| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Luxor, Köln
Vorband: Ikaria

Oh Kanada. Geschätzte 34 Millionen Einwohner auf einer Fläche von 9,9 mio km².
Zum zweiten Mal in dieser Woche besuchte eine Delegation des größten nordamerikanischen Landes das kleine Kölner Luxor.
Torquil Campbell, Amy Millan, Evan Cranley, Chris Seligman und Pat McGee sind die Stars. Sie kommen aus Montreal, und sie schauten sehr gerne in Köln vorbei, wie Torquil Campbell erwähnte. (Aber das sagt er bestimmt überall). Er sagte auch, dass sie sich sehr darüber freuen, dass trotz schlechter Zeiten und wenig Geld so viele Menschen ins Luxor gekommen seien, um ihre Musik zu hören. Sie wüssten das sehr zu schätzen. Puhh!
Amy Millan ist mein Lieblings-Star. Ihre Stimme finde ich unglaublich toll, sie klingt sehr weich und geschwungen. Seitdem ich sie zum ersten Mal gehört (und gesehen) habe, bin ich unzurechnungsfähig vor Begeisterung.
Das war bei ihrem vorletzten Kölner Konzert. Seitdem hat sie einen Platz in den TOP 5 meiner „welche Musikerin mag ich am liebsten“ Charts sicher. Vor Amy rangieren nur noch Kim Gordon (allerdings so was von unangefochten), Sarah Cracknell und Carol van Dyk.

Ihr vorletztes Kölner Konzert war vor einigen Jahren. Die Kanadier hatten soeben das Gebäude 9 ausverkauft und kündigten an, beim nächsten Mal an zwei Abenden hintereinander hier aufzutreten. So toll sei das ja hier in Deutschland und vor allem in Köln …
Nun, daraus wurde nichts. Das nächste Mal wurde es das Gloria. Die Band zeigte sich sehr angetan vom Ambiente des alten Kinos in der Kölner Innenstadt und schickte während ihres Auftritts noch ein paar Bemerkungen in Richtung. Gebäude 9. „Bruchbude“ oder so was in der Art. Jaja, nicht nur ich war seinerzeit der Meinung, dass die Stars in Köln eigentlich nur im Gloria spielen dürften, weil sich hier Rahmen und Musik sehr ergänzen und die Größe des Saals genau passt. Das Gloria war fast ausverkauft.
2010 spielten sie im Luxor, in einem deutlich kleineren Rahmen. Als ich von der Ansetzung erfuhr, war ich sehr verwundert. Warum nur im Luxor? Haben die Stars nicht mittlerweile eine gutgroße Fangemeinde? Ist das aktuelle Album schwächer als die beiden Vorgänger? Nein! Das Luxor ist eine glatte Fehlansetzung!
So erwartete ich nicht mehr und nicht weniger als einen proppenvollen Laden.

The night starts here…
Zweisprachig prangte der weiße DIN A4 Zettel an der Eingangstür: „Sold out / ausverkauft“ Na also, die Stars baten zum Konzert und ganz viele kamen. Sehr zu recht, wie sich noch herausstellen sollte.
Zu Beginn des 90 minütigen Konzertes hatte ich noch kleine Bedenken, dass es der erwartet hochgelobte Abend werden würde. Die sonnenbebrillten Bandgründer Torquil Campbell und Chris Seligman wirkten merklich distanziert. Ich befürchtete Ungutes.
Aber nach kurzer Akklimatierungsphase taute der Stars Sänger und B-Serien Schauspieler auf. Neben Amy Millan, die gewohnt souverän Spaß an ihrem Job hatte und Herrn Campbell den nötigen Auslauf und Aktionismus gönnte und überließ, wurde er mehr und mehr der große Bühnenstar.

Er hätte ganz viel zu erzählen, wolle aber lieber singen. Das machte Torquil dann auch und tauchte dabei förmlich in die ersten Reihen ein, erklomm das linke „Bühnenpodest“ und zeigte die großen Bühnengesten. Oder er stand sekundenlang regungslos auf der Bühne, während Amy Millan ihre Parts dahinsäuselte. Oh ja, die beiden sind ein absolutes Traumpaar, aber Torquil Campbell ist, trotz einer im silbernen Glitzerkleid genauso groß aufspielenden Amy Millan, der Stars-Eyecatcher.
Er ist es, der die Bühne-Publikum-Verknüpfung herstellt, indem er das Publikum fixiert, sich einzelne Augenpaare raussucht und sie förmlich ansingt. Er verabreicht den Auftritten die Tropfen Emotionalität, die ein Stars Konzert so besonders machen.
Nicht dass es das nötig gehabt hätte, die Stars sind per se überragend und ihre Songs eine Kategorie für sich.
Ich hatte die alten Sachen lange nicht mehr gehört und freute mich umso mehr über „Take me to the riot“, „One more night“ oder „Ageless beauty“. Mensch, einige dieser Kracher hatte ich in den Jahren völlig vergessen. Zwei meiner absoluten Lieblinge habe ich aber schmerzlich vermisst: „My favourite book“, diesen alten Amy Schmachtfetzen und natürlich „The night starts here“. Nun ja, so ein Konzert kann ja nicht endlos dauern …obwohl, warm eigentlich nicht?!
Im Zugabenblock überboten sie sich dann förmlich. Es war ein grandioses Finale, das die ganze musikalische Vielseitigkeit der Stars hervorbrachte. Erst das duett-eske und tolle „Dead hearts“ vom aktuellen Album „Five Ghosts“, dann das rockige „Ageless beauty“ und abschließend das ruhig schöne „Calender girl“. Sie können das alles. Und meistens sehr gut.

Mehr kann es nicht geben, mehr braucht es nicht. Ein solcher Abend entschädigt sehr für die Müdigkeit am Tag danach. Da nehme ich Augenringe und kleine Augen gerne in Kauf. Der Luxorauftritt hatte mal wieder gezeigt, dass die Kanadier an guten Tagen eine der überragenden Livebands unserer Zeit sind. Gestern war ein solcher guter Tag. Es war ein tolles Konzert, das mir viel Lust auf mehr Stars gemacht hat.
Darüber hinaus denke ich, dass jeder Musikinteressierte in seinem Leben mindestens 10 Stars Konzerte erlebt haben sollte. Das hat diese Band verdient. Genauso wie eine größere Bühne als die des Luxors.

Kontextkonzerte:
Stars – Köln, 11.02.2008
Stars – Köln, 27.09.2007

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."