| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Gloria
Vorband:

Sophie Hunger hat es geschafft. Nach drei Auftritten in Köln in den letzten 18 Monaten hat sie sich eine tolle, feine Fangemeinschaft, die nun ihr drittes Konzert in Folge ausverkaufte. Erst nahm sie das Gebäude 9, dann die Kulturkirche und jetzt das Gloria.
Die Kurve zeigt also nach oben. Zum heutigen Auftritt hat sich die Band leicht verändern müssen. Einen anderen Bassisten entdeckte ich auf der Bühne. Die Erklärung folgte im Laufe des Abends. Anstatt des „Standard“Bassisten ist Andrea Schnellmann mit dabei. Der Luzerner ersetzt den in Vaterschaftsurlaub weilenden Simon Gerber. „Das gibt es in der Schweiz nur bei uns“, erzählte eine sichtlich gut aufgelegte Sophie Hunger. Köln und Sophie, das passt, diese Liebe wird wohl nie zu Ende gehen.

Nach einem sonnigen, faulen Tag fühlte ich mich etwas träge. Und heute Abend schon wieder auf ein Konzerte, dachte ich nachmittags, als kurze zeit später die Mobilfunkwellen eine sms auf mein Telefon funkten. Meine Konzertbegleitung sagte mir ab, und nahm mir somit die allerletzte Motivation, mich sehr zeitig auf den Weg zu machen. So war ich spät wie lange nicht mehr. Aber noch allemal pünktlich zu Sophie.
Als ich gemächlich im Gloria ankam, war es natürlich schon voll. Bühnennähe war heute also nicht drin, und so war mein Platz im hinteren Drittel des Saals.. Warum nicht auch mal wieder ein Konzert aus dieser Perspektive anschauen? So wie früher, als ich mir gerne die Vorbands klemmte und regelmäßig erst kurz vor beginn des Hauptprogramms in den Konzertraum schlich.
Sophie Hunger begann so, wie sie in der Kulturkirche aufgehört hatte. Alleine, ohne Begleitung sang sie ein Lied. Schon als sie die Bühne betrat, begleitete sie tosender (und das ist nicht übertreiben!) Applaus. Der wollte gar nicht enden, und so stand sie sekundenlang etwas verlorene im Scheinwerferlicht und wusste nicht so recht, anzufangen oder noch zu warten. Das Lied kannte ich nicht, es war aber auf schweizerdeutsch. Da ich ihr neues Album „1983“ noch nicht kenne, weiß ich gar nicht., ob es ein von ihr geschriebenes Lied ist oder ein altes, jedem bekanntes Volkslied.
Ist auch egal.
Was mir nach dem zweiten Song, die Band war mittlerweile auch auf der Bühne, auffiel: Ein Sophie Hunger Konzert war noch nie so laut. Was natürlich den neuen Songs zuzuschreiben ist, die durchgängig kraftvoller und zügiger daherkommen als die Monday’S Ghost Ära. (Also live auf alle Fälle). Mir scheint, dass sich Sophies Musik weiterentwickelt hat, gewachsen ist. Aber im Konzert tauchen auch noch die leisen, klavierhaftenden Momente auf. „Walzer für Niemand“ darf nicht fehlen und wird im ersten Zugabeblock gespielt. In diesen Augenblicken ist es auch hier hinten im Gloria mucksmäuschenstill. Nur die Eisstücke in den Getränken klappern leise.
Es ist ein sehr respektvoller Rahmen, der den Musikern zuteil wird.
„Ich liebe dich“ ruft jemand irgendwann in einer Songpause. „Ich auch!“ ein zweiter. Sophie ist kurz sprachlos. Nach einigen Sekunden sagt sie: „das ist nicht gut für den Charakter.“ Ab diesem Augenblick gibt es keine längeren Songpausen mehr. Zufall oder nicht. Ich bin fast soweit zu sagen, kein Zufall.
Es war mal wieder ein toller Abend. Und die neue CD kaufe ich mir auch, sobald sie im Saturn nicht mehr 17.99 Euro kostet

Kontextkonzerte:
Sophie Hunger – Köln, 29.09.2009

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."