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The Jesus and Mary Chain – Köln, 25.04.2017


Die Band The Jesus and Mary Chain hat mich nie sonderlich berührt. Das gebe ich offen und unumwunden zu, finde es aber, je länger ich an diesem Tag darüber nachdenke, umso merkwürdiger. Es überrascht mich deswegen, weil The Jesus and Mary Chain all das vereinigen, was mich seit meinen 20er Jahren in der Musik und an Bands fasziniert: Gitarren, Lärm, Hoffnungslosigkeit. Gerade Ende der 1980er Jahre, als ich viel House of love, The Sundays, Kitchen of distinction oder My bloody valentine hörte, hätten sie perfekt in meine Lebenssoundtrackplaylist gepasst. Doch hätte, hätte Fahrradkette. The Jesus and Mary Chain fand nicht statt. Nicht so richtig zumindest. Also nicht in dem würdevollen Maß, das sie verdient hätten. Natürlich kannte ich „Head on“ (und das nicht erst seit Trompe le Monde und den Pixies), „Blues from a gun“, „April skies“, „Just like honey“ oder „Some Candy talking“,

Japandroids – Köln, 20.04.2017


Die etwas andere kanadische Band. Als die Japandroids vor einigen Jahren auf meiner Bildfläche erschienen, passten sie so gar nicht in mein kanadisches Musikbild. Seinerzeit assoziierte ich Kanada mit melodiösen schönen Indiepop Klängen, Bands wie die Stars, Broken Social Scene, Feist oder Arcade Fire standen für das, was ich mit kanadischer Musik verband und eröffneten mir den schönen und richtigen Blick auf die kanadische Musikszene, mit der ich bis dato nur Bryan Adams verband. Die Japandroids passen da nicht hinein. Ihr Post-Rock ist laut, wild, krachig. 2009 hatten Brian King und David Prowse ein Alleinstellungsmerkmal. Bands nur mit Gitarre und Schlagzeug sah ich damals nicht und kannte diese Kombi eigentlich nur von den Blood Red Shoes.

Merchandise – Köln, 06.04.2017


Diese Band ist nahezu ungooglebar. Diese Erkenntnis ist nicht sonderlich neu für mich, hatte ich doch schon vor einigen Jahren versucht, mehr Informationen über Merchandise zu erhaschen. Vor einigen Jahren war vor 3 Jahren, als ich Merchandise auf dem Primavera Sound zweimal sehen durfte. Es war das Jahr, in dem der spanische Winter im Mai für drei Tage zurückkam und ich – auch wegen der blöden Bühnenausrichtung zur See hin – einen Abend vor der windigen ATP Bühne komplett verfror.

Sting – Esch-Alzette, 01.04.2017


Dieser Konzertbesuch ist kein Aprilscherz. Auch wenn man diesen Eindruck bekommen könnte, wenn man, als unbeteiligter Beobachter, meine Konzertlisten Jahr für Jahr durchscrollt. Ein – ich möchte es mal so nennen – ausgewiesenes Erwachsenen-Popkonzert liegt nicht unbedingt in meinem musikalischen Lieblingsspektrum. Aber wer akribischer meine Listen durchscrollt, wird auch diese hier gesehen haben: Madonna, Jay-Z, Christina Stürmer, Herbstrock. ‚Eigentlich müsste man sich einmal im Jahr ein Quatschkonzert anschauen.‘ Vor einigen Jahren, als wir uns oft auf Konzerten trafen, die Umbaupausen und Autofahrten lang waren, da kamen wir ins rumspinnen. Quatschkonzert, so nannten wir es, weil ein solches mögliches Konzert so weit von unserem eigentlichen Musikgeschmack entfernt ist, dass wir normalerweise nie auf die Idee kämen, es zu besuchen.

Chilly Gonzales & Jarvis Cocker – Hamburg, 17.03.2017


„I know it’s early Gonzo, but what do you think, could it be the time for some physical contact?“ Jarvis Cocker steht am rechten Bühnenrand, zeigt mit der Hand auf das im Hintergrund flimmernde Dia und stellt diese Frage seinem musikalischen Partner Chilly Gonzales. Gonzo, wie ihn Jarvis Cocker nennt, zuckt mit den Achseln. War das ein ‘ja‘? Für Jarvis Cocker schon. Er schreitet in Richtung Klavier, stellt sich hinter Chilly Gonzales und legt ihm die rechte Hand auf die Schulter, während er mit der Linken das Mikrofon hält.

Car Seat Headrest – Köln, 16.03.2017


‘You are listening to Caaar Seeeeat Headreeeesttttt‘. Eine quiekende Mädchenstimme läutet das aktuelle Album der Amerikaner ein, bevor mit “Fill the blanket” – der beste Pavement Song, der nicht von Pavement stammt – der erste Kracher aus den Löchern gekrochen kommt. Ich höre diese Sequenz sehr oft sehr genau. Mindestens einmal die Woche, wenn ich für meine Laufrunde Teens of denial als Soundtrack auswähle, ist „Fill in the blanket“ der Startschuss, der mich über die ersten Meter schweben lässt.

Thurston Moore – Paris, 11.03.2017


Thurston Moore. Der Mann, der das Ende von Sonic Youth zu verantworten hat. Das zumindest ist meine Meinung, nachdem ich die ersten Seiten von Kim Gordon’s Bioraphie Girl in a Band gelesen hatte. Es sind tieftraurige erste Abschnitte, die die Ex-Frau des Sängers dort aufführt. Thurston Moore. Der Mann, der so wunderbar melodiöse Gitarrensongs spielen kann wie vielleicht kein zweiter. Seit Jahrzehnten macht er das. Erst exklusiv für, in und mit Sonic South, später auf mehreren Soloalben und aktuell mit der Thurston Moore Group. Thurston Moore. Der Mann, der an diesem Samstagabend ein kleines Konzert in der Pariser La Maroquinerie spielen wird und mich damit zu einem Kurztrip nach Paris einlud.

The Orb – Köln, 04.03.2017


In meiner Disco hieß es Anfang der 1990er Jahre auch immer noch Rave-o-lution: Soup Dragons, Charlatans, Happy Mondays, Stone Roses. Die britische Gitarrenpopmusik bediente sich beim Acid House und für eine kurze Zeit waren die Genregrenzen sehr fließend. Wer sich einmal die extended Mixe der Soup Dragons angehört hat, oder das wunderbare Halleluja Album von den Happy Mondays bekommt eine Ahnung darüber, was ich versuche, zu sagen. Die britische Band The Orb gehörte nicht nur dazu, sie waren in dieser Zeit eine der ganz großen Bands im Rave-Geschäft. Als unnützes Wissen zu The Orb hätte ich folgende Information: Ihre 1992er Single „Blue Room“ war mit fast 40 Minuten die längste Single, die jemals an der Spitze der britischen Charts stand.

Loyle Carner – Köln, 02.03.2017


In England füllt er sechsmal so große Hallen, sehe ich auf YouTube. Ich rede von Loyle Carner und klicke mich durch ein paar seiner Livevideos. Vor ein paar Minuten hatte ich mich dazu entschlossen, sein Konzert im Club Bahnhof Ehrenfeld morgen zu besuchen. Die Stimmung in den Livevideos ist gut, es wird viel mitgerappt. Loyle Carner ist der mann des Stunde des britischen Hiphop. Die Lobeshymnen sind riesengross, die Kritiken überschwenglich. Vorgestern stolperte ich zufällig über den Namen Loyle Carner, gestern dann noch einmal etwas stärker, so dass ich mich entschied, mir sein Konzert anzuschauen. Manchmal steh‘ ich auf Hiphop.

Chris Brokaw – Düsseldorf, 19.02.2017


Codeine und Come sind ein Begriff, nehme ich an. Chris Brokaw spielte in beiden Bands, Schlagzeug bei Codeine, Gitarre bei Come. Derzeit spielt er ein paar Konzerte in Europa, eines davon in der Düsseldorfer Kassette. Kassette? Was ‘n das für ‘n Klub? Nun, die Kassette ist kein Club, es ist vielmehr ein Bar/Café, in der auch Konzerte stattfinden. Ohne Eintritt, aber mit wanderndem Hut, in den bitteschön jeder einen Obolus nach Belieben für den Musiker hineinlegen darf. Klingt nicht nur nach einem guten Konzept, es ist auch eines. Ich hoffe nur, dass sich die Sache für beide Seiten auch rentiert.

Die Sterne – Köln, 15.02.2017


Er hat immer Hunger – Er muss Immer essen – Er muss wohnen und schlafen – Und er muss vergessen – Dass Gestern wie Heute wird – Heute wie Morgen – Und dass in diesem Laden herzlich wenig passiert…
Dieser Song war in den 1990er Jahren ein Welthit, zumindest in meiner kleinen Indiewelt und die Band die Sterne für mich eine weitere dieser Hamburger Schule Bands, die alle damals so mochten und die es vielleicht lohnt, von mir genauer inspiziert zu werden. Das habe ich auch getan, merkte aber schnell, dass sie doch anders waren als die Blumfelds und Tocotronics. Und anders bedeutet für mich in diesem Fall: zu poppig und zu wenig gitarrig im Sinne von laut. Daher liefen die Sterne seinerzeit knapp unter meinem Radar. Bis auf die Single „Universal Tellerwäscher“ und das Album Posen – was ich wenig überraschend doch zu selten hörte – war nicht viel. das sollte eine ganze Zeit lang so bleiben.

Cymbals eat guitars – Köln, 12.02.2017


Der Abschluss des Wochenendes. Cymbals eat guitars entdeckte ich vor vielen Jahren mit ihrem Album Why there are mountains und ihren feinen Indiegitarren, die keine weitere Beschreibung benötigen. Das klang, gerade auch wegen der stoisch langweilig wirkenden Gesangsstimme von Joseph D’Agostino nach Pavement und anderen 1990er Jahre do-it-yourself Indierockbands. Also ohrenschmeichelnd. Also Cymbals eat guitars. Ich ging auf eines ihrer Konzerte, kaufte ihr zweites Album Lenses Alien und war von beidem sehr angetan. Doch dann wurde es ruhig.

dEUS – Antwerpen, 10.02.2017


Es ist kalt in Antwerpen, Schneeflocken treffen mein Gesicht. Die Fahrt nach Belgien war bis dahin angenehm, nur jetzt, kurz bevor ich den Autobahnring um die belgische Stadt erreiche, setzt Schneefall ein. Die Lotto Arena ist ein hässlicher Bau. Allerdings verkehrsgünstig gelegen direkt am Stadtring. Oder soll ich sagen, darunter. Wie hineingepfercht zwischen achtspuriger, sternenförmiger Kreuzungsanlage auf der einen, den Antwerpener Sportpalast auf der anderen und eben dem Autobahnstadtring quetscht sich die 8000 Leute fassende Betonarena in die Stadtrandlandschaft. Hier ist nichts schön, nichts, das zum Verweilen einlädt. Erst recht nicht bei nieseligem Schneefall. Das Grau des Tages wirkt so noch ein bisschen grauer.

The Flaming Lips – Utrecht, 28.01.2017


Es gab keinerlei Anzeichen, dass das Konzert der Flaming Lips im Utrechter TivoliVredenburg ausverkauft sein wird. Nicht vor Wochen, nicht am letzten Montag, nicht am letzten Freitag. Warum also nicht am Samstag einen Ausflug in die Niederlande unternehmen? Ja, warum eigentlich nicht. Mehrere Gründe sprachen dafür. In Utrecht ist es schön, die Tivoli Vredenburg ein imposantes Konzertgebäude. Das wären schon einmal zwei. Mein dritter Grund, bzw. die Notwendigkeit der Beantwortung einer Frage, ist aber der entscheidende Auslöser: Was macht ein Einhorn auf einer Konzertbühne und warum fliegt überall so viel Konfetti herum? Anfang der Woche sah ich in meinem Facebook Newsfeed ein Foto vom Berliner Flaming Lips Konzert. Darauf abgebildet war Wayne Coyne, wie er auf einem Einhorn sitzend durch den Konzertsaal ritt. Das machte mich so unendlich neugierig, dass ich mir das – wenn möglich – selbst anschauen wollte. Und die einzige Möglichkeit die Flaming Lips zu sehen bestand darin, nach Utrecht zu fahren. Also ging es nach Utrecht.

The Rifles – Köln, 08.10.2016


2005 waren The Rifles der letzte heiße Britpopscheiss. Und das mit dem letzten ist wörtlich zu nehmen. Während die Klasse von 2005 um Bands wie Maximo Park, HardFi, Franz Ferdinand und wie sie nicht alle hießen die britische Popmusik von all den Oasis- und Blur-meriten loslöste, machten The Rifles starrsinnig da weiter, wo 10 Jahre zuvor Cast, Shed Seven und die Bluetones, oder noch viel früher The La’s, aufgehört hatten: mit Britpop.