeitung lesen zu müssen, dass sie noch sehr, sehr lange weitergespielt hat. Ich hatte mich seinerzeit sehr über mich geärgert, dass ich nicht länger diese Eskapaden ausgehalten und ausgestanden habe. Gerade auch, weil es für lange Zeit mein letztes Cat Power Konzert gewesen sein soll. Spätestens aber mit ihrem Cover Album „Jukebox“ und dem aktuellen „Sun“ ist sie irgendwo im Mainstream angekommen. In den USA ist sie weltbekannt, in Europa fehlt dazu nicht mehr viel. Das AB ist ausverkauft, seit langem. Es ist dies das Ersatzkonzert der ausgefallenen Novembertour aus dem letzten Jahr. Damals hatte ich ein Ticket für Köln, und mich maßlos geärgert, dass das Konzert wegen „finanzieller Schwierigkeiten“ (wie die gesamte Tour) abgesagt werden musste. Vielleicht hatte es auch andere Gründe, egal.

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New Order – Brüssel, 17.10.2011

Ort: Ancienne Belgique, Brüssel Vorband: -

New Order - Brüssel 2011

Der Abend begann mit Walter Benjamin. Zwei Zitate des Philosophen eröffneten einen der beiden Kurzfilme, die um halb neun herum über die Bühnenleinwand flackerten. (Eigentlich begann der Abend um acht Uhr mit einem DJ Vortrag, aber dazu weiter unten ein Satz mehr). Libanon oder Beirut hieß der erste Kurzfilm, der zweite Film war ein quasi Video zum Notwist Song „Gone, Gone, Gone“. Es waren Filme des Regisseurs Michael Shamberg, für den dieser Abend und der darauffolgende in Paris veranstaltet wurden. Shamberg, der eng mit der Band New Order verbunden ist, mehrere Videos und Livedokus mit und von ihnen aufnahm, ist schwer erkrankt und die Band veranstaltet für ihn zwei Benefizkonzerte.
„Das Einzigartige an der Arbeit mit New Order war, dass ich vollkommen frei entscheiden konnte, was ich machen wollte. Im Gegensatz zu Vertretern von Plattenfirmen etwa musste ich nie um die Gunst des Regisseurs buhlen. Ich konnte den Regisseur selbst wählen und musste nie etwas schriftlich abliefern und absegnen lassen. Viele der Regisseure, für die ich mich entschied, waren Künstler und Filmemacher, die mit Musikvideos bis dahin nichts am Hut hatten. Viele von ihnen kannten noch nicht einmal die Band oder deren Musik. Bei „True Faith“, dem erfolgreichsten Video, führte Philippe Decouflé Regie, ein Choreograph aus Paris, dem der Song noch nicht einmal gefiel! Die Produktion jedes einzelnen Videos war einzigartig. Zugegeben, einige waren erfolgreicher als andere, aber die meisten bedeuten immer noch etwas ganz Besonderes für mich. Ich konnte mit vielen meiner Helden und Idole arbeiten – ich meine nicht nur die Künstler und Regisseure, sondern auch Kameraleute wie Lachman, Henri Alekan, Roger Deakins und John Mathieson, oder Schauspieler wie Jane Horrocks und Bill Paxton, oder den Cutter Tony Lawson… – eine Liste, die ich endlos weiterführen könnte.“ (M. Shamberg, 2005)
Soweit die (Vor)Geschichte zu diesem innerhalb weniger Stunden ausverkauften Konzert im Brüsseler Ancienne Belgique. New Order wurden somit für mich zu einem mehr als hervorragenden Ersatz für das tags zuvor ausgefallene Soul Asylum Konzert an gleicher Stelle.* Dieses Konzert war mein eigentlicher Hauptgrund, an diesem Wochenende nach Brüssel zu fahren. Und da ein Konzert pro Städtereise nicht lohnt, wollte ich am Montagabend noch Yuck nachschieben. Ein schönes Doppelpack für ein verlängertes Wochenende, so schien es mir. Doch dann kamen mir New Order dazwischen, und die Pläne wurden ein erstes Mal über den Haufen geworfen. Okay, Yuck sind gestrichen, aber, oh wie toll, was für eine Altherrenveranstaltung wird denn diese Brüsselfahrt! Dass vor einigen Tagen dann das Soul Asylum Konzert abgesagt wurde (terminliche Schwierigkeiten, wie es dann so gerne heißt) war zwar ärgerlich, aber doch auch verschmerzbar. Es wäre zwar toll gewesen, Dave Pirner nach Jahren erneut live zu sehen, allerdings habe ich Soul Asylum bestimmt 15 Jahre nicht mehr gehört. Also, abgehakt unter: wäre nett gewesen. Und so blieben von zwei Konzertabenden einer übrig, der, und das ist mir heute auf der Zugfahrt noch mal so richtig klar geworden, sehr nachhaltig für mich sein wird. Ich war gestern schon nach dem Konzert sehr angetan von den 90 Minuten und sehr davon überrascht, wie gut ich Songs wie „True faith“ oder „Bizarre love triangle“ noch leise mitsingen kann. New Order scheinen mir wichtig zu sein, so etwas wird einem erst in solchen Momenten bewusst.

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